Renato „Kizito“ Sesana (* 1943 in Lecco, Italien) ist ein italienischer Missionar der Comboni-Missionare, Journalist und Humanitärarbeiter. Er ist bekannt für seine Arbeit mit Straßenkindern in Nairobi, Kenia.
Leben Jugend Renato Sesana wurde 1943 in Lecco geboren. 1962 schloss er sein Studium in Maschinenbau ab und begann im Moto-Guzzi-Werk im nahegelegenen Mandello del Lario zu arbeiten.
Sesana trat 1964 in das Noviziat der Comboni-Missionare in Gozzano ein. Später studierte er vier Jahre lang Theologie in Venegono Superiore und wurde 1970 zum katholischen Priester geweiht. Er nahm den Namen „Kizito“ an, nach dem heiligen Kizito (dem jüngsten der Märtyrer von Uganda, der 1964 von Papst Paul VI. heiliggesprochen worden war).
Anfang der 1970er Jahre arbeitete Sesana für Nigrizia, eine Zeitschrift der Comboni-Gemeinschaft, deren jüngster Chefredakteur in der über hundertjährigen Geschichte der Zeitschrift er war. Von 1973 bis 1975 war er deren Chefredakteur und bereiste in dieser Zeit Afrika, um zu schreiben und zu fotografieren.
1975 studierte Sesana Englisch in den Vereinigten Staaten und lebte in der Holy Cross Parish in Los Angeles, Kalifornien. Im darauffolgenden Jahr kehrte er nach Italien zurück und schloss 1977 sein Studium der Politikwissenschaft an der Universität Padua ab. Seine Abschlussarbeit befasste sich mit Afroamerikanern in der katholischen Kirche.
Missionar und Humanitärier Helfer in Afrika Die Missionstätigkeit von Pater Kizito in Afrika begann 1977 mit seiner Entsendung nach Sambia. Drei Jahre lang wirkte er in einer ländlichen Gemeinde, bevor er in die Hauptstadt Lusaka wechselte. Dort wurde er dem Armenviertel Bauleni zugeteilt, wo er sich insbesondere um die Jugend kümmerte und die Laiengemeinschaft Koinonia gründete. In dieser Zeit verfasste er gemeinsam mit dem Theologen Valentino Salvoldi das Buch „Afrika: Das Evangelium gehört uns“, in dem er zu einer afrikanischen Synode aufrief. Das Buch erschien später auch auf Italienisch und Portugiesisch.
Im Februar 1988 wurde er von seiner Ordensgemeinschaft nach Nairobi, Kenia, entsandt, um dort New People, eine Comboni-Zeitschrift für englischsprachige afrikanische Länder, zu gründen. Die erste Ausgabe erschien im Juli 1989, und Pater Kizito war bis 1995 ihr Herausgeber. Sie zählt bis heute zu den meistverbreiteten katholischen Zeitschriften im englischsprachigen Afrika.
In Nairobi angekommen, gründete er in Kenia eine Laiengemeinschaft namens Koinonia mit einer Gruppe junger Männer, die sich vom Leben der Alte Kirchefrühen biblischen Christen, wie es in der Apostelgeschichte beschrieben ist, inspirieren ließen. Die Mitglieder der Gemeinschaft kamen aus verschiedenen Berufen und Gesellschaftsschichten und lebten zusammen, wobei sie ihre Träume, Erfolge und Misserfolge miteinander teilten. Heute zählt die Koinonia-Gemeinschaft etwa vierzig Mitglieder in Nairobi und zehn in Lusaka.
Koinonia Kenya wurde 1996 als juristische Person registriert und gründete anschließend verschiedene Sozialunternehmen, um die lokale Gesellschaft, in der sie ansässig ist, zu verbessern. Ihre Aktivitäten und sozialen Projekte konzentrieren sich vorrangig auf marginalisierte Bevölkerungsgruppen, wie Kinder in schwierigen Lebenslagen – insbesondere Straßenkinder – sowie Frauen und Jugendliche aus armen Verhältnissen.
Abgesehen von den Projekten in Nairobi und Lusaka hat sich die Gemeinschaft inzwischen auf die Nuba-Berge im Sudan ausgebreitet, wo eine Schwestergemeinschaft, Koinonia Nuba, zwei Grundschulen und eine Lehrerbildungsanstalt betrieb. Der aktuelle Krieg führte zur Schließung dieses Projekts, doch eine weiterführende Schule für die Nuba im Flüchtlingslager Yida im Südsudan wird von Koinonia unterstützt. Die sudanesische katholische Bischofskonferenz distanzierte sich jedoch von der Arbeit im Sudan. In einem Schreiben vom 31. August 1999 an „An alle Betroffenen“ schrieb Erzbischof Paulino Lukudu Loro, Präsident der SCBC, im Namen der Bischöfe: „Wir haben erfahren, dass Pater Kizito Spenden für die Nuba-Berge sammelt, indem er Projekte der Kirche oder kirchlichen Organisationen vorstellt. Pater Kizito ist keiner unserer Diözesen zugeordnet. Folglich ist er in keiner Weise befugt, in unserem Namen und/oder im Namen unserer jeweiligen Diözesen Spenden zu sammeln. Wir sind außerdem besorgt darüber, dass Pater Kizito in der Vergangenheit öffentliche Stellungnahmen zur Lage im Sudan abgegeben hat. Wir betonen, dass er von den Bischöfen nicht bevollmächtigt ist, als Stimme der Kirche zu sprechen.““To whom it may concern”: „It came to our knowledge that Father Kizito raises funds for the Nuba Mountains by presenting projects to church or church-related organisations. Father Kizito is not assigned to any of our dioceses. Consequently he has no authorisation whatsoever to raise funds in our name and/or in the name of our respective dioceses… We are also concerned that in the past Father Kizito has issued public statements about the situation in Sudan. We emphasise that he is not authorised by the Bishops to speak as the voice of Church…“
Neben seiner missionarischen und humanitären Tätigkeit ist Pater Kizito Schriftsteller und Journalist. Er hat mehrere Bücher und Hunderte von Artikeln für Zeitschriften und Zeitungen weltweit verfasst. Von 1995 bis 2001 schrieb er wöchentlich die Kolumne „Pater Kizitos Notizbuch“ („Father Kizito’s Notebook“) in der Sonntagsausgabe der Daily Nation, Kenias meistgelesener Zeitung.
1999 beauftragte ihn die Bischofskonferenz von Kenia mit der Planung und dem Aufbau von Waumini.Radio, einem landesweiten katholischer UKW-Sender. Der Sender nahm im Juli 2003 seinen Sendebetrieb auf und wurde von Sesana bis Anfang 2006 geleitet.
Sesana hat außerdem die Gründung von Newsfromafrica.org inspiriert und unterstützt, einem elektronischen Nachrichtenbulletin, welches Artikel aus der Perspektive der afrikanischen Bevölkerung an der Basis in ihrem Kampf für Freiheit, Würde und Gerechtigkeit veröffentlicht.
Unter anderem hat er bei der Gründung von Peacelink-Africa, einem Portal für afrikanische Friedensinitiativen, und The Big Issue Kenya mitgewirkt, der ersten Straßenzeitung des Landes, die jedoch nach drei Jahren aufgrund finanzieller Probleme schließen musste.
Aktuell unterstützt und fördert Pater Kizito weiterhin aktiv die verschiedenen Initiativen von Koinonia, insbesondere die Projekte der Gemeinde zur Rehabilitation von Straßenkindern in Nairobi und Lusaka sowie die Aktivitäten von SYDI (Sports for Youth Development Initiative) und NAREC (Nairobi Recyclers), zwei Nichtregierungsorganisationen, die aus Koinonia hervorgegangen sind.
Ende 2015 betrieb Koinonia in Nairobi sieben Kinder- und Jugendheime, eine Sekundarschule, zwei Hochschulen, zwei Bürgerradiosender sowie das Shalom House, ein Zentrum für Gerechtigkeit und Frieden mit modernen Wohnmöglichkeiten. In Lusaka befinden sich am selben Standort ein Kinder- und Jugendheim und eine Sekundarschule; eine öffentliche Bibliothek und ein Ausbildungszentrum für ökologischen Landbau sind im Bau.
Er ist weiterhin als Autor tätig. Bisher hat er 14 Bücher veröffentlicht und betreibt seit Januar 2008 den Blog „A Life in Africa“. Außerdem schreibt er für das italienische Online-Magazin „The Post Internazionale“.una vita in africa. tpi.it.
Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs Ihm wurde der sexuelle Missbrauch junger afrikanischer Männer vorgeworfen.Daily Nation, 16. Juni 2009: Kenya priest denies sexual allegations. nation.co.ke. Er wies die Anschuldigungen entschieden zurück und erklärte, das eigentliche Ziele der Ankläger sei das Vermögen der Koinonia-Gemeinschaft.Boys defend Father Kizito. Daily Nation. nation.co.ke vom 20. Juni 2009. Am 1. Dezember 2010 erklärte der kenianische Generalstaatsanwalt, es gebe nicht genügend Beweise für eine Anklage. Alle Hauptzeugen widerriefen ihre Aussagen und gaben zu, Geld für ihre Anschuldigungen erhalten zu haben.Fr Kizito freed for lack of evidence. Daily Nation. nation.co.ke vom 27. Mai 2011.Father Kizito Renato Sesana is Innocent. newsfromafrica.org.
Im Juni 2010 reichte Pater Kizito drei Klagen wegen Verleumdung gegen drei kenianische Massenmedien wegen einseitiger Berichterstattung ein.
Ehrungen 1997: Raul Follereau Award.Raoul Follereau Award. aifo.it. 2002: Vita Nova Prize 2002: Altropallone AwardAltropallone. altropallone.it. Er wurde für sein Engagement im Sponsoring von sauberen, fairen und verantwortungsvollen Sportaktivitäten ausgezeichnet. Er förderte die Herstellung von Fairtrade-Fußbällen durch den Amani-Yassets-Sportverein in Nairobi und setzte sich dafür ein, Fußball und andere Sportarten wieder als Quelle der Freude und des Gemeinschaftssinns zu etablieren. 2011: Journalistenpreis der Stadt Sasso MarconiPremio Sasso Marconi. comune.sassomarconi.bologna.it. 2012: Regione Lombardia Peace PrizeLombardia Peace Prize. regione.lombardia.it Archivlink 2015: Ethical Award der Associazione Culturale Plana für ihn und den Filmemacher Ermanno Olmi und den uruguayischen Präsidenten José “Pepe” Mujica.
Einzelnachweise
Weblinks A Life in Africa: Fr. Renato Kizito Sesana’s blog kizito.org Koinonia Community Website koinoniacommunity.org Newsfromafrica Newsfromafrica.org Radio Waumini radiowaumini.org
Kategorie:Comboni-Missionar Kategorie:Person (sudanesische Geschichte) Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Italiener Kategorie:Mann