Günter Pusch (* 1941 in Leoben) ist ein österreichischer Rohstofflagerstättenfachmann und Hochschullehrer.
Leben und Wirken Schule und Studium Günter Pusch wurde im Jahre 1941 in Leoben geboren, wuchs im Stadtteil Leitendorf auf und besuchte nach der allgemeinen Schulausbildung ab 1952 das Realgymnasium in Leoben, an dem er 1960 mit Auszeichnung maturierte.Univ. Prof. (i.R.) Dr. mont. Günter Pusch auf der offiziellen Webpräsenz der TU Clausthal, abgerufen am 20. Dezember 2024 Danach studierte er von 1960 bis 1965 an der Montanuniversität Leoben das Fach Erdölwesen (heute Petroleum Engineering). Bis 1970 war er weiterhin für die Montanuniversität tätig und promovierte im Jahre 1970 bei den Professoren Manfred Lorbach und Erich Schwarz-Bergkampf mit der Dissertation Methoden zum Studium der Grenzflächenleitfähigkeitserscheinung an niedrig konzentrierten Solen,Methoden zum Studium der Grenzflächenleitfähigkeitserscheinung an niedrig konzentrierten Solen in der Suchmaschine PRIMO der Universitätsbibliothek Leoben, abgerufen am 20. Dezember 2024 einer experimentellen Arbeit zur Struktur von Tonsuspensionen mittels Oberflächenleitfähigkeitsmessungen, ebenfalls mit Auszeichnung, zum Dr. mont.doctor rerum montanarum (Doktor der Bergbauwissenschaften)
Forschungstätigkeiten und Hochschulprofessur in Clausthal Seine Forschungstätigkeit setzte er daraufhin am Laboratorium für Erdölgewinnung der Deutschen Texaco AG (siehe auch Texaco) in Wietze auf dem Gebiet der Wärmeanwendung in Lagerstätten durch Untertageverbrennung (In-situ Combustion) fort. 1976 wurde er Leiter der Lagerstättenabteilung der Deutschen Texaco AG in Hohne und war hier an den Feldversuchen zur Enhanced Oil Recovery (EOR) beteiligt. Im Jahr 1979 wurde Pusch zum Universitätsprofessor für die neu geschaffene Abteilung für Lagerstättentechnik am Institut für Tiefbohrtechnik und Erdölgewinnung der Technische Universität Clausthal berufen. In dieser Funktion war er bis zum Renteneintritt im Dezember 2007 tätig und bekleidete dabei die Funktion des Abteilungsleiters und im bilateralen Wechsel die des Institutsdirektors (zuletzt durchgehend von 1999 bis 2007). Darüber hinaus war er von 1991 bis 1993 Dekan des Fachbereichs Bergbau und Rohstoffe und begann als solcher mit der Umgestaltung der traditionellen Bergbaustudiengänge in moderne, breiter angelegte Geotechnikstudiengänge, die teilweise bis heute (Stand: 2024) Bestand haben. Außerdem war der gebürtige Steirer lange Zeit Vorsitzender der Baukommission des Senats und Senatsbeauftragter für die Zusammenarbeit mit seiner Alma Mater, der Montanuniversität Leoben. Im Januar 2009 trat der gebürtige Klagenfurter Leonhard Ganzer, der ebenfalls die Montanuniversität Leoben absolviert hatte, am Institut für Erdöl- und Erdgastechnik der TU Clausthal die Nachfolge von Pusch an.Lagerstättenexperte Ganzer übernimmt Professur in Clausthal, abgerufen am 20. Dezember 2024
Beratende Tätigkeit nach der Emeritierung Nach seiner Emeritierung war er noch bis Februar 2023 für die Nordic Oil USA LLP (heute NASCO Energie und Rohstoffe AG) mit den Standorten in Hamburg und Houston beratend tätig. Dazu zählte beispielsweise die Begutachtung von Projekten zur Nachnutzung unzureichend ausgebeuteter Öl- und Gaslagerstätten in Texas und New Mexico, um zusätzliche Ressourcen zu fördern. Des Weiteren arbeitete er an Projekten im sogenannten Eagle Ford Shale, einer bedeutenden Schieferformation in den USA, die reich an Öl und Gas ist, mit und mit und begleitete NASCO bei der Entwicklung von Helium-Gasvorkommen, einem weiteren, wichtigen Standbein in den USA.Helium-wichtiger Rohstoff aus Erdgas und geothermalen Quellen. Erdöl-Erdgas-Kohle, Vol. 134, Juli/August 2018. Mit N. Liermann, J. Warstat. Bei hoch verwässerten Öl- und Gaslagerstätten, war Pusch an der Entwicklung von Methoden beteiligt, die unerwünschten Wassereintritt in die Bohrlöcher minimieren sollten. In Deutschland beriet Pusch u. a. das Unternehmen GDF SUEZ E&P Deutschland GmbH bei der wirtschaftlichen Entwicklung der maturen Gaslagerstätte Altmark in Sachsen-Anhalt, dem größten Erdgasfeld Deutschlands.
Im Auftrag des Österreichischen Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit – Sektion IV-Montanbehörde WestArchiv BMWA: Verhandlungsschrift des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit vom 15.11.2006 in Straßwalchen, Vorsitz MR Dipl. Ing. Önder Aktulga begutachtete er als Sachverständiger die Betriebspläne der Rohöl-Aufsuchungs-Aktiengesellschaft Wien zur Errichtung des größten österreichischen Untergrund-Gasspeichers Haidach und 7 weiterer Erdgasspeicher in Oberösterreich und Salzburg.
Lehre und Forschung An der TU lehrte er das Fachgebiet Lagerstättentechnik vor allem in den Kernfächern Lagerstättentechnik Teil I–III, Tertiäre Erdölgewinnungsverfahren und Grundlagen der Bohrlochtests. Er ergänzte seine Lehre durch Lehraufträge von Fachleuten der Industrie. Darunter waren unter anderem die Bereiche Lagerstättensimulation, PVT-Eigenschaften von Kohlenwasserstoffen, Well Testing (Bohrlochtest) oder Untertagespeicherung. Im Jahre 2004 wurde an der TU Clausthal der von ihm nach dem Vorbild der Heriot-Watt University in Edinburgh konzipierte erste englischsprachige Bachelor- und Masterstudiengang Petroleum Engineering eingeführt, was zu einer Steigerung der (vor allem ausländischen) Studenten am Institut und generell an der Universität beigetragen hatte.
Pusch konzentrierte sich in seiner Forschung zunächst auf die genannten EOR-Verfahren, darunter Polymerfluten, Tensidfluten, CO2-Mischphasenfluten und In-situ-Verbrennung. Mit der Errichtung eines der ersten gesteinstomografischen Labore für Bohrkerne (Röntgendiffraktometrie und Kernspinresonanzmessungen) in Deutschland brachte er die experimentellen Untersuchungen an Gesteinskernen auf ein neues Niveau der Visualisierung von Flutexperimenten. Unter Puschs Leitung wurden die Voraussetzungen für Experimente unter Spannungseinfluss geschaffen: Ein Prüfstand (Triaxialpermeameter) für Untersuchungen in tiefen Bereichen der Erdkruste bis zu 10.000 Metern wurde gebaut, und eine Zweiphasenflutanlage für Experimente unter Radialspannungseinfluss samt Peripheriegeräten eingerichtet. Ergänzt wurden diese vielfältigen Laboreinrichtungen durch eine leistungsfähige Analytik. Dadurch konnten zahlreiche Forschungsprojekte realisiert werden, etwa zum Durchlässigkeitsverhalten von sogenannten „Tight Gas“-Lagerstätten (DGMK), zur Kohlendioxidspeicherung in ausgeförderten Erdgaslagerstätten, zur Gaspermeation in Salzgesteinen und Graniten (BMFT und NAGRA), zum Ausgasungsverhalten von Steinkohle („Kohlegewinnung der 2. Generation“) und zur Wasserabsperrung in Gaslagerstätten (EU-Förderung). Die experimentelle Grundlage zahlreicher Flutversuche diente auch zur Überprüfung von Testversionen verschiedener Prozesssimulatoren. Puschs Arbeiten führten zu 34 von ihm betreuten Doktorarbeiten, über 100 Fachpublikationen in Zeitschriften und zehn Patentanmeldungen.
Für seine Forschungsarbeiten zur In-situ Combustion wurde Pusch 1975 mit dem Carl-Zerbe-Preis der DGMK ausgezeichnet.Liste der Preisträger des Carl-Zerbe Preises auf der offiziellen Webpräsenz der DGMK, abgerufen am 20. Dezember 2024Deutsche Gesellschaft für Mineralölwissenschaft und Kohlechemie: Erdöl und Kohle, Erdgas, Petrochemie vereinigt mit Brennstoffchemie Band 30. Industrieverlag von Hernhausen, S. 13. Darüber hinaus wurde er in das Europäische Gremium der EOR-Forschungssymposien (ESIR) aufgenommen und war viele Jahre Vizepräsident der internationalen Society of Core Analysts (SCA). In Zusammenarbeit mit der Bergbauforschung in Essen übernahm er den Vorsitz des Forschungsverbunds „Kohlegewinnung 2. Generation“ und leitete dessen Aktivitäten bis zu einem Feldversuch der Untertagekohlevergasung in der belgischen Gemeinde Mol. In der European Association of Geoscientists and Engineers (EAGE) setzte er sich für die Erweiterung der Mitgliederstruktur ein, um Ingenieure neben Experten aus Geologie und Geophysik zu integrieren. Gemeinsam mit den Professoren Rischmüller, Neumann und später Kessel gründete und organisierte er von 1982 bis 1995 das „Clausthaler Chemikalien-Symposium für Erdöl- und Erdgasgewinnung“. Auf internationaler Ebene beteiligte er sich an der Organisation zahlreicher Konferenzen der EAGE, SPE und europäischen „Chemical Societies“. Zudem wurde er zum Mitglied des „Committee of Mining Sciences“ der Polnischen Akademie der Wissenschaften ernannt.
Schriften (Auswahl) 1970: Methoden zum Studium der Grenzflächenleitfähigkeitserscheinung an niedrig konzentrierten Solent (Dissertation) 1976: Mathematische Behandlung bautechnologischer Prozesse 1995: Die Energierohstoffe Erdöl und Erdgas: Vorkommen, Erschließung, Förderung (mit Heinrich Rischmüller und Klaus Weggen) 2001: Das Clausthaler Gesteinstomographielabor. (mit Rüdiger Meyn) In: TUContact. Zeitschrift des Vereins von Freunden der Technischen Universität Clausthal, Nr. 9, Dezember 2001, S. 23ff. 2017: Energiewende mit heimischem Erdgas-eine Potenzialabschätzung der deutschen Schiefergasförderung. Erdöl-Erdgas-Kohle, Vol. 133, Oktober 2017. Mit J. Büchner. 2019: Hydrogeologische Einflussgrößen zur Ermittlung des Energiepotenzials von norddeutschen Tiefenaquiferen. Erdöl-Erdgas-Kohle, Vol. 135, April 2019. 2023: Die Grenzen der Wasserstoffwirtschaft. EEK 2023, Heft 9, 25–36. Mit W. Littmann. 2024: Kritische Kennwerte der Wasserproduktion in Erdgassonden. EEK 2024. Heft 1, Jahrgang 140, 37–46.
Ehrungen (Auswahl) 1975: Carl-Zerbe Preis der DGMK
Weblinks Univ. Prof. (i.R.) Dr. mont. Günter Pusch bei TU Clausthal Günter Pusch: Gewinnung von Erdöl bei Deutsches Erdölmuseum Wietze
Einzelnachweise
Kategorie:Geowissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Clausthal) Kategorie:Absolvent der Montanuniversität Leoben Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Mann