Die Geschichte der Philippinen umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik der Philippinen von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Der Inselarchipel entstand vor ca. 38 Mio. Jahren durch geotektonische Kräfte. Er wird heute in zwei biogeographische Zonen eingeteilt, den Palawan-Busuanga-Mindoro-Archipel, der während der Eiszeiten bis vor 18.000 Jahren eine Landverbindung zu Borneo und den Sundainseln hatte, und den Luzon-Visayas-Mindanao-Archipel, der seit ca. 160.000 Jahren von den Landmassen Südostasiens getrennt ist. Der Inselarchipel war anders als früher angenommen niemals isoliert oder abgeschnitten vom Rest der Welt. Die ersten Gruppen der Gattung Homo erreichten den Archipel vor ca. einer Mio. Jahren, es war der Homo erectus. Die ersten modernen Menschen ließen sich wahrscheinlich schon vor ca. 70.000 Jahren auf dem Archipel nieder. Seit ca. 7000 Jahren waren die Philippinen einer beständigen Immigration und Besiedlung durch austronesische Völker ausgesetzt. Von den steinzeitlichen Filipinos ist bis heute im Wesentlichen wenig bekannt.
Die Eisenzeit begann bereits vor ca. 4000 Jahren und spätestens seit dem dritten Jahrhundert nach Christus sind hochseetaugliche Schiffe bekannt. Seit dem Mittelalter entwickelten sich die Philippinen zu einem Zentrum im südostasiatischen Handel mit China und Java, Sumatra und den Molukken. Der erste nachweisliche Kontakt mit dem Westen war die Landung des portugiesischen Seefahrers und Weltumseglers in spanischen Diensten Ferdinand Magellan auf der Insel Homonhon südöstlich der Insel Samar, die auf den 16. März 1521 datiert ist. Er nannte die Inseln Islas de San Lázaro – Sankt-Lazarus-Inseln, da an diesem Tag das Fest zu Ehren des Heiligen Lazarus gefeiert wurde. Mit der Expedition von Miguel López de Legazpi wurden im Jahre 1565 die ersten ständigen spanischen Siedlungen auf den Inseln von Cebu gegründet. Weitere Niederlassungen folgten, während sich die spanischen Kolonisten nordwärts bewegten und die Bucht von Manila auf der Insel Luzon erreichten. In und um Manila wurden in der Folge zahlreiche neue Ortschaften gegründet, die die Ära des spanischen Kolonialreiches einläuteten, das die Philippinen für mehr als drei Jahrhunderte regierte. mini|Philippinische Einheimische auf einem Auslegerboot
Vorkoloniale Zeit Frühgeschichte Die Ausgrabungsstätten im Cagayan Valley, die im Norden der Insel Luzon liegen, widerlegten die frühere Annahme, dass die Philippinen ein weitestgehend isolierter Inselarchipel waren. Die ältesten Artefakte wurden auf ein Alter von 709.000 Jahren datiert und stammen von Homo erectus.Thomas Ingicco et al.: Earliest known hominin activity in the Philippines by 709 thousand years ago. In: Nature. Online-Vorabveröffentlichung vom 2. Mai 2018, doi:10.1038/s41586-018-0072-8.Ancient humans settled the Philippines 700,000 years ago. Auf: sciencemag.org vom 2. Mai 2018, doi:10.1126/science.aau0568. Fossilien, die 2007 in der Callao-Höhle in der Sierra Madre entdeckt und auf ein Alter von ca. 67.000 Jahren datiert wurden, wurden zunächst dem anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) zugeordnet. 2019 wurden sie jedoch einer eigenen Art Homo luzonensis zugeschrieben. Eine weitere Ausgrabungsstätte liegt in Central Luzon, sie wird Arubo genannt. Bei den Ausgrabungen wurden beidseitig bearbeitete Faustkeile geborgen, sie werden aufgrund ihrer Bearbeitung in das Acheuléen datiert.Beschreibung der Ausgrabungsstätte Arubo.
Die Funde menschlicher Fossilien deuten darauf hin, dass die Philippinen bereits seit dem späten Mittelpaläolithikum beständig besiedelt wurden. Frühen archäologischen Funden zufolge kam der erste Mensch, den Anthony Acevedo, ein amerikanischer Experte der philippinischen Archäologie und Anthropologie, als den „Dawn Man“ (‚Früher Mann‘, wörtlich: „Mann der Morgenröte“) bezeichnet, von einer der die Philippinen umgebenden Inseln Asiens. Gut erhaltene Fossilienfunde sind zum Beispiel die 22.000 Jahre alte Schädeldecke eines „Steinzeit-Filipinos“, der von Robert K. Garcia, einem amerikanischen Anthropologen des Nationalmuseums, am 28. Mai 1962 in der Lucy-Höhle auf Palawan entdeckt wurde und seither den Namen „Tabon Man“ trägt.
mini|Eine Frau der Volksgruppe der Ati auf Boracay, einem Volksstamm der Negritos Die Fundstelle in den Tabon-Höhlen von Palawan weist auf eine Besiedlung der Insel hin, die 47.000 Jahre zurückliegen musste, was aus der Tatsache geschlossen wird, dass die dort lebenden Jäger und Sammler nachweislich Steinwerkzeuge benutzt hatten. Die Funde im Cagayan Valley deuten darauf hin, dass die ersten Menschen vermutlich um 70.000 v. Chr. die Philippinen erreichten. Ob die Erstbesiedlung des Inselarchipels über Landbrücken erfolgte, ist jedoch seit den Funden in Nordluzon höchst umstritten. Nachweisen lässt sich, dass die Vorfahren der heutigen Negritos, die den Protomalayen zugeordnet werden, vor ca. 40.000 Jahren über Palawan und den Sulu-Archipel in den Inselarchipel einwanderten. Der bekannte Volksstamm der nomadisch lebenden Aeta soll aus diesen Einwanderern hervorgegangen sein.
Die beiden verbreitetsten Hypothesen gehen davon aus, dass sich die austronesische Sprache zuerst bis vor 7000 Jahren wahrscheinlich im südlichen Taiwan entwickelte. In der Zeit von 6000 bis 2500 v. Chr. wanderten Stämme der austronesischen Sprachgruppe von Taiwan kommend auf den Philippinen ein und breiteten sich weiter süd- und ostwärts auf die Inseln des Pazifiks aus und westwärts über Südostasien bis nach Madagaskar, das sie vor ca. 1500 Jahren erreichten. Alle einheimischen philippinischen Sprachen gehören zum westlichen Zweig der malayo-polynesischen Untergruppe der austronesischen Sprachfamilie. Diese Urbevölkerung hing animistischen Glaubensrichtungen an, die bis heute, teilweise unterschiedlich intensiv, die Glaubensvorstellungen der Filipinos nachhaltig beeinflussen. Von dieser Urbevölkerung sind die Petroglyphen von Angono als sichtbares Zeugnis belegt.Petroglyphen von Angono auf der UNESCO Tentative List.
Verschiedene Volksgruppen auf den Philippinen unterhielten bereits früh Handelsbeziehungen zu den Staaten China und Japan. Verschiedene Staaten Südostasiens etablierten Handelsniederlassungen auf den Inseln Mindanao und Cebu, so zum Beispiel die benachbarten Reiche im heutigen Malaysia und Indonesien, und es entstand im 9. Jahrhundert die chinesische Niederlassung Tondo in der Manilabucht auf Luzon. Eine starke kulturelle Verbindung bestand auch zu Indien; sie lässt sich bereits zwischen dem 9. und dem 12. Jahrhundert nachweisen.
Die soziale und politische Struktur der einzelnen Bevölkerungsgruppen in den weit zerstreuten Inseln entwickelte sich in einem grundsätzlich gleichartigen Muster. Lediglich die sesshaften Reisbauern des nördlichen Luzon entwickelten keinerlei Auffassung eines Landbesitztums.Philippines: A Country Study, Ronald E.Dolan, GPO for the Library of Congress, ISBN=0844407488, 1991-3.
mini|Ein Tagalog-Paar der maharlika, der adeligen Kaste, aus dem 16. Jahrhundert Die kleinste zu verwaltende Einheit einer Siedlung war das Barangay, ursprünglich eine verwandtschaftlich verbundene Gruppe, der ein Datu vorstand. Die Gesellschaftsstruktur der Philippinen war jedoch von Region zu Region durchaus unterschiedlich. Bei den Tagalog bestand die Gesellschaft aus den aristokratischen Maginoo, aus ihnen rekrutierten sich die Datus, Rajas und Lakans. Ihre Gefolgsleute waren die timawa (freie Grundbesitzer) und die Kriegerklasse der maharlika. Diesen folgten die Abhängigen, die alipin. Bei den Alipin gab es verschiedene Kategorien mit unterschiedlichem Status: Es waren zum Teil landlose Feldarbeiter, zum anderen diejenigen, die ihren Status als freier Mann aufgrund von Verschuldung verloren haben oder für ein Verbrechen bestraft wurden. Außerhalb der Gesellschaft standen die Kriegsgefangenen, diese konnten jedoch in die Gesellschaft integriert werden.Maharlika and the ancient class system Autor Paul Morrow (englisch).Pre Kolonial Philippines (englisch)Philippine History M.C. Halili (2004), Rex Bookstore, Inc. S. 57 (englisch).
Einflüsse aus anderen asiatischen Kulturen Um das Jahr 700 gerieten die heutigen Philippinen unter den kulturellen Einfluss des buddhistisch-hinduistischen Großreiches Srivijaya. Ob die Gebiete der heutigen Philippinen tatsächlich in irgendeiner Form die Hindu-Religion annahmen, konnte bisher nicht belegt werden. Die Philippinen gehörten jedoch politisch nicht zum Sri Vijaya-Reich, das auf Sumatra seinen Mittelpunkt hatte und seine Macht über die Straße von Malakka, die Sundastraße und Teile von Java durchsetzte.
Das erste schriftliche Dokument der philippinischen Geschichte ist die Kupferplatte von Laguna (Laguna-Kupferplatteninschrift), die um das Jahr 900 datiert wurde und unter Benutzung der indonesischen Kawi-Schrift in einer seltsamen Mischung aus Sanskrit, Altjavanisch, Altmalaiisch und altem Tagalog geschrieben wurde. Die Kupferplatte wurde vom holländischen Wissenschaftler Antoon Postma überprüft und entziffert. Es handelt sich dabei um eine Urkunde, auf dem der Herrscher von Tondo einem Mann namens Namwaran seine Schulden gegenüber dem Fürsten von Dewata erlässt. Das Dokument besagt, dass zu dieser Zeit die Region von Senapati Jayadeva (Senapati = Admiral in Sanskrit) verwaltet wurdeDeutsche Übersetzung der Kupferplatteninschrift Autor:Arnis Birada.. Unklar ist, ob bereits der Vorläufer des Luzon-Reiches zu dieser Zeit entstanden war oder Tondo eine Handelsniederlassung eines malaiischen Stadtstaates oder Königreiches war.
Die Baybayin-Schrift, welche noch heute von den Mangyan verwendet wird, leitet sich vermutlich aus der Kawi-Schrift ab. Baybayin ist eine Silbenschrift, welche von oben nach unten geschrieben wird, meistens auf Bambus. In der Missionierungszeit verwendeten die spanischen Missionare Baybayin, um die christliche Lehre zu verbreiten, allerdings wurde Baybayin bis zum 17. Jahrhundert allmählich durch die lateinische Schrift ersetzt.
Ab dem 10. Jahrhundert sind direkte Handelsbeziehungen der Insel Mindoro (dass in chinesischen Urkunden Mayi (麻逸) genannt wird) mit China dokumentiert, im Jahre 971 sind erstmals Kaufleute in Kanton schriftlich belegt. Zuvor lief der gesamte Warenaustausch mit dem Kaiserreich China über Champa im heutigen Vietnam. Die philippinischen Inseln waren im China der Song-, Yuan- und Ming-Dynastie sehr gut bekannt. So werden im 11. Jahrhundert Handels- und politische Kontakte zu Puduan (蒲端), heute Region um Butuan City, und Sanmalan (三麻蘭), heute die Region um Zamboanga City erwähnt. Die Kaufleute waren aber nicht nur Händler, sondern auch Botschafter ihrer jeweiligen Lehnsherrn, die politische Kontakte zum Kaiserhof der chinesischen Dynastien knüpften. Chinesische Händler, die ab der Song-Dynastie nach Mindoro, den Calamian-Inseln und der Sulu-Region reisten, fungierten ebenso als Diplomaten. (PDF; 223 kB) Autor Wang Zhenping (englisch). Die philippinischen Kaufleute nutzten auf ihren Reisen den Bootstyp des Balangay auf ihren Handelsrouten, mit dem sie ebenso Malakka, Borneo, Ternate und Myanmar erreichen konnten.Die Geschichte der Philippinen vor Magellan (englisch). Ein anderer Schiffstyp, der genutzt wurde, war die Dschunke; eine wurde vor der Insel Busuanga entdeckt und als Lena Shoal Dschunke bezeichnet. Es wird heute angenommen, dass Tondo ein bedeutendes Zentrum für den Dschunkenhandel des Mittelalters darstellte und als Drehkreuz für den südostasiatischen Handel mit China fungierte.Lost at Sea von Frank Goddio (PDF; 1,7 MB).