Gerd Lucke (* 30. Juni 1943 in Baschkow, Kreis Krotoschin) ist ein deutscher Keramiker und Restaurator.
Leben und Werk Die Familie Luckes wurde in der Folge des Zweiten Weltkriegs aus Polen vertrieben und kam in die Sowjetische Besatzungszone nach Gröditz. Dort pachtete sie einen Bauernhof. Luckes Gröditzer Zeichenlehrer Malucha entdeckte Luckes künstlerisches Talent und vermittelte ihm eine Lehrstelle als Töpfer in Hohenleipisch. Nach dem Lehrabschluss arbeitete Lucke ab 1960 als Töpfer in Waldenburg. Von 1965 bis 1975 war er Werkstattleiter in der Abteilung Keramik der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein. Seitdem arbeitet er als freischaffender Keramiker, erst in Halle (Saale), ab 1984 in Weißenfels und seit 2008 in Born a. Darß. "Seine Technik besteht darin, mit den Fingern Riefen in den Ton zu ziehen, wodurch diese organischen, muschelähnlichen Formen entstehen." 1966 erwarb er den Meistertitel. Neben den freien Arbeiten, insbesondere als Gefäßkeramiker, erhielt Lucke öffentliche Aufträge für repräsentative Objekte. U. a. schuf er 1978 für das Schwimmbad eines großen Erholungsheims (heute Cliff-Hotel) in Sellin drei Raumplastiken Seeanemonen. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre gehörte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Astrid Lucke zu der von Manfred Kandt geleiteten Projektgruppe für die künstlerische Gestaltung des großen Ferienkomplexes „Roter Oktober“ (heute Hotel Baltic) der Wismut AG in Zinnowitz.Ulrich Kuhirt (Hrsg.): Kunst der DDR. 1960–1980. E. A. Seemann Verlag Leipzig, 1983, S. 255/256 Im Auftrag des Staatlichen Kunsthandels der DDR machte er Entwürfe für die Serienfertigung der Veltener Keramikwerkstatt Grothe.
Lucke war von 1968 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Er hatte in der Zeit der DDR ab 1974 Einzelausstellungen und war an vielen Gruppenausstellungen beteiligt, außerhalb der DDR auch in Ägypten, der Bundesrepublik, Bulgarien, Polen, Rumänien und der UdSSR.
Nach der deutschen Wiedervereinigung betätigte Lucke sich auch als Restaurator, vor allem an und in Kirchen und öffentlichen Gebäuden, u. a. in Halle, Rostock und Zeitz und im Schweriner Dom in der Georgenkirche Wismar. Beim Wiederaufbau des Kommandantenhauses in Berlin schuf er bis 2003 in Terrakotta die acht etwa 1,80 m hohen Adler, die den Risalit schmücken. Gebrannt wurden diese bei Tomas Grzimek in Sieversdorf.
Außerdem schuf Lucke für die Porzellanmanufaktur Meißen Unikate.
Ehrungen 1973: Goldmedaille der Internationalen Keramikausstellung Sopot 1978: Ehrendiplom der II. Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder in Erfurt 1982: 2. Preis der III. Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder 1982: Verdienstmedaille der DDR 1983: Gutes Design
Rezeption „ . . . bewältigt mit meisterhafter Sicherheit große gedrehte Formen von plastischer Wucht. Immer wieder kehrt er zu Kugel, Zylinder und Kegel zurück, aus denen er alle Formen zusammensetzt.“
Eva MahnEva Mahn: Neues Kunsthandwerk aus dem Bezirk Halle. In: Bildende Kunst, Berlin, 6/1974, S. 295
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Luckes (unvollständig)
Berlin: Kunstgewerbemuseum im Schloss Köpenick Dresden: Kunstgewerbemuseum Dresden im Schloss Pillnitz Frechen: Keramion Halle (Saale): Kunstmuseum Moritzburg Leipzig: Grassi Museum für Angewandte Kunst Magdeburg: Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Schwerin: Staatliches Museum Schwerin
Ausstellungen (unvollständig) Einzelausstellungen 1984: Karl-Marx-Stadt, Galerie Schmidt-Rottluff (mit Astrid Lucke) 1989: Berlin, Galerie Unter den Linden (mit Astrid Lucke) 1992: Bonn-Bad Godesberg, Muffendorfer Keramikgalerie (mit Astrid Lucke) 2008: Gera, Museum für Angewandte Kunst, und Halle, Galerie am Domplatz („An den Grenzen des Möglichen“) 2012: Halle (Saale), Zeitkunstgalerie (mit Günther Rechn)
Teilnahme an Gruppenausstellungen 1969, 1974 und 1979: Halle (Saale), Bezirkskunstausstellungen 1970, 1973, 1976, 1979 und 1981: Sopot, Internationale Keramikausstellung 1974, 1978 und 1982: Erfurt, Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder 1977: Magdeburg, Museum Kloster Unser Lieben Frauen („Keramik in der DDR“) 1982 bis 1988: Dresden, VII. bis X. Kunstausstellung der DDR 1991: Erfurt, Configura I (Nachfolgerin der Quadriennale des Kunsthandwerks) 2012: Harsewinkel-Marienfeld, Kloster Marienfeld (Werke Giebichensteiner Keramikerinnen und Keramiker) 2023: Lübsdorf, Schloss Wiligrad („Bildhafte Keramik“)
Literatur
Angela Dolgner (Hrsg.): Burg Giebichenstein. Die hallesche Kunstschule von den Anfängen bis zur Gegenwart. Halle/Saale, 1993, S. 526 Hans-Peter Jakobson: Der Keramiker Gerd Lucke – ein Porträt. In: Keramos, 2009, S. 71–84 Lucke, Gerd. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 557
Weblinks Gerd Lucke, mathematikeramik.de „Gröditz ist meine Vergangenheit“, Sächsische Zeitung Gerd Lucke: Preußens neue rote Adler, Mitteldeutsche Zeitung
Einzelnachweise
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