Zielonka Pasłęcka () ist ein Dorf im Powiat Elbląski (Kreis Elbing) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren und gehört zur Gmina Pasłęk (Stadt-und-Land-Gemeinde Preußisch Holland). mini|Dorfstraße in Grünhagen, auf einer Bildpostkarte von etwa 1930
Geographische Lage Das Dorf liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 28 Kilometer südöstlich von Elbląg (Elbing) und acht Kilometer südsüdöstlich der Stadt Pasłęk (Preußisch Holland).
Geschichte Ortsgeschichte mini|Frühere Windmühle des Dorfs (Aufnahme ca. 1920) Ältere Schreibweisen des Ortsnamens sind Grünhain und Grünhan. Das alte Kirchdorf erhielt im Jahr 1483 eine Handfeste.Dietrich Lange: Grünhagen, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) 1448 taucht der Ortsname im Zinsbuch der Komturei Elbing auf.
Wann die erste Dorfkirche erbaut wurde, ist unbekannt; sie soll seit mindestens 1542 bestanden haben.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 138–139 (Google Books). 1650 bis 1695 war Grünhagen im Besitz des Generalfeldmarschalls Georg von Derfflinger. 1785 wies das königliche und köllmische Bauerndorf 58 Feuerstellen auf. Im Jahre 1820 waren es bereits 70 Feuerstellen bei 500 Einwohnern.
Am 28. Mai 1874 wurde Grünhagen Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im ostpreußischen Kreis Preußisch Holland innerhalb des Regierungsbezirks Königsberg.Rolf Jehke: Amtsbezirk Grünhagen Ihm waren sechs Orte zugeordnet.
Im Jahr 1945 gehörte Grünhagen zum Kreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Grünhagen am 23. Januar 1945 von der Roten Armee eingenommen. In der Nacht zuvor ereignete sich auf dem Bahnhof von Grünhagen ein schweres Eisenbahnunglück, als ein mit Flüchtlingen überfüllten Personenzug auf einen haltenden Lazarettzug auffuhr.Heinz Timmreck, Tomasz Gliniecki: Missglückte Flucht Januar 1945 – Die Zugkatastrophe bei Grünhagen im Januar 1945 als Beispiel der Unterschiede in den nationalen Gedächtnissen, Norderstedt 2018, zweite Auflage (Google Books, eingeschränkte Vorschau) Auf die danach im Bahnhof auf einen Ersatzzug wartende Menschenmenge eröffneten die inzwischen eingetroffenen sowjetischen Panzer das Feuer.Informationszentrum Ostpreußen: Zielonka Pasłęcka – Grünhagen
Bald darauf wurde Grünhagen zusammen mit der gesamten südlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Seit Juli 1945 wurden Polen angesiedelt. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben. Grünhagen erhielt die polnische Namensform „Zielonka Pasłęcka“ und ist heute eine Ortschaft im Verbund der Stadt-und-Land-Gemeinde Pasłęk (Preußisch Holland)im Powiat Elbląski (Kreis Elbing), von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Elbląg, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2021 zählte Zielonka Pasłęcka 566 Einwohner.
Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – königliches und kölmisches Dorf und Krug mit 58 Feuerstellen (Haushaltungen) und einer lutherischen Kirche, mater von SamrodtJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 60 (Google Books). 1816 500 königliches BauerndorfAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 91, Ziffer 3275 (Google Books). 1852 723 DorfTopographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 207 (Google Books). 1858 766 davon 761 Evangelische, zwei Katholiken und drei Juden; auf einer Fläche von 4575 Morgen, in 90 WohngebäudenAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 117, Ziffer 67 (Google Books). 1864 909 am 3. DezemberDie Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Preußisches Finanzministerium, Berlin 1966, S. 10–17, Ziffer 52 (Google Books). 1867 877 am 3. Dezember, Kirchdorf 1871 955 am 1. Dezember, davon 941 Evangelische, sieben Katholiken und sieben Juden; in 102 WohngebäudenDie Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Königliches Statistisches Bureau, Berlin 1874, S. 174–175, Ziffer 32 (Google Books). 1885 1040 am 1. Dezember, davon 1026 Evangelische, acht Katholiken und sechs JudenKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888, S. 196–197, Ziffer 30 (Google Books). 1910 882 am 1. DezemberGrünhagen, Dorf, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Grünhagen (meyersgaz.org) 1933 798 1939 756
Amtsbezirk Grünhagen (1874–1945) Zum Amtsbezirk Grünhagen gehörten zunächst sechs Dörfer. Aufgrund struktureller Maßnahmen waren es am Ende noch drei:
Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen Bürgerhöfen Zduny Grünhagen Zielonka Pasłęcka Köllming Kielminek 1937 nach Grünhagen eingemeindet Krönaubis 1897: Alt Krönau Kronin Neu Krönau (Quittainen) 1883 nach Alt Krönau eingegliedert Taulen Tulno 1928 nach Krönau eingemeindet
Religion Kirchengebäude Das heutige Kirchengebäude stammt aus dem Jahre 1792. Eine Vorgängerkirche soll bereits 1542 bestanden haben, vielleicht schon früher, worauf das Datum des Jahres 1506 auf der größten Glocke hinweist. Die frühere Kirche war 1577 baufällig und sollte 1586 neu gebaut werden. 1726 war das Gebäude wieder hinfällig. 1778 und 1779 wurde der jetzige Turm und ein Viertel der Kirche errichtet, 1792 erfolgte dann der Restbau.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreußischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 73, Abb. 268 1844 erfolgte eine Beseitigung von Orkanschäden des Jahres 1818, 1913 wurde eine erneute Renovierung erforderlich.
Bei der Kirche handelt es sich um einen verputzten Ziegelbau auf rechteckigem Grundriss. Der Kircheninnenraum ist mit einer flachen Decke überdacht, der Altar mit dem Ecce Homo und die Kanzel bildeten ein Ganzes. Das Altarkruzifix wurde 1792 angefertigt. Eine neue Orgel erhielt die Kirche im Jahre 1869.
Die größte Glocke von 1506 trägt die Inschrift: Jesu Christi filii Dei vivi misere nobis. Maria. Anno Dom. MCCCCCVI.Grunau (Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich unser. Maria. Im Jahre des Herrn 1506. Grunau). Die zweite Glocke ist von 1746.
Evangelische Gemeinde Die Kirche wurde als protestantisches Kirchengebäude erstellt. Pfarrer werden seit 1546 genannt. Bis 1945 war die Kirche Gotteshaus der evangelischen Gemeinde im Kirchspiel Grünhagen. Bis 1690 war Quittainen (polnisch Kwitajny) Filialgemeinde. So war auch das Patronat an die Familien- und Armutsstiftung Quittainen (Graf von Dönhoff-Sandau) übertragen.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 471 Im Jahre 1925 zählte das Kirchspiel Grünhagen 2.470 Gemeindeglieder, die in mehr als 20 Orten lebten. Eingegliedert war die Kirche Grünhagen in den Kirchenkreis (Diözese) Preußisch Holland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzte dem evangelischen Gemeindeleben in Grünhagen ein Ende.
Hier heute lebende evangelische Einwohner gehören zur St.-Georgs-Kirche Pasłęk in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel Grünhagen gehörten bis 1945 die Dörfer:Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 471
Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Awecken Awajki Komthurwald Kudyński Bór Bürgerhöfen Zduny Krönau Kronin Dargau Dargowo Mäken Majki Draulitten Drulity Pergusen Piergozy Grünhagen Zielonka Pasłęcka Pinnau Piniewo Hartwichs Bukowa Solainen Zielno Juden1938–1945 Buchental Czarna Góra Talpitten Talpity Kalthof Rydzówka Taulen Tulno Kanthen Kąty Tompitten Tumpity Köllming Kielminek Vogtshof Wójtowizna Komthurhof Kudyny Weinings Wągniki
Pfarrer An der Grünhagener Kirche amtierten als evangelische Geistliche:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, A. 49
Christian Burchard, bis 1542 Johann Scheibe, ab 1542 Paul Witte, 1554–1561 Thomas Justitior, 1562 Kilian Hostius, 1576–1589 Felix Holstein, 1589–1614 Bartholomäus Rogall, ab 1644 Theodor Kessäus, 1647/1688 Christoph Heinsing, 1683–1706 Michael Altroggen, 1707–1710 Ernst Gottl. Neubeccius, 1710–1712 Samuel Reimann, 1712–1752 Friedrich Hartwich, 1735–1740 Christian David Crüger, 1740–1745 Michael Theodor Nagel, 1745–1749 Friedrich Stürmer, 1759–1754 Johann Carl Gronert, 1755–1761 Christian Tiedmann, 1761–1768 Wilhelm Pisanski, 1768–1782 Samuel Gronski, 1782–1795 Johann Benjamin Riese, 1795–1823 Gustav Heinrich Monbilly, 1824–1859 Carl Heinrich August Tröder, 1860–1887 Johann August Leopold Schliepe, 1887–1920 Robert Griggo, 1922–1945
Römisch-katholische Gemeinde Bis 1945 waren die römisch-katholischen Einwohner Grünhagens nach Prueßisch Holland eingepfarrt. Seit Juli 1945 nun ist die Kirche in Grünhagen ihre Pfarrkirche. Sie wurde baulich den veränderten liturgischen Bräuchen angepasst, so auch mit Bildern und Heiligenfiguren aus Wolhynien, stammten von dort doch auch, speziell aus Rożyszcze, die von dort Vertriebenen. Vorübergehend erhielt das Dorf sogar den Namen Wołyniec.
Aus Wolhynien stammt auch das seit 1987 in der Kirche befindliche Bild des Barmherzigen Jesus von Tarnoruda, das aus Tarnoruda stammt und von den ehemaligen Grenzbewohnern aufbewahrt worden war.
Die Pfarrkirche ist Johannes dem Täufer gewidmet. Die Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Pasłęk II im Bistum Elbląg.Bistum Elbląg: Pfarrei Zielonka Pasłęcka. Pfarrer werden seit 1946 benannt.
Pfarreiorte Zur Pfarrei gehören neben Zielonka Pasłęcka die Dörfer: Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Awajki Awecken Kielminek Köllming Kronin Krönau Majki Mäken Marzewo Mahrau Wójtowizna Vogtshof Wakarowo Wackelsdorf
Pfarrer Pfarrer an der St.-Johannes-der-Täufer-Kirche:
Patenschaft Hardegsen/Grünhagen (Kreisgemeinschaft Preußisch Holland) Seit 1984 pflegt die Stadt Hardegsen im niedersächsischen Landkreis Northeim eine Patenschaft zu den Vertriebenen aus Grünhagen.Informationszentrum Ostpreußen: Grünhagener Platz erinnert an das Dorf Grünhagen im Kreis Pr. Holland Am 24. Juni 2001 wurde in der Kirche mit ehemaligen und jetzigen Bewohnern von Grünhagen resp. Zielonka Pasłęcka eine Gedenktafel eingeweiht, die an die Menschen im Kirchspiel Grünhagen in der Zeit von 1300 bis 1945 erinnert. Im Jahre 2012 wurden in Hardegsen zwei Namenstafeln „Grünhagener Platz“ an einer neu gestalteten Grünfläche enthüllt.
Sehenswürdigkeiten des Ortes Barockkirche St. Johannes der Täufer von 1792 Barocke Golgatha-Kapelle der Passion Jesu Ruine der holländischen Windmühle aus dem Jahre 1883 Architektonisch wertvolle Häuser in Holzrahmenkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert
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