Als Diebessegen, auch Diebssegen oder Diebeszauber, werden Beschwörungsformeln oder -erzählungen bezeichnet, die Diebe aufhalten, schädigen, aufspüren oder zur Rückgabe des Diebesguts zwingen sollen.
Solche Praktiken sind seit der Antike bekannt. Im 6. nachchristlichen Jahrhundert erwähnt sie Bischof Gregor von Tours. Seit dem Hochmittelalter sind zahlreiche solcher Formeln handschriftlich überliefert. In der populären Zauber- und Beschwörungsliteratur der Neuzeit waren sie ein wichtiger Bestandteil. Sie weisen divinatorische Elemente auf, wo aus Naturphänomenen, Bildern oder Träumen Spuren des Heiligen erahnt werden, ferner kryptische (geheime) Praktiken zur Abwehr von Unheil.
Beschreibung Bei den Diebssegen handelt es sich um Texte zum Besprechen und Bannen von Dieben, die seit ältester Zeit zahlreich überliefert sind, so etwa aus Assur, Ägypten, Römern, den Bibliotheken mittelalterlicher Klöster, wo sie zum Schutz vor Diebstahl der Tontafeln, Schriftrollen und Büchern verwendet wurden. Die Formeln wurden meist mit Defixionen der Augen, den hinterlassenen Fußspuren des Diebes und anderen magischen Praktiken verbunden.
In der Regel hat ein Diebessegen eine Einleitungsformel, in der das Unheilsgeschehen, der Diebstahl, benannt wird; sie beruft sich dabei häufig auf die drei Erzengel, den heiligen Petrus, Maria oder die Macht Christi. Darauf folgt ein „Segensspruch“, der den Dieb bannt und ihm Aufgaben auferlegt, um frei zu kommen.
Textbeispiel (1616 n. Chr.)
Literatur (Quelle) Corpus der Segen und Beschwörungsformeln (CSB) aus dem Nachlass des Volkskundlers Adolf Spamer (1883–1953), III C 1 Diebsstellung; Bestandsbildner: Johanna Nickel (1916–1984), Adolf Spamer. Hrsg. und Digitalisat: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde Dresden sachsen.digital
Weblinks lexikus.de: Abergläubische Meinungen und Gebräuche in Pommern und Rügen – Diebessegen (Jodocus Donatus Hubertus Temme, 1840).
Einzelnachweise
Kategorie:Zauberformel Kategorie:Glaubenspraxis