Franz Xaver Hoermann auch Franz Xaver Hörmann (* 29. November 1822 in Burg bei Tengling; † 1. April 1896 in Traunstein) war ein deutscher Bildhauer und Kunstschreiner.
Leben Herkunft und Familie Franz Xaver Hoermanns Familie, die ursprünglich aus Schwaben stammte, verfügte über kunsthandwerkliche Wurzeln: Sein Vater war der Tischlermeister Mathias Hoermann verheiratet mit Theresia (geb. Wohlfahrtstätter; † 1832). Er hatte noch eine ältere Schwester.
Sein Großvater, der Bildhauer Mathias Hörmann (sen.), war Schüler und Werkstattnachfolger des Tittmoninger Bildhauers Johann Georg Itzlfeldner.
1854 heiratete Franz Xaver Hoermann Anna Maria (geb. Dirnberger), Tochter eines Tenglingener Schmiedmeisters, mit der er eine Familie gründete.
Hörmanns künstlerisches Erbe setzte sich in seinen beiden Söhnen fort. Ludwig Hörmann wurde Bildhauer in Traunstein und führte die väterliche Kunsttradition in der nächsten Generation weiter. Franz Hoermann wurde königlicher Fachlehrer an der Baugewerkschule Kaiserslautern in der bayerischen Pfalz, wodurch er die künstlerische und handwerkliche Kompetenz der Familie Hoermann auch in andere deutsche Regionen trug.
Handwerkliche Ausbildung Auf Wunsch seines Vaters und seiner Stiefmutter erlernte Hoermann unter der Anleitung seines Großvaters die ersten Unterweisungen in Zeichnen und Modellieren. Dem folgte dann die weitere Ausbildung im Tischlerhandwerk im elterlichen Betrieb. Nach den damaligen handwerklichen Konventionen absolvierte er daraufhin eine Wanderschaftszeit als Geselle, die ihn nach Baumburg und Tittmoning führte und insgesamt drei Jahre dauerte. Diese Phase der praktischen Ausbildung sollte ihm als Fundament für sein späteres Wirken im Bereich der Architekturschreinerei dienen.
Künstlerische Ausbildung Ein Wendepunkt in Hoermanns Leben ergab sich durch die Intervention seines Großvaters Mathias Hoermann, der selbst als Bildhauer tätig war. Auf dessen Anregung hin immatrikulierte sich Hoermann 1843 an der polytechnischen Schule in München. Dort knüpfte er Kontakte zu gleichgesinnten Künstlern, darunter dem Bildhauer Johann Halbig.
Im folgenden Jahr wechselte Hoermann an die Akademie der bildenden Künste München, wo er unter der Leitung Ludwig Schwanthalers studierte. Schwanthaler war eine der bedeutendsten künstlerischen Persönlichkeiten Bayerns, und Hoermann gehörte zum Kreis seiner Schüler, die an der Realisierung ambitionierter Projekte mitwirkten. Schwanthaler bot Hoermann mehrfach ein Reisestipendium zur Studienreise nach Italien an. Doch aus familiären Gründen konnte Hoermann diese Gelegenheit nicht nutzen: Sein zwar wohlhabender Vater weigerte sich, ein Dürftigkeitszeugnis auszustellen, das zur Stipendienvergabe erforderlich war, und wies seinen Sohn stattdessen auf die Notwendigkeit von Nebenverdiensten hin.
Die Revolutionsjahr 1848 Während seiner Akademiestudien erlebte Hoermann die Turbulenzen des Revolutionsjahres 1848 unmittelbar mit. Als 22-jähriger Student war er bereits Zeuge der Münchener Unruhen, insbesondere der sogenannten Bierkrawalle und des Lola-Sturmes, der gegen die politische Rolle Lolas Montez gerichtet war. Diese politisch bewegte Zeit hinterließ tiefe Eindrücke auf den jungen Künstler, wie erhaltene Gedichte aus dieser Periode belegen, in denen sich seine damalige Freiheitsbegeisterung manifestierte.
Berufliche Etablierung und künstlerische Tätigkeit Im Jahr 1850 übernahm Hörmann die väterliche Kunstschreinerei und Bildhauerwerkstatt in Burg, während sein Vater Mathias Hörmann (jun.) nach Mattsee übersiedelte.
Von 1850 bis 1890 war Hoermann das Rückgrat des kunsthandwerklichen Lebens in Burg. Sein Fokus lag auf der kirchlichen Innenarchitektur – einem Bereich, der sowohl bildhauerische als auch schreinerische Fähigkeiten erforderte. Dabei orientierte er sich stilistisch konsequent an der Neugotik. Die daraus entstandenen Arbeiten waren sowohl in ihrer Qualität als auch in ihrer kontinuierlichen Weiterentwicklung bemerkenswert.
Hörmanns künstlerische Tätigkeit erstreckte sich auf ein beeindruckendes Netzwerk von Kirchen. Er fertigte Schnitzaltäre und Skulpturen für Gotteshäuser in mindestens 24 Orten an. Seine Arbeiten finden sich in den Kirchen von Törring, Tittmoning, Laufen, Tettenhausen, Mühlberg (Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung), Kirchstein (St. Ägidius), St. Leonhard, Kirchhalling, Brünning, Tettelham, Kammer, Surberg, Irsing, Traunwalchen, Hart (Kirche Sankt Laurentius), Truchtlaching, Seebruck, Engelsberg, Traunstein (Oswaldskirche) und Westerndorf St. Peter. Besonders hervorzuheben sind seine Arbeiten in seinen Heimatgemeinden: Alle Altäre in Tengling (Dorfkirche St. Laurentius) und Burg stammten aus Hörmanns Hand, ebenso zahlreiche weitere Bildhauarbeiten, die das sakrale Erscheinungsbild dieser Orte nachhaltig prägten.
Persönliche Interessen und intellektuelle Netzwerke Neben seiner beruflichen Tätigkeit pflegte Hoermann vielfältige kulturelle und intellektuelle Interessen. Das Jagdwesen war seine bevorzugte Erholung. Etwa fünf Jahrzehnte lang pachtete er die Gemeindejagden und genoss einen guten Ruf als Schütze in weiten Jägerkreisen.
Darüber hinaus beschäftigte sich Hoermann intensiv mit geschichtlichen und literarischen Studien, mit Botanik und – besonders in seinen späteren Jahren – mit sozialpolitischen Fragen. Diese intellektuelle Vielseitigkeit wurde durch seine enge Freundschaft mit dem renommierten Geschichtsforscher und königlichen Legationsrat Joseph Ernst von Koch-Sternfeld befördert. Koch-Sternfeld, der zunächst auf Schloss Lampoding (ab 1835) und später in Tittmoning (bis zu seinem Tod 1866) residierte, lieferte Hoermann fruchtbare Anregungen zur Kulturgeschichte und Lokalgeschichte der Region. Der lebhafte geistige Austausch zwischen beiden Männern wird durch erhaltene Briefe dokumentiert.
Letzte Lebensjahre 1890 verließ Hoermann sein über vier Jahrzehnte bewohntes Domizil in Burg und siedelte nach Traunstein über. In seinen letzten Jahren konzentrierte sich sein Interesse zunehmend auf die Geschichte und die Sagen seiner bayerischen Heimatregion.
Mitgliedschaften Im Jahre 1891 trat Hoermann der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde bei, eine Anerkennung seiner wissenschaftlichen Interessen und seiner Kompetenz in landeskundlichen Fragen. Trotz seines weit vorgerückten Alters und der damit verbundenen physischen Unbequemlichkeiten besuchte er regelmäßig die abendlichen Wintervorträge der Gesellschaft. Bei diesen Zusammentreffen bewies er tiefe Kenntnisse der Lokalgeschichte seiner engeren Heimat und ein lebhaftes Interesse für Landeskunde.
Literatur Franz Xaver Hoermann. In: Rosenheimer Anzeiger (siehe Oberbayerisches Volksblatt) vom 5. April 1896. S. 4 (Digitalisat). Franz Xaver Hoermann. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 36. Band. 1896. S. 423–424 (Digitalisat). Franz Xaver Hoermann. In: Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog, 1. Band. Berlin, 1897. S. 359 (Digitalisat). Franz Xaver Hoermann. In: Die Kirchen der alten Pfarrei Tengling und die Kapelle in Gessenhausen und ihr historisches Umfeld. Tengling, 2014. S. 10 (Digitalisat). Siegfried Müller: Sebastian Stief (1811–1889) und Franz Xaver Hörmann (1822–1896). Zwei bildende Künstler aus Tengling. Tengling 2022.
Einzelnachweise
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