mini|hochkant|Johannes Hahn (2023) Johannes Hahn (* 2. Dezember 1957 in Wien) ist ein österreichischer Politiker der ÖVP. Er ist seit Mai 2025 EU-Sonderbeauftragter für Zypern. Von 2019 bis 2024 war er EU-Kommissar für Haushalt und Verwaltung in der Kommission von der Leyen I. Bereits von 2014 bis 2019 war er EU-Kommissar für Europäische Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen in der Kommission Juncker und ab 2010 EU-Kommissar für Regionalpolitik in der Kommission Barroso II. Salzburger Nachrichten vom 27. November 2009 Von 2007 bis 2010 war er österreichischer Bundesminister für Wissenschaft und Forschung.
Ausbildung und Privates Johannes Hahn studierte an der Universität Wien nach seiner Matura im Jahr 1976 zunächst sechs Jahre Rechtswissenschaften, erlangte jedoch keinen Abschluss. 1982 begann er ein Studium der Philosophie, Publizistik und Germanistik.Hahn, Johannes: Perspektiven der Philosophie heute, dargestellt am Phänomen Stadt. Dissertation, Wien, 1987, S. 283. 1987 promovierte er mit der Arbeit „Die Perspektiven der Philosophie heute, dargestellt am Phänomen Stadt“.Permalink Österreichischer BibliothekenverbundDissertation – Die Perspektiven der Philosophie heute: dargestellt am Phänomen Stadt. Abgerufen am 10. Jänner 2015. (PDF)
Hahn hat einen Sohn und ein Enkelkind. Seit 2015Riess und Hahn gaben sich Ja-Wort. Auf: orf.at, 6. August 2022, abgerufen am 6. August 2022. ist er mit der früheren Vizekanzlerin Susanne Riess liiert, die bis zu ihrem Austritt die FPÖ vertrat;Punsch mit Kurz, aber ohne Landeshauptleute und FPÖ. Artikel vom 4. Dezember 2017, abgerufen am 5. Dezember 2017.Life Ball 2017: Niqab, Strapse, Stars und ein Heiratsantrag. Artikel vom 11. Juni 2017, abgerufen am 5. Dezember 2017.Hahn: "Bin eine Mischung aus Feuerwehrmann und Baumeister". Artikel vom 4. Juli 2018, abgerufen am 4. Juli 2018. am 5. August 2022 heirateten die beiden.
Berufliche und politische Laufbahn mini|Hahn während der 54. MSC 2018 Hahn begann seine politische Karriere in der ÖVP-Jugendorganisation Junge Volkspartei, deren Wiener Landesobmann er von 1980 bis 1985 war. Danach folgten Tätigkeiten beim Bundesjugendring und im Generalsekretariat der ÖVP. 1992 wurde Hahn Landesgeschäftsführer der ÖVP Wien und 1996 Gemeinderat.
Von 1997 bis 2003 war Hahn neben seiner politischen Tätigkeit im Vorstand der Novomatic AG, einem international tätigen Verleiher von Spielautomaten und Betreiber von Spielstätten und Wettbetrieben. 2003 wurde er Vorstandsvorsitzender der Novomatic AG sowie Aufsichtsratsvorsitzender von deren Tochterunternehmen Admiral Sportwetten GmbH.
Von 2003 bis 2006 war er nicht-amtsführender Stadtrat und ab 2004 Obmann der ÖVP Wien und damit auch Spitzenkandidat für die im Oktober 2005 abgehaltene Landtagswahl, bei der die ÖVP die stark an Stimmen verlierende FPÖ überholen konnte und mit 18 Mandaten hinter der SPÖ (55 Mandate) zweitstärkste Partei im Wiener Landtag wurde.
Wissenschaftsminister Am 11. Jänner 2007 wurde Johannes Hahn zum Bundesminister für Wissenschaft und Forschung angelobt. Bis 2008 bekleidete er dieses Amt im Kabinett Gusenbauer, ab 2. Dezember 2008 im Kabinett Faymann I, wo er auch interimistisch bis zur Angelobung der von der ÖVP vorgeschlagenen Richterin Claudia Bandion-Ortner am 15. Jänner 2009 das Amt des Bundesministers für Justiz innehatte. In das Ende seiner Amtszeit als Wissenschaftsminister fallen auch die seit Jahrzehnten größten Studierendenproteste in Österreich 2009/2010.
Universitäten Hahn trat gegen die Abschaffung von Studiengebühren durch die Bundesregierung Faymann I (SPÖ-ÖVP-Koalition) im Jahr 2008 ein, die 2001 von der Bundesregierung Schüssel I (FPÖ-ÖVP-Koalition) unter seiner Amtsvorgängerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) eingeführt worden waren. Eine Wiedereinführung wäre seiner Ansicht nach immer noch wünschenswert.Die Presse: Hahn will Studiengebühren wieder einführen, 11. Oktober 2009 Im Gegenzug sollte das System von Studienförderungen entsprechend erweitert werden und Studierende sollten etwa durch eine bestimmte Anzahl von Nachhilfestunden für Schüler Anspruch auf Refundierung eines Teils der Gebühren erarbeiten können.Der Standard: Wissenschaftsminister präsentiert Modell: Absage an Blasmusik & Co, 10. Februar 2008 In Hahns Amtszeit wurden zwei Novellen des Studienförderungsgesetzes mit einem Budgetvolumen von 25 Millionen Euro jährlichem Mehraufwand für die Studienförderung (2007 und 2008) beschlossen. Das Budget für die Studienförderung im Wissenschaftsministerium betrug 2008 insgesamt 199,5 Millionen Euro. Im Rückblick stiegen die Ausgaben für Studienförderung nach Angaben des Ministeriums ab dem Jahr 2000 von 105 Millionen Euro auf fast 200 Millionen Euro.Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung: , 5. Februar 2009
Im Mai 2009 wurde auf Initiative Hahns bei der Wahl zur Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH) erstmals ein E-Voting-System eingesetzt, das die Stimmabgabe über das Internet ermöglichte. Als Ziele wurden eine Steigerung oder zumindest Stabilisierung der Wahlbeteiligung und die Etablierung eines modernen, alternativen Wahlsystems genannt, das laut einer vom Ministerium in Auftrag gegebenen Umfrage im Jahr 2008 von 82 Prozent der Studierenden begrüßt wurde.ORF: Ministerium kontert E-Voting-Gegner, 28. Jänner 2009 Einen Vorteil für die Zukunft sah man vor allem darin, Menschen in die Wahl einbinden zu können, die man sonst nicht erreiche (Auslandsstudenten, fernlernende und berufstätige Studierende).Ö1: , 28. Jänner 2009ORF: Hahn verteidigt E-Voting, 15. März 2009 Begleitet wurde diese Maßnahme von Kritik sowohl an der eingesetzten technischen LösungDie Presse: ÖH-Wahl: Schlechte Noten für E-Voting-System, 19. Februar 2009 als auch grundsätzlich an der Eignung solcher Technologien für geheime Wahlen, deren Ergebnis aber überprüfbar sein muss.ORF: Verfassungsrechtliche Zweifel an E-Voting, 8. Jänner 2009ORF: E-Voting: ÖH-Vertreter orten Datenmissbrauch, 20. Februar 2009 Die technische Umsetzung der Wahl mit E-Voting kostete fast 900.000 Euro,ORF: ÖH-Wahl: E-Voting kostete fast 900.000 Euro, 26. August 2009 genutzt wurde sie von 2161 der 59.241 an der Wahl teilnehmenden Studierenden (wahlberechtigt waren rund 230.000).ORF/FM4: ÖH-Wahlen 2009: Die Ergebnisse, 28. Mai 2009
mini|Hahn und ein protestierender Student (Oktober 2009) Ende Oktober 2009 begannen mit der Besetzung der Aula der Akademie der bildenden Künste Wien und kurz darauf des Audimax der Universität Wien mehrmonatige Studierendenproteste in ganz Österreich, die sich insbesondere gegen Beschränkungen des freien Hochschulzuganges etwa durch Aufnahmeprüfungen und Studiengebühren richteten und eine Verbesserung der budgetären Ausstattung der Hochschulen forderten. Hahn lehnte die Proteste ab, sagte aber zu, 34 Millionen Euro aus der „Minister-Reserve“, die aus zwei Prozent des Universitäts-Budgets besteht und für Maßnahmen an den Hochschulen vorgesehen ist, bereitzustellenDie Presse: , 31. Oktober 2009. Nach einem Monat der andauernden Besetzungen von Hörsälen an mehreren Universitäten lud er auch Vertreter der protestierenden Studierenden zu einem „Hochschul-Dialog“ einBundesministerium für Wissenschaft und Forschung: , 30. Oktober 2009. Kurz nach Beginn der Proteste und der dadurch ausgelösten öffentlichen Diskussion über Österreichs Bildungs- und Hochschulpolitik wurde bekannt, dass Hahn Anfang 2010 seine Tätigkeit als Wissenschaftsminister beenden und in die Europäische Kommission wechseln wird.
Fachhochschulen Unter Hahn wurde im Nationalrat am 4. Juli 2007 die besoldungsrechtliche Gleichberechtigung von Fachhochschul-Absolventen mit Universitätsabsolventen im Beamtendienstrecht auf Bundesebene beschlossenen. Durch diese Novelle wurden alle Absolventen von Fachhochschul-Diplom- und Masterstudiengängen ihren universitären Pendants im öffentlichen Dienst gleichgestellt.Die Presse: Beamte: FH-Absolventen Akademikern gleichgestellt, 5. Juli 2007 Zudem sind Studierende aller österreichischen FH-Studiengänge seit Dezember 2007 vollwertige Mitglieder der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft.Die Presse: ÖH-Wahl: Fachhochschulen feiern Premiere, 25. Februar 2009
In der Nationalratssitzung vom 7. November 2007 wurde der Status des „Nebenberuflich Lehrenden“ als eigenständige Kategorie ins FHStG aufgenommen. Österreichische Fachhochschulkonferenz im November 2007 Im April 2008 kündigte Hahn die erste Budgeterhöhung in der Geschichte der österreichischen Fachhochschulen an. Seit dem Studienjahr 2009/10 erhalten alle FH-Erhalter gleichermaßen und ohne Auflagen pro Studienplatz im Schnitt um 13,7 Prozent mehr als bisher.Bundesförderung: Mehr Geld für Fachhochschulen Die Presse vom 14. September 2008
Öffentlichkeitsarbeit für Wissenschaft und Forschung Ein Schwerpunkt von Hahns Tätigkeit als Minister war die Öffentlichkeitsarbeit rund um wissenschaftlich und in der Forschung tätige Personen und Institutionen. Neben der Weiterführung der Kinderuniversitäten, der Vergabe des Wittgenstein-Preises und der Wiederaufnahme der Langen Nacht der Forschung wurden etwa „Visibility-Maßnahmen“ für Frauen in Wissenschaft und Forschung und das Programm „Sparkling Science“ für Schüler gestartet und in der Öffentlichkeit beworben.
Unter dem Namen „Sparkling Science“Sparkling Science startete im Jahr 2007 ein Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, in dem Wissenschaftler und Jugendliche bis 2017 gemeinsam an wissenschaftlichen Projekten arbeiten sollen. Das Ziel des Programms ist, Schüler möglichst früh für Wissenschaft und Forschung zu begeistern.Die Presse: Aktion: Emotionale Betroffenheit integrieren, 10. Mai 2009 Im Herbst 2009 gab es nach Angaben Hahns über 100 Einzelprojekte, von kleinen Schulprojekten bis hin zu universitären Forschungsvorhaben, an denen 13.000 Schüler beteiligt waren.Die Presse: Wenn der Funke auf die Jungen überspringt, 29. November 2009 2009 wurden 14 Projekte mit je 5000 Euro prämiert. Da die Schulforschungsprojekte auch wirtschaftliches Potential haben, soll Schulen, die ab 2010 ein Sparkling-Science-Projekt umsetzen können, auf vier Jahre gerechnet eine Gesamtfördersumme von 11 Millionen Euro zur Verfügung stehen.Der Standard: Die prickelnden Seiten einer Fachzeitschrift, 1. Dezember 2009
Zusammen mit dem österreichischen Buchhandel startete Hahn im Herbst 2007 mit der jährlichen Wahl zum besten „Wissenschaftsbuch des Jahres“ eine Initiative zur Imagesteigerung und damit zur besseren Kommunikation der Errungenschaften und Leistungen der ForschungWissenschaftsbuches des Jahres.
Die Lange Nacht der Forschung fand 2008 nach mehrjähriger Pause wieder statt. Hahn betrachtet sie als zentrale Maßnahme, um Begeisterung beziehungsweise Information rund um die Forschung zu vermitteln und als Bühne für Forscher, um ihre Arbeit und ihr Engagement einem breiten Publikum bekannt zu machen.
Die „Visibility-Maßnahmen“, die 2008 gestartet wurden, sollten erfolgreiche Frauen in Wissenschaft und Forschung in Österreich der Öffentlichkeit bekannt machen. Die geplanten Maßnahmen umfassten Medientraining und Schwerpunkte in den Medien (Filmschau „Wissenschaftlerinnen im Film“ und ein DrehbuchwettbewerbUniversität für angewandte Kunst Wien: , 17. März 2009), die verstärkt über die Wissenschaftstätigkeit von Frauen berichten sollten.Die Presse: Wissenschaftlerin im Film: Nur mit strenger Frisur und Brille, 18. November 2008 Als Ergebnis von Medientrainingsmaßnahmen, die über 100 Wissenschaftlerinnen nutzten, wurde am 14. Mai 2009 eine DVD mit Interviews mit einigen von ihnen präsentiert.Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung: , 9. Juni 2009