Die folgende Aufstellung enthält Details zu den bisherigen Wahlen in Irland zum Dáil Éireann, dem irischen Unterhaus (seit 1923) bzw. dem revolutionären Parlament (von 1918 bis 1923).
Wahlen unter britischer Herrschaft 1918 Die Irish general election of 1918 war Teil der Wahlen des Vereinigten Königreichs. Sie wird als Schlüsselpunkt der irischen Geschichte angesehen, da durch die überwältigende Niederlage der nationalistischen Irish Parliamentary Party (IPP), die die irische Politik seit den 1880er Jahren dominierte, und dem Sieg von Sinn Féin der Weg zu einem unabhängigen Irland bereitet wurde.
Sinn Féin hatte bereits 1917 durch gewonnene Nachwahlen (u. a. George Noble Plunkett, W.T. Cosgrave und Eamon de Valera) erste politische Erfolge verzeichnet, auch wenn die Partei nicht alle Nachwahlen gewonnen hatte und es in einem Fall Betrugsvorwürfe gibt.3 Trotz diesen Erfolgen profitierte die Partei hauptsächlich durch diverse andere Faktoren bei der 1918er-Wahl: Die letzte Wahl war bereits 8 Jahr her, da bedingt durch den Ersten Weltkrieg die Wahl im Jahr 1915 nicht stattgefunden hatte. Dadurch waren alle Bürger im Alter von 21 bis 29 quasi Erstwähler und unbelastet, was bisherige Wahlen und Parteien anging. Von dieser jungen Wählerschaft lebten noch ungewöhnlich viele in Irland, da die Emigration durch den Krieg und die Überfahrt nach Amerika sehr viel gefährlicher geworden war. Weiterhin sind in diesen 8 Jahren viele ältere Wähler (die in der Regel IPP wählten) gestorben. Durch den Representation of the People Act wurde (z. B. dadurch, dass Frauen über 35 erstmals wählen durften) die Wählerschaft von 700.000 auf knapp 2.000.000 angehoben. Durch den Osteraufstand gab es einen Stimmungsumschwung innerhalb der Bevölkerung, der klar in Richtung Home Rule gerichtet war. Im Zusammenhang mit der (neuen) jungen Wählerschaft war Sinn Féin als junge Partei (Collins war 28, de Valera 36) im Gegensatz zu den älteren IPP-Kandidaten im Vorteil.
Die Wahl, zu deren Zeit vier größere irische Parteien (Irish Parliamentary Party, Sinn Féin, Unionist Party und Labour Party) existierten, fand in den meisten irischen Wahlbezirken am 14. Dezember 1918 statt. Aus Angst, in das Kreuzfeuer zwischen Sinn Féin und IPP zu geraten, trat die Labour Party bei der Wahl 1918 allerdings nicht an.
In Irland wurden 105 Parlamentarier in 103 Wahlbezirken gewählt. Viele der Sitze wurden ohne wirkliche Wahl vergeben, da es aufgrund der klaren Machtverhältnisse keine Gegenkandidaten gab. Es gab allerdings auch Anschuldigungen, dass möglichen Gegenkandidaten durch militante Republikaner von einer Wahlteilnahme abgeraten wurde.
Nach Sinn Féin waren die Unionisten die zweitstärkste Partei, doch deren Erfolg beschränkte sich überwiegend auf die Grafschaften in Ulster. Die IPP erlebte hingegen ein Debakel; nicht einmal ihr Anführer schaffte es, einen Sitz zu gewinnen.
Die Abgeordneten der Sinn Féin nahmen ihren Sitz im britischen Unterhaus nicht ein, sondern konstituierten sich zum revolutionären 1. Dáil (An Chéad Dáil) in Dublin.
ParteiSitzverteilungAnzahl%-Verteilung Sinn Féin 734 69,53 % Unionist Party 22 20,95 % Irish Parliamentary Party 6 5,71 % Labour Unionist 3 2,86 % Belfast Labour Representative Committee – Unabhängige 1 0,95 % 105
1921 1921 fanden zwei Wahlen zu den Unterhäusern von Südirland und Nordirland aufgrund des Government of Ireland Act statt. In Südirland diente diese Wahl für die irischen Republikaner als Wahl zum Second Dáil (An Dara Dáil). Die Wahl fand nach dem Prinzip Single Transferable Vote statt.
In Nordirland fand die Wahl am 24. Mai statt. 40 Sitze gewannen die Unionisten, 6 moderate Nationalisten und weitere 6 Sitze Sinn Féin.
In Südirland gab es keine eigentliche Wahl, da alle 128 Kandidaten ohne Gegenkandidat direkt gewählt waren. 124 Sitze erreichte Sinn Féin und 4 unabhängige Unionisten, die das Trinity College vertraten.
1922 Die Wahl im Jahr 1922 (Irish general election of 1922) fand in Südirland am 16. Juni 1922 unter den Bestimmungen des Anglo-Irischen Vertrags von 1921 statt, um eine verfassungsgemäße Versammlung zur Vorbereitung des irischen Freistaates zu schaffen. Für die irischen Republikaner stellte dies die Wahl zum Third Dáil (An Tríú Dáil) der irischen Republik dar; nach dem Anglo-Irischen Vertrag war es ein provisorisches Parlament, welches das südirische Parlament ablösen sollte. Ab dem 6. Dezember 1922 stellte diese Versammlung das Unterhaus (Dáil Éireann) des Freistaates.
Wie bereits bei der Wahl in Südirland im Jahr zuvor, stellte Sinn Féin für jeden Sitz einen Kandidaten auf, abgesehen von denen, die in der University of Dublin vergeben wurden. Doch der Anglo-Irische Vertrag hatte die Partei in zwei Lager gespalten: Vertragsgegner (57 Kandidaten) und Vertragsbefürworter (65 Kandidaten). Doch im Gegensatz zur Wahl 1921 wurden in den meisten Wahlbezirken von anderen Parteien Gegenkandidaten aufgestellt, so dass Sinn Féin 30 Sitze verlor.
Um einen noch tieferen Bruch zwischen den beiden Lagern unter Eamon de Valera und Michael Collins zu verhindern, vereinbarten beide vor der Wahl eine Art „Pakt“, durch den die Wahl gemeinsam bestritten und danach eine Koalition gebildet werden sollte. Dies verhinderte, dass die Wähler zwischen Pro und Contra gegenüber dem Vertrag entscheiden mussten. Nach der Wahl boykottierten die Vertragsgegner das südirische Parlament und der irische Bürgerkrieg brach aus, was zu einer Mehrheit der Vertragsbefürworter im Parlament führte. So konnte die Provisorische Irische Regierung unter W.T. Cosgrave und später der Exekutivrat des Freistaats entstehen.
ParteiAnführerSitzverteilungAnzahl+/-%-Verteilung Sinn Féin(Vertragsbefürworter) Michael Collins 58(17 ohne Gegenkandidat) −30 45,31 % Sinn Féin(Vertragsgegner) Eamon de Valera 36(16 ohne Gegenkandidat) 28,15 % Labour Party Thomas Johnson 17 +17 13,27 % Farmers’ Party 7 +7 5,47 %Unabhängige 10(4 ohne Gegenkandidat) +6 7,80 % 128 ±0
Wahlen während der Freistaatenzeit 1923 Die Wahl fand am 27. August 1923 statt und die Mitglieder des 4. Dáil versammelten sich im Leinster House in Dublin erstmals am 19. September zusammen mit dem neu gegründeten Exekutivrat des irischen Freistaates. Dies war die erste Wahl eines (nahezu) unabhängigen Irlands. Bei dieser Wahl gewannen alle Parteien – außer der Labour Party (s. u.) – zusätzliche Sitze, da die Gesamtzahl der Parlamentarier im Dáil erhöht wurde. Die Amtszeit des 4. Dáil betrug 1382 Tage.
ParteiAnführerSitzverteilung1Nachwahlen (11)2 Anzahl ± %-Verteilung Verloren Gewonnen Behalten ± Cumann na nGaedheal W.T. Cosgrave 63 +5 41,18 % 4 1 11 −3 Sinn Féin(Vertragsgegner) Eamon de Valera 44 +8 28,76 % 1 4 +3 Labour Party Thomas Johnson 14 −3 9,15 % 1 +1 Farmers’ Party Denis Gorey 15 +8 9,80 % Unabhängige 17 +7 11,11 % 1 −1 153 +15
Da die 44 gewählten Abgeordneten von Sinn Féin aus anhaltendem Protest gegen den Anglo-Irischen Vertrag ihre 44 Mandate nicht wahrnahmen, verfügte Cumann na nGaedheal über die absolute Mehrheit der Stimmen im Parlament.Francis Stewart Leland Lyons: Ireland since the famine. Fontana Press, London, 10. Aufl. 1987, S. 485.
1927 1927 (Juni) 1927 gab es zwei Wahlen. Die erste (zum 5. Dáil) fand am 9. Juni statt. Die neue Regierung versammelte sich erstmals am 23. Juni. Der 5. Dáil hatte mit nur 98 Tagen die kürzeste Amtszeit in der Geschichte.
ParteiAnführerSitzverteilung1Nachwahlen (1)2 Anzahl ± %-Verteilung Verloren Gewonnen Behalten ± Cumann na nGaedheal W.T. Cosgrave 47 −16 30,71 % 1 1 +1 Fianna Fáil Eamon de Valera 44 +44 28,76 % 1 −1 Labour Party Thomas Johnson 22 +8 14,38 % Farmers’ Party Michael Heffernan 11 −4 7,19 % National League William Redmond 8 +8 5,23 % Sinn Féin(Vertragsgegner) 5 −39 3,27 % Unabhängige 16 −1 10,46 % 153 ±0
Da nur 3 Stimmen die beiden stärksten Parteien Cumann na nGaedheal und Fianna Fáil trennten, stand die Regierungsfähigkeit in Frage. Als die Abgeordneten von Fianna Fáil im August 1927 erstmals an Parlamentssitzungen teilnahm, initiierten sie zusammen mit der Labour Party und der National League ein Misstrauensvotum gegen die Regierung von Cumann na nGaedheal. Doch am Tag der Abstimmung erschien John Jinks, einer der Abgeordneten der National League, nicht – so endete das Misstrauensvotum unentschieden. Der Ceann Comhairle stimmte für die Regierung. Damit war das Misstrauensvotum gescheitert.
W.T. Cosgrave erkannte, dass in dieser Situation keine verlässliche Regierungsarbeit möglich war. Deshalb setzte er in der Hoffnung auf ein „besseres“ Ergebnis eine Neuwahl des Dáil Éireann an.
1927 (September) Die zweite Wahl im Jahr 1927 (zum 6. Dáil) fand am 15. September statt. Zu der Wahl traten die einzelnen Parteien mit unterschiedlichen Aussagen an. Cumann na nGaedheal war die Regierungspartei. Die 1926 gegründete neue Partei Fianna Fáil versprach, neue Wege zu beschreiten und für Irland auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit. Die Labour Party, obwohl innerlich zerstritten, hoffte auf ein ähnlich gutes Ergebnis wie bei der letzten Wahl und die Farmers’ Party vertrat die Interessen der landwirtschaftlichen Wähler. Sinn Féin erlebte bereits bei der letzten Wahl (durch die Gründung von Fianna Fáil) einen Absturz und gewann diesmal nicht einen Sitz.
Nach der Wahl gelang es Cumann na nGaedheal, mit der Farmers’ Party und den Unabhängigen eine stabile Regierung zu bilden. Der Anführer der Labour Party, Thomas Johnson, erreichte in seinem Wahlkreis keinen Sitz und zog sich daraufhin aus der Politik zurück. Der 6. Dáil konstituierte sich am 11. Oktober. Seine Amtszeit dauerte 1615 Tage.
ParteiAnführerSitzverteilung1Nachwahlen (7)2 Anzahl ± %-Verteilung Verloren Gewonnen Behalten ± Cumann na nGaedheal W.T. Cosgrave 62 +15 40,52 % 3 2 +3 Fianna Fáil Eamon de Valera 57 +13 37,25 % 1 1 1 Labour Party Thomas Johnson 13 −9 8,50 % 1 −1 Farmers’ Party Michael Heffernan 6 −5 3,92 % National League William Redmond 2 −6 1,31 % Unabhängige 13 −3 8,50 % 2 −2 Andere (Sinn Féin) 0 −5 153 ±0
1932 Die Wahl 1932 fand am 16. Februar 1932 statt, nur knapp zwei Wochen nach der Auflösung des Parlaments am 29. Januar. Die (nach wie vor) 153 Mitglieder des neugewählten 7. Dáil versammelten sich erstmals am 9. März im Leinster House in Dublin, und die Amtszeit betrug 343 Tage. Die Wahl wurde in 30 Wahlkreisen aufgetragen und war eine der wichtigsten im 20. Jahrhundert.
Cumann na nGaedheal führte den Wahlkampf mit 10 Jahren stabiler Regierung im Rücken, nach den chaotischen Jahren während des Bürgerkrieges. Doch die Unterstützung wurde geringer, da die Partei keine wirklichen Lösungsvorschläge für den einbrechenden Handel aufgrund der großen Depression aufzeigen konnte. Anstelle neue politische Wege zu beschreiten unternahm die Partei nichts und nutzte die Angst vor dem Kommunismus aus und verglich Éamon de Valera mit Stalin.
Im Gegensatz dazu hatte Fianna Fáil ein durchdachtes Wahlprogramm, das einen großen Bereich der Wählerschaft abdeckte. Die Partei versprach, inhaftierte IRA-Gefangene zu begnadigen, den umstrittenen Treueeid abzuschaffen und die Machtbefugnisse des Senats und des Generalgouverneurs zu beschränken. Weitere Versprechen waren die Unterstützung von industrieller Entwicklung, wirtschaftliche Eigenständigkeit und Verbesserungen in sozialen Belangen. Der Wahlkampf zwischen beiden Parteien verlief relativ friedlich. Doch die Regierung verklagte die neu eingerichtete Zeitung von de Valera, die Irish Press und brachte dessen Herausgeber vor ein Gericht, was von vielen Wählern als Eingriff in die Presse- und Redefreiheit gesehen wurde. Auch das Spiel mit der Angst gegenüber dem Kommunismus erwies sich letztendlich als Eigentor der Regierung.
Als die Ergebnisse der Wahl bekannt gegeben wurden, war Fianna nur fünf Sitze von einer absoluten Mehrheit entfernt und damit die einzige Partei, die eine sichere Regierung bilden konnte. Die Verhandlungen dazu begannen direkt nach der Wahl, und der Koalitionspartner wurde die Labour Party.