Der Vietnamkrieg (1955–1975) konfrontierte die US Army mit einer Vielzahl von Herausforderungen, sowohl im militärischen Kontext als auch in der Heimat. Im dichten Dschungel Vietnams sahen sich die Soldaten einem unsichtbaren Feind gegenüber, der Guerillataktiken einsetzte, während das schwierige Terrain, tropische Krankheiten und die ständige Gefahr von Hinterhalten die Moral und Effektivität der Truppen belasteten. Parallel dazu führte die Wehrpflicht in den USA zu Spannungen: So wurde Kritik laut, da junge Männer gegen ihren Willen eingezogen wurden und die ungleiche Verteilung der Lasten – vor allem zulasten der Arbeiterklasse und ethnischer Minderheiten – zu breiten gesellschaftlichen Protesten führte.
Administrative und organisatorische Reformen der US Army zwischen den 1950er Jahren und dem Eintritt in den Vietnamkrieg brachten bedeutende Modernisierungen und Innovationen mit sich. Dennoch zeigten die spezifischen Anforderungen des Vietnamkriegs – insbesondere der Guerillakrieg in schwierigem Terrain – die Grenzen dieser Reformen auf. Während die Armee technisch gut ausgestattet war, litt sie unter einem Mangel an strategischer Anpassung und einer unausgewogenen Rekrutierungspolitik, die die Effektivität im Konflikt einschränkte.
Führung, Kontrolle und Organisation Während des Vietnamkriegs lag die Befehlsgewalt über die Army genau wie heute beim Präsidenten. Der Secretary of the Army bzw. das Office of the Secretary of the Army war für die Ausbildung, Ausrüstung und Verwaltung der Army zuständig. Innerhalb des Office gab es vier Assistant Secretary of the Army: Financial Management, Research and Development, Manpower and Reserve Affairs und Installation and Logistics. Diese wiederum berichteten dem Under Secretary of the Army. Zusätzlich standen dem Secretary of the Army der Administrative Assistant, das General Council, der Chief of Public Information und dem Chief of Legislative Liaison beratend zur Seite. Dem Secretary of the Army stand der Army Staff zur Seite, der sich aus dem Chief of Staff, dem Army General Staff und dem Special Staff zusammensetzte.
Der Chief of Staff war der höchste militärische Mitarbeiter des Ministers. Als Mitglied des Joint Chief of Staff war er Berater des Präsidenten, des Nationalen Sicherheitsrates und des Verteidigungsministers. Innerhalb der Army war er dem Secretary of the Army gegenüber verantwortlich sowie für die Verwaltung, Ausbildung und Versorgung der Army zuständig. Der Chief of Staff stand dem Office of the Chief of Staff vor, das aus dem Vice Chief of Staff, dem Safeguard System Manager, dem Director for Civil Disturbance Planning and Operations, dem Advanced Aerial Fire Support System Manager, dem Assistant Vice Chief of Staff und dem Secretary of the General Staff bestand.
Dem Chief of Staff standen ebenfalls neun weitere Assistenten zur Verfügung. Der Deputy Chief of Staff for Military Operations, der Deputy Chief of Staff for Personal, der Deputy of Staff for Logistics, der Comptroller of the Army, der Chief of Research and Development, der Chief of Reserve Components und die Assistant Chiefs of Staff for Force Development und Intelligence and Communications-Electronics. Außerdem waren dem Chief of Staff 14 Special Staff Officers unterstellt.The Officer’s Guide: 1969, S. 461–464.
Feldarmee Im Jahr 1969 bestand eine Feldarmee aus zwei oder mehr Korps, und einer zusätzlichen Panzerdivision. 1. United States Army (1. Okt. 1933) 22px 3. United States Army (1. Okt. 1933) 22px 5. United States Army (5. Jan. 1943) 22px 6. United States Army (25. Jan. 1943) 22px 7. United States Army (10. Juli 1943) 22px 8. United States Army (10. Juni 1944) 22px
Division Die Divisionen wurden im Rahmen der Struktur Reorganization Objective Army Division (ROAD) umstrukturiert. Die Umgliederung hatte mit der Neuaufstellung der Luftlandedivisionen 1964 und der Schaffung der ersten Airmobile Division im Jahr 1965 begonnen. Es gab fünf Arten von Divisionen: Infanterie, motorisierte Infanterie Panzer, Luftlande- und Airmobile Divisionen. Die Grundlagen zur Neuausrichtung waren die Erkenntnis, dass ein Standarddivision nicht in der Lage war, alle Aufgaben zu erfüllen. Es war nötig dass Divisionen bis zu einem gewissen Grad spezialisiert sein mussten und dass sie eine flexible Struktur benötigten, die auf die Anforderungen verschiedener Konfliktstufen, Gelände, Klima, gegnerische Fähigkeiten und andere Bedingungen zugeschnitten werden konnte. 1968 lag die Stärke einer Infanteriedivision zwischen 15.800 und 19.000 Mann.Rottman: 2008 S. 14 f.
Brigade, Bataillon, Kompanie und Zug Brigaden bestanden aus einer unterschiedlichen Anzahl von Bataillonen und Unterstützungseinheiten. Eine Gruppe entsprach in Bezug auf die Staffelung einem Regiment, bestand aber aus einer unterschiedlichen Anzahl und Art von angegliederten Bataillonen und Kompanien. Organisatorisch gab es zwei Arten von Bataillonen: Feste Bataillone mit einem Stab und einer vorgeschriebenen Anzahl von organischen Einheiten in Kompaniestärke, die dem Bataillon fest zugeordnet und mit Buchstaben bezeichnet sind (z. B. A-D). Dazu gehörten sowohl Kampf- als auch Unterstützungs- und Serviceeinheiten. Flexible Bataillone mit dem Stab als einziger organischer Einheit. Dem Bataillon wurden separat nummerierte Unterstützungs-/Dienstkompanien und Abteilungen unterschiedlichen Typs unterstellt, um es für seinen Auftrag anzupassen. Unabhängig von ihrem Typ hatten die Infanteriebataillone eine gemeinsame Basisstruktur. Die Bataillone hatten eine Stärke von 800 bis 1000 Soldaten, verteilt auf drei Rifle Kompanien (A–C) und eine Combat Support Kompanie; ab 1967 kam noch eine weitere Rifle Kompanie (D) hinzu. Das Stabsquartier des Bataillons bestand aus dem CO, dem XO, den Stabsoffizieren und dem Sergeant Major. Die Stabskompanie des Bataillons gliederte sich in einen Kompaniestab eine Abteilung des Bataillonsstabs mit Stabsassistenten und Spezialisten sowie mehrere Platoons. Kommunikationplatoon: Zuständig für Installation, den Betrieb und die Wartung der Funk-, Telefon- und Kurierkommunikationssysteme des Bataillons. Support Platoon: Verantwortlich für den Transport des Bataillons und die Versorgung der Kompanien mit Rationen, Wasser, Munition, Benzin, Öl und Schmiermitteln. Maintenance Platoon: Verantwortlich für die Inspektion, Prüfung, Wartung, Reparatur und Bergung von Ausrüstung Medical Platoon: Zuständig für die medizinische Versorgung, die Behandlung und Evakuierung von Verletzten sowie die Eindämmung der Ausbreitung von Krankheiten Jede Rifle Kompanie setzte sich aus drei Platoons zusammen. Ein Platoon (Zug) war die grundlegende taktische Einheit innerhalb einer Infanteriekompanie der US-Armee im Vietnamkrieg. Ein Infanterie-Platoon bestand typischerweise aus 30 bis 40 Soldaten, aufgeteilt in einen Stab (Lieutenant, Platoon Sergeant) und vier Squads (Gruppe). Die genaue Anzahl der Soldaten konnte je nach Verluste, Verstärkungen oder der Mission variieren.Rawson: 2008, S. 35–39.
Rekrutierung Gemäß dem Selective Service Act von 1967 waren alle Männer mit Vollendung des 18. Lebensjahres verpflichtet, sich für die Einberufung registrieren zu lassen. Dies ermöglichte die Heranziehung bis zum Alter von 27 Jahren. Zu Beginn der US-Bodenoffensive im Jahr 1965 machte die Zahl der Wehrpflichtigen weniger als ein Drittel der Armee aus. Mit Vollendung des 18. Lebensjahres erfolgte die Meldung bei der örtlichen Einberufungsbehörde, das Ausfüllen eines Einstufungsfragebogens sowie eine Untersuchung vor der Einberufung, um den Status sowie die Möglichkeit eines Aufschubs oder einer Befreiung zu bestimmen. Den über 4.000 Wehrersatzämtern wurden monatliche Quoten zugewiesen. Das System von Zurückstellungen und Ausnahmeregelungen basierte auf einer Vielzahl von Kriterien, darunter körperliche Qualifikationen, Ausbildung, wichtige Beschäftigungsverhältnisse, familiäre Notlage und religiöse Überzeugungen.
Zu den unentbehrlichen Arbeitskräften gehörten Polizeibeamte, Feuerwehrmänner, Mediziner, Lehrer, Geistliche und Studenten der Theologie sowie bestimmte Kategorien von Wissenschaftlern und Ingenieuren. Verheiratete Männer mit oder ohne Kinder, Studenten nach dem Studium, Männer, die ältere Eltern pflegten, und andere Härtefälle wurden in der Regel nachrangig in den I-A-Status eingestuft, aber ab 1966, als die Zahl der Wehrpflichtigen auf 30.000 pro Monat erhöht wurde, wurden auch solche Personen einberufen. Das Spitzenjahr für die Einberufung war 1966, als neue Divisionen, Brigaden und Unterstützungseinheiten aufgestellt und bestehende Einheiten für den Einsatz in Vietnam aufgerüstet wurden: 382.000 wurden eingezogen. Danach waren es weit über 200.000 pro Jahr, bis sie 1970 abfielen.Rottman: 2005 S. 6 f.
Innerhalb weniger Wochen nach ihrer Registrierung mussten die Männer einen Einstufungsfragebogen ausfüllen, um ihre Diensttauglichkeit zu beurteilen. Eine Einstufung in die Klasse I-A bedeutete die Berechtigung zur Einberufung. I-C, I-D, I-O, I-S, I-W und I-Y waren Zurückstellungen für die Polizei, das ROTC, Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen, High-School-Schüler, Kriegsdienstverweigerer, die zivile Arbeit verrichten, bzw. diejenigen, die nur im Falle einer Kriegserklärung eingezogen wurden. I-A, I-B und I-S waren Freistellungen für kritische Berufe, Landarbeiter und Studenten. III-A galt als Ausnahme für extreme Härtefälle oder Kinder. IV-A, IV-B, IV-C, IV-D und F betrafen Personen mit vorhergehendem Militärdienst oder einem einzigen überlebenden Sohn, Regierungsbeamte, ansässige Ausländer, die nicht dienstpflichtig waren, Geistliche oder Theologiestudenten sowie körperlich oder geistig Untaugliche.Rothenberg: 1968, S. 67–71. Die Einberufung erfolgte für zwei Jahre, gefolgt von vier Jahren in der Bereitschaftsreserve nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst.Technisch gesehen waren die Standby-Reservisten im Falle eines Krieges oder eines nationalen Notstandes einberufungspflichtig, wurden jedoch lediglich als Arbeitskräftepool eingesetzt und keinen Reserveeinheiten zugewiesen. Nach Erfüllung ihrer sechsjährigen militärischen Verpflichtung wurden sie aus der Armee entlassen. Männer, die sich freiwillig für drei Jahre in der regulären Armee verpflichteten, meldeten sich bei den örtlichen Rekrutierungsstellen der Armee. Sie konnten ihr MOS (Military Occupation Specialty) auf der Grundlage ihrer Ergebnisse im Armed Forces Classification Test (AFCT) auswählen. Die Testergebnisse bewerteten die Eignung in Bereichen wie Büroarbeit, Elektronik, allgemeine Wartung, mechanische Wartung und technische Fachkräfte. Am wichtigsten war das Ergebnis im Bereich General Technical (GT), das mit einem IQ vergleichbar ist. Ein Infanterist musste mindestens eine GT-Punktzahl von 70 erreichen, ein Soldat der Special Forces 100 und ein Offiziersanwärter 110.
Viele Schwarze und Hispanoamerikaner meldeten sich freiwillig zu den Fallschirmjägern, entweder weil sie sich dort beweisen konnten oder einfach, weil sie so ihren Familien zusätzliches Geld nach Hause schicken konnten. Die GI Bill, mit der nach Beendigung des aktiven Dienstes eine College-Ausbildung bezahlt werden konnte, war für viele, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihrem sozialen Status, ein wichtiger Beweggrund. Freiwillige konnten sich im Rahmen des Delayed Entrance Program (Programm zur verzögerten Einberufung) melden, auch wenn sie noch in der Highschool waren, und ihren Eintritt bis zu sechs Monate hinauszögern.