Die angolanisch-brasilianischen Beziehungen umfassen die bilateralen Beziehungen zwischen Angola und Brasilien. Sie unterhalten seit 1975 offizielle diplomatische Beziehungen, deren Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen.

Ihr Verhältnis gilt als sehr gut und wird traditionell von ihren jahrhundertealten historischen Verbindungen mit vielschichtigen kulturellen Gemeinsamkeiten geprägt, mit heute wieder bedeutenden Wirtschaftsbeziehungen. So zeigen sich Einflüsse aus Angola in vielen Aspekten afro-brasilianischer Kultur, und sie beeinflussen sich gegenseitig in Musik und anderen Bereichen der Kultur, heute mit einigem brasilianischem Übergewicht. Wirtschaftlich zählen brasilianische Unternehmen zu den wichtigsten privaten Investoren und Arbeitgebern im heutigen Angola, und die beiden Staaten sind gegenseitig wichtige Handelspartner. Brasilien war das erste Land, das 1975 die Unabhängigkeit Angolas anerkannte.Webseite des brasilianischen Außenministeriums zu den Beziehungen zu Angola (portugiesisch, englisch), abgerufen am 15. Dezember 2024 Ein weiteres Verbindungsglied ist die militärische Kooperation, zu deren Zweck die Brasilianischen Streitkräfte in Angola eines ihrer acht Verbindungsbüros in Afrika unterhalten und dem auch die brasilianische Marinebasis in São Tomé und Príncipe untersteht.Brasil cria núcleo de missão naval em São Tomé e Príncipe - „Brasilien richtet Stützpunkt für Marinemission in São Tomé und Príncipe ein“, Artikel vom 24. November 2014 des brasilianischen Seestreitkräfteportals www.naval.com.br, abgerufen am 30. März 2025Conexão Brasil-África: saiba como a Marinha contribui para o desenvolvimento do Atlântico Sul - „Verbindung Brasilien-Afrika: erfahren Sie, wie die Marina zur Entwicklung des Südatlantiks beiträgt“, Artikel vom 23. Oktober 2023 der Nachrichtenagentur der brasilianischen Marine (Agência Marinha de Notícias), abgerufen am 30. März 2025

Beide Staaten sind Gründungsmitglieder der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP) und arbeiten zudem in internationalen Gremien wie der Gruppe der 77, der Lateinischen Union, der Welthandelsorganisation oder den verschiedenen UN-Unterorganisationen zusammen.

Ein weiteres Verbindungsglied ist der Studentenaustausch und die gegenseitige Migration. Die angolanische TAAG Angola Airlines bietet direkte Flugverbindungen zwischen Angola und Brasilien.

Geschichte mini|hochkant|Sklavenmarkt in Rio de Janeiro, frühes 19. Jh. Der transatlantische Sklaven­handel bestimmte jahrhunderte­lang den inner­portugiesischen, angolanisch-brasilianischen Handel und prägt die afro-brasilianische Kultur bis heute. mini|hochkant|Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff beim Staats­besuch 2011 in Luanda, mit Funktionärinnen angolani­scher Frauen­organisationen. Seit 2010 sind die Beziehungen beider Staaten noch enger und vielschichtiger geworden. Nachdem die portugiesischen Entdeckungsreisenden 1483 in Angola und 1500 in Brasilien angekommen waren, wurden beide Teil des portugiesischen Weltreichs und waren durch Handelswege verbunden. Insbesondere im erweiterten atlantischen Dreieckshandel wurden, neben etwas Warenaustausch, vor allem Sklaven aus Angola nach Brasilien für die dortige Plantagenwirtschaft gebracht. Dieser atlantische Sklavenhandel hielt auch nach dem beginnenden Sklavereiverbot Portugals im 18. Jahrhundert an. Brasilien erklärte sich 1822 von Portugal unabhängig, und seine Plantagenbesitzer betrieben den Sklavenhandel weiterhin – auch mit eigenen Niederlassungen in Angola, vor allem in Luanda, aber auch in anderen Handelsorten, die teils von Siedlern aus Brasilien gegründet wurden, etwa Benguela. Mit dem Auslaufen der Sklavenwirtschaft Ende des 19. Jahrhunderts und der nun zunehmend auch industriellen Entwicklung Brasiliens im 20. Jahrhundert nahmen die Verbindungen zwischen Angola und Brasilien dann wieder ab.

In den 1950er Jahren kamen auch in Angola Unabhängigkeitsbewegungen auf, die von Portugals kolonialem Estado-Novo-Regime unterdrückt wurden, bis sie ab 1961 schließlich in den portugiesischen Kolonialkrieg mündeten. In dessen Verlauf kamen vereinzelt auch brasilianische Söldner nach Angola, die auf beiden Seiten, meist aber auf portugiesischer Seite kämpften. Nach der Nelkenrevolution in Portugal 1974 bahnte sich dann ein rasches Ende der kolonialen portugiesischen Überseeprovinzen an. In Angola strebten nun unterschiedliche Gruppierungen an die Macht, und der Bürgerkrieg in Angola brach aus. Brasilien entsandte eine geheime Gruppe Militärberater zur Unterstützung der FNLA gegen die marxistische MPLA. Die mindestens 12 Brasilianer schlossen sich rechtsgerichteten, im Land verbliebenen portugiesischen Freischärlern an, um mitzuhelfen, eine sich abzeichnende kommunistische MPLA-Regierung im jungen Staat abzuwenden. Im Falle von Erfolgen der FNLA gegen die MPLA hatte Ernesto Geisel, Regierungschef der rechten Militärdiktatur Brasiliens, die Entsendung regulärer Militäreinheiten zu ihrer Hilfe versprochen, was nach dem raschen Sieg der MPLA aber nicht eintraf. Stattdessen erkannte Brasilien am 11. November 1975 als erster Staat die Unabhängigkeit Angolas an, noch vor Portugal oder Staaten des Ostblocks, und beide Staaten näherten sich langsam an, insbesondere wirtschaftlich.Os brasileiros que enfrentaram cubanos e foguetes soviéticos em Angola - „Die Brasilianer, die in Angola Kubanern und sowjetischen Raketen gegenüberstanden“, Artikel vom 2. Juni 2019 der brasilianischen Zeitung Gazeta do Povo, abgerufen am 21. Februar 2025

Brasilianische Bauunternehmen führten schon während des Bürgerkriegs erste Infrastrukturprojekte in Angola durch, und brasilianische Rüstungsunternehmen belieferten die Angolanischen Streitkräfte, wenn auch nicht in bedeutendem Umfang. Ab 1990 kamen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Angola verstärkt nach Brasilien. Nach Ende des Bürgerkriegs 2002 setzte dann ein durch Wiederaufbau ausgelöster Wirtschaftsboom in Angola ein, den besonders brasilianische Großunternehmen zu Investitionen und Ausweitung ihrer Geschäftsfelder nutzten. Parallel nahm die Migration von Angola nach Brasilien ab, während sie in Gegenrichtung nun einsetzte, vor allem im Zusammenhang mit der stark gestiegenen Präsenz brasilianischer Unternehmen.

Die Beziehungen verbesserten sich nun stetig, zum einen durch das sich konsolidierende Angola seit 2002, und zum anderen durch die intensivierte Außenpolitik des 2003 ins Amt gekommenen brasilianischen Präsidenten Lula da Silva. 2010 erhoben beide Staaten ihre Beziehungen zu einer strategischen Partnerschaft, neben den brasilianisch-südafrikanischen Beziehungen die einzige strategische Partnerschaft Brasiliens in Afrika. Damit sind seither zahlreiche Kooperationen, Abkommen, regelmäßige Staatsbesuche auf allen Ebenen und feste Konsultationsformate verbunden. Dabei wuchsen auch die Wirtschaftsbeziehungen weiter, so dass Angola heute zu Brasiliens wichtigsten Handelspartnern in Afrika zählt, während Brasilien der wichtigste Handelspartner Angolas in Lateinamerika ist.Angola - Balança Comercial, TradingEconomics.com, abgerufen am 21. Februar 2025

Diplomatie Angola unterhält eine eigene Botschaft in der brasilianischen Hauptstadt Brasília, dazu bestehen zwei angolanische Generalkonsulate in Brasilien, in den beiden größten Städten des Landes, in São Paulo und in Rio de Janeiro.

Brasilien unterhält seinerseits eine eigene Botschaft in der angolanischen Hauptstadt Luanda, dazu beschloss es 2023 die Eröffnung eines Generalkonsulats.

Migration und Studentenaustausch mini|hochkant|Generalkonsulat Angolas in Rio de Janeiro. Die gegenseitige Migration ist heute ein weiteres Verbindungsglied zwischen beiden Ländern. Angolaner in Brasilien Die Einwanderung aus Angola gehört zu den ältesten in Brasilien, beginnend mit dem Sklavenhandel ab dem 16. Jahrhundert. Die moderne Einwanderung begann ab 1990, mit Kriegsflüchtlingen aus dem angolanischen Bürgerkrieg. Bis 2004 stellten Angolaner zeitweise mehr als die Hälfte aller nach Brasilien Geflüchteter, danach nahm die Zahl Geflüchteter und Einwanderer aus Angola ab, vor allem auf Grund des Bürgerkriegsendes und der einsetzenden wirtschaftlichen Erholung Angolas. In dem Zusammenhang setzte auch eine merkliche Rückwanderung aus Brasilien nach Angola ein. Dennoch suchen Angolaner weiter in Brasilien nach einem besseren Leben, wo sie sich auf Grund der kulturellen Nähe und Vorkenntnisse über Brasilien vergleichsweise problemlos integrieren. Dabei ist ihre Zahl heute jedoch geringer, insbesondere erfolgt nunmehr kaum noch eine Anerkennung als Flüchtling. So stellten sie zwischen 2007 und 2017 nur 1 % der anerkannten Geflüchteten in Brasilien.Presença de refugiados angolanos no Brasil carece de atenção em relação a outros fluxos - „Anwesenheit angolanischer Flüchtlinge mangelt es im Vergleich zu anderen Fluchtbewegungen an Aufmerksamkeit“, Artikel vom 11. April 2019 auf Migramundo.com, abgerufen am 21. Februar 2025

Im Jahr 2024 waren 28.781 angolanische Staatsbürger in Brasilien gemeldet,Statistiken des Registro Nacional Migratório (portugiesisch), abgerufen am 15. Februar 2025 neben Arbeitsmigranten, Geflüchteten oder Unternehmern auch zahlreiche Studenten. Daneben besuchen wohlhabende Touristen aus Angola häufig Brasilien. Die brasilianischen Konsulardienste in Angola stellen die zweitmeisten Visa aller brasilianischen Auslandsvertretungen aus, vor allem Besuchsvisa für Studenten und Touristen.

Brasilianer in Angola Vor allem seit dem Ende des Bürgerkriegs und des folgenden Wiederaufbaus kamen zahlreiche brasilianische Unternehmen nach Angola, um im Bauwesen, in der Förderung von Erdöl, Erzen und Diamanten, aber auch in der Agrarwirtschaft und im Handel tätig zu werden. In dem Zusammenhang brachten sie tausende Mitarbeiter aus Brasilien nach Angola.

In Angola leben heute rund 15.000 brasilianische Staatsbürger, zu einem Teil Expatriates, aber auch so unterschiedliche Personenkreise wie Arbeitsmigranten, Missionare evangelikaler Freikirchen, Sportler, Kulturschaffende, Agrar-Unternehmer oder auch Einwanderer aus familiären Gründen, darunter auch Rückkehrer portugiesischstämmiger Siedler, die nach der Unabhängigkeit Angolas nach Brasilien auswanderten. Quellen nennen zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedliche Zahlen zu den Brasilianern in Angola, die zwischen 20.000 und zwischenzeitlich über 30.000 Brasilianer betragen haben. Die großen kulturellen Ähnlichkeiten erleichtern den Brasilianern die Integration in die angolanische Gesellschaft, insbesondere in Luanda und anderen großen Städten im Land.Oportunidades e proximidade cultural atraem brasileiros para Angola - „Möglichkeiten und kulturelle Nähe locken Brasilianer nach Angola“, Mitteilung vom 28. Dezember 2014 der brasilianischen Nachrichtenagentur AgênciaBrasil, abgerufen am 15. Februar 2025

Studentenaustausch mini|hochkant|Gymnasiasten in Lubango (2011): das Interesse unter angolanischen Lernenden an einem Studium in Brasilien ist ungebrochen hoch. Der Studentenaustausch zwischen beiden Ländern ist von einiger Bedeutung, wobei er nicht ausgewogen verläuft. Die brasilianischen Studenten an Universitäten in Angola stellen dabei naturgemäß den geringeren Anteil. So vergibt Angola zwar auch seinerseits Studienplätze und Forschungsstipendien an brasilianische Studenten, darunter Programme wie die 50 Kurzzeit-Stipendien an der Universidade Agostinho Neto für afrikastämmige Brasilianer.Bolsas de estudo em Angola têm inscrições até 27 de fevereiro - „Bewerbungsfristen für Hochschulstipendien in Angola bis zum 27. Februar“, Artikel vom 13. Februar 2025 von CNN Brasil, abgerufen am 21. Februar 2025 Doch brachten brasilianische Austauschprogramme und Stipendien im Laufe der Jahre bereits tausende angolanische Studenten an brasilianische Hochschulen. Zu nennen insbesondere das staatliche Programm Programa de Estudantes-Convênio de Graduação (PEC-G), mit dem die brasilianische Bundesregierung ausländische Studenten in Brasilien fördert.