__NOTOC__ Als La Grande Fosse Prozess wird der Kriegsverbrecherprozess vom 15. bis 21. Mai 1946 gegen Karl Adam Golkel und dreizehn weitere Angeklagte (Case 30) vor einem britischen Militärgericht in Wuppertal bezeichnet. Den angeklagten SS-Mitgliedern wurde die Tötung von acht bei der Operation Loyton kriegsgefangenen Kommandosoldaten des Special Air Service (SAS) in einem Waldstück bei La Grande-Fosse vorgeworfen.
Massaker von La Grande-Fosse mini|hochkant|Mahnmal "We were good men" bei La Grande-Fosse, 2025 Während der Operation Loyton landeten Mitte August 1944 Kommandosoldaten des 2. Regiments des britischen Special Air Service (SAS) in den Vogesen hinter den deutschen Linien, um gemeinsam mit dem Maquis den Vormarsch der 3. US-Armee unter General George Patton zu unterstützen. Die Operation zog sich bis in den Oktober hin und von den Deutschen Soldaten wurden acht gefangene SAS-Soldaten zur Vernehmung dem Einsatzkommando 6 des Sicherheitsdienstes in Saal im Breuschtal unter Sturmbannführer Hans-Dieter Ernst übergeben. Am 15. Oktober wurden sie auf dessen Befehl von Saal zu einem Waldstück bei La Grande-Fosse gebracht und dort erschossen. Das SD-Kommando meldete an den Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Straßburg, Erich Isselhorst, „auf der Flucht erschossen“.Massacre de La Grande Fosse. resistance-deportaion.org, S. 74.
Das SAS War Crime Investigation Team unter Major Bill Barkworth sammelte belastendes Material zu dem Vorgang.Paul McCue: SAS Operation Bulbasket – Behind the Lines in Occupied France 1944. Pen & Sword, 1996, ISBN 978-1-84884-193-2, S. 137.
Prozess Der Kriegsverbrecherprozess zu dem Massaker fand in der britischen Besatzungszone vor einem britischen Militärgericht nach den Regeln des Royal Warrant (81/1945) vom 15. bis 21. Mai 1946 in Wuppertal statt.
Die Angeklagten hatten sich in ihren Aussagen vor dem Prozessbeginn teilweise gegenseitig belastet und widerriefen oder relativierten diese Aussagen im Prozessverlauf, so dass die Richter entscheiden mussten, ob die jeweiligen vorgerichtlichen Aussagen oder die Prozessaussagen glaubwürdig sind. Es war nicht feststellbar, wer geschossen hatte.
Die Angeklagten gaben an, den Exekutionsbefehl (Handeln auf Befehl) für rechtmäßig angesehen zu haben, da er von Sturmbannführer Ernst, einem Juristen, kam und die Gefangenen mit der Résistance zusammengearbeitet hätten. Der Judge Advocate argumentierte, dass die Gefangenen Kommandosoldaten gemäß Genfer Konvention von 1929 (Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen) ohne Prozess nicht exekutiert werden durften.Dermot Groome: Golkel and Thirteen Others (La Grande Fosse). In: The Oxford Companion to International Criminal Justice. Hrsg.: Antonio Cassese, Oxford University Press, 2009, ISBN 978-0-19-923831-6, S. 702.
+ Urteile zu den Angeklagten Name Dienstgrad Urteil Anmerkungen Karl Golkel Hauptsturmführer 10 Jahre Haft meldete den Vollzug der Exekution Hans Hubner Scharführer 4 Jahre Haft Mittäter August Geiger Unterscharführer 4 Jahre Haft Mittäter Karl Bott Hauptsturmführer Freispruch Widerruf vorheriger belastender Aussagen Hans Limberg Freispruch Widerruf vorheriger belastender Aussagen Heinrich Klein Unterscharführer 8 Jahre Haft Fahrer, bewachte und begrub die Gefangenen Josef Pilz Freispruch Widerruf vorheriger belastender Aussagen Walter Jantzen Hauptscharführer 4 Jahre Haft bei Befehlsausgabe als rechte Hand von Ernst anwesend, Anwesenheit bei der Tat wurde widerrufen Walter Schmidt Freispruch war lt. Golkel und Geiger nicht am Tatort Ludwig Koch Scharführer 3 Jahre Haft Mittäter Georg Zahringer Unterscharführer 2 Jahre Haft Mittäter Emil Pahl Freispruch Widerruf vorheriger belastender Aussagen Heinrich Thilker Freispruch Widerruf vorheriger belastender Aussagen Horst Gäde Hauptscharführer 8 Jahre Haft Fahrer, half beim Grab ausheben, führte Gefangene dann zum Grab
Das milde Urteil wurde von der Presse kritisiert, der vorsitzende Richter Hennessey beschwerte sich beim Kriegsministerium über die mangelhafte Eignung der Offiziere des Tribunals und der Angeklagte Jantzen wurde in seinem späteren Prozess zu den Saint-Die-Morden am 25. Juni in Wuppertal zum Tode verurteilt.Philip D. Chinnery: Hitler‘s Atrocities Against Allied PoWs. Pen & Sword, 2018, ISBN 978-1-52670-187-9, S. 243 f.
Literatur Philip D. Chinnery: Hitler‘s Atrocities Against Allied PoWs. Pen & Sword, 2018, ISBN 978-1-52670-187-9.
Weblinks Case No. 30 – Trial of Karl Adam Golkel and thirteen others. Worldcourts.com Massacre de La Grande Fosse auf resistance-deportaion.org
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte (Wuppertal) Kategorie:Veranstaltung in Wuppertal Kategorie:Kriegsverbrecherprozess (Zweiter Weltkrieg) Kategorie:Recht (Britische Besatzungszone) Kategorie:NS-Prozess Kategorie:Gerichtsprozess (20. Jahrhundert) Kategorie:Ereignis 1946 Kategorie:Kriminalfall 1944 Kategorie:Schutzstaffel