mini|Blick auf Bugojno (1996)

Die Stadt Bugojno () ist eine von zwölf Gemeinden des Kantons Zentralbosnien in Bosnien und Herzegowina. In der Gemeinde leben heute knapp 35.000 Einwohner, davon 20.000 in der eigentlichen Stadt. Damit ist Bugojno nach Travnik die bevölkerungsreichste Stadt des Kantons Zentralbosnien. Bugojno liegt 130 km nordwestlich von Sarajevo und in etwa 100 km Entfernung zur Adria.Općina Bugojno: Osnovne informacije

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Bugojno befindet sich im südwestlichen Teil von Bosnien und Herzegowina. Die Stadt selbst befindet sich im Tal „Skopaljska dolina“. Dieses Tal befindet sich auf ca. 570 m ü. NN und nimmt eine Fläche von 361 Quadratkilometern ein. Die Stadt Bugojno ist umgeben von den Bergen Kalin (1530 m), Rudina (1385 m), Stozer (1662 m) und weiteren kleineren. Der Fluss Vrbas fließt durch die Stadt und wird durch zahlreiche Zuflüsse ergänzt.

Nachbargemeinden Die Gemeinde Bugojno grenzt an Gornji Vakuf, Kupres, Donji Vakuf und Travnik. Hauptsächlich sind die Grenzen zwischen den Gemeinden natürlichen Ursprungs.

Ortsteile Alibegovići, Barbarići, Bašići, Bevrnjići, Bode, Brda, Bristovi, Brižina, Bugojno, Ceribašići, Crniče, Čardaci, Čaušlije, Čurići, Čavići, Cojluk, Djelme, Dojnici, Donji Boganovci, Drvetine, Fakici, Gaj, Garačići, Glavice, Golo Brdo, Gornji Boganovci, Goruša, Gračanica, Gredine, Grgići, Hadžialić Ograda, Hapstići, Harambašići, Hum, Humac, Ivica, Jagodići, Jazvenik, Jela, Jovanovici, Kadirovina, Kajici, Kandija, Karadže, Karavlasi, Kasale, Kopčić, Kordići, Koš, Kotezi, Kula, Kutlići, Lenđerovina, Lug, Ljubnić, Martici, Maslići, Medini, Mijatovici, Milanovići, Mračaj, Nuhići, Odžak, Okolište, Pavic Polje, Pavice, Pirići, Planinica, Podripci, Poriče, Potočani, Prijaci, Rosulje, Rovna, Sabljari, Seferovići, Servani, Skrte, Stojici, Stolac, Šići, Udurlije, Vedro Polje, Vesela, Vileši, Vrbanja, Vrpeć, Vrucanji, Vučipolje, Zanesovići, Zlavast, Zlokuće, Ždralovići, Zuleva Ulica und Zurovina.

Klima Im kontinentalen Teil von Bosnien und Herzegowina ist das Klima dem von Zentraleuropa ähnlich: warme Sommer, kühle Frühling- und Herbstzeiten und kalte Winter mit viel Schnee. Mediterranes und kontinentales Klima treffen in Zentralbosnien zusammen und bilden dadurch ein vielfältiges Ökosystem. Die Gebirge haben ihr eigenes Klima. Das Bergklima kommt ab 1700 m ü. d. M. auf der Berglandschaft der hohen Dinariden zum Vorschein. Es ist durch harte Winter, die länger als sechs Monate dauern, mit Temperaturen bedeutend unter 0 Grad gekennzeichnet.

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung Bevölkerung in der Gemeinde Bugojno laut Volkszählung 1991: Gesamt 1991: 46.889

Bosniaken: 19.697 (42,0 %) Kroaten: 16.031 (34,2 %) Serben: 8.673 (18,5 %) Andere: 2.488 (5,3 %)

Geschichte

Antike Bereits zur Zeit der Römer war das heutige Bugojno ein wichtiger Knotenpunkt im römischen Straßennetz von Dalmatien und der heutigen Herzegowina nach Zentralbosnien und Pannonien. Archäologische Funde weisen auf menschliche Aktivitäten ab der Bronze- und Eisenzeit hin. In dieser Gegend siedelte der illyrische Stamm der Sardeaten. Im 6. Jahrhundert drangen Awaren und Kelten in das Gebiet ein. Ebenfalls existierte zur spätrömischen Zeit die befestigte Anlage Ad Matricem, in der sich die Verwaltung der Goldbergwerke Dalmatiens befand. Sie wird in der Tabula Peutingeriana, auch Peutingersche Tafel, erwähnt.

Mittelalter mini|Stećci auf dem Bergpass Rostovo Die Skopaljska dolina wird in der Urkunde vom ungarischen König Béla IV. 1244 erwähnt. Im mittelalterlichen unabhängigen Bosnien steht das gesamte Gebiet unter der Regentschaft der bosnischen Könige. Davon zeugen noch heute die Grabsteine Stećci der Bogomilen auf dem Bergpass Rostovo sowie vor dem ehemaligen Hotel Kalin und mehreren Ortschaften in der Umgebung.

Ab dem 15. Jhd. werden auch die Franziskaner in Bugojno bezeugt. In der Ortschaft Vesela stand jahrhundertelang ein kleines Kloster des Franziskanerordens.

Mit der Eroberung Bosniens durch die Osmanen im Jahr 1463 wird die Region dem Sandschak Klis unterstellt. Von der osmanischen Herrschaft zeugt heute noch die 1693 erbaute Sultan-Ahmed Moschee im Zentrum der Stadt. Diese Moschee gehört zu den ältesten Moscheen in Bosnien und Herzegowina.

Neuzeit bis Gegenwart Österreich-Ungarn Mit der Okkupation von Bosnien und Herzegowina durch Österreich-Ungarn 1878 und der Annexion 1908 wird in Bugojno eine neue Verwaltungseinheit für die gesamte Region errichtet. Vom Regierungs- bis hin zum Bildungssystem wurden zahlreiche Neuerungen eingeführt. Für den langsam steigenden wirtschaftlichen Aufschwung sorgte die erste Eisenbahnlinie Lašva-Bugojno. Diese sollte eine leichtere Beförderung der Kohle aus den umliegenden Bergwerken ermöglichen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges findet sich die Stadt im SHS-Staat, dem späteren Königreich Jugoslawien wieder.

Sozialistisches Jugoslawien Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt Bugojno den wirtschaftlichen Aufschwung und steigt als wirtschaftliches, kulturelles und politisches Zentrum der Region auf. Diese Region mit den Städten Bugojno, Gornji Vakuf-Uskoplje und Donji Vakuf hatte in den 1960er Jahren ca. 100.000 Einwohner. Den wirtschaftlichen Aufschwung brachten neue Industriezweige (Metallverarbeitung, Elektronik, Lederverarbeitung, Textilindustrie usw.) und den Tourismus.

Bugojno ist neben der starken Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der innenpolitischen Szene des sozialistischen Jugoslawiens besonders im Jahr 1972 aufgefallen. Nach der Niederschlagung des „Kroatischen Frühlings“ 1971 durch die Regierung, drangen im Juli 1972 eine Gruppe von im Exil lebende kroatische Terroristen nach Jugoslawien ein mit dem Ziel, in der Gegend von Bugojno einen Volksaufstand zu entfachen. Sieben der 19 Terroristen hatten zuvor in der Bundesrepublik Deutschland gelebt, die meisten von ihnen waren Angehörige der Hrvatsko revolucionarno bratstvo.Verfassungsschutzbericht, Jg. 1975, S. 133.

1990er Jahre Mit dem Kriegsausbruch in Slowenien und Kroatien 1991 wurde die Situation auch in Bosnien und Herzegowina immer kritischer. Im Mai 1992 nahm die Jugoslawische Volksarmee die Stadt unter Artilleriebeschuss; Bosniaken und bosnische Kroaten schlossen sich zur Verteidigung der Stadt zusammen. Kurz nach dem Angriff der JNA kam es auch zum Ausbruch des kroatisch-bosniakischen Krieges im Mai 1992. Dieser wird auch als „Krieg im Krieg“ bezeichnet, da beide Seiten davor ein gemeinsames Verteidigungsabkommen hatten. Die Stadt stand von Mai 1992 bis Juli 1993 unter kroatischem Beschuss. Im Juli 1993 fielen Soldaten und Einheiten des HVO in Bugojno ein und verübten an der muslimischen Bevölkerung des Stadtteils Vrbanja ein Massaker.ZLOÈINI HVO-a POÈINJENI U JULU 1993. GODINE – Bosnjaci.Net An dieses Verbrechen erinnert jedes Jahr am 17. Juli ein Gedenkgottesdienst im selbigen Stadtteil. Nach der Befreiungsoffensive nahmen bosnisch-herzegowinische Regierungstruppen mehrere kroatische Soldaten und bewaffnete Zivilisten fest. Man brachte die gefangenen Kroaten in neun Gefangenenlager, die meisten wurden im Sportstadion der Stadt gefoltert und getötet. Außerdem wurde ein Großteil der hinterbliebenen kroatischen Zivilbevölkerung von Anhängern der ABiH getötet. Balkan Investigative Reporting Network, 6. Juni 2008.hic.hr:

Im Bosnienkrieg verließen viele bosnische Kroaten und Serben die überwiegend von Muslimen bewohnte Stadt. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage, sowie schlechter Bildungsmöglichkeiten in der Region sind viele der Flüchtlinge, die außerhalb von Bosnien und Herzegowina Zuflucht gefunden haben, bis heute nicht zurückgekehrt. Ein Großteil der bosnischen Kroaten, die aus Bugojno noch im Frühjahr 1992 geflüchtet sind, leben in Kroatien, Österreich, Deutschland oder Schweiz. Die Spuren des Kriegs sind noch allgegenwärtig. Das nie fertiggebaute Krankenhaus steht als Gerippe auf einem kleinen Hügel über der Stadt.

Nach dem Abkommen von Dayton 1995 wurde eine Industrieanlage in Bugojno als zentrale Hubschrauberbasis der SFOR umfunktioniert. Aufgrund der sich stetig verbessernden inneren Stabilität in Bosnien und Herzegowina, und besonders in der Föderation, wurde die SFOR-Basis nach Banja Luka verlegt, welches zur Republika Srpska zählt.

Wirtschaft

Wirtschaftliche Entwicklung bis 1991 Im sozialistischen Jugoslawien stieg Bugojno zu einer florierenden Stadt auf. Neue Industriezweige entstanden in der gesamten Gegend. Betriebe für Metallverarbeitung und Elektronik wurden angesiedelt. Die PROIZVODNJA KOŽNE OBUĆE DD, eine noch heute aktive Lederfabrik, wurde in Betrieb genommen. Im Stadtteil Vrbanja wurde die Getreidemühle MLINEX DOO und ist heute noch in Betrieb. Die „Stolarija“, ein Holzverarbeitungsbetrieb, wuchs aufgrund der reichen Wälder zu einem Großbetrieb heran. Die traditionellen Wirtschaftszweige (Land- und Forstwirtschaft) spielten weiterhin eine wichtige Rolle. Mit dem Tourismus wurde auch ein großer Freizeitbereich in den Bergen geschaffen. Der jugoslawische Waffenhersteller RODIĆ DD verfügte in Bugojno über eine große Produktionsanlage und war einer der größten Arbeitgeber der Region. Die gesellschaftlichen Standards lagen für Bosnien und Herzegowina und auch Jugoslawien über dem Durchschnitt. Weitere Unternehmen waren der Sprengstoffhersteller BINAS DD und der Speditionsbetrieb ŠPEDICIJA ATP DD, die zur Zeit Jugoslawiens in Bugojno gegründet wurden.

Wirtschaftliche Entwicklung nach 1995 Heute hat Bugojno neben der Lederfabrik und der Getreidemühle keine großen Industriebetriebe aus der jugoslawischen Ära mehr. Die ehemaligen Staatsbetriebe sind fast alle nach der Privatisierungswelle, um die Jahrtausendwende, geschlossen worden. Selbst die zwei noch verbliebenen Unternehmen sind weit unter dem Produktionsstand von 1991. Durch fehlende Investitionen und schlechtes Management sind die Anlagen veraltet und erfüllen nicht die europäischen Standards, um den Konkurrenzkampf regional sowie international aufzunehmen. Stattdessen sind anstelle der Großbetriebe viele Klein- und Mittelbetriebe getreten.

Bugojno stellt, 20 Jahre nach der Auflösung Jugoslawiens, eine große Anhäufung gewerblicher Zweige dar. Die Stadt dient als Agglomeration für verschiedene Möbel- und Textilwarenhäuser wie z. B. „Kašmir“ oder „Ideal“. Neben dem Grünen Markt und dem Viehmarkt sorgen die zahlreichen kleinen Einzelhandelsgeschäfte, so wie auch der Trödelmarkt buvljak jeden Freitag für ein belebtes Stadtklima. Seit der Jahrtausendwende spiegelt sich in Bugojno der Trend zu großen Einkaufszentren ab. Entlang der Transitstraße wurden mehrere dieser Zentren errichtet. Derzeit befindet sich die Großhandelskette „Interex d.o.o.“ in einem dieser Objekte sowie verschiedene heimische Großhandelsmärkte für Lebensmittel, Elektronik und Textilhandel.

Seit 2008 hat die föderative Regierung mehrere Bodenproben in der Region entnommen. So konnte in der Ortschaft Kotezi ein größeres Vorkommen an Steinkohle gefunden werden. Nun laufen Vorbereitungen für den Untertag-abbau sowie Pläne für ein Wärmekraftwerk in der Region.

Seit Oktober 2010 scheint die Region auch wieder attraktiv für ausländische Investitionen im Bereich der Metallverarbeitung interessant geworden zu sein. Das slowenische Unternehmen MLM (Metallverarbeiter Mariborska livarna Maribor) aus Maribor hat in Bugojno das Tochterunternehmen MLM Alutec eröffnet.MLM eröffnet Werk in Bugojno

Tourismus

Sommertourismus mini|Rostovo – Bergpass zwischen Bugojno und Travnik