Delschad Numan Khorschid (* 1983) ist ein im Irak geborener und in Deutschland lebender und arbeitender Schauspieler, Autor, Bildender Künstler, Maler, Fotograf und Filmemacher.
Leben und künstlerische Karriere mini|Delschad Numan Khorschid (2025). Foto: Nicolai Kästner, Museum Fünf Kontinente Delschad Numan Khorschid ist KurdeFür immer auf der Flucht In: Bayerischer Rundfunk, 3. Juli 2026. und im kurdischen Teil des Nordirak aufgewachsen. Er ist Überlebender der genozidalen Maßnahmen ("Anfal-Operation") des irakischen Baath-Regimes unter Saddam Hussein gegen die kurdische Bevölkerung und andere Minderheiten im Nordirak, bei der Khorschid einen großen Teil seiner Familie verloren hat. Er verließ im Alter von 17 Jahren seine ursprüngliche Heimat, wo er seine Mutter und seine überlebenden Geschwister zurücklassen musste. Nach eineinhalb Jahren Flucht gelangte er nach München und baute sich in seiner neuen Heimat Deutschland eine Zukunft auf.
Er absolvierte von 2012 bis 2016 sein Studium an der Berliner Schule für Schauspiel, Film und Theater. Anschließend sammelte er Bühnenerfahrung am Mittelsächsischen Theater Freiberg. Seit der Spielzeit 2019/2020 ist er festes Ensemblemitglied am Residenztheater München.
In seiner Lyrik und seiner Prosa setzt sich Delschad Numan Khorschid mit seiner Flucht aus dem Irak und den Folgen des Krieges auseinander. Das Ankommen und sein Leben in Deutschland, seine Sicht auf die Welt und auf jene Orte, die er mit seiner Vergangenheit und Gegenwart verbindet, stehen im Fokus seiner Texte. 2018 entstanden bei seiner Reise in den Irak Fotografien, die die dortige Landschaft und seinen Herkunftsort, die durch Krieg zerstört wurden, dokumentieren. Sein Buchprojekt »Nirgendwo ist mein Zuhause« wurde 2024 mit der Verlagsprämie des Freistaats Bayern für ein herausragendes Publikationsvorhaben ausgezeichnet.
2025 erhielt Delschad Numan Khorschid den Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte „Literatur“. Die Jury würdigte dabei Khorschids künstlerisches Schaffen als Erzähler, Lyriker und Fotograf als "ein zutiefst bewegendes Zeugnis menschlicher Widerstandskraft, .....eine künstlerisch eindrucksvolle Verarbeitung der eigenen Lebensgeschichte – und zugleich eine berührende Verdichtung kollektiver Fluchterfahrungen."
Die Ausstellung "Zehn Leben" Ein Meilenstein für die Anerkennung und Wahrnehmung von Delschad Numan Khorschid als vielfältig schaffender Künstler ist die Ausstellung „Zehn Leben“ (2026) in der Villa Stuck in München. Im Mittelpunkt stehen Flucht, Trauma und Sehnsucht. Vor dem Hintergrund gegenwärtiger politischer Debatten, in denen Migration allzu häufig auf Zahlen, Kontingente und gegensätzliche Forderungen nach Zurückweisung und Begrenzung einerseits oder bedingungsloser Aufnahme andererseits reduziert wird, eröffnet die Ausstellung einen Raum für Empathie, Verständnis und Menschlichkeit.
Migration ist zunehmend Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Der Blick auf die Menschen, die von ihr unmittelbar betroffen sind, gerät dabei oft in den Hintergrund. Die besondere Stärke der Ausstellung liegt in der Verbindung der Arbeiten von Jan-Hendrik Pelz und Delschad Numan Khorschid. Pelz widmet sich als sensibler Chronist den dunklen Kapiteln europäischer Migrationspolitik. Khorschid erzählt hingegen als Flüchtling und Überlebender aus einer zutiefst persönlichen Perspektive von seinen Erfahrungen – bewegend, eindringlich und bisweilen verstörend. In drei Räumen verwebt die Ausstellung die künstlerischen Positionen beider Künstler. mini|„Bleistift/Pencil“ (2026) von Delschad Numan Khorschid in der Ausstellung „Zehn Leben“ Delschad Numan Khorschid zeigt ein Konvolut aus Prosa- und Lyriktexten, von denen ein großer Teil eigens für die Ausstellung entstanden ist. Ergänzt werden diese durch Gemälde, Fotografien, eine Videoarbeit, Objekte aus seiner Kindheit sowie im Zentrum des Werkkomplexes die eindrucksvolle Skulptur Bleistift („Pencil)“. Dieser mit einem rostigen Stacheldraht umwundene überdimensionale Stift bezieht sich ganz persönlich zunächst auf den Künstler selbst, da ihm dieses Werkzeug in seiner Kindheit im Irak verwehrt geblieben ist und so für ihn zu einem Symbol für Bildung, Sprache und die eigene Stimme geworden ist. Dadurch verweist das Werk aber auch ganz grundsätzlich auf das Thema Bildung als ein Gut, das in vielen Teilen der Welt nur schwer zugänglich ist oder Menschen durch politische und gesellschaftliche Machtverhältnisse bewusst vorenthalten wird. Bildung wird ersehnt, bleibt jedoch verwehrt.
Die Verbindung visueller und schriftlicher Ebenen eröffnet einen unmittelbaren, erschütternden Einblick in die schmerzhaften Erfahrungen seiner mehr als zwei Jahre währenden Flucht vom Irak nach Deutschland.
Theater (als Schauspieler)
Mittelsächsisches Theater Freiberg
2016: Neun Blaue Nächte (als Er). Von Matéi Visniec. Inszenierung: Ekkehardt Emig
Theater unterm Dach Berlin
2018: Jason und Medea - Oder was ist Heimat (als Jason). Text und Inszenierung: Karin Mikityla
Residenztheater München 2019: Kassandra/Prometheus. Recht auf Welt (als Chor / Lehrstück / Okeaniden), Von Kevin Rittberger. Inszenierung: Peter Kastenmüller 2020: M-Eine Stadt sucht einen Mörder (1/2/3) - 1: Wer hat Angst vor was eigentlich? - 2: Wem nutzt welcher Schrecken? - 3: Hässliche Furcht oder schönste Gegenwehr? (als der Experte). Eine Konzertinstallation von Schorsch Kamerun nach Fritz Lang und Thea von Harbou. Inszenierung: Schorsch Kamerun (In Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk und der Münchener Biennale) 2021: Unsere Zeit (als Hawal). Von Simon Stone nach Motiven von Ödön von Horváth (Uraufführung/Auftragswerk). Inszenierung: Simon Stone 2021: Resi liest - Die Sommer. Aus dem Debütroman von Ronya Othmann 2021: Die Träume der Abwesenden (als Kluiters, Klempner). Von Judith Herzberg. Inszenierung: Stephan Kimmig 2021: Urteile (Revisited) – Nach dem Prozess. Von Christine Umpfenbach und Azar Mortazavi. Inszenierung: Christine Umpfenbach 2022: Spiel des Lebens – Die Kareno-Trilogie: «An des Reiches Pforten» – «Spiel des Lebens» – «Abendröte» (als Rejersen, Otermanns Assistent). Nach Knut Hamsun. Inszenierung: Stephan Kimmig 2022: Warten auf Platonow (als Rechter Daumen). Nach Anton Pawlowitsch Tschechow. Inszenierung: Thom Luz 2022: Der Entrepreneur (div. Rollen). Von Kevin Rittberger (Uraufführung/Auftragswerk). Inszenierung: Nora Schlocker 2023:Reineke Fuchs (als Braun, der Bär). Von Johann Wolfgang von Goethe. Inszenierung: Schorsch Kamerun 2023: Jetzt oder Nie – Ein Liederabend von Florian Paul und Max Rothbart 2024: Pygmalion (als Doolittle). Nach George Bernard Shaw. Inszenierung: Amir Reza Koohestani und Mahin Sadri 2024: Die Ärztin (als Brian Cyprian). Von Robert Icke sehr frei nach «Professor Bernhardi» von Arthur Schnitzler. Inszenierung: Miloš Lolić 2024: Ein Sommernachtstraum (als Franz Schnauz). Nach William Shakespeare. Inszenierung: Stephan Kimmig 2025: Romeo und Julia (als Prinz von Verona). Von William Shakespeare. Inszenierung: Elsa-Sophie Jach 2025: Pippi Langstrumpf (als Kling/Donner-Karlsson/Kapitän Langstrumpf). Von Astrid Lindgren für die Bühne bearbeitet von Christian Schönfelder. Inszenierung: Daniela Kranz 2026: Automatenbüfett (als Apotheker Hüslein). Von Anna Gmeyner. Inszenierung: Elsa-Sophie Jach
Theater (als Autor)
Residenztheater München
2026: Ich. Und das, was Ihr daraus macht - Ein Protokoll von Delschad Numan Khorschid (Marstalltheater)
Filmografie (Auswahl)
2017: Alle in einem Boot (als Gebrael). Regie:Tobias Stille 2023 Polizeiruf 110 - Paranoia (als Pfleger Fahad). Regie: Tobias Ineichen
Hörspiele und Podcasts (Auswahl) 2018: Agnieszka Lessmann: Einstiegskurs (Jassir) – Regie: Felicitas Ott (Original-Hörspiel – SWR) 2020: Schorsch Kamerun: M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Wer hat Angst vor was eigentlich?). Nach dem Film M – Eine Stadt sucht einen Mörder – Komposition und Regie: Schorsch Kamerun (Hörspielbearbeitung – BR) 2025: Delschad Numan Khorschid: Nirgendwo ist mein Zuhause. (Bayern 2 - Buchgefühl - reden und lesen) 2025: #23 Wie spielst du das, Delschad Numan Khorschid? - Der Resi Podcast.- Im Gespräch: Andreas Beck und Delschad Numan Khorschid 2025: Flucht und Exil - Als Migrant im deutschen Stadttheatersystem - Deutschlandfunk Kultur - Der Theaterpodcast 2025: "Je tiefer der See, desto schöner das Schwimmen" - Nachtkritik - Theaterpodcast (81) – Theatermachen im Exil 2025: Die geniale Stelle: Delschad Numan Khorschid über Brechts „Radioapparat“ - Deutschlandfunk Kultur, 26. Juli 2025 2025: Delschad Numan Khorschid - Das Theater als Ort der Freiheit (Im Gespräch - Deutschlandfunk Kultur, 29. Juli 2025) 2026: Delschad Numan Khorschid, Schauspieler und Autor, "Ich erhole mich, indem ich schreibe." (Interview mit Thorsten Otto). Sendung Blaue Couch vom 19. März 2026 - Bayern 1 (Bayerischer Rundfunk)
Ausstellungen (Auswahl)
2023: Kunstverein Aalen (Fotoausstellung) 2023: Glockenbachwerkstadt München (Fotoausstellung) 2023: Bellevue di Monaco München (Fotoausstellung) 2024: ART ALARM Stuttgart - Uno Art Space - Galerie Ute Noll (Fotoausstellung) 2026: Museum Villa Stuck München: Zehn Leben - Delschad Numan Khorschid und Jan-Hendrik Pelz. Kuratiert von Anne Marr
Performances und Lesungen (Auswahl)
2025: Nirgendwo ist mein Zuhause (München, Museum Fünf Kontinente). Im Rahmen der Internationalen Tage gegen Rassismus 2025 2025: Im Grenzland (München, Marstall-Salon im Marstalltheater). Im Rahmen des WELT/BÜHNE-Festivals 2025 2025: Nirgendwo ist mein Zuhause (Exilmuseum Berlin) 2026: Über Flucht und Ankommen schreiben - Tete Loeper und Delschad Numan Khorschid im Gespräch mit Shelly Kupferberg (Leipziger Buchmesse) 2026: Nirgendwo ist mein Zuhause - Krieg, Flucht und Poesie – Lesung und Gespräch mit Delschad Numan Khorschid (Leipziger Buchmesse) 2026: Stimmen des Exils - Lesungen mit Alhierd Bacharevič, Delschad Numan Khorschid, Volha Hapeyeva, Ali Abdollahi, Mariam Meetra, Kateryna Mishchenko, Taqi Akhlaqi und Widad Nabi. Festival des kritischen Geistes – 50 Jahre Biermann-Ausbürgerung (Berlin-Kino International
Publikationen
2025: Nirgendwo ist mein Zuhause (Schillo-Verlag, München) 2025: Das Unsagbare aussprechen (LiteraturSeiten München, Juni 2025: Seite 2)
Ehrungen und Auszeichnungen
2025: Bayerischer Kunstförderpreis in der Sparte „Literatur“
Interviews
2026: 77 Hasskommentare in einer Stunde (Interviewerin: Yvonne Poppek). in: Süddeutsche Zeitung Nr. 130 (2026) vom 10. Juni 2026: S. R9
Literatur
2025: Silvia Stammen: Kunst zum Leben - Porträt von Delschad Numan Khorschid. in: Theater heute (Dezember 2025): S. 40–43 2025: Yvonne Poppek: Ich wusste: Wenn ich bleibe, sterbe ich. in: Süddeutsche Zeitung Nr. 297 (27./ 28. Dezember 2025): S. R14 2026: Spannende Begegnungen - Die Schauspielerin Katja Jung. in: Süddeutsche Zeitung Nr. 128 (2026) vom 8. Juni 2026: S. R10
Weblinks
Einzelnachweise
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