mini|Ehemalige Klostergebäude und -kirche des Franziskaner-Observantenkonvents mini|Ehemalige Klosterkirche, Westseite mini|Ostseite Chor mini|Panorama der Stadt Jauer um 1735, gezeichnet von Friedrich Bernhard Werner: Scenographia Urbium Silesiae. Tab. VIII mini|Franziskanerklosterkirche, Ausschnitt, gezeichnet von Friedrich Bernhard Werner: Scenographia Urbium Silesiae. Tab. VIII Das Franziskanerkloster Jauer war eine Niederlassung der Ordensgemeinschaft der Franziskaner(-Observanten) in der Stadt Jauer im böhmischen Erbfürstentum Schweidnitz-Jauer in Schlesien, seit 1945 in der Stadt Jawor in der Woiwodschaft Niederschlesien (Polen). Das Kloster wurde 1485 durch Franziskaner-Observanten des Böhmischen Franziskaner-Observantenvikariats gegründet. Mit dem Einzug der Reformation um 1526 hatte das Kloster kaum noch Nachwuchs; 1542 wurde das Kloster noch von acht alten Ordensbrüdern bewohnt. 1556 übergab der letzte Ordensbruder die Klostergebäude dem Magistrat der Stadt Jauer. Bereits 1608 quartierten sich zwei böhmische Minoriten ohne obrigkeitliche Genehmigung in den Gebäuden ein. 1639 kehrten Franziskaner(-Observanten) der Böhmischen Franziskanerprovinz zurück und übernahmen wieder die Klostergebäude und -kirche. 1810 wurde das Kloster säkularisiert.

Lage Das Kloster lag am südöstlichen Rand der Altstadt von Jauer nahe der Stadtmauer. Die Klosterkirche hatte das Patrozinium Maria Himmelfahrt und Hl. Andreas. Die barocken Klostergebäude und die gotische Klosterkirche stehen unter Denkmalschutz. Sie beherbergen heute das Regionalmuseum Jawor.

Geschichte Nach Johannes Heyne sollen den Franziskaner-Observanten schon während der Regierung des böhmischen Königs Georg von Podiebrad (1458 bis 1471) zwei Häuser in Jauer überwiesen worden sein, zur Wohnung und Einrichtung einer Kapelle. Allerdings kam es (noch) nicht zur Errichtung eines Klosters.

Lucius Teichmann vermutet, dass ein Sohn der Stadt, P. Alexander aus Jauer (1483 bis 1486 Provinzvikar des böhmischen Observantenvikariats), einer der zwei Initiatoren der Niederlassung in Jauer gewesen war. Der zweite wichtige Mann bei der Gründung war wohl Johann Filipec, Bischof von Großwardein (heute Oradea, Rumänien). Er war ab 1472 Berater des ungarisch-böhmischen Königs Matthias Corvinus. 1480 war er auch Oberlandeshauptmann in Schlesien, 1481 wurde er zum Statthalter des böhmischen Erbfürstentums Schweidnitz-Jauer ernannt. 1490 resignierte er die Bischofswürde von Großwardein. Er stiftete 1491 auch das Franziskanerkloster in Ungarisch Hradisch in der Mährischen Slowakei. 1492 trat er selber in den Franziskanerorden ein.

Papst und Breslauer Bischof gaben ihr Placet zur Klostergründung, da verzögerte der Ortspfarrer den Klosterbau durch seinen Einspruch. Allerdings griff nun der böhmische König in das Verfahren ein und gab den Befehl, den Baubeginn nicht weiter zu verzögern. Lucius Teichmann sieht hinter dem Machtwort des Königs seinen Berater Johann Filipec, der den Klosterbau wohl auch weitgehend finanzierte. Über den Baubeginn gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben.

Nach Lucius Teichmann liegen keine Jahreszahlen über den Baubeginn und die Vollendung der Konventsgebäude und der Klosterkirche vor. Nach ihm soll der Klosterbau wahrscheinlich 1488 begonnen worden sein. Cavalli nennt nach Wadding das Jahr 1489 als Gründungsjahr.

Nach Johann Heyne ließen Bischof Johann Filipec und der Rat der Stadt Jauer 1485 auf einem von der Stadt Jauer gestellten Geländestreifen an der Mauer einen „geräumigen Platz auf der Albrechtsgasse zwischen dem Hainauer und Striegauer Tor“ zur Erbauung eines Klosters abstecken. 1486 soll mit dem Bau von Klosterkirche und Konventsgebäude begonnen worden sein. Aufgrund der von Bischof Johann Filipec gespendeten Geldmittel sowie der freiwilligen Beiträge der Bürgerschaft und der von der Bürgerschaft geleisteten Hand- und Spanndienste war der Klosterbau bereits 1489 vollendet. Die feierliche Weihe der Klosterkirche erfolgte am 11. Oktober 1489 im Beisein des damaligen Landeshauptmanns von Schlesien, Herzog Kasimir II. von Teschen. Die Einweihung vollzog Johann Filipec, Bischof von Wardein.

Die Urkunde zur Gründung und zum Bau des Klosters wurde aber erst 1492 ausgestellt. In der Urkunde wurden zugleich auch die Benutzung des Weges entlang der Stadtmauer durch die Stadt und die Nutzung des Mauerturmes durch das Kloster klar geregelt.

Der erste Guardian des neuen Klosters soll Alexander von Jauer gewesen sein. Er starb dann am 24. Juli 1494 in Breslau. Alexander von Jauer war von 1483 bis 1486 Provinzvikar des böhmischen Observantenvikariats, und dann von 1491 bis 1492 und wieder von 1493 bis 1495 Definitor des Provinzvikars.

Das vorläufige Ende des Klosters Die Reformation hielt früh Einzug in Jauer. Schon 1526 erhielt ein evangelischer Pfarrer die Stadtpfarrkirche St. Martin. Das Kloster konnte sich zwar noch viele Jahre halten, jedoch fehlte es an Nachwuchs. 1542 lebten noch acht ältere Ordensbrüder im Kloster; das Ende des Klosters war also abzusehen. Doch so lange wollte die Stadt nicht warten. Sie stellte in diesem Jahr den Antrag zur Übernahme des Klosters. Die Regierung in Prag lehnte den Antrag aber ab, ebenso einen zweiten und dritten Antrag 1544 und 1545.

Zehn Jahre später befürwortete auch der Breslauer Bischof Balthasar von Promnitz die Umwandlung des fast leerstehenden Konventsgebäudes in ein Armenhaus. Am 5. Dezember 1555 stimmte König Ferdinand als böhmischer König der Aufhebung des Klosters zu. Der letzte Ordensbruder, ein Bruder Hans, der noch im Kloster lebte, packte die Liturgischen Geräte in eine Kiste und übergab sie 1556 dem Magistrat zu treuen Händen. Der Bürgermeister erhielt die Hausschlüssel, und dann verließ er Jauer, wohin ist nicht bekannt. Die bischöfliche Zustimmung zur Umwandlung in ein Armenhaus war mit einer Rückgabeverpflichtung verknüpft, sollte der Orden nach Jauer zurückkehren.

Nach Johann Heyne wurde der Gebäudekomplex zunächst auch als Landtagsgebäude und dann als Schule genutzt. Die Klosterkirche wurde als evangelische Kirche genutzt.

Die Wiederbesiedlung des Klosters Bereits 1608 hatten sich zwei böhmische Minoriten ohne kirchlichen oder staatlichen Auftrag bzw. ohne Erlaubnis in den Klostergebäuden einquartiert. 1638 erhielt der Landeshauptmann von Schweidnitz-Jauer, Georg-Ludwig von StarhembergNicht von Sternberg wie bei Teichmann. die Erlaubnis des böhmischen Landesherrn Ferdinand III. das Kloster an die böhmische Franziskanerprovinz zurückzugeben. Am 23. Januar 1639 übergab er mit dem päpstlichen, kaiserlichen und bischöflichen Placet die Schlüssel des Hauses an den Kustos der böhmischen Franziskanerprovinz und Guardian P. Bonaventura Orlik in Neisse. Zwei Priesterbrüder und zwei Laienbrüder zogen wieder in das Kloster ein. Der letzte in Kloster wohnende Minoritenbruder P. Bonaventura Brandelius trat zum Franziskanerorden über.

Das Kloster war zunächst eine Residenz, die von einem Praesidens geleitet wurde, 1644 wurde es zum Konvent erhoben, geleitet von einem Guardian.

In der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster mit der Verwaltung und der Rekatholisierung der Bevölkerung von zwei Pfarreien (die Namen sind nicht bekannt) betraut.

Siegel Das Siegel (von 1690) zeigte die Aufnahme Mariens in den Himmel umgeben von Engeln. Die Umschrift lautete: SIGILLUM CONVENTUS JAVORIENSIS B. V. M. IN COELOS ASSUMPTAE FRAT. MIN. REFORM:

1706 schlug im Rathaus ein Blitz ein, der ein Feuer auslöste. Bei den Aufräumarbeiten fand man die Holzkiste mit Kirchengeräten wieder, die 1556 der letzte Ordensbruder Hans dem Magistrat übergeben hatte. Sie enthielt fünf Kelche, zwei Patenen und ein silbernes Reliquiar. Am 4. Februar 1706 wurden die Kirchengeräte im Rahmen einer kleinen Feier dem Kloster wieder übergeben.

Streit mit dem Stadtpfarrer 1720 kam es zu einem Streit zwischen dem Stadtpfarrer, Erzpriester Caspar Scribanus, und dem Kloster, der sich über fast zehn Jahre hinzog. Der Pfarrer beklagte sich beim bischöflichen Amt in Breslau über das Kloster wegen unberechtigten Beichthörens. Nach der Stellungnahme des Klosters folgte eine erneute Beschwerde des Pfarrers und wiederum eine Stellungnahme des Klosters. Daraufhin schaltete sich der Betroffene, Senator Ignaz Beer ein, der mit seinen Ausführungen vom 21. August 1729 zum Vorfall schließlich den Streit beenden konnte. Dieser Streit scheint jedoch ein Einzelfall gewesen zu sein. Bereits der Nachfolger des Stadtpfarrers, Christoph Thienst, hatte 1740 das Amt des Apostolischen Syndikus beim Kloster übernommen.

Die Klosterkirche als Begräbniskirche In den Grüften der Klosterkirche wurden von 1662 bis 1759 50 Brüder, 18 Laien und sechs Terziarinnen beigesetzt.

Preußische Zeit 1740 eroberte Friedrich II. Schlesien, und mit dem Frieden von Berlin kam Schlesien 1742 an Preußen. In den 1750er Jahren drängte Friedrich II. auf die Loslösung der schlesischen Klöster sämtlicher Orden von den jeweiligen Mutterprovinzen in Österreich, Böhmen und Mähren. 1755 entsprach der Generalminister der Franziskaner seiner Forderung und bildete aus den in Preußisch-Schlesien gelegenen Franziskanerklöstern der Böhmischen Ordensprovinz eine neue Schlesische Franziskanerprovinz zur hl. Hedwig, der nun auch das Kloster in Jauer angehörte.

Zuchthaus-Seelsorge Am 29. Mai 1750 übertrug die Königlich Preußische Kriegs- und Domänenkammer in Glogau dem Franziskanerkloster in Jauer den Seelsorgsauftrag für die im Zuchthaus in Jauer einsitzenden Katholiken. Sie sollten dort „die gewöhnliche Messe lesen, eine ordentliche Predigt halten, die Kranken besuchen und mit den üblichen Sakramenten versehen“. Das Entgelt betrug jährlich 10 Taler und wurde aus der Zuchthauskasse finanziert.

Die Aufhebung des Klosters Mit dem Säkularisationsedikt König Friedrich Wilhelms III. vom 30. Oktober 1810 wurde das Franziskanerkloster Jauer wie auch die neun anderen Franziskanerklöster in (Preußisch-)Schlesien vom preußischen Staat eingezogen und verstaatlicht. Damit erlosch auch die schlesische Provinz zur Hl. Hedwig des Franziskanerordens. Bei der Aufhebung des Klosters am 23. November 1810 (Säkularisation) lebten im Kloster noch der Obere, fünf Geistliche und fünf Laienbrüder.

Das Gesamtvermögen des Klosters wurde auf 13.259 Reichstaler geschätzt, dazu trug allein der Grundbesitz 10.240 Reichstaler bei.

Nachnutzung 1811 wurde die Kirche des Franziskanerklosters bereits zum Verkauf ausgeschrieben. Nach Lucius Teichmann erwarb die Stadt Jauer die Kirche für 500 Taler. Der Kaufpreis wurde aber gegen eine gleich hohe Forderung der Stadt an den Fiskus verrechnet. 1820 kaufte der Staat die Kirche für 2500 Taler wieder zurück und nutzte sie als Zeughaus für die Landwehr. Die Konventsgebäude wurden zu einem Gefängnis umgebaut. 1964 wurde in den Konventsgebäuden das Regionalmuseum untergebracht. In der Klosterkirche ist sakrale Kunst ausgestellt. Außerdem wird der Raum für wechselnde Kunstausstellungen genutzt.

Klosterobere und andere Klosterämter Der Guardian war der Vorsteher (oder Obere) eines Voll-Klosters („Konvent“). Er wurde auf dem Provinzkapitel gewählt. Die Amtszeit betrug in der Regel drei Jahre, eine Wiederwahl war möglich. Allerdings konnten bei Bedarf (Todesfall, Versetzung) auch auf Zwischenkapiteln neue Guardiane gewählt oder bestätigt werden, die somit kürzere Amtszeiten hatten. Die geklammerten Zahlen in der Tabelle sind lediglich Nachweise, nicht der Zeitpunkt der Ernennung (oder Dauer der Amtszeit). Der Stellvertreter des Guardians war der Vikar. In kleineren Klöstern („Residenzen“) war der Präses (oder Praesidens) der Vorsteher (oder Obere). Er wurde vom Provinzial ernannt und fungierte besonders in den ersten Jahren einer Klosterneugründung als Klostervorsteher. Jauer war zunächst Residenz und ab 1644 Konvent.