mini|hochkant|Miguel Herz-Kestranek (2018) Miguel Herz-Kestranek (* 3. April 1948 in St. Gallen, Schweiz) ist ein österreichischer Schauspieler und Autor.
Leben Herz-Kestranek ist Sohn der dem ehemaligen Wiener jüdischen Großbürgertum entstammenden Industriellen- und Künstlerfamilie Herz-Kestranek. Großvater Eugen Herz und Großonkel Wilhelm Kestranek nahmen führende Stellungen in der österreichischen Wirtschaft ein. In der Familie gab es Schriftsteller, Schauspieler, Maler, Philosophen (Hans Kestranek), Schauspiel- und Sprechlehrer (Zdenko Kestranek, Max Reinhardt Seminar), Opernsänger, sowie den k. u. k. General Paul Kestranekhttps://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_K/Kestranek_Paul_1856_1929.xml oder den Bischof und ungarischen Historiker Vilmos Fraknói. Mütterlicherseits stammt Miguel Herz-Kestranek aus einer jüdischen Kölner Kaufmannsfamilie mit Namen Rothschild. Seinen Vornamen „Miguel“ verdankt Herz-Kestranek der Emigration seiner jüdischen Eltern, die einander 1945 im Exil in Montevideo kennen gelernt hatten. Sein Doppelname entstand durch die Adoption des Vaters durch dessen Onkel. In den Anfangsjahren des Nazi-Terrors wurde dem väterlichen „Herz“ das großmutterseitige Kestranek hinzugefügt, um das jüdische Herz mit einem vermeintlich tschechischen „Kestranek“ zu „neutralisieren“. Emigration und Ermordung im Konzentrationslager blieben der Familie nicht erspart.
Miguel Herz-Kestranek wurde in St. Gallen in der Schweiz geboren und besuchte die Volksschule in Sankt Gilgen am Wolfgangsee, in Bonn und in Salzburg. In der vierten Klasse des humanistischen Gymnasiums musste der „notorische Durchfaller und Herausgeschmissenwerder“ (Eigendefinition) ins oberösterreichische Ried im Innkreis wechseln, wo er 1968 mit der Matura abschloss. Nach einem Jahr als Gasthörer an der Schauspielabteilung des Salzburger Mozarteums besuchte Herz-Kestranek das Wiener Max Reinhardt Seminar, das er mit dem Diplom abschloss.
In einer jüdischen Familie geboren und christlich aufgewachsen, hat sich Miguel Herz-Kestranek durch seine Freundschaft mit dem in Wien lebenden buddhistischen Mönch Banthe Seelawansa Thero selbst als „jüdischen Buddh-Christen“ bezeichnet.
Miguel Herz-Kestranek ist in erster Ehe seit September 2016 mit Miriam verheiratethttps://www.herz-kestranek.com/presse/vita-stichworte/ und hat aus einer früheren Beziehung mit der österreichischen Schauspielerin Dorothea Parton die 1971 geborene Tochter Theresa, die als alternative Hundetrainerin in Niederösterreich eine Hundepension mit dem Namen Hundeglück führt.Hundeglück - Theresa Parton
Am See aufgewachsen, ist Miguel Herz-Kestranek ein leidenschaftlicher Segler und gründete in den 1980er-Jahren die ehemalige österreichische O-Jollen-Vereinigung neu. Neben vielen Regatten segelte er auch bei der Europameisterschaft der O-Jollen 2005 auf dem Wolfgangsee mit. Bereits 1984 stiftete er einen nach ihm benannten Preis.
Miguel Herz-Kestranek lebt zurückgezogen abwechselnd in Wien und am Wolfgangsee.
Werdegang 1971 begann der „Vielseitigkeitskünstler“ Herz-KestranekKulturzeitschrift "morgen" Februar 2014 seine Bühnentätigkeit mit einer Gastrolle am Wiener Volkstheater und absolvierte sein Elevenjahr am Wiener Burgtheater unter der Direktion Gerhard Klingenbergs. Dann wechselte er ans Grazer Schauspielhaus (Direktion Rudolf Kautek). Nach eineinhalb Jahren ging er zurück nach Wien – ohne Engagement. Er bekam eine Hauptrolle im Wiener Konzerthaus-Kellertheater, das zu dieser Zeit zum Wiener Theater in der Josefstadt gehörte. Mit ihm spielten Karlheinz Hackl, Rudolf Jusits, Ludwig Hirsch und Hans Holt. Er wurde daraufhin fest ans Theater in der Josefstadt engagiert (Direktion Haeussermann/Stoß) und blieb dort für sechs Spielzeiten im Engagement, bis 1979 sein Vertrag nicht mehr verlängert wurde.
Der Schauspieler bekam ein Engagement bei den Salzburger Festspielen in Arthur Schnitzlers Das weite Land unter der Regie von Maximilian Schell. Insgesamt war er sechs Mal bei den Salzburger Festspielenzu Gast: unter anderem in Otto Schenks Inszenierung von Was ihr wollt und in Dantons Tod mit Götz George unter Rudolf Noelte.
Neben seiner Arbeit am Theater wurde Herz-Kestranek auch schnell ein gefragter Sprecher im österreichischen Rundfunk für Hörspiele und Featureshttps://www.hoerspiel3.de/sprecher/sprecherdb.php?sprecher=Miguel%20Herz-Kestranek und wird wegen seiner markant-sonoren Stimme immer wieder für TV-Dokumentationen gebucht. Als Synchronsprecher lieh er seine Stimme etwa bekannten Kollegen wie Oskar Werner in der zweiten Synchronfassung (1993) der Folge Playback aus der Krimireihe Columbo oder Mathieu Carrière in dem Biopic Egon Schiele – Exzesse. Vereinzelt übernahm Herz-Kestranek auch einige Aufträge aus der Werbung und sprach so zum Beispiel die ersten gezeichneten TV-Spots des österreichischen Energydrinks Red Bull Ende der 80er-Jahre.https://sprecherverband.at/voice-sprecherinnen.html?inpName=&inpGender=both&inpSpracheNative=&inpStimmalter=&sid=99
Seit 1980 konzentriert sich Herz-Kestranek auf seine Karriere als Film- und TV-Schauspieler und arbeitet in Deutschland und in internationalen Produktionen, etwa in Italien oder England, aber auch für amerikanische TV- und Kinofilme.
Seinen Durchbruch im österreichischen Fernsehen hatte Herz-Kestranek als „Magister Liguster“ in der ORF-TV-Serie Familie Merian. Seine Einsätze als Tatort-Kommissar Ullmann wurden 1986 mit der Wahl zum beliebtesten österreichischen Tatortkommissar durch eine österreichische Tageszeitung bewertet. Kestranek spielte in mehr als 180 zum Teil internationalen TV- und Kinoproduktionen (Stand 2021).
Filmografie (Auswahl) 1974: Fräulein Else 1974: Perahim 1975: Alpensaga 1975: Der selige Herr aus dem Parlament 1976: Die liebe Familie 1976: Abschiede (Hochzeitsreise)
1978: Die belgische Republik 1978: 1815 – Der Wiener Kongress 1978: Tod eines Vaters 1978: Das Licht der Gerechten 1978: Alles Leben ist Chemie 1979: Konzert im 7. Stock 1979: Das Geheimnis der alten Dame 1979: Steiner – Das Eiserne Kreuz, 2. Teil 1979: Erbschaft 1979: Die Alpensaga 1980: Attentat in Gastein 1980: Klausenberger Geschichten 1981: Der Repräsentant 1991: Anna Berg 1981: Der Narr von Wien 1981: Familie Merian 1981: Firefox 1982: Die Güte der Fürsten 1982: Die liebe Familie 1982: Familie Merian 1982: Klausenberger Geschichten 1982: Der exekutierte Mensch 1983: Capri – Musik die sich entfernt 1983: Kudlich 1983: Der Leutnant und sein Richter 1983: Wagner – Das Leben und Werk Richard Wagners 1983: Goldene Zeiten II 1984: Weltuntergang 1984: Der Turm 1984: Flucht Ohne Ende 1984: Tatort – Der Mann mit den Rosen (als Assistent Franz Ullmann) 1985: Tatort – Fahrerflucht (als Assistent Franz Ullmann) 1985: Tatort – Nachtstreife (als Assistent Franz Ullmann) 1985: Tal der Pappeln 1985: Achtunddreissig 1985: Alles Komödie 1985: Merken Sie sich dieses Gesicht 1986: Ein Porträt für Mario 1986: Wie den eigenen Sohn 1986: Marionetten 1986: Eine Minute dunkel macht uns nicht blind 1986: Moselbrück 1986: Tatort – Der Schnee vom vergangenen Jahr (als ermittelnder Journalist Lutinsky) 1987: Bravissimo 1987: Hafendetektiv 1987: Der Schatz des Kaisers 1987: Ein Mann nach meinem Herzen 1988: In Zeiten wie diesen 1988: Kaffeehausgeschichte 1988: Wie würden Sie entscheiden 1989: Moselbrück 1989: Wenn das die Nachbarn wüßten 1989: Eurocops 1989: Die Strauß-Dynastie 1990: Der Meister des Jüngsten Tages 1990–2000: SOKO 5113 (Fernsehserie, drei Folgen) 1990: Der Erfolg Ihres Lebens 1991: The Mixer 1991: Wolfgang Amadeus Mozart 1992: Der Diamant des Geisterkönigs 1992: Der Fall Lucona 1992: Und morgen der Opernball 1993: Wirklich schade um Papa 1993: Familie Merian 1993: Im Kreis der Iris 1993: Peter Strohm 1993: Der exekutierte Mensch 1994: Radetzkymarsch 1994: Ein unvergessenes Wochenende in den Schweizer Alpen 1994: Hochzeitsreisen 1994: Die Nacht der Nächte 1994: Fitness 1994: Geschichten aus Österreich 1994: Iris & Violetta 1994: Tonino und Toinette 1995: Alice auf der Flucht 1995: Daniel, Philipp und das Wunder der Liebe 1995: Das Kapital 1995: Drei in fremden Betten 1995: Ein Mann in der Krise 1995: Schlosshotel Orth 1996: Die Unzertrennlichen 1996: Die Eisenstraße 1996: Klinik unter Palmen 1996: Eifersucht – eine tödliche Falle 1996: Drei Tage Angst 1996: Weißblaue Geschichten 1996: Katrin ist die Beste 1997: Sardtsch 1997: Infoline 1997: Alle meine Töchter 1997: Kommissar Rex 1998: Derrick - Herr Kordes braucht eine Million 1998: JETS – Leben am Limit 1998: Kanadische Träume 1998: Weißblaue Geschichten 1998: Drei Tage Angst (Fernsehfilm) 1999: Der Bulle von Tölz: Tod am Hahnenkamm 1999: Rosamunde Pilcher – Möwen im Wind 1999: SOKO 5113 1999: Sophie – Sissis kleine Schwester 1999: Kanadische Träume – eine Familie 2000: Donna Leon – Vendetta 2000: Alle meine Töchter 2000: Der Bestseller 2000: Schlosshotel Orth 2000: Sinan Toprak ist der Unbestechliche 2000: Stimme des Herzens 2001: Liebe unter weißen Segeln 2001: Sass 2001: Die Kumpel 2001: Uprising 2002: Das unbezähmbare Herz 2002: Die Rosenheim-Cops 2002: Zwei Seiten der Liebe 2002: Mit Herz und Handschellen 2002: The Poet 2003: Mai Storia D‘Amore in Cucina 2003: Alles Glück dieser Erde 2003: Mädchen, Mädchen 2003: Mein Mann, mein Leben und du 2003: Wilde Engel 2003: Der Fürst und das Mädchen 2004: Weißblaue Wintergeschichten 2004: Der letzte Zeuge 2004: Die Patriarchin 2004: Klimt 2004: Mit Herz und Handschellen 2004: Rose unter Dornen 2005: Alpenglühen 2 – Liebe versetzt Berge 2005: Der letzte Zeuge 2005: Agathe kann’s nicht lassen 2005: Der Fürst und das Mädchen 2005: Die Spur im Schnee 2005: Im Tal der wilden Rosen 2005: Liebes Leid und Lust 2005: Rosamunde Pilcher – Segel der Liebe 2005: Weißblaue Wintergeschichten 2006: Im Tal der wilden Rosen – Was das Herz befiehlt 2006: Herzdamen 2006: Störtebeker 2006: La Freccia Nera 2006: König der Herzen 2007: Utta Danella – Tanz auf dem Regenbogen 2007: Der Bibelcode 2007: Doctor’s Diary 2007: Inga Lindström – Ein Wochenende in Söderholm 2007: SOKO Donau 2007: Zodiak – Der Horoskop-Mörder 2008: Der Tote im Elchwald 2008: Johanna – Köchin aus Leidenschaft 2008: SOKO Leipzig 2008: Zwei Ärzte sind einer zu viel (Fernsehserie, 1 Folge) 2009: Der Fall des Lemming 2009: Ausgerechnet Afrika 2009: Der Engelmacher 2009: Die Wanderhure 2009: Nanga Parbat 2010: Das Traumhotel – Sri Lanka 2010: Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei 2010: Pius XII. 2011: Beate Uhse – Das Recht auf Liebe 2011: Der Meineidbauer 2011: Ein Schatz fürs Leben – Abenteuer in Panama 2011: Um Himmels Willen 2012: Fuchs und Gans 2012: The Other Wife 2012: Helden – Wenn dein Land dich braucht 2013: Angélique 2013: Um Himmels Willen 2015: Ein starkes Team – Beste Freunde 2017: Die Ketzerbraut 2017: Das doppelte Lottchen 2018: Lena Lorenz – Zwei Väter 2019: Vorstadtweiber 2019: Meiberger - im Kopf des Täters 2019: Schnell ermittelt
Theater, Musical, Kleinkunst Herz-Kestranek spielte zahlreiche wichtige Theaterrollen, unter anderem Arthur Schnitzlers Anatol am Theater in der Josefstadt und Selim Bassa in Mozarts Die Entführung aus dem Serail. Sechs Mal gastierte er bei den Salzburger Festspielen und zwölf Mal bei den Festspielen Reichenau, wo er große Haupt- und Titelrollen verkörperte, darunter den Jakobowsky in Franz Werfels Jakobowsky und der Oberst, den Leonidas in Franz Werfels Eine blaßblaue Frauenschrift, Thomas Stockmann in Henrik Ibsens Ein Volksfeind, Trigorin in Anton Tschechows Die Möwe, den Grafen in Arthur Schnitzlers Reigen, Herrn Ledig in Johann Nestroys Unverhofft, Nebel in Liebesgeschichten und Heurathssachen. Zuletzt verfasste er das Buch, führte Regie und spielte in „Schauen Sie sich das an!“, einer kabarettistischen Revue mit Texten und Liedern von Karl Farkas, Fritz Grünbaum und anderen.