mini|Kurdischer Schüler in einer Schule in Duhok, Irakisch-Kurdistan (2007) Bildung in kurdischer Sprache meint das Lesen, Schreiben und Lernen in kurdischen Sprachen. Bis zum 20. Jahrhundert gab es für die Kurden praktisch keinen Unterricht in kurdischer Sprache, da Schulen und Gelehrte in den historischen Siedlungsgebieten überwiegend in der Mehrheitssprache der jeweiligen Mächte geführt wurden. Nur wenige Gelehrte und Dichter wie Ehmedê Xanî verfassten vereinzelt erste kurdische Texte. Der Grund dafür liegt u. a. darin, dass die historischen Gebiete der Kurden aufgrund geographischer und politischer Gegebenheiten über Jahrhunderte hinweg voneinander getrennt waren. Dadurch war der politische, kulturelle und literarische Austausch innerhalb der kurdischen Regionen sehr schwierig. Darüber hinaus konnte sich die kurdische Sprache aufgrund des kulturellen und politischen Drucks der regionalen Behörden nicht als Bildungssprache etablieren. Diese Situation änderte sich im 20. Jahrhundert stark, was mit politischen, kulturellen und sozialen Umbrüchen einherging.

Bis heute ist Bildung in der Muttersprache für Kurden keine Selbstverständlichkeit. Entweder ist der Unterricht in ihrer Muttersprache gesetzlich verboten – wie in der Türkei, wo Kurden in ihrer Muttersprache als freiwilligen Sprachkurs lernen und an der Universität gerade erst die Abteilung für Kurdologie eröffnet wurde – oder die Bildung in kurdischer Sprache wurde erst seit einigen Jahrzehnten institutionalisiert, wie es in der Regionalregierung Kurdistans im Irak der Fall ist, wo die gesamte Bildung und das Leben auf Kurdisch geführt werden kann. Auch in Nordsyrien wurden erste Bausteine des kurdischen Muttersprachenunterrichts eingeführt, dies ist jedoch durch politische Feindseligkeiten und militärische Kriegsakteure in Syrien bedroht.

Kurdische Schülerinnen und Schüler haben Schwierigkeiten in ihrem Bildungswerdegang, da sie ihre schulische Ausbildung in einer Fremdsprache absolvieren müssen. Diese Situation führt zu Schwierigkeiten auch in ihrer akademischen Bildung, was sich wiederum in den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den jeweiligen Regionen manifestiert.

Geschichte der Bildung in kurdischer Sprache mini|250x250px|Das Foto zeigt die Lehrer der ersten Grundschule in Sulaimani, Südkurdistan, Jahr 1924. Die Geschichte des Unterrichts in kurdischer Sprache ist von politischer Unterdrückung und kulturellem Widerstand geprägt. In den Ländern, in denen Kurden leben – insbesondere in der Türkei, im Iran, in Syrien und im Irak – wurde die kurdische Sprache über Jahrzehnte hinweg systematisch unterdrückt. In der Türkei war die Verwendung von Kurdisch in der Öffentlichkeit, auch in Schulen, bis in die 1990er Jahre verboten, und auch in anderen Ländern gab es ähnliche Restriktionen. Die kurdische Sprache wurde oft als Bedrohung für die nationale Einheit betrachtet, was die Einführung von Kurdisch als Unterrichtssprache verhinderte.

Trotz dieser politischen Repression bewahrten die Kurden ihre Sprache, insbesondere in den ländlichen Regionen, und überlieferten sie mündlich. In den 1990er Jahren begannen kurdische Aktivisten und Kulturorganisationen, die Förderung der kurdischen Sprache zu fordern, und erste private Schulen und Kurse in Kurdisch entstanden, vor allem in der Türkei, im Irak und in Syrien. In den kurdisch dominierten Gebieten des Nordiraks, insbesondere in der Region Kurdistan, wurde Kurdisch ab den frühen 2000er Jahren als offizielle Unterrichtssprache eingeführt, was ein bedeutender Schritt für die Kurden in dieser Region war.

In Syrien begann sich die Situation während des Bürgerkriegs ab 2011 zu verändern, als die kurdischen Gebiete in Rojava (Nordsyrien) ein eigenes autonomes Bildungssystem etablierten, in dem Kurdisch als Hauptunterrichtssprache verwendet wurde. Auch in anderen Ländern der Diaspora, wie Deutschland und Schweden, wurden verstärkt Kurdischkurse angeboten, die es den Kurden ermöglichten, ihre Sprache auch im Exil zu bewahren. In Schweden beispielsweise ist Kurdisch als Wahlfach in Schulen anerkannt, was den kurdischen Kindern dort ermöglicht, ihre Muttersprache zu erlernen.

In der Türkei, die immer noch große Teile der kurdischen Bevölkerung beheimatet, ist der Unterricht in Kurdisch offiziell nicht erlaubt, was zu einem großflächigen Verlust der Sprache führt. In einigen städtischen Gebieten gibt es jedoch private Initiativen und Sprachschulen, die Kurdisch unterrichten. Im Iran ist die Situation ähnlich, obwohl es in den kurdischen Gebieten wie Kurdistan Ansätze gibt, Kurdisch zu fördern, aber auch dort bleibt der offizielle Zugang zu Bildung in Kurdisch stark eingeschränkt.

Die kurdische Diaspora, vor allem in Europa, hat eine wichtige Rolle bei der Bewahrung der kurdischen Sprache gespielt. In Ländern wie Deutschland, Frankreich und den Niederlanden gibt es zahlreiche private Initiativen und Vereine, die Kurdisch unterrichten. Allerdings wird Kurdisch in den offiziellen Bildungssystemen dieser Länder oft nur als Zusatzangebot oder als Fremdsprache angeboten, was den breiten Zugang zur Sprache einschränkt.

Die Verbreitung des Internets und moderner Technologie hat neue Möglichkeiten für den Kurdischen Unterricht geschaffen. Online-Lernplattformen, Apps und digitale Medien ermöglichen es, Kurdisch zu lernen und zu lehren, ohne auf traditionelle Bildungsinstitutionen angewiesen zu sein. Dies hat in der Diaspora dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen Zugang zu kurdischem Unterricht erhalten.

Trotz dieser Fortschritte bleibt die Zukunft der kurdischen Sprache in vielen Regionen unsicher. In den Ländern, in denen Kurden leben, gibt es nach wie vor große Hindernisse im Bildungsbereich, die die Verbreitung und den Unterricht in Kurdisch erschweren. Der Erhalt der kurdischen Sprache hängt daher sowohl von politischen Veränderungen als auch von der fortgesetzten kulturellen Arbeit der kurdischen Gemeinschaften ab. Der Widerstand gegen die Unterdrückung der kurdischen Sprache und die zunehmende Anerkennung in verschiedenen Ländern bieten jedoch Hoffnung für die Zukunft der kurdischen Sprache und ihrer Weitergabe an kommende Generationen.

Bildung auf Kurdisch nach Regionen Die Situation der Bildung in kurdischer Sprache hat sich je nach Region unterschiedlich entwickelt. Da die historischen Siedlungsgebiete in Kurdistan unterschiedlichen politischen und kulturellen Voraussetzungen unterliegen, wird im Folgenden die Situation je nach Region behandelt.

Türkei Die Mehrheit der Kurden in der Türkei sprechen Kurdisch als ihre Muttersprache, aber der Mangel an Bildung in der Muttersprache führt zu Bildungsproblemen und dem Verlust kurdischer Identität.

In der Türkei wird das Erlernen der kurdischen Sprache seit 2012 als freiwilliges Wahlfach angeboten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Türkei wird seither Kurdisch – wenn auch als Wahlfach – an öffentlichen Schulen unterrichtet. Die damalige Regierung, die auf die breite Unterstützung der kurdischen Wählerschaft zählen konnte, bot diese Reform als Hilfe zur Stärkung der Rechte der Kurden im eigenen Land an. Das Recht auf Bildung in der eigenen Muttersprache ist für die Kurden in der Türkei noch immer nicht gegeben.

Für das Schuljahr 2024–2025 haben sich 31'199 Schüler für den freiwilligen Kurmandschii-Kurs entschieden, während 3'805 Schüler Zazaki als Wahlfach gewählt haben. Das ist eine Steigerung von 30 % im Vergleich zum vorherigen Schuljahr. Dem gegenüber wurden von 20.000 Lehrern nur 10 kurdische Lehrpersonen bewilligt, davon 6 Kurmanci- und 4 Kurmanci-Lehrpersonen.

Abgeordnete der DEM-Partei, die eine vollständige Bildung in kurdischer Sprache befürworten, betonen, dass es eine große Nachfrage nach Kurdischunterricht gebe, jedoch stelle die türkische Regierung jedes Jahr eine verhältnismäßig kleine Quote für kurdische Lehrer zur Verfügung.

Bildung auf Kurdisch in Irakisch-Kurdistan mini|250x250px|Kurdistan-Universität in Erbil, Jahr 2021. Der Unterricht in kurdischer Sprache in Irakisch-Kurdistan, hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert. Vor Beginn des Jahrtausends war das Bildungssystem in den kurdischen Regionen Iraks stark von politischer Instabilität und den Auswirkungen des Irak-Krieges betroffen. Während der Ära von Sadam Hussein war der Zugang der Kurden zu Bildung stark eingeschränkt und Schulen wurden als Instrument zur Assimilierung und Verbreitung der arabischen Kultur und Sprache genutzt. Nach dem Sturz des Saddam-Regimes im Jahr 2003 begann die Autonome Region Kurdistan mit dem Aufbau eines eigenen Bildungssystems. In den Schulen kam es zu einer starken Entwicklung des Kurdischunterrichts und der Organisation der kurdischen Sprache, außerdem wurden Englisch und Arabisch zu Pflichtfächern erklärt.

Die kurdische Regierung hat zahlreiche Bildungsreformen umgesetzt, um die Qualität der Schulen zu verbessern und den Zugang zu Bildung zu erweitern. In städtischen Gebieten wie Erbil und Duhok gibt es qualitativ gute Schulen und Universitäten, ländliche Gebiete stehen jedoch immer noch vor Herausforderungen wie dem Mangel an hochwertigen Lehrmaterialien und qualifizierten Lehrpersonen. Seit 2007 wird die kurdische Sprache als Unterrichtssprache in allen Schulen im Nordirak verwendet und trägt zur Vermittlung der kurdischen Identität bei.

Das Bildungssystem im Nordirak ist jedoch weiterhin von finanziellen und infrastrukturellen Problemen betroffen, die durch die instabile politische Lage und die wiederholten militärischen Konflikte verschärft werden. Die Zerstörung von Schulen im Kampf gegen den IS (Islamischer Staat) hat die Situation in vielen Gebieten weiter verschärft. Es gibt auch Bedenken hinsichtlich der Qualität der Ausbildung, da der Lehrplan veraltet sein könnte und viele Lehrer nicht ausreichend ausgebildet sind. In den letzten Jahren hat die Region versucht, private Bildungseinrichtungen zu fördern, um den Druck auf das öffentliche Schulsystem zu verringern.

Der Unterricht an den Universitäten im Kurdistan ist vor allem auf akademische Fächer wie Medizin, Ingenieurwesen und Wirtschaft ausgerichtet. Viele junge Kurden streben an, im Ausland zu studieren, um internationale Standards zu erleben und bessere Karrieremöglichkeiten zu haben. Allerdings ist der Zugang zu höherer Bildung auch in der Region begrenzt, vor allem aufgrund der begrenzten Kapazitäten der Universitäten und der steigenden Zahl von Bewerbungen.

Der Unterricht in der kurdischen Sprache ist weiterhin ein politisches Thema, da einige Gruppen argumentieren, dass der Fokus auf Kurdisch in den Schulen den Zugang zu Arabisch und Englisch einschränken könnte. Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Förderung des kurdischen Unterrichts ein zentrales Ziel der Regierung, um die kulturelle Identität und das Erbe der Kurden zu bewahren. In den letzten Jahren wurde auch verstärkt in die digitale Bildung investiert, insbesondere nach der COVID-19-Pandemie, um den Schülern Zugang zu Online-Lernplattformen zu ermöglichen.

Trotz der Fortschritte gibt es immer noch zahlreiche Herausforderungen im Bildungsbereich im Nordirak, darunter Armut, Migration und die Integration von Flüchtlingen, die zusätzliche Belastungen für das Bildungssystem mit sich bringen.

Bildung auf Kurdisch in Iran Die Geschichte des Unterrichts in kurdischer Sprache im Iran ist stark von politischen und kulturellen Einschränkungen geprägt. Während der Schah-Ära (bis 1979) war die Verwendung der kurdischen Sprache in offiziellen Kontexten und im Bildungsbereich praktisch verboten. Die Regierung strebte eine vollständige Arabisierung und Persifizierung der kurdischen Bevölkerung an. Nach der Islamischen Revolution 1979 und der Gründung der Islamischen Republik wurde zwar die kulturelle Autonomie der Kurden teilweise anerkannt, doch der Unterricht in kurdischer Sprache blieb im formalen Bildungssystem weiterhin verboten.