Ein Open-Access-Buch bzw. eine Open-Access-Monografie ist eine wissenschaftliche Publikation, die unter den Bedingungen von Open Access (OA) unter einer freien Lizenz online verfügbar gemacht wird. Der Begriff Monografie wird im bibliothekarischen Sinn verwendet, daher zählen auch Sammelbände und Tagungsbände dazu, die unter einer Herausgeberschaft veröffentlicht werden.
Das Konzept von Open Access, das sich anfangs hauptsächlich auf den Zugang zu Artikeln in wissenschaftlichen Fachzeitschriften bezog, etablierte sich für Bücher erst mit einiger Verzögerung. Mittlerweile bieten jedoch immer mehr Wissenschaftsverlage Autoren die Möglichkeit zur Open-Access-Veröffentlichung.Rainer Godel, Ulrich Herb, Kristine Hillenkötter, Angela Holzer, Sebastian Nordhoff, Hildegard Schäffler, Olaf Siegert: Förderung wissenschaftlicher Buchpublikationen im Open Access (Open-Access-Bücher). Arbeitsgruppe „Wissenschaftliches Publikationssystem“ der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen. September 2020 https://doi.org/10.3249/allianzoa.014. In den meisten Fällen ist dies mit einer Gebühr (Book processing charge, BPC) verbunden, die zusätzlich zu den ohnehin teils erheblichen Druckkostenzuschüssen erhoben wirdYuliya Fadeeva: Wie steht es mit Open Access in den „Buchfächern“? Erfahrungen aus dem Projekt OGeSoMo. LIBREAS. Library Ideas 38, 2020. https://doi.org/10.18452/23479 und die mehrere Tausend Euro betragen kann. Neben dem frei verfügbaren E-Book wird den Lesern oft auch die Möglichkeit angeboten, das Buch gedruckt zu erwerben.
In der Datenbank des Directory of Open Access Books (DOAB) werden beispielsweise mehr als 109.000 Open-Access-BücherDOAB: Zahlenangabe von der Hauptseite des DOAB, abgerufen am 26. August 2025. von mehr als 880 verschiedenen VerlagenWebseite des DOAB, sortiert nach „Browse by publisher“, abgerufen am 17. März 2025. verzeichnet, mehr als 16.000 davon in deutscher SpracheWebseite des DOAB, sortiert nach „Browse by language“, anschließend Auswahl von G für German, abgerufen am 26. August 2025. (Stand Oktober 2026).
Diese Zahlen bedeuten jedoch, dass erst ein sehr kleiner Teil, nämlich 2,5–3,5 % der jährlich mehr als 80.000 erscheinenden wissenschaftlichen Monografien Open Access sind. Untersuchungen zeigen, dass Bücher, die Open Access erscheinen, durch die bessere Verfügbarkeit bessere Zitationsraten und eine breitere Leserschaft erreichen als Lehrwerke und Bücher, die Closed Access sind.Mithu Lucraft: Open Access to academic books creates larger, more diverse and more equitable readerships LSE Impact Blog, 3. März 2021, abgerufen am 26. Dezember 2024.Cameron Neylon, Alkim Ozaygen, Lucy Montgomery, Chun-Kai (Karl) Huang, Ros Pyne, Mithu Lucraft, Christina Emery: More readers in more places: the benefits of open access for scholarly books. Insights: the UKSG journal 34, 2021. https://doi.org/10.1629/uksg.558Philip Shaw, Angus Phillips, Maria Bajo Gutiérrez: The Future of the Monograph in the Arts, Humanities and Social Sciences: Publisher Perspectives on a Transitioning Format. Publishing Research Quarterly 39, 69–84, 2023. https://doi.org/10.1007/s12109-023-09937-1
Die Initiativen zur Verbesserung der Open-Access-Situation für Monografien als die wichtigste Publikationsform in den Geistes- und Sozialwissenschaften sind vielfältig,ZBW MediaTalk: Open Access für Monographien: Kleine Fortschritte auf einem schwierigen Weg. Interview mit Olaf Siegert vom 6. August 2019, abgerufen am 27. Dezember 2024. Monografien sind zunehmend Bestandteil von Open-Access-Policies und Leitlinien.LIBER: Open Access Books in Academic Libraries: How Can We Adapt Workflows & Cost Management to an Open Scholarly Communications Landscape? Webseite von LIBER, abgerufen am 1. März 2025. Seit etwa 2020 wird zunehmend auch Diamond Open Access, bei dem weder Autoren noch Leser Gebühren zahlen müssen, sondern die Kosten durch Förderprogramme oder Institutionen getragen werden, für Bücher gefordert und gefördert.
Geschichte Noch vor dem Beginn der Open-Access-Bewegung startete 1971 das Project Gutenberg, das oft als das erste elektronische Buchpublikationsprojekt bezeichnet wird. Hier wurden bereits erschienene Bücher, deren Urheberrechtsschutz in den USA abgelaufen war, in eine elektronische Form überführt und zugänglich gemacht. Es entstanden viele weitere Retrodigitalisierungsprojekte, darunter ab 2003 Wikisource. Nach dem Start von Creative Commons im Jahr 2001 experimentierten Verlage wie O’ReillyJanko Röttgers: O’Reilly gibt Bücher zum Download frei. heise online 2003, abgerufen am 26. Dezember 2024., HeiseJürgen Kuri: WOS3: Telepolis-Bücher unter Creative-Commons-Lizenz als freier Download heise online, 2004, abgerufen am 26. Dezember 2024. und der VSA-VerlagHolger Bleich: Weiteres Buch unter Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht. Der VSA-Verlag stellt ein neues Buch aus der Reihe "AttacBasisTexte" unter die Creative-Common-Lizenz; jeder darf es herunterladen und weiterverbreiten. heise online, 2005, abgerufen am 26. Dezember 2024. mit der verzögerten OA-Stellung einzelner Buchpublikationen. Ab 2004 startete Google Books, das jedoch nicht primär das Ziel hatte, Bücher Open Access zu stellen, sondern die Volltexte durchsuchbar zu machen. Wegen Urheberrechtsverstößen blieb das Projekt umstritten.
Abgesehen von den Ansätzen, bereits erschienene Bücher im Netz verfügbar zu machen, entstand eine Open-Access-Kultur für neu publizierte Monografien erst relativ spät: während im Anschluss an die BBB-Erklärungen (Budapest, Bethesda, Berlin, 2001–2003) die Verbreitung von Open-Access für Zeitschriftenartikel rasch an Fahrt aufnahm, passierte im Bereich der Buchpublikationen zunächst nicht viel. Dabei gingen in wissenschaftlichen Bibliotheken die anhaltenden Preissteigerungen im Zeitschriftenbereich zu Lasten der Erwerbung von Monografien,Elmar Mittler: Open Access: Wissenschaft, Verlage und Bibliotheken in der digitalen Transformation des Publikationswesens. Bibliothek: Forschung und Praxis, vol. 42, no. 1, 2018, S. 12. https://doi.org/10.1515/bfp-2018-0003Michael Meier: Returning Science to the Scientists: Der Umbruch im STM-Zeitschriftenmarkt unter Einfluss des Electronic Publishing. München: Peniope 2002. (Buchhandel der Zukunft, Bd. 2) ISBN 3-936609-01-2. Zugl.: München, Univ., Diss., 2002, S. 4–5 Volltext (PDF) so dass ab 2010 von einer Monografienkrise gesprochen wurde.Ulrich Herb: Open Science in der Soziologie : eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie. [Zugleich: Diss., Universität des Saarlandes, 2015]. Verlag Werner Hülsbusch, Glückstadt 2015. ISBN 978-3-86488-083-4, S. 42.https://dx.doi.org/10.22028/D291-23737 Seitdem hat die Zahl der wissenschaftlichen Bücher, die Open Access veröffentlicht werden, langsam zugenommen,open-access.network: Meilenstein für DOAB. 29. November 2017, abgerufen am 25. Dezember 2024. bewegt sich aber immer noch im niedrigen einstelligen Prozentbereich der Zahl der insgesamt veröffentlichten wissenschaftlichen Monografien.
Mit dem Projekt OAPEN (Online Access Publishing in European Networks)OAPEN: Online library of open access books. Abgerufen am 26. Dezember 2024 wurde ab 2008 eine von der EU finanzierte Initiative gestartet, um das Publizieren von Open-Access-Büchern, die einem Peer Review unterliegen, zu fördern.Open Economics Guide des ZBW: Open Access Publishing in European Networks (OAPEN). Abgerufen am 25. Dezember 2024. Daraus ging 2012 das Directory of Open Access Books (DOAB) hervor. Neben dem Katalog des DOAB gibt es die OAPEN Library, die als Repositorium für Volltexte dient.
Digitalisierungsbestrebungen, gerade auch für Bücher, wurden von einigen Geisteswissenschaftlern von Beginn an kritisch gesehen. Im deutschsprachigen Raum kulminierte die Debatte 2009 mit dem Heidelberger Appell, der sich gegen Google Books und die stärker werdenden Forderungen zum Open-Access-Publizieren richtete. Thomas Ernst: Eine Kritik der Kritik des Open Access. Zu den Debatten über das Zweitveröffentlichungsrecht und über die Wertigkeit von Print- vs. Digitalpublikationen in den Geisteswissenschaften. LIBREAS. Library Ideas, 30 (2016). urn:nbn:de:kobv:11-100244156 Die Verfechter gedruckter Bücher wie Roland Reuß oder Michael Hagner führen als Hauptargument gegen Open Access an, dass die Verpflichtung seitens der Fördergeber oder Institutionen gegen die Publikations- und damit gegen die Wissenschaftsfreiheit verstoße. Thomas Ernst: Eine Kritik der Kritik des Open Access. Zu den Debatten über das Zweitveröffentlichungsrecht und über die Wertigkeit von Print- vs. Digitalpublikationen in den Geisteswissenschaften. LIBREAS. Library Ideas, 30 (2016). urn:nbn:de:kobv:11-100244156 Sie vermischen dabei jedoch die Publikation wissenschaftlicher mit denen populärwissenschaftlicher und belletristischer Texte, für die diese Vorgaben nicht gelten.
Entgegen dieser Versuche, die Digitalisierung und Open Access zu stoppen, setzte sich die Auffassung, dass Fördergeber durch Open Access mehr „value for money“Research Excellence Framework: Open Access policy, veröffentlicht am 11. Dezember 2024, abgerufen am 22. März 2025. erhalten, in den Folgejahren weitgehend durch. Um nicht die Fehler bei der Förderung von Open Access für Zeitschriftenartikel zu wiederholen, indem falsche Anreize bei der pauschalen Übernahme von Article Processing Charges (APC) gesetzt und dadurch Predatory publishing gefördert werden, wird bei der Finanzierung von Open Access für Bücher in den Leitfäden verstärkt Wert auf die inhaltliche und technische Qualitätssicherung gelegt.
Eine im Jahr 2021 vom Oxford International Centre for Publishing (OICP) durchgeführte Studie zur Publikation englischsprachiger wissenschaftlicher Bücher beschreibt die Covid-19-Pandemie als Wendepunkt, an dem erstmals mehr digitale als gedruckte Bücher gekauft bzw. genutzt wurden.Philip Shaw, Angus Phillips, Maria Bajo Gutiérrez: The Future of the Monograph in the Arts, Humanities and Social Sciences: Publisher Perspectives on a Transitioning Format. Publishing Research Quarterly 39, 69–84, 2023. https://doi.org/10.1007/s12109-023-09937-1 Es wird darin auch erwartet, dass Open Access für wissenschaftliche Bücher eine zunehmend größere Rolle spielen wird.
Gründe für die langsame Verbreitung von Open Access für Bücher In der Literatur zu Open Access für Bücher werden die verschiedene Gründe aufgeführt, weshalb Open Access für Bücher nur verzögert etabliert werden konnte und kann. Dazu gehört in erster Linie die Publikationsform selbst: Die Monografie spielt in den Geistes- und Sozialwissenschaften eine sehr wichtige Rolle, da eine schnelle Verbreitung von Forschungsergebnissen weniger wichtig ist als eine erhoffte Langlebigkeit.Volker Schallehn und Ralf Schimmer: Open Access, in: Rolf Griebel, Hildegard Schäffler, Konstanze Söllner: Praxishandbuch Bibliotheksmanagement, Berlin, München, Boston: De Gruyter Saur, 2014. https://doi.org/10.1515/9783110303261 In den Verlagen wurde zunächst oft fälschlicherweise angenommen, dass Open Access eine ausschließliche Publikation als E-Book bedeute,Anna Klamet, Christoph Bläsi, Dorothee Graf, Yuliya Fadeeva, Matthias Johannes Bauer, Matthias Laugwitz: Publizieren und Open Access in den Geisteswissenschaften: Erkenntnisse aus dem Projekt AuROA zu den Stakeholdern im Publikationsprozess. Project Report AuROA. Essen, Februar 2022, abgerufen am 27. Dezember 2024. dabei ist das Open-Access-E-Book meistens nur eine Zusatzoption zum gedruckt erscheinenden Buch.