mini|Begrüßungstafel in der Weststadt Die Weststadt ist ein Stadtteil und Stadtbezirk Braunschweigs und hat die amtliche Nummer 221 (bis 2006 Nr. 311) und die Postleitzahl 38120. Die Weststadt ist ein junger Stadtteil im Südwesten Braunschweigs mit fünf Nachbarschaften und einem zentralen Bereich mit öffentlichen Einrichtungen, der von den 1960er Jahren bis in die 1980er Jahre entstand. Der als grüner Stadtteil mit wohnungsnahen Grünflächen planmäßig angelegte Ort ist umgeben von Parks, Kleingartenanlagen und Wäldern und liegt direkt an der östlich vorbeiführenden Bundesautobahn 391. Der Stadtteil wird gelegentlich auch als Braunschweig-West bezeichnet und als BS-West abgekürzt.

Die Bebauung des Stadtteils besteht größtenteils aus mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern, an den Randlagen auch aus Einfamilienhäusern und Reihenhäusern.

Geografie Die Weststadt liegt im Südwesten der Stadt, etwa vier Kilometer Luftlinie vom Zentrum Braunschweigs. Nachbarstadtteile der Weststadt sind im Westen Timmerlah, im Süden Broitzem, im Südosten die Gartenstadt und im Osten grenzt sie an das Westliche Ringgebiet. Im Norden liegt der Westpark (Teil des Stadtbezirks Weststadt) und im Westen der Timmerlaher Busch. Die Weststadt liegt vor allem auf sehr flachem Gelände und auf leichten Anhöhen wie dem Weinberg. Begrenzt wird die Urbanisation im Westen durch den Timmerlaher Busch und das südlich angrenzende Broitzemer Holz, die Bahnstrecke nach Hildesheim im Süden, die Alte Frankfurter Straße im Osten und den Madamenweg im Norden.

Geschichte Vorgeschichte mini|Die Gegend um 1840 mini|Die Mühle Paula in Steinhude stand von 1863 bis 1912 an der heutigen Traunstraße mini|Das Gebiet der Weststadt und des Westparks um 1899 mini|Die Rothenburg

Um 1900 war das Gebiet der heutigen Weststadt fast gänzlich unbebaut. Es bestand vor allem aus Ackerflächen, Wiesen und Tongruben. An der Broitzemer Straße (einer früheren Handelsroute, heute Münchenstraße, Traunstraße, Lichtenberger Straße) gab es vereinzelte Höfe, eine Gärtnerei und das Wirtshaus „Zur Rothenburg“. Die Rothenburg war ursprünglich einer von Braunschweigs Landwehrtürmen und wird bis heute als Restaurant genutzt. Auf dem Gebiet des heutigen Westparks waren zahlreiche Ziegeleien ansässig. 1863 wurde an der heutigen Traunstraße eine Holländermühle erbaut. Diese wurde 1912 abgebaut und nach Steinhude umgesetzt. Eine weitere Mühle befand sich an der Timmerlaher Straße, welche später nach Bierbergen bei Hohenhameln umgesetzt wurde.

1909 wurde der Kleingartenverein Westend gegründet, dessen Gartenanlagen noch heute bestehen und in die wachsende Parklandschaft bzw. Wohnbebauung integriert wurden. 1916 entstand auf einem großen Teil der südöstlichen Wiesen und Ackerflächen der Flugplatz Broitzem. Von 1919 bis 1920 war der kleine Flughafen an das deutsche Liniennetz angeschlossen. Danach wurden auf Teilen des Flugplatzes Kleingärten angelegt. 1924 wurde kurz darauf der Flughafen mit verlängerter Start- und Landebahn wiedereröffnet. 1926 gründete sich die Flughafen GmbH.

1928 entstanden die ersten größeren Wohnflächen im Bereich der Weststadt. An der Broitzemer Straße (heute Traunstraße) gegenüber dem Kleingartenverein Westend entstand die „Siedlung Freiland“ mit einigen Ein- und Zweifamilienhäusern. Weiter östlich wurden 1940 sechs weitere Gebäude errichtet. Sie dienten ab 1945 den Alliierten als Unterkunft.

1929 richtete die deutsche Verkehrsfliegerschule ihre Zentrale am Flughafen Broitzem ein. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Flughafen zu einem reinen Militärflugplatz; für zivile Flüge wurde damals ein neuer Flughafen in Waggum im Nordosten errichtet. Während der nördliche Teil des Gebietes der heutigen Weststadt bereits zu Braunschweig gehörte, kam der südliche Teil dann letztlich am 1. April 1934 zum Stadtgebiet. Dieser Schritt wurde nötig, damit das ganze Gelände des Flugplatzes im Braunschweiger Stadtgebiet lag. 1935 entstand am Flugplatz Broitzem die Kaserne Broitzemer Straße. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Münchenstraße befinden sich noch die ehemaligen Offiziershäuser der Kaserne, welche heute als Mietwohnungen und zum Teil soziale Einrichtungen genutzt werden. Die letzte Witwe dieser Offiziere wohnte bis in die 2000er Jahre in einem dieser Häuser. In den Kasernengebäuden wurden nach Kriegsende Flüchtlinge untergebracht.

Die Gebäude des Flughafens wurden teilweise gesprengt, andere Gebäude wurden bis in die 1980er Jahre genutzt und dann beseitigt. Im Mai 1946 wurde der Flugplatz schließlich wieder in Ackerland umgewandelt. Die restlichen verbliebenen Gebäude des Flughafens und der Kaserne wurden später in die Weststadt miteinbezogen, sie wurden nach ihrer Renovierung in den 1980er Jahren bezogen. Eine Flugzeughalle blieb bis August 2006 erhalten und wurde in den letzten Jahren von einem Getränkemarkt und anderen Läden genutzt, das Gebäude der Fliegerschule wird heute als Gemeinschaftshaus Weststadt und als Fachhochschule genutzt. Auch das erste Weststädter Jugendzentrum, die in Erinnerung an die Geschwister Hans und Sophie Scholl „Jugendzentrum Weiße Rose“ benannt wurde, war hier eingerichtet. Seit 1991 wurde es neu konzipiert und in einen Kinder- und Teenyklub umgebaut. Hier wird klassische Hortarbeit mit der offenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verbunden. Die Kasernengebäude werden von verschiedenen Institutionen genutzt, u. a. bis zu ihrer Auflösung von der ehemaligen Bezirksregierung.

Kurz nach der Umwandlung des Flugplatzes in Ackerflächen entstand dort eine neue Gewerbesiedlung auf dem Lehmanger und dem Möhlkamp, mit vorwiegend großen Gärtnerhöfen, die „Gärtnerhof-Siedlung“. Einige der Gärtnerhöfe wurden zu großen Gärtnereien. Mittlerweile ist keine der Gärtnereien verblieben.

In der Nachkriegszeit herrschte auch in Braunschweig Wohnungsnot, mit dem Bau von Wohnungen im Heidberg und in Melverode konnte der Wohnungsbedarf nicht ausreichend gedeckt werden. Ab 1960 entstand dann an Braunschweigs südwestlicher Stadtgrenze die Weststadt. Sie war das fünftgrößte Baugebiet der damaligen Bundesrepublik und entstand vorwiegend von 1960 bis in die 1980er Jahre. Sie sollte Wohnungen für 30.000 Einwohner bieten. Erste Bebauungen entstanden in der „Siedlung Rothenburg“ und an den Straßen Am Queckenberg, Im Wasserkamp und An den Gärtnerhöfen. Das Jahr 1960 gilt daher als Entstehungszeitpunkt der Weststadt; die letzten größeren Bautätigkeiten fanden schließlich Mitte der 1990er Jahre statt.

Planung der Weststadt mini|Die fünf Nachbarschaften mini|Wohnhäuser der ersten Bauphase (1960er Jahre) im Donauviertel mini|Tafel des Donauviertels Die Weststadt ist eine Planstadt, in der die Gartenstadtidee umgesetzt wurde. Sie ist aufgeteilt in fünf sogenannte Nachbarschaften, der I. (auch Rothenburg), der II., der III. (auch Rheinringgebiet), der IV. und der V. Nachbarschaft (auch Donauviertel) und dem Bereich Z, in dem sich die öffentlichen Einrichtungen befinden. Jede Nachbarschaft – mit Ausnahme der IV. Nachbarschaft, die ein gemeinsames Einkaufszentrum mit der II. Nachbarschaft hat – hat ihr eigenes Einkaufszentrum. Die Weststadt ist aber auch wie eine Trabantenstadt konzipiert, was sich unter anderem im Straßenaufbau widerspiegelt. Von der Innenstadt Braunschweigs kommend, verläuft eine Hauptstraße (Münchenstraße), die sich dann in der Weststadt in zwei weitere (Elbestraße und Donaustraße) verzweigt. Diese bilden die wichtigsten Verkehrsachsen innerhalb der Weststadt. Das ganze Verkehrsnetz ist so ausgerichtet, dass der Verkehr auf diese zwei Hauptachsen zuläuft und somit zur Innenstadt geleitet wird. Dies ähnelt dem Verlauf von kleinen Flüssen, die nach und nach in einen größeren Fluss fließen. Diese Straßen tragen bis auf einige Ausnahmen den Namen von deutschen Flüssen, wobei auch auf geografische Lagen der Flüsse geachtet wurde. So findet man beispielsweise die Isar-, Inn- und Lechstraße an der Donaustraße, so wie die Isar, der Inn und der Lech Nebenflüsse der Donau sind. Weitere Straßennamen leiten sich von Flurbezeichnungen und Personennamen ab. Einige weitere Straßen und die wenigen Straßen, die in den 1990er Jahren neu entstanden sind, tragen Ortsbezeichnungen. Im Süden wird die Weststadt durch einen Grünstreifen in zwei Teile getrennt, dem Donaupark, er folgt dem Verlauf einer Hochspannungsleitung. Charakteristisch für den Stadtteil sind die in großer Vielzahl angelegten Wegeverbindungen für Fußgänger und Radfahrer. Markantes Merkmal sind die von Weitem erkennbaren drei 43 Meter hohen baugleichen Hochhäuser an der Emsstraße.

Bau der Weststadt

Als erstes begann man mit dem Bau der I. und V. Nachbarschaft. Zeitgleich begann man mit den Planungen für den ganzen Stadtteil. Anfang der 1970er Jahre kamen die II. und IV. Nachbarschaft hinzu; als Letztes wurde Mitte der 1970er mit der III. Nachbarschaft begonnen.

Isar- und Donauviertel mini|Plastik „Figurenpaar“ von Andreas Krämmer Die beiden Nachbarschaften entstanden ab 1960. Die I. Nachbarschaft war Ende der 1960er schon fast abgeschlossen. Beim Bau bevorzugte man vor allem Häuser in Zeilen- und Kammbauweise. Hier entstanden die ersten Einkaufsmöglichkeiten, anfangs noch in einer Baracke am Queckenberg, dann ab 1963 an der Donaustraße, später folgten ab 1965 weitere Läden an der Illerstraße. Die Baracke diente später dann von 1966 bis 1969 als provisorische Kirche für die evangelische Gemeinde, und von 1969 bis 1972 für die katholische Gemeinde. Der Behelfsbau wurde schließlich als Jugendzentrum genutzt. Erste Möglichkeiten für sportliche Betätigungen ermöglichte der Sportplatz der ehemaligen Kaserne in der jetzigen V. Nachbarschaft; er wurde vor allem für Fußballspiele genutzt. 1963 wurde die erste Volksschule im Stadtteil eröffnet, 1964 der erste Kindergarten der Weststadt an der Donaustraße.

Elbeviertel Sie bildet den südwestlichen Teil der Weststadt. Ab 1974 wurde hier das überdachte zentrale Einkaufszentrum der Weststadt mit einem Marktplatz errichtet. Unmittelbar daneben wurde 1983 die evangelische Emmauskirche errichtet. Vorwiegend stehen hier Häuser mit Flachdächern, deren Fassaden mit roten Platten verkleidet sind.

Seit 1977 findet auf dem Marktplatz jeden Donnerstag ein Wochenmarkt statt.

Rheinviertel mini|„Helgolandhäuser“ im Rheinviertel Das Rheinviertel ist die III. Nachbarschaft der Weststadt, es wurde jedoch als letztes begonnen. In der III. Nachbarschaft sollten eigentlich den Planungen nach große und höhere Wohnblöcke mit elf Stockwerken entstehen. Der Bebauungsplan wurde jedoch nicht von der Aufsichtsbehörde genehmigt. Man wollte nicht die monotone Bauweise der IV. Nachbarschaft wiederholen und Hochhäuser kamen allmählich in den Verruf, die Anonymität der Bewohner zu fördern. Der Bau der letzten Nachbarschaft begann Mitte der 1970er Jahre, gleichzeitig entstand das Einkaufszentrum. Die freigelassene Fläche für eine katholische Gemeinde wurde nie mit einem Kirchengebäude bebaut. 1996 wurde sie dem Kinderheim St. Nikolaus überlassen. Die Nachbarschaft wurde nach der Hauptstraße, dem Rheinring, zunächst inoffiziell Rheinringgebiet genannt. Im nordwestlichen Teil wurden hauptsächlich Einfamilienhäuser errichtet.

Emsviertel Die IV. Nachbarschaft ist der nordöstliche Teil der Weststadt rund um die Emsstraße. Der Bebauungsplan wurde 1971/72 entwickelt. Zuständig war die Baugesellschaft Neue Heimat. Hier entstanden auch die drei 43 Meter hohen Hochhäuser; ursprünglich sollten sogar fünf errichtet werden. Die Architektur dieses Bereiches erfuhr viel Kritik.

Die Straßen sind vornehmlich nach Flüssen benannt, die direkt in Nord- oder Ostsee bzw. in Boddengewässer münden (Eider, Recknitz usw.).

Bereich Z mini|Jugendzentrum „Rotation“