Harald Volkmann (* 25. September 1905 in Baldenburg, Kreis Schlochau; † 1997) war ein deutscher Physiker und kurzzeitig Hochschullehrer.

Leben Harald Volkmann wurde im westpreußischen Baldenburg zur Zeit des Deutschen Reiches geboren. Er studierte Physik, Mathematik, Chemie und Mineralogie an der Georg-August-Universität Göttingen, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und schließlich der Albertus-Universität KönigsbergBild der Wissenschaft, Sammelband, Autoren-Information, 1966., wo er 1930 bei Richard Gans mit der Dissertation Experimentelle Untersuchungen über die natürliche optische Aktivität von Flüssigkeiten promoviert wurde.Lothar Mertens: „Nur politisch Würdige“. Die DFG-Forschungsförderung im Dritten Reich 1933–1937. Akademie-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-05-003877-2, S. 15. Seit seinem Studium gehörte er der Burschenschaft Brunsviga Göttingen an.Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 516.Friedrich Vohl (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle 1991. Nach dem Stand vom 1. Januar 1991, S. 114. Er war Stipendiat der „Deutschen Gemeinschaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung“, heute Deutsche Forschungsgemeinschaft. Politisch engagierte Volkmann sich für den Nationalsozialismus und war Mitglied der SA.Paul Hoser, Reinhard Baumann (Hrsg.): Kriegsende und Neubeginn: Die Besatzungszeit im schwäbisch-alemannischen Raum. UVK, Konstanz 2003, ISBN 3-89669-731-5, S. 263.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wechselte Volkmann im November 1933 von der SA zur SS.Lothar Mertens: „Nur politisch Würdige“. Die DFG-Forschungsförderung im Dritten Reich 1933–1937. Akademie-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-05-003877-2, S. 207. An der Albertus-Universität Königsberg wurde Volkmann 1936 DozentKürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1950. Dr. Friedrich Bertkau, Dr. Gerhard Oestreich, 7. Ausgabe. S. 2173. für experimentelle Physik und WehrphysikKalender der reichsdeutschen Universitäten und Hochschulen 1936/1937. Verlag J. A. Barth, Leipzig. S. 120. und habilitierte 1937. Am 1. Juni 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde höchstwahrscheinlich rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.924.052).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/24341379Hrsg. Paul Hoser, Reinhard Baumann: Kriegsende und Neubeginn. Die Besatzungszeit im schwäbisch-alemannischen Raum. Forum Suevicum. Bd. 5. UVK, Konstanz 2003, ISBN 3-89669-731-5. S. 267. Im darauffolgenden Jahr wurde Volkmann Dozent an der Technischen Hochschule Karlsruhe und Assistent von Alfons Bühl. Freddy Litten zufolge war Volkmann wie Bühl ein Anhänger der sogenannten „Deutschen Physik“.Freddy Litten: Mechanik und Antisemitismus: Wilhelm Müller (1880–1968). Institut für Geschichte der Naturwissenschaften, 2000, ISBN 3-89241-035-6. S. 151. Er begleitete Bühl im November 1940 zu der Zusammenkunft an der Ludwig-Maximilians-Universität München,Michael Eckert: Arnold Sommerfeld – Atomphysiker und Kulturbote 1868–1951. Eine Biografie. Göttingen: Wallstein-Verlag, 2013. S. 378. Klaus Schlüpmann: Vergangenheit im Blickfeld eines Physikers - Hans Kopfermann 1895-1963, 2002. wo der Physiker-Streit zwischen Anhängern der „Deutschen Physik“ und Vertretern der modernen Physik ausgetragen wurde und letztere sich durchsetzten, wobei jedoch Wilhelm Müller und Bruno Thüring sich dem Konsens verweigerten.Alan Beyerchen: Scientists Under Hitler: Politics and the Physics Community in the Third Reich, Yale, 1977, ISBN 0-300-01830-4.

Im Jahre 1943 wurde er an der Technischen Hochschule Karlsruhe außerplanmäßiger ProfessorDie technische Hochschule Fridericiana Karlsruhe, 1950. S. 123. und vertrat insbesondere die Technische Physik und die Technische Optik.Bild der Wissenschaft, Sammelband, Autoren-Information, 1966. Gegen Kriegsende beschäftigte Volkmann sich u. a. mit der Hochfrequenzforschung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Volkmann aus dem Hochschuldienst entlassen. Er arbeitete dann erst bei Zeiss in Heidenheim an der BrenzKürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1950 und ab 1948 als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Zeiss-Werken in Oberkochen, wo er am Aufbau der Zentralen Prüfabteilung und der Abteilung für Mikroskopie beteiligt war und ab 1954 zusammen mit Hans Mahl die Elektronenoptische Abteilung leitete.Bild der Wissenschaft, Sammelband, Autoren-Information, 1966. Schon 1952 hatte Volkmann zusammen mit Karl-Heinz Steigerwald und Hans Mahl die Firma Zeiss beim Tübinger Treffen der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie vertreten.Hans R. Gelderblom, Heinz Schwarz in The Beginnings of Electron Microsopy. Teil 2, 2022. Hrsg. v. Peter W. Hawkes, Martin Hÿtch. ISBN 978-0-323-98919-0. S. 342.

Bereits 1961 wurde Volkmann bei Zeiss mit dem Bau eines Rubinlasers beauftragt, wofür er Unterstützung von Horst Rothe in Anspruch nahm.Ernst Peter Fischer: Laser: eine deutsche Erfolgsgeschichte 2010. S. 122.

Im Jahre 1965 war Volkmann Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Optik.Chemiker-Zeitung/Chemische Apparatur, Bd. 89, 1965.

Publikationen Über einen der Molrefraktion entsprechenden Ausdruck für die natürliche Drehung, zus. m. Karl Lothar Wolf, Zeitschrift für Physikalische Chemie, B3, 1929. Experimentelle Untersuchungen über die natürliche optische Aktivität von Flüssigkeiten, Dissertation, 1930. Kerr-Effekt, optische Anisotropie und Molekülstruktur, Struktur der Moleküle SnCl4, C2H7Cl und N2Ο, zus. m. Herbert Arthur Stuart, Zeitschrift für Physikalische Chemie 17, 1932. Über den Zusammenhang zwischen der Anisotropie der optischen Polarisierbarkeit und der geometrischen Struktur eines Moleküls, zus. m. Herbert Arthur Stuart, Zeitschrift für Physik 80, 1933. Elektrischer Kerr-Effekt und Assoziation in Flüssigkeiten, zus. m. Herbert Arthur Stuart, Zeitschrift für Physik 83, 1933. Experimentelle Untersuchungen des elektrischen Kerr-Effektes organischer Substanzen im gasförmigen Zustande bei hohen Temperaturen, zus. m. Herbert Arthur Stuart, Annalen der Physik 18, 1933. Optische Anisotropie, Form und innere Beweglichkeit von organischen Molekülen, zus. m. H. A. Stuart, Zeitschrift für technische Physik 15 und Physikalische Zeitschrift 35, 1934. Über Messungen des Depolarisationsgrades bei der molekularen Lichtzerstreuung, Habilitationsschrift, Annalen der Physik 24, 1936. Flüssigkeitsstrukturen, Naturforschung und Medizin in Deutschland 1939–1946, Bd. 30. Physikalische Chemie, hrsg. v. Klaus Clusius, 1948. Oberflächen- und Grenzflächenspannung, ebenda, 1948. Über die freie Drehbarkeit der CH3-Gruppen bei Di-iso-Propylketon und Di-n-Propylether, Angewandte Chemie A 61; Festschrift für Hans Meerwein, 1949. Elektronenmikroskopische Untersuchungen über den Aufbau glasig-kristalliner Massen, zus. m. Werner Klemm, Glastechnische Berichte, Bd. 34, 1961. Photographie des Augeninneren, Bild der Wissenschaft, Heft 10, 1966. Carl Zeiss und Ernst Abbe. Ihr Leben und ihr Werk, Deutsches Museum – Abhandlungen und Berichte, 34. Jg., 2. Heft, Verlag Oldenbourg, 1966. Über die wirtschaftliche und wissenschaftliche Bedeutung der Weltraumphotographie, in: Das große Projekt. Raumfahrt und Apollo-Programm: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und der praktische Nutzen für die Menschheit. Michael Artus, Wolfgang Porzig, 1971. Neue Dimensionen der photographischen Technologie, Humboldt, Ausgaben 47–54, 1973.

Literatur Kürschners Gelehrtenkalender 1943 und 1950.

Einzelnachweise

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