Luigi Nicholas Mangione (* 6. Mai 1998 in Towson, Maryland) ist ein US-amerikanischer Data Engineer und Hauptverdächtiger im Fall der Tötung von Brian Thompson, einem US-amerikanischen Multimillionär und damaligen CEO des umsatzstärksten, börsennotierten privaten Krankenversicherungsunternehmen UnitedHealthcare.
Thompson wurde am 4. Dezember 2024 in New York City erschossen. Darauf folgte eine landesweite Fahndung nach der auf Überwachungskameras gesehenen Verdachtsperson. Fünf Tage nach dem Vorfall wurde Luigi Mangione, der als mit der Person in den Aufnahmen als identisch beschrieben wird, in Altoona, Pennsylvania bei einer Mahlzeit in einem McDonald’s-Schnellrestaurant von der örtlichen Polizei festgenommen. Bei der Festnahme hatte Mangione laut Verantwortlichen eine 3D-gedruckte Pistole und einen 3D-gedruckten Schalldämpfer sowie einen Brief, der das Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten als ausbeuterisch kritisiert, einen US-Reisepass und mehrere gefälschte Ausweisdokumente bei sich. Nach der Festnahme wurde Mangione des Mordes ersten Grades, des terroristischen Mordes, des illegalen Waffenbesitzes und des Stalkings beschuldigt.
Die seit Donald Trumps Präsidentschaft zuständige United States Attorney General Pam Bondi hat die für die Anklagepunkte auf Bundesebene zuständigen Staatsanwälte angewiesen, die Todesstrafe als Strafmaß anzustreben.
Mangione wird als der „polarisierendste Mordverdächtige der Gegenwart“ bezeichnet. Seit seiner Festnahme gilt er aufgrund der kontroversen und profitgetriebenen Vorgehensweise des Opfers Thompson in einigen linken Kreisen, unter anderem online, als moderner Volksheld und es sind ihm viele der unter dem amerikanischen Gesundheitswesen Leidenden dankbar, obwohl Mangiones Beteiligung an der Tat aktuell unbewiesen ist. Der Fall Thompson sorgt für öffentliche Aufrufe nach einer Reform des Gesundheitssystems, das vielen Versicherungsnehmern aktuell die Unterstützung verweigert, auch in lebenskritischen Fällen.
Familie und Leben Luigi Nicholas Mangione wurde am 6. Mai 1998 in Towson im US-Bundesstaat Maryland geboren. Seine Eltern Kathleen und Louis Mangione sind Italoamerikaner aus Baltimore. Sein Großvater väterlicherseits, Nicholas Mangione, war ein erfolgreicher Geschäftsmann in Baltimore und hatte insgesamt fünf Söhne, fünf Töchter und 37 Enkelkinder. Eines seiner Kinder ist Nino Mangione, Mitglied des Maryland House of Delegates. Nach Nicholas Mangiones Tod wurde sein Geschäft von seinen Nachkommen weitergeführt und erweitert. Luigi Mangione hat zwei ältere Schwestern.
Mangione ging an eine Sekundarschule für Jungen in Baltimore, die er 2016 mit guten Noten verließ. 2020 hat er seinen Master of Computer Science cum laude an der University of Pennsylvania erreicht. Sein Curriculum war auf das Thema Künstliche Intelligenz ausgerichtet. Während seines Bachelors hat er zwischen Mai 2016 und August 2017 ein Praktikum im User Interface Programming bei Firaxis Games gemacht, und war an der Arbeit des Computerspiels Civilization VI beteiligt. Nach seinem Abschluss hat er bis 2023 für die Firma TrueCar als Data Engineer im Homeoffice gearbeitet.
2022 lebte Mangione zwischenzeitig in einer Wohngemeinschaft in Honolulu auf Hawaii. Laut eigener Aussagen leidet Mangione an Spondylolisthesis und Lyme-Borreliose. Während seiner Zeit in Hawaii hatten sich wohl seine Rückenschmerzen in Folge eines Surfunfalls erheblich verschlimmert und er musste an der Wirbelsäule operiert werden. Obwohl er nicht bei UnitedHealthcare versichert war, haben diese Erfahrungen mit dem amerikanischen Gesundheitssystem insgesamt wohl seine Ansichten beeinflusst.
Der Mordfall Brian Thompson Siehe auch: Brian Thompson
Mögliche Tathintergründe und Verbindungen zur Versicherungsbranche Brian Thompson, der CEO von UnitedHealthcare, wurde am 4. Dezember 2024 in Midtown Manhattan am frühen Morgen beim Eingang des New York Hilton Midtown Hotel erschossen. Die Schüsse trafen ihn ins Bein und in den Rücken, als er auf dem Weg zum jährlichen Investorenmeeting der UnitedHealth Group war. Der Verdächtige, der als Maske tragender Weißer beschrieben wurde, flüchtete daraufhin vom Tatort.
Der maskierte Schütze kam Ermittlern zufolge mit einem Bus aus Atlanta nach New York. Die Worte „delay“, „deny“ und „depose“ (auf Deutsch etwa Verzögern, Ablehnen und Loswerden) waren auf den hinterlassenen Patronenhülsen und Magazin geschrieben. Diese drei Worte erinnern an ein bekanntes Mantra der amerikanischen Gesundheitsversicherungsbranche, „Delay, Deny, Defend“ (auf Deutsch etwa Verzögern, Ablehnen, (Straf-)Verteidigung). Mit diesen Schlagworten wird die Praxis der Branche beschrieben, auf die Versicherungsansprüche der Versicherungsnehmer grundsätzlich verzögernd und ablehnend zu reagieren und die berechtigten Ansprüche der Versicherungsnehmer erst dann zu zahlen, wenn sie nach langwährenden gerichtlichen Verfahren dazu gezwungen waren. Somit stellen die oft börsennotierte Unternehmen ihre eigene Profitmaximierung über den Verbraucherschutz.
Verhaftung und Beweismittel Kurz nach der Tat wurde die verdächtigte Person erneut an einer Bushaltestelle gesichtet. Am 9. Dezember 2024 wurde daraufhin die Polizei von Altoona in Pennsylvania zu einem McDonald’s-Restaurant gerufen. Der Anruf wurde von einem Angestellten dort abgesetzt, der Ähnlichkeiten zwischen dem Restaurantgast Mangione und den veröffentlichen Bildern des Tatverdächtigen erkannt hatte. Bei der Durchsuchung von Mangione fand die Polizei eine 3D-gedruckte Schusswaffe mitsamt Schalldämpfer, die der Tatwaffe zumindest ähnlich erscheint. Laut Polizeibericht könnten die am Tatort gefundenen Patronenhülsen zur Waffe passen. Außerdem wurde ein gefälschter Führerschein aus New Jersey auf den Namen „Mark Rosario“ in Mangiones Besitz gefunden. Derselbe Name wurde einen Monat vorher bei einem Check-In in ein Hostel in Manhattan verwendet.
Der Polizei zufolge hatte Mangione auch ein als „Manifest“ beschriebenes, handschriftliches Dokument bei sich, das Ansichten über das US-amerikanische Gesundheitssystem enthält. Mangione hatte bisher keinerlei Straffälligkeiten.
Anschuldigungen und Todesstrafe Direkt am 9. Dezember 2024 wurde Mangione in Pennsylvania der unrechtmäßigen Waffenführung, der Dokumentenfälschung, Identitätsfälschung und Waffendelikten beschuldigt. Daraufhin wurde er von Beamten des New York City Police Department verhört und die Möglichkeit der Freilassung auf Kaution wurde ihm versagt. Auf dem Weg zum Gerichtsgebäude rief Mangione den versammelten Reportern zu, dass die Berichterstattung in diesem Fall „komplett fehlgeleitet“ sei und die Intelligenz der Menschen Amerikas sowie ihre Lebenserfahrung beleidige. Später am selben Tag wurde Mangione wiederum in Manhattan des Mordes zweiten Grades, des dreifachen illegalen Waffenbesitzes, sowie der Dokumentenfälschung beschuldigt und daraufhin in das Gefängnis State Correctional Institution at Huntingdon in Huntingdon in Pennsylvania gebracht.
Am 19. Dezember 2024 wurde Mangione nach New York City ausgeliefert und offiziell mit vier Verbrechen in Bundeszuständigkeit beschuldigt. Am 23. Dezember 2024 erschien er im New York Supreme Court und plädierte auf „nicht schuldig“. Bis zur Gerichtsverhandlung wird er im Metropolitan Detention Center in Brooklyn unter der Registrierungsnummer 52503-511 festgehalten.
Forcierung der Todesstrafe Eine Verurteilung des Mordes unter Nutzung einer Schusswaffe (dritte Anschuldigung in Bundeszuständigkeit) ermöglicht als Strafmaß die Todesstrafe. Mit Beginn seiner zweiten Präsidentschaft führte US-Präsident Donald Trump am 20. Januar 2025 die Executive Order 14164 ein, die die Todesstrafe erzwingt, wenn die Möglichkeit besteht. Attorney General Pam Bondi kündigte deshalb am 1. April 2025 an, dass die Staatsanwaltschaft auf Bundesebene die Hinrichtung von Mangione anstrebe. Die Anschuldigungen der Bundesstaaten New York und Pennsylvania ermöglichen als Strafmaß maximal eine lebenslange Freiheitsstrafe. Am 16. September 2025 wies ein Gericht des US-Bundesstaates New York zwei Terrorismusanklagen gegen Luigi Mangione zurück, was eine Verhängung der Todesstrafe unwahrscheinlich macht. Mangione bleibt jedoch weiterhin wegen Mordes zweiten Grades sowie mehrerer weiterer Delikte, darunter unerlaubter Waffenbesitz und Besitz falscher Ausweisdokumente, vor Gericht.
Verteidigung und Unterstützung aus der Bevölkerung Laut Thomas Dickey, einem von Mangiones Strafverteidigern, wird Mangione im Bezug auf jegliche Anschuldigungen auf „nicht schuldig“ plädieren. Mangione hat außerdem Karen Friedman Agnifilo, eine ehemalige Staatsanwältin in Manhattan und Rechtsanalystin für CNN, als Strafverteidigerin gewinnen können. Am 13. Dezember wurde eine von Unterstützern Mangiones gestartete Crowdfunding-Kampagne für die Finanzierung der Strafverteidigung von der Plattform GoFundMe aufgrund der Verletzung der Nutzungsbedingung entfernt – die Verteidigung von eines Gewaltverbrechens verdächtigter Personen ist nicht erlaubt. Auf der Konkurrenzseite GiveSendGo hingegen ist eine Unterstützerkampagne Stand April 2025 noch online und konnte 830.000 US-Dollar organisieren. Laut Unterstützeraussagen wurde der Fall zu sehr „politisiert“; sie begründen ihre Unterstützung mit Sorge wegen der möglichen Todesstrafe, der möglicherweise nicht gerechten Prozessführung, sowie eigenen Frustrationen mit dem als korrupt bezeichneten Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten.
Agnifilo sagte im Interview mit Newsweek, dass Mangione sich der „Spendensammlung der Unterstützer und Bewunderer bewusst und dankbar für die Solidaritätsbekenntnisse ist“ und mit diesem Geld die „ungerechtfertigten Anschuldigungen aller drei Fälle bekämpfen wird.“ Am 14. Februar 2025 veröffentlichte Mangiones New Yorker Verteidigerteam eine Website, um die Unterstützerschaft mit Updates im Bezug auf die Strafverfolgung auf dem neuesten Stand zu halten – wegen der „riesigen Anzahl an Anfragen und der großen Unterstützung“.
Ansichten
Handgeschriebenes Dokument Bei der Festnahme hatte Mangione ein handschriftliches Dokument bei sich, das von Medienvertretern als „Manifest“ charakterisiert wurde. Der Journalist Ken Klippenstein hat ein von der Polizei als echt verifiziertes Transkript des Textes veröffentlicht:
Analyse von Mangiones Onlineprofilen Nach seiner Verhaftung wurden Mangiones Profile in den sozialen Medien von News-Seiten im Bezug auf persönliche Ansichten zu gesellschaftlichen, sozialen und religiösen Themen ausgewertet. Seine Posts zeigten Sorge über die Folgen von Pornographie, Diversitätsprogramme, Demografie, Wokeness, Säkularisierung und dem Rückgang des Christentums, und er unterstütze traditionalistische Ansichten. Speziell im religiösen Kontext lehne er Kreationismus, aber auch den Neuen Atheismus ab, und sei interessiert am traditionellen Japanischen Shintō. Mangione sei außerdem skeptisch gegenüber den beiden US-Präsidenten Joe Biden und Donald Trump. Politiker, denen er online folge, seien unter anderem die Demokratin und Repräsentantenhausabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und der bis 2024 als unabhängiger Präsidentschaftskandidat auftretende Robert F. Kennedy Jr. – in der Folge nannten ihn die Medienvertreter „politisch unkategorisiert und systemkritisch“. Laut Business Insider sei Mangione „in seinem Weltbild von reaktionären rechten Denkern“ beeinflusst. Time, The Spectator und Jacobin hingegen attestieren ihm Unabhängigkeit vom althergebrachten Links-Rechts-Spektrum.