alt=NSDAP-Kreisleiter Meyer-Wendeborn|mini|Meyer-Wendeborn 1935 auf den Stufen des Cloppenburger Realgymnasiums (heute Clemens-August-Gymnasium) Eduard Willi Meyer-Wendeborn (* 24. Juni 1891 in Hamburg; † 18. Oktober 1969NLA OL Rep 450 Akz. 2009/039 Nr. 484. In: Arcinsys Niedersachsen und Bremen. Niedersächsisches Landesarchiv; abgerufen am 17. August 2025 (S. 60, Eintrag 217 aus 1969); der Eintrag zum Todestag findet sich in NLA OL Rep 450 Klrs. CLP Akz. 2009-039 Nr. 345 in Cloppenburg) war ein deutscher Kaufmann, NSDAP-Funktionär und Mitglied der SS. Wendeborn bekleidete ab 1934 die Position des Kreisleiters der NSDAP für den Landkreis Cloppenburg und war während des Zweiten Weltkriegs in verschiedene Funktionen der NSDAP eingebunden. 1946 wurde er im Rahmen des Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher vernommen.
Leben Willi Meyer-Wendeborn wurde am 24. Juni 1891 in Hamburg geboren. Nach seiner Schulzeit erlernte er den Beruf des Kaufmanns. Er nahm ab 1914 am Ersten Weltkrieg teil. In seiner vierjährigen Frontzeit im Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3 erreichte er den Dienstgrad eines Vizewachtmeister. Nach Kriegsende kehrte er nach einer Übergangszeit bei der Reichswehr (mit Unterbrechungen vom 11. Juli bis zum 19. Oktober 1919) ins Zivilleben zurück und arbeitete im kaufmännischen Bereich.Überlieferte Ermittlungsakte Personenheft Willy Meyer-Wendeborn. Bestand des Berliner Landesarchivs, B Rep. 057-01 – Generalstaatsanwaltschaft bei dem Kammergericht – Arbeitsgruppe RSHA; landesarchiv-berlin.findbuch.net abgerufen am 4. Januar 2025. Von 1930 bis 1936 war er Geschäftsführer der Arkenauschen Apfelweinkelterei in Brokstreek. Am 21. März 1920 heiratete er Martha Bewer, später ebenfalls Parteigenossin und in der NS-Frauenschaft. Das Paar hatte zwei Kinder. Wendeborn war evangelischer Konfession. Im Jahr 1938 trat er aus der Kirche aus und zählte fortan zu den Gottgläubigen.Rademacher: Kreisleiter der NSDAP. S. 97. alternativtext=Unterschrift Meyer-Wendeborn im Spruchkammerverfahren Benefeld-Blomewitz 1948|mini|Unterschrift Willi Meyer-Wendeborn (1948) Meyer-Wendeborn war Träger des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse und Leutnant der Reserve der Wehrmacht. Darüber hinaus war er Träger des Hamburger Hanseatenkreuzes, des Ehrenkreuz für Frontkämpfer und des Verwundetenabzeichens in Schwarz. 1942 wurde ihm das Kriegsverdienstkreuz verliehen.Niedersächsisches Landesarchiv Oldenburg, Akten des Cloppenburger Entnazifizierungsverfahren gegen Meyer-Wendeborn, Signatur Rep 980 Best. 351 Nr. 79920, Blatt 25 Er war Mitglied im SS Lebensborn, aber nicht unter den Empfängern des Julleuchters. Bis 1939 hieß er Willi Meyer, erst ab dem 25. März 1939 war es ihm auf seinen Antrag hin gestattet den Nachnamen Meyer-Wendeborn zu führen.
Politische Karriere Meyer-Wendeborn trat der NSDAP zum 1. August 1932 bei (Mitgliedsnummer 1.260.033).Bundesarchiv, R 9361-IX KARTEI/27400354. Der Parteizutritt erfolgte zwar relativ spät, trotzdem galt er innerhalb der NSDAP als Alter Kämpfer. Ein halbes Jahr nach seinem Parteibeitritt wurde er Ortsgruppenleiter in Essen.Rademacher: Kreisleiter der NSDAP. S. 96. Der SS trat Meyer-Wendeborn am 10. Juli 1933 bei (SS-Nummer 214.517), seinen Erinnerungen zufolge anlässlich der Überführung der ländlichen Reitervereine in die Reiter-SS. Bis zum 1. April 1943 war er der 9. Reiterstandarte SS zugeordnet, danach dem Stab des SS-Abschnitts XIV. Zum 30. Januar 1943 war er SS-Obersturmführer.
Ab 1934 war er Kreisleiter der NSDAP für den Landkreis Cloppenburg. Meyer-Wendeborn war für das Amt einerseits geeignet, weil er nicht katholischer Konfession war, andererseits gab es kaum Parteigenossen im Oldenburger Münsterland. Die Leitung der kleinen Ortsgruppe in Essen stellte somit bereits ein qualifizierendes Merkmal dar.Rademacher: Kreisleiter der NSDAP. S. 184. Während seiner Zeit als Kreisleiter nahm er auch kommissarisch die Funktion des Ortsgruppenleiters in Barßel (November 1937) sowie des Kreisleiters in Vechta (März – November 1943) wahr.
Einfluss als Kreisleiter im Landkreis Cloppenburg Im agrarisch-katholisch geprägten Landkreis Cloppenburg mit seiner relativ kleinen Kreisstadt (um 10.000 Einwohner) war der Handlungsspielraum des Kreisleiters erheblich eingeschränkt. Die eigentliche Aufgabe der Kreisleiter war die Überwachung und Optimierung von Parteistrukturen im Kreis, sie verantworteten die lokale Propaganda, überwachten die Bevölkerung und hatten oft erheblichen Einfluss auf kommunale Verwaltungen. Ein Beispiel für den kommunalen und parteiinternen Einfluss Meyer-Wendeborns ist die Absetzung von Leonard Niehaus als NSDAP Ortsgruppenleiter in Cloppenburg und als Bürgermeister von Lohne im Jahr 1942. Bei den durch das Regime veranstalteten Plebisziten wiesen die NSDAP-Kreisleiter in Cloppenburg den Landrat an, als Wahlvorsteher und -beisitzer nur sogenannte Alte Kämpfer zuzulassen und in den Gemeinden die Ortsgruppenführer zu den Wahlvorstehern zu machen.
Meyer-Wendeborn stand in gutem Einvernehmen mit dem Cloppenburger Amtshauptmann MünzebrockRademacher: Kreisleiter der NSDAP. S. 251–253. und versuchte sich als Kreisleiter zu entfalten, stieß insbesondere bei kirchenpolitischen Maßnahmen aber immer wieder auf erheblichen Unwillen der Bevölkerung. Auch nach zwölf Jahren Tätigkeit als Kreisleiter hatte er kaum Zugang zur örtlichen Mentalität gefunden.Rademacher: Kreisleiter der NSDAP. S. 305.
Gemeinsam mit dem nationalsozialistischen Amtshauptmann Münzebrock gelang es ihm jedoch in Stadt und Kreis die Partei- und Jugendorganisationen der NSDAP zu etablieren und den Großteil der Jugendlichen in Cloppenburg zu erfassen.
Nach dem 20. Juli 1944 war Meyer-Wendeborn als Kreisleiter de jure verantwortlich für die Einberufungen zur Wehrmacht. De facto habe sich den Verantwortlichen nach an der Praxis der Einberufung im Landkreis Cloppenburg nichts geändert.
Seine Maßnahmen als Kreisleiter sind teils als moderat, teils als hart einzuschätzen. Im Falle der Absetzung des Gemeindevorstehers Meiners in Garrel sorgte er beispielsweise für die Einsetzung eines Parteimitglieds als Gemeindevorsteher, betonte in Einlassungen aber die gute Amtsführung des bisherigen Amtsinhabers.Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 323–325 Meyer-Wendeborn war maßgeblich an der Etablierung der NSDAP- und Jugendorganisationen in einem stark katholischen, widerständigen Umfeld beteiligt. Neben moderaten Mitteln wie Verwarnungen initiierte er auch repressive Aktionen gegen Geistliche, einschließlich Verhören, Schutzhaft und Versetzungen. Er versuchte den Einfluss der katholischen Kirchen zurückzudrängen, bestrafte ihre Vertreter für geringste Verstöße und griff aktiv in kirchenpolitische Konflikte ein. Außerdem etablierte er parteitreue Personen in Schlüsselpositionen. Dies steht im schroffen Gegensatz zu seinen Aussagen im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Auch seine vermeintliche Unkenntnis zu Verfolgungen und Deportationen ist durch die historische Forschung widerlegt.
Kreistag der NSDAP 1939 in Cloppenburg Drei Jahre nach den Ereignissen des Kreuzkampfes und weiterer Verwerfungen im Oldenburger Münsterland hatte Meyer-Wendeborn die Aufgabe, in Cloppenburg einen Kreisparteitag der NSDAP auszurichten. Die politische Inszenierung vom 13. bis 15. Mai 1939 wurde von der Oldenburger Gauleitung ausdrücklich gelobt. Mithilfe der Cloppenburger SA und dem Reichsarbeitsdienst war es gelungen, die Innenstadt Cloppenburgs ausufernd mit den Symbolen der NSDAP zu versehen, wobei das Museumsdorf als Hintergrund der verschiedenen Veranstaltungen diente. alt=Meyer-Wendeborn meldet Röver|mini|Röver und Meyer-Wendeborn auf dem Kreistag in Cloppenburg Die Eröffnungsrede hielt Meyer-Wendeborn auf dem Quatmannshof. Der Kreisleiter betonte die schwierige politische Lage für die Nationalsozialisten im Landkreis Cloppenburg während der sogenannten Kampfzeit. Darüber hinaus hob Meyer-Wendeborn insbesondere die vermeintliche Verwurzelung des anwesenden Volkes in den Ahnen hervor und betonte vor der historischen Kulisse eine Bedeutung des Blutes der Ahnen.
Bestandteile des von ihm organisierten Kreistages waren neben diesen Reden (es sprachen außerdem Röver, Joel und Münzebrock) Aufmärsche, darunter ein Fackelmarsch, die Ehrung kinderreicher Familien (Mutterkreuz), ein Zapfenstreich, Wettkämpfe und Ehrungen sowie das Gedenken an verstorbene alte Kämpfer und Weltkriegsgefallene.Oldenburger Volkszeitung, 15. Mai 1939.
Maßnahmen gegen Geistliche Meyer-Wendeborn drückte seine Befugnisse jedoch auch mit harten Maßnahmen in der Verfolgung von Geistlichen aus. Pfarrer Wilhelm Bitter aus Lohne wurde aufgrund von Aussagen gegen die NSDAP auf Betreiben von Meyer-Wendeborn inhaftiert und blieb wochenlang in Gestapo-Haft.Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 93–96 In Barßel wurde Pfarrer Joseph Diersen fünf Monate in Schutzhaft genommen, weil er ein Glockenläuten zu Ehren der Wehrmacht unterlassen hatte.Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 128–133 Meyer-Wendeborn betrieb in der Folge seine Versetzung und versuchte so den erfolglosen Ortsgruppenleiter Fokko Diskus zu stärken.Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 124–125 Auch den Geistlichen in Peheim, Gottfried Engels, versuchte der Kreisleiter aus der Gemeinde zu entfernen.Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 146–148 Für den aktiv am Kreuzkampf beteiligten Kaplan Fresenborg, der später in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert wurde, ist ein Verhör durch Meyer-Wendeborn belegt, der ihn aufgrund mehrerer kritischer Predigten zunächst verwarnte.Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 175–179 Kaplan Henn aus Cloppenburg wurde ebenfalls von Kreisleiter und Amtshauptmann verhört und schließlich bei der Gestapo angezeigt.Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 264–266 In Garrel wurde der in mehreren Konflikten mit Meyer-Wendeborn stehende Kaplan von der NSDAP-Ortsgruppe bespitzelt und musste sich regelmäßig mit dem Kreisleiter auseinandersetzen.Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 330–332 Zum Verhör beim Kreisleiter mussten außerdem die Geistlichen Georg Meyer aus SedelsbergOldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 392–394 sowie Paul Saalfeld aus LindernOldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 548–549 erscheinen.
Die Gegnerschaft zur Kirche drückte sich auch in kleinem Zank aus, wenn Meyer-Wendeborn etwa gegen den Willen der Geistlichen Grabreden bei katholischen Begräbnissen von Parteimitgliedern hielt.Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 252 Außerdem sorgte er für die Entlassung bzw. Versetzung politisch unliebsamer, geistlicher und weltlicher Lehrer, wie etwa im Falle des Löninger Schulleiters Florenz Beckmann.Oldenburgs Priester unter NS-Terror 1932–1945: Herrschaftsalltag in Milieu und Diaspora. S. 77–78
Beteiligung am Porajmos In der damaligen Gemeinde Altenoythe lebten mehrere Sinti und Roma Familien, die sich ab 1938 zunehmender Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt sahen.