mini|Heckansicht mini|Innenraum mini|W16-Motor mini|Veyron 16.4-Konzeptstudie
Der Bugatti Veyron 16.4 ist ein deutsch-französischer Supersportwagen des Herstellers Bugatti Automobiles SAS mit Sitz in Molsheim (Elsass), der von der Bugatti Engineering GmbH in Wolfsburg entwickelt wurde. Mit ihm wurden mehrere Geschwindigkeitsrekorde gebrochen. Das Grundkonzept für das Fahrzeug basiert auf einem technischen Entwurf von Bugatti-Chef-Ingenieur Frank Götzke.
Hintergrund Besonderheiten In der Modellvariante Bugatti Veyron 16.4 Super Sport (seit 2010) vereint das Fahrzeug etliche Superlative und Besonderheiten. Dazu zählen unter anderem die namensgebenden 16 Zylinder des 530 kg schweren Mittelmotors (640 kg mit Getriebe), die Anordnung der Zylinder in V-VR-Form (kein echter W-Motor), das 110 kg schwere Siebenganggetriebe mit Doppelkupplung, die maximale Leistung von 883 kW (1200 PS), die Höchstgeschwindigkeit von 431 km/h, die vier Turbolader, insgesamt zehn Kühler, der Maximalverbrauch von bis zu 100 Litern auf 100 km, das maximale Drehmoment von 1500 Nm und die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,5 Sekunden. Durch Telemetrie stehen die Daten des Fahrzeugs am Bugatti-Firmensitz zur Verfügung.auto-motor-und-sport.de 2018, Bugatti Chiron und Bugatti Sport, abgerufen am 30. Mai 2019.
Um das schwere Fahrzeug sicher abbremsen zu können, werden Carbon-Keramik-Bremsscheiben eingebaut, die den Wagen aus 100 km/h in 2,3 Sekunden auf einer Strecke von 31,4 m zum Stehen bringen. Bei Geschwindigkeiten über 240 km/h wird ab einer Bremspedalzeit von 0,4 s automatisch, wie beim Mercedes-Benz SLR McLaren, der Heckflügel steiler gestellt, wodurch der Auftrieb verringert oder der Anpressdruck des Autos erhöht wird.
Vorgeschichte Im Mai 1998 erwarb der Volkswagen-Konzern die Markenrechte am ehemaligen Automobilhersteller Bugatti. Noch im Oktober desselben Jahres wurde ein erstes Konzeptfahrzeug zur Wiederbelebung der Marke vorgestellt, das viersitzige Coupe EB 118. Im Jahr 1999 folgten die Studien EB 218, eine viertürige Limousine und der Mittelmotorsportwagen EB 18/3 Chiron. Der Name Chiron wurde später, 2016, erneut für den Nachfolger des Veyron verwendet, der jedoch technisch nichts mit der Studie von 1999 gemeinsam hatte und ist eine Hommage an den Bugatti‑Rennfahrer Louis Chiron. Die Idee einer viertürigen Limousine wurde 2009 für den 16C Galibier aufgegriffen, aber nicht verwirklicht. Alle drei Studien hatten noch den ursprünglich vorgesehenen 18‑Zylinder‑Motor mit drei Zylinderbänken, bevor dieses Konzept aufgrund technischer Probleme verworfen und durch den W16 mit zwei VR8‑Segmenten im 90°-Winkel ersetzt wurde.
Auf der Tokyo Motor Show 1999 wurde schließlich die Studie des Veyron präsentiert, zu diesem Zeitpunkt allerdings noch unter dem Namen „Bugatti Veyron EB 18.4“. Diese kam äußerlich dem späteren Serienmodell nahe, war aber noch mit einem 18-Zylinder-Motor ausgestattet.
Zur Erprobung des W16-Motors wurde dieser im Jahr 2000 in einen Lamborghini Diablo eingebaut. Dieses Modell wurde erstmals auf der Bremen Classic Motorshow 2026 gezeigt.
Die Entscheidung zur Serienproduktion traf der Volkswagen-Konzern 2001. Der erste fahrbereite Prototyp wurde im August 2003 fertiggestellt. Er gleicht bis auf wenige Details dem späteren Serienmodell. Bei der Entwicklung zur Serienreife waren jedoch erhebliche technische Probleme zu lösen, so dass der Fertigungsbeginn wiederholt verschoben wurde und sich bis zum September 2005 hinauszögerte.
Namensgebung Der Name des Supersportwagens stammt vom französischen Rennfahrer Pierre Veyron, der zwischen 1933 und 1953 aktiv war. Er wurde 1932 von Ettore Bugattis Sohn eingestellt. Veyron wurde Testfahrer, Entwicklungsingenieur und optimierte fortan erfolgreich die Rennwagen von Bugatti. Das Suffix 16.4 gibt Hinweis auf die Anzahl der Zylinder und der Abgasturbolader.
Technik Design/Aerodynamik mini|Die runde Karosseriebauform ist bei der Seitenansicht gut erkennbar Das Design des Fahrzeugs wurde 1999 vom damaligen Volkswagen-Designchef Hartmut Warkuß in Zusammenarbeit mit dem damals erst 26-jährigen Nachwuchsdesigner Jozef Kabaň – dem späteren Leiter Außendesign von Audi, zwischenzeitlichen Designchef von Škoda, später BMW und heutigem Designchef von Rolls-Royce – entwickelt und bis zum Ende der Serienproduktion betreut. Das Interieur Design entwarf Tomasz Bachorski, der heutige Leiter des Interieur Designs der Marke Volkswagen. Das Design des Wagens führte dabei zu Problemen bei der technischen Umsetzung: Die eher runde Form der Karosserie erzeugte Aerodynamiknachteile, weil sie für die geplante maximale Geschwindigkeit von über 400 km/h nicht optimal ist. Der Strömungswiderstandskoeffizient (cw) des Veyron ist für einen Sportwagen relativ hoch und liegt in der normalen Konfiguration mit 0,393 zwischen dem eines VW New Beetle (0,38) und eines VW Golf I (0,41).
In der produzierten Version hilft ein hydraulisch ausfahrbarer Heckflügel, den Wagen bei hohen Geschwindigkeiten zu stabilisieren. Das erhöht den Luftwiderstand, womit eigentlich mehr als die vorgesehenen 736 kW notwendig wären, um die projektierte Geschwindigkeit zu erreichen. Dieses Problem wurde durch die Einführung des sogenannten „Speed-Keys“ gelöst: In normaler Einstellung erreicht der Wagen 375 km/h, mit dem Speed-Key (eine Art zweiter Zündschlüssel links neben dem Fahrersitz) wird der Wagen abgesenkt auf vorne 65 mm und hinten 70 mm Bodenfreiheit, womit eine Keilform erreicht wird. Der Heckflügel wird auf 2°-Stellung gefahren, um den Luftwiderstand zu senken, zusätzlich werden die vorderen Diffusorklappen geschlossen, um den Luftwiderstand weiter zu senken. So kann die Höchstgeschwindigkeit um den Preis einer weitaus schlechteren Handhabung erreicht werden.
In dieser Konfiguration sinkt der cw-Wert auf 0,36, was im Vergleich zu anderen Serienfahrzeugen recht hoch ist und dem eines Geländewagens wie dem Subaru Forester entspricht. Allerdings steht dieser Wert in unmittelbarem Zusammenhang mit dem benötigten Abtrieb, der für einen ausreichenden Anpressdruck erforderlich ist und der Notwendigkeit, den Motor ausreichend zu kühlen, um Alltagstauglichkeit zu erreichen, die anderen Supersportwagen fehlt, die in ähnliche Geschwindigkeitsbereiche vordringen."So fühlen sich 1001 PS an", Fahrbericht Bugatti EB 16.4 Veyron — AUTO BILD 33/2005, 23. August 2005.
Motor und Getriebe mini|Bugatti-W16-Motor mit zwei VR8-Zylinderbänken Ein weiteres Problem war der Platzbedarf des Motors. Er war ursprünglich geplant als 18-Zylinder-Motor mit drei 6-Zylinderbänken, auf einen gemeinsamen Kurbeltrieb wirkend (diese Anordnung entspricht einem echten W-Motor), jedoch konnte das Konzept nicht verwirklicht werden. Realisiert wurde schließlich ein unechter W-Motor mit 16 Zylindern, das heißt ein Doppel-V-Motor mit zwei VR8-Zylinderbänken (15 Grad Zylinderwinkel und 90 Grad Bankwinkel). Zudem ist der Motor mit vier Turboladern ausgestattet. Der Motor wird im niedersächsischen Motorenwerk Salzgitter der Volkswagen AG gefertigt.
Die ersten Prototypen der dann finalen 16-Zylinder-Variante wurden vom Motorenbauer Dr. Schrick GmbH (heute AVL Schrick GmbH) in Remscheid fertiggestellt.
Das Getriebe war eine weitere Herausforderung. Das Ziel eines leichten, kleinen und langlebigen Getriebes kollidierte mit dem angestrebten maximalen Drehmoment von 1250 Nm. Es handelt sich beim Getriebe um ein von Ricardo entwickeltes Doppelkupplungsgetriebe. All diese Maßnahmen führen zu einem Leergewicht von fast zwei Tonnen anstelle der geplanten 1550 kg und somit zu erhöhtem Kraftstoffverbrauch.
Der Ölwechsel kostet 21.000 Dollar und dauert ganze 27 Stunden. Die Mechaniker müssen 16 verschiedene Ablassschrauben öffnen, um das Trockensumpfölsystem mit frischem Öl füllen zu können. Außerdem müssen dafür zuvor mehrere Bauteile entfernt werden, das auch um den Luftfilter zu prüfen.
Kühlsystem Der Veyron benötigt zwei Kühlwasserkreisläufe (40 l und 15 l) mit insgesamt zehn Kühlern, um bei Höchstgeschwindigkeit und im Stop-and-go-Verkehr nicht zu überhitzen. Zudem wird bei Erreichen einer bestimmten Kühlertemperatur der Heckflügel auf 2°-Stellung gefahren, um den Motorraum zusätzlich zu belüften (im Topspeed-Modus direkt). Der größere Primärkreislauf mit drei Kühlern im Vorderwagen und 40 l Kühlflüssigkeit dient zur Kühlung des Motors. Der zweite, kleinere Kreislauf dient als „Niedertemperatur-Kreislauf“ zur Kühlung der Ladeluft mit drei Kühlern und zwei von außen sichtbaren Wärmetauschern auf dem Motor. Die übrigen Kühler dienen zur Kühlung von Differential, Getriebe, Motoröl und Klimaanlage.
Reifen und Sicherheit Aufgrund der besonderen Anforderungen mit möglichen Geschwindigkeiten von über 400 km/h entwickelte der Reifenhersteller Michelin eigens für den Veyron neue Hochgeschwindigkeitsreifen. Die Suche nach einem Kompromiss aus Straßentauglichkeit und Belastbarkeit nahm knapp fünf Jahre Entwicklungszeit in Anspruch. Die Reifen vom Typ Michelin Pilot Sport PAX sind dabei hauptsächlich für trockene Straßenverhältnisse ausgelegt und aufgrund ihrer Breite und ihres Profils nur eingeschränkt regentauglich.
Auch der Vorderwagen musste überarbeitet werden, um den hohen Crash- und Qualitätsstandards des Volkswagen-Konzerns zu genügen. Das war ebenfalls mit hohem Aufwand verbunden, vor allem weil die Karosserie hauptsächlich aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff besteht.
Höchstgeschwindigkeit Ende April 2005 überschritt der Bugatti Veyron auf dem Volkswagen-Prüfgelände in Ehra-Lessien unter Aufsicht des TÜV mehrmals die Grenze von 400 km/h. Die bei diesen Tests ermittelte durchschnittliche Höchstgeschwindigkeit betrug 408,47 km/h, die in den Zulassungspapieren eingetragene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 407 km/h. Damit löste er den Dauer 962 LM als schnellsten Seriensportwagen der Welt ab. Nach einer Messung des SSC Ultimate Aero TT am 13. September 2007 durch das Guinness-Buch der Rekorde, bei der eine absolute Höchstgeschwindigkeit von 412 km/h ermittelt wurde, war er vorübergehend nicht mehr der schnellste Wagen mit Straßenzulassung.
Anfang Mai 2010 kündigte Ferdinand Piëch während einer Lehrveranstaltung an der TU Wien an, dass in Zukunft eine weiterentwickelte Variante des Veyron mit 883 kW (1200 PS) in Serie gehen werde. Diese neue Variante mit dem Namen Bugatti Veyron Super Sport mit 883 kW (1200 PS) hat am 26. Juni 2010 einen neuen Geschwindigkeitsrekord mit durchschnittlich 431,072 km/h aufgestellt (in eine Richtung sogar 434,211 km/h), jedoch mit speziell dafür angefertigten Reifen. Dieses Automodell galt seither wieder als das schnellste Serienfahrzeug mit StraßenzulassungGuinness World Records 2011 S. 274, ISBN 978-3-411-14171-5; die Verkaufsversion des Super Sport hat die gleiche Technik wie die „Rekord-Version“, wird aber aufgrund der Reifen bei „nur“ 415 km/h elektronisch abgeregelt.
Im April 2013 wurde sein Status als schnellster Serienwagen vom Guinness-Buch der Rekorde erneut überprüft und bestätigt. Seither haben andere straßenzugelassene Fahrzeuge wie Badd GT (modifizierter Ford GT) oder Koenigsegg Agera RS höhere Geschwindigkeiten erreicht, allerdings konnte keines den Veyron SS als schnellsten Serienwagen im Guinness-Buch der Rekorde ablösen.Ford Badd GT
Zum 100. Geburtstag von Bugatti kamen Spekulationen über ein Sondermodell mit der Bezeichnung Centenaire auf, dem eine Leistungssteigerung auf 993 kW (1350 PS) und eine Höchstgeschwindigkeit von 480 km/h nachgesagt wurde. Diese Gerüchte wurden aber nicht bestätigt; vielmehr entpuppte sich der Centenaire als eine zwar speziell ausgestattete, technisch aber unveränderte Variante des Veyron.
Serienfertigung