mini|Verteilung von nicht-deutschen Syrern auf Kreis-Ebene, 2021
Syrer in Deutschland (arabisch: السوريون في ألمانيا, al-Sūrīyūn fī Almāniyā) bezeichnet syrische Migranten in Deutschland oder Deutsche mit syrischen Wurzeln. Ihre Zahl wird Stand 2025 auf rund 1,281 Millionen geschätzt; davon rund 936.285 ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Nach Türken und Ukrainern bilden die Syrer damit die drittgrößte ausländische nationale Gruppe in Deutschland. Von 2020 bis 2025 haben rund 298.400 Personen syrischer Herkunft die deutsche Staatsbürgerschaft erworben.
Die syrische Bevölkerung in Deutschland besteht hauptsächlich aus Menschen, die als Geflüchtete des syrischen Bürgerkriegs während der europäischen Migrationskrise 2015 nach Deutschland kamen. In Deutschland lebt die mit Abstand größte syrische Diaspora in Europa.
Geschichte Bereits vor dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 existierte eine syrische Migrantengemeinschaft in Deutschland, darunter überproportional viele Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten wie Assyrer und Aramäer. Im Jahr 2010 lebten nach Angaben des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes rund 57.000 Menschen mit syrischem Migrationshintergrund in Deutschland; darunter befanden sich etwa 30.000 syrische Staatsangehörige.https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/Publikationen/Downloads-Migration/migrationshintergrund-sonderausgabe-5122121109004.pdf?__blob=publicationFile Auch zahlreiche Gegner des syrischen Regimes unter Bashar al-Assad, insbesondere sunnitische Muslime und Palästinenser, suchten Zuflucht in Deutschland.
Die überwiegende Mehrheit der Syrer, die nach Deutschland gekommen sind, wanderte nach dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs 2011 ein. Während der europäischen Migrationskrise von 2015–2016 gelangten Hunderttausende syrischer Flüchtlinge nach Deutschland, um Asyl zu beantragen.
Die meisten Syrer erhalten subsidiären Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention, der ihnen den Status eines dauerhaften Aufenthalts gewährt, mit dem Recht auf Arbeit und der Möglichkeit, nach fünf Jahren Aufenthalt die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Im Jahr 2023 waren Syrer mit Abstand die größte Gruppe ausländischer Staatsangehöriger, die die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten (rund 75.000).
In Deutschland lebt die mit Abstand größte syrische Diaspora außerhalb des Nahen Ostens.
Von 2015 bis 2023 wurden rund 163.000 Syrer eingebürgert.
Demografie + Syrische Staatsangehörige in Deutschland Jahr Anzahl 2010 30.133 2011 32.878 2012 40.360 2013 56.933 2014 118.196 2015 366.556 2016 637.845 2017 698.950 2018 745.645 2019 789.465 2020 818.460 2021 867.585 2022 923.805 2023 972.460 2024 975.060 2025 936.285Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)
Nach Angaben des Ausländerzentralregisters (AZR) ist die Zahl der in Deutschland lebenden syrischen Staatsangehörigen infolge des Ausbruchs des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 deutlich angestiegen. Die syrische Bevölkerung in Deutschland wuchs von 30.133 Personen im Jahr 2010 auf 975.060 Personen zum 31. Dezember 2024 und zählt damit zu den größten Gruppen ausländischer Staatsangehöriger in Deutschland.
Die Zahl der syrischen Staatsangehörigen ging anschließend bis zum 31. Dezember 2025 auf 936.285 zurück, was vor allem auf die zunehmende Einbürgerung syrischer Staatsangehöriger zurückzuführen ist. Im Laufe des Jahres 2025 erhielten Zehntausende Syrer die deutsche Staatsangehörigkeit und wurden daher nicht mehr in den Statistiken über ausländische Staatsangehörige erfasst.
Im Jahr 2025 lebten in Deutschland rund 1,281 Millionen Personen syrischer Herkunft, von denen 1,029 Millionen (etwa 80,3 %) über eine eigene Migrationserfahrung verfügten. Davon besaßen rund 936.285 weiterhin ausschließlich die syrische Staatsangehörigkeit und waren nicht im Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit. Nach Türken und Ukrainern bilden die Syrer damit die drittgrößte ausländische nationale Gruppe in Deutschland.
Im Jahr 2020 betrug das Geschlechterverhältnis der Syrer in Deutschland 59 % Männer zu 41 % Frauen; das Durchschnittsalter lag bei 22,4 Jahren, womit die Syrer gegenüber der deutschen Gesamtbevölkerung (Durchschnitt: 38,2 Jahre) ein sehr junges Bevölkerungsprofil aufweisen.Ragab, Nora Jasmin 2021: Bericht zu „Transnationale Netzwerke und zivilgesellschaftliche Aktivitäten im Kontext der Fluchtmigration: Die syrische Community in Deutschland.“, S. 6f.
Über die ethnisch-religiöse Zusammensetzung der Syrer in Deutschland liegen nur Zahlen zu Asylsuchenden vor.
Laut Daten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu syrischen Erstantragstellern auf Asyl in Deutschland zwischen 2013 und 2025 identifizierten sich etwa 64,5 % als Araber und 27,7 % als Kurden. Rund 1,3 % gehörten anderen ethnischen Gruppen an (darunter Aramäer, Assyrer, Turkmenen und Palästinenser), während die ethnische Zugehörigkeit von 6,5 % der Antragsteller unbekannt war.
Hinsichtlich der religiösen Zugehörigkeit stellten Muslime die große Mehrheit der syrischen Erstantragsteller in Deutschland zwischen 2010 und 2025 dar. Dem Bericht zufolge bekannten sich 88,9 % der syrischen Antragsteller zum Islam. Christen bildeten mit 2,6 % eine religiöse Minderheit, gefolgt von den Jesiden mit 2,0 %. Etwa 0,7 % der Antragsteller gaben an, keiner Religion anzugehören. Bei 5,8 % war die Religionszugehörigkeit entweder unbekannt oder sie gehörten anderen bzw. nicht näher bezeichneten Religionsgemeinschaften an. https://www.bamf.de/DE/Themen/Statistik/Asylzahlen/BundesamtInZahlen/bundesamtinzahlen-node.html
Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Ethnie der Erstantragstellenden auf Asyl aus Syrien laut dem BAMF:
JahrErstantragstellendeAraberKurdenAramäerTurkmenenPalästinensersonstigeunbekannt201311.85138,4 %49,0 %2,8 %7,0 %2,8 %201439.33254,9 %34,8 %1,1 %2,5 %6,7 %2015158.65766,6 %24,9 %0,4 %1,2 %6,9 %2016266.25065,3 %29,0 %0,4 %0,9 %4,4 %201748.97456,6 %36,3 %0,4 %1,1 %5,6 %201844.16756,1 %31,1 %0,3 %1,0 %11,5 %201939.27056,6 %31,3 %0,3 %0,7 %11,1 %202036.43358,3 %29,2 %0,3 %0,6 %11,6 %202154.90364,4 %26,6 %0,2 %0,5 %8,3 %202270.97669,5 %23,4 %0,2 %0,5 %6,4 %2023102.93071,8 %21,8 %0,5 %0,5 %5,4 %202476.76570,5 %22,9 %0,3 %0,4 %5,9 %202523.25658,1 %33,8 %0,3 %0,7 %7,1 %
Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Religionszugehörigkeit der Erstantragstellenden auf Asyl aus Syrien laut dem BAMF:
JahrErstantragstellendeMuslimeChristenJesidenkonfessionslossonstige/unbekannt20101.490774112546154320112.6341.395971.031278420126.2013.4849471.57326171201311.8517.8251.5902.05074312201439.33232.4771.9222.0522852.5962015158.657136.7436.1983.4951.16111.0602016266.250243.6916.8374.1071.8249.791201748.97443.6201.1411.2903612.562201844.16737.2577866693415.114201939.27033.1636555732934.586202036.43330.9825186012314.101202154.90348.6997725203214.591202270.97665.5568953663403.8192023102.93096.8191.4673664693.809202476.76571.7461.1523204143.133202523.25620.9674482603661.2152010–2025984.089875.19825.53719.8196.54856.987
Regionale und lokale Verteilung in Deutschland Im Jahr 2020 lebten in Nordrhein-Westfalen 317.000 syrische Staatsangehörige ohne deutschen Pass, in Niedersachsen 113.000, in Baden-Württemberg 96.000, in Bayern 88.000 und in Berlin 64.000.Ragab, Nora Jasmin 2021: Bericht zu „Transnationale Netzwerke und zivilgesellschaftliche Aktivitäten im Kontext der Fluchtmigration: Die syrische Community in Deutschland.“, S. 2.
Ein großer Teil der Syrer hat sich in den westdeutschen Großstädten angesiedelt, insbesondere im Ruhrgebiet, sowie in Berlin. Dort existierte bereits eine große arabisch-levantinische Gemeinschaft, die hauptsächlich aus libanesischen und palästinensischen Migranten besteht, die in den 1980er Jahren nach Deutschland kamen. Während es in Ostdeutschland und in Bayern in der Fläche nur wenige Syrer gibt, gibt es beträchtliche syrische Gemeinschaften in den größeren Städten in Ostdeutschland wie etwa Leipzig und Dresden. In diesen beiden Städten stellen Syrer die größte nicht-europäische Migrantengruppe.
Einbürgerungen Von 2020 bis 2025 haben rund 298.400 Personen syrischer Herkunft die deutsche Staatsbürgerschaft erworben. Der starke Anstieg ist vor allem auf den Syrien-Konflikt zurückzuführen, der 2011 begann und eine große Fluchtbewegung auslöste. In den Jahren 2014 bis 2016 erreichte die sogenannte Migrationskrise ihren Höhepunkt, in deren Folge viele Syrer nach Deutschland kamen und später eingebürgert wurden.
+ Einbürgerungen von syrischen Staatsangehörigen in Deutschland (seit 1981)Jahr 1980198119821983198419851986198719881989Anzahl259182203244256276297338354Jahr 1990199119921993199419951996199719981999Anzahl334393475626678602645672886811Jahr 2000200120022003200420052006200720082009Anzahl1.6091.3371.1581.1571.0701.0611.2261.1081.1561.342Jahr 2010201120122013201420152016201720182019Anzahl1.4011.4541.3211.5081.8202.0272.2632.4792.8803.860Jahr 202020212022202320242025Anzahl6.70019.09548.38575.48583.18565.574
Migrationsformen Die Migration von Syrern nach Deutschland fand im Wesentlichen seit den 1970er-Jahren über drei Migrationswege statt: Bildungsmigration, Fluchtmigration und Familienzusammenführung.
Bildungsmigration: Bereits in den 1970er-Jahren kamen Syrer im Rahmen von Bildungsmigration – vor allem im Bereich Medizin und Ingenieurswesen – in die Bundesrepublik Deutschland. In der DDR gab es mit Syrien einen bilateralen Vertrag zur beruflichen Aus- und Weiterbildung, vor allem im Bereich von Technik und Ingenieurwissenschaften.Ragab, Nora Jasmin 2021: Bericht zu „Transnationale Netzwerke und zivilgesellschaftliche Aktivitäten im Kontext der Fluchtmigration: Die syrische Community in Deutschland.“, S. 3.
Fluchtmigration: Der größte Teil der Syrer kam durch Fluchtmigration nach Deutschland, davon wiederum der Großteil infolge des Syrischen Bürgerkrieges ab 2011. Zwischen 2012 und 2020 bekamen zwischen 81,9 (2018) bis 97,9 % (2016) der syrischen asylsuchenden Syrer einen Schutzstatus.Ragab, Nora Jasmin 2021: Bericht zu „Transnationale Netzwerke und zivilgesellschaftliche Aktivitäten im Kontext der Fluchtmigration: Die syrische Community in Deutschland.“, S. 5. Bereits in den 1980er kamen viele Syrer infolge der staatlichen Repression und des Massakers von Hama über Asylmigration nach Deutschland. Familienzusammenführung: Insgesamt 13 % der Syrer (Stand 2020) kamen über Familienzusammenführung nach Deutschland, bei Frauen beträgt der Anteil 19 %.
Bildung Das Bildungsprofil der Syrer in Deutschland ist polarisiert, ein Grund dafür ist das im Vergleich zur deutschen Gesamtbevölkerung deutlich niedrigere Durchschnittsalter der Gruppe. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2020 waren 47 % der Syrer noch in Ausbildung oder nicht schulpflichtig, 39 % ohne berufsqualifizierenden Abschluss und 14 % mit berufsqualifizierendem Abschluss.Ragab, Nora Jasmin 2021: Bericht zu „Transnationale Netzwerke und zivilgesellschaftliche Aktivitäten im Kontext der Fluchtmigration: Die syrische Community in Deutschland.“, S. 8f.
Deutlich anders stellen sich die Zahlen dar bei den Personen mit einem berufsqualifizierenden Abschluss, wonach 56 % der Syrer mit Abschluss einen akademischen und 44 % einen nicht-akademischen Abschluss haben (gegenüber 26 %, bzw. 74 % im Durchschnitt der deutschen Bevölkerung). Unter den Syrern mit nicht-akademischen Abschlüssen hatten 50 % Abitur, 6 % die Fachhochschulreife, 16 % Mittlere Reife und 28 % einen Hauptschulabschluss. Bildung von Syrern in DeutschlandBerufsqualifi. Schulabschlussin Ausbildung / noch nicht schulpflichtigohne berufsqualifi. Schulabschlussmit berufsqualifi.