mini|280px| Gelb: Palästinensisches Selbstverwaltungsgebiet (Gebiet A nach Oslo-Abkommen), Elfenbein: Palästinensisches Selbstverwaltungsgebiet, teilweise unter Kontrolle des israelischen Militärs (Gebiet B) Hellblau: Unter vollständiger israelischer Kontrolle (Gebiet C) Magenta: israelische Siedlung Hellrosa: kommunales Gebiet der Siedlung Weiß: Vom israelischen Militär gesperrt Straßen Grau: Zugang verboten oder eingeschränkt für palästinensische Fahrzeuge mini|Siedlungen zwischen Za'atara und der Negev-Wüste Als israelische Siedlung werden israelische Städte und Dörfer bezeichnet, die jenseits der Grünen Linie, der Waffenstillstandslinie von 1949, in den besetzten Gebieten des Westjordanlands und von Ost-Jerusalem liegen. Im Westjordanland leben knapp 430.000 jüdische Siedler (gegenüber 2,5 Mio. Palästinensern), in Ostjerusalem knapp 230.000 (vs. 360.000 Palästinenser).Stand 2023: Imre Grimm: Gaza, Westjordanland, Ostjerusalem – wo sind die Unterschiede? auf RND.de, 11. Oktober 2023; abgerufen am 7. März 2024.
Die Siedlungen, die von den israelischen Streitkräften bewacht und verteidigt werden, werden vom Internationalen Gerichtshof und von den Vereinten Nationen als völkerrechtlich illegal eingestuft,UN-Sicherheitsrat: Resolution 465 (1980) (PDF; 2,1 MB).Resolution des UNO-Sicherheitsrates von 2016, mit Verweis auf frühere Entscheidungen: Resolution 2334 (2016) (PDF; 153 kB). zuletzt 2024 in einem Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs. Obwohl Israels Regierung den gegenteiligen Standpunkt vertritt,Charles A. Landsmann: Netanjahus Juristen halten Siedlungen für legal. In: Der Tagesspiegel, 10. Juli 2012. erklärte das oberste Gericht des Landes Enteignungen im Westjordanland mehrfach für verfassungswidrig.
Siedlungsgebiete mini|Israel und die eroberten Gebiete nach dem Sechstagekrieg. Die Sinai-Halbinsel und der Gazastreifen wurden von Israel wieder verlassen. mini|Zutrittsverbot der IDF für israelische Bürger zu einem Ort in Samarien Die israelischen Siedlungen befinden sich im Westjordanland, Ostjerusalem und auf den Golanhöhen. Aus den ehemaligen Siedlungen auf der Sinai-Halbinsel zog sich Israel 1982 nach der Friedensvereinbarung mit Ägypten zurück. 21 Siedlungen im Gazastreifen (Gush Katif) mit ihren ca. 9000 Siedlern, sowie 4 Siedlungen in Nordsamarien wurden im Jahr 2005 im Zuge der Umsetzung des Scharon-Plans aufgelöst. Einige dieser Siedlungen waren über 30 Jahre alt, ca. 10.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Familien wurden zwar mit durchschnittlich 600.000 Schekel entschädigt,haaretz.com mussten aber oft lange in Behelfsunterkünften auf ein neues Haus warten.haaretz.com Einige haben sich in Siedlungen im Westjordanland niedergelassen.Many Evicted Gaza Settlers Go to West Bank, at Least at First New York Times, 23. August 2005
Israel betrachtet die Golanhöhen und Ostjerusalem als annektiert, weshalb die Siedlungen auf den Golanhöhen verwaltungstechnisch in den Nordbezirk des Staates Israel, diejenigen in und um Ostjerusalem in den Bezirk Jerusalem integriert sind. Diese Annektierungen werden von der Mehrheit der Staaten nicht anerkannt. Die Siedlungen im Westjordanland, das im amtlichen israelischen Sprachgebrauch als Judäa und Samaria bezeichnet wird, werden in vier Städten sowie Regional- und Lokalverbänden verwaltet und vom Jescha-Rat politisch vertreten.
Historischer Hintergrund Durch das Waffenstillstandsabkommen nach dem Sechstagekrieg erhielt Israel die Kontrolle über die Gebiete, die es während der Kampfhandlungen erobert hatte:
das gesamte Gebiet des Westjordanlandes (Cisjordanien), das seit 1948 unter jordanischer Herrschaft war, darunter auch Ostjerusalem die gesamte zu Ägypten gehörende Sinai-Halbinsel bis zum Suezkanal sowie den Gazastreifen, der unter ägyptischer Militärverwaltung stand fast die gesamten zu Syrien gehörenden Golanhöhen
Statt der von Israel anschließend erwarteten Land-gegen-Frieden-Angebote der Araber beschloss die Arabische Liga im September 1967 in Khartum ihre drei Neins: Nein zur Anerkennung Israels, zum Frieden und zu Beziehungen mit Israel.Peter Philipp: Die Geschichte der Siedlungspolitik. Deutsche Welle. 22. Juli 2009 Für nationalreligiöse Juden stand nun das ganze „Land Israel“ (Eretz Israel), identisch mit dem geografischen Begriff Palästina, unter israelischer Kontrolle, die Rückkehr in die historische Heimat war komplett.
Geschichte des Siedlungsbaus Während Vizepremier Jigal Allon die Bedeutung von Siedlungen in strategisch wichtigen Gebieten für die Errichtung sicherer Grenzen betonte, entwarf er 1968 einen Plan für die Besiedelung der Golanhöhen, des unteren Jordantals, der Nordwestküste des Toten Meers, des östlichen Abhangs von Judäa und Samaria, des nordöstlichen Rands der Sinai-Halbinsel (Jamit), sowie eines Landstreifens von Eilat bis zur südlichen Spitze der Halbinsel.
Bereits innerhalb eines Monats nach Kriegsende entstand auf den Golanhöhen mit dem Kibbuz Merom Golan die erste Siedlung.Josi Rudoren: As Syria Reels, Israel Looks to Expand Settlements in Golan Heights. In: New York Times vom 3. Oktober 2015, abgerufen am 18. September 2018 (englisch). Die ersten, von Awoda-Regierungen bis 1977 gebauten Siedlungen des Westjordanlands wurden mit dem ausdrücklichen Ziel errichtet, eine jüdische Mehrheit in wichtigen strategischen Gebieten wie dem Tel-Aviv-Jerusalem-Korridor zu sichern. Die erste nach dem Sechstagekrieg dort gegründete Siedlung war Kfar Etzion.Jewish Virtual Library: Geography of Israel: The Etzion Bloc (Gush Etzion) Sie entstand im September 1967. 1968 gab es nur fünf dünn besiedelte Siedlungen jenseits der Grünen Linie.Mitchell G. Bard: Facts About Jewish Settlements in the West Bank In: Jewish Virtual Library
Eine weitere frühe Siedlungsgründung begann in der Stadt Hebron, in der sich das Grab des Patriarchen Abraham befindet. Dort hatte es bis zu den anti-jüdischen Massakern 1929 eine jahrhundertealte jüdische Gemeinde gegeben. Nicht zufällig setzte sich eine Gruppe nationalreligiöser Juden unter Führung des Rabbiners Mosche Levinger zum Pessach-Fest 1968 dort fest. Nach Verhandlungen mit der Regierung wurde 1970 dann die Siedlung Kirjat Arba im Osten der Stadt gegründet.
Bis zur Wahl von Menachem Begin zum Ministerpräsidenten 1977 wurden nur wenige solcher religiös-ideologischen Siedlungen gegründet. Begins und folgende Likud-geführte Regierungen gewährten Juden finanzielle Anreize, ins besetzte Westjordanland zu ziehen, auch wenn die besiedelten Gebiete keinen strategischen Wert hatten. Ihr Zweck war es, Israels Einfluss auf das Territorium, das Teil des biblischen und historischen Israel war, zu festigen und der Schaffung eines palästinensischen Staates zuvorzukommen. Unmittelbar nach den Wahlen von 1977 lebten 1.900 Juden in 38 Siedlungen.
Die Entwicklung der Bevölkerung im weiteren Verlauf:
Jüdische Bevölkerung in den besetzten Gebieten 1948 1966 1972 1983 1993 2004 2006 2010 2014 2018 2020 Westjordanland (ohne Ostjerusalem) 480 (siehe Kfar Etzion) 0 1.182 22.800 111.600 234.487 282.400314.100400.000427.800451.700 Ostjerusalem 2.300 0 8.649 76.095 152.800 181.587 184.0571198.629200.000218.000220.000un.org Golanhöhen 0 0 900 6.800 12.600 17.265 18.10519.79721.00025.00050.000 Gaza 30 (siehe Kfar Darom) 0 7002 900 4.800 7.826 00000 Summe 2.810 0 11.231 106.595 281.800 441.165 484.562512.769621.000670.800721.700 1 2005 2 einschließlich des Sinai
Bevölkerung im Westjordanland 1967 1977 1987 1997 2004 Palästinenser 597.900 695.700 888.100 1,8 Mio. 2,3 Mio. Israelis 0 4.400 60.300 160.200 243.900
Mitte 2012 gab es rund 250 israelische Siedlungen und Außenposten mit insgesamt mehr als 600.000 Einwohnern, dessen gesamte Infrastruktur ca. 2 % des Territoriums des Westjordanlands ausmachten. Davon lebten rund 350.000 in Siedlungen im Westjordanland, etwa 300.000 in und um Ostjerusalem und rund 20.000 in den 33 Siedlungen auf den Golanhöhen.
Im Jahr 2019 leben im Westjordanland und Ost-Jerusalem zusammen ca. 700.000 jüdische Siedler.
Im Mai 2025 billigte die israelische Regierung 22 Siedlungen im Westjordanland, was einen seit Jahrzehnten nicht erreichten Höchstwert darstellte. Im Dezember 2025 kamen 19 weitere Siedlungen hinzu; nach Angaben des israelischen Außenministers Bezalel Smotrich waren somit binnen drei Jahren 69 neue Siedlungen eingerichtet worden, was einen „nie dagewesenen Rekord“ darstellte.
Arten von Siedlungen mini|Israelischer Militärposten am Herodium
Siedlungen, die Städte mit zehntausenden von Einwohnern und kompletter Infrastruktur bilden, wie etwa Ariel, Betar Illit, Modiʿin Illit und Giwat Seew Siedlungen, die an andere Gemeinden angeschlossen sind, wie beispielsweise Gilo in Ostjerusalem Siedlungen, die jüdische Enklaven innerhalb von palästinensischen Städten bilden, wie etwa in Hebron Siedlungen, die in der Nähe von palästinensischen Ortschaften weit von der Grünen Linie liegen, wie Itamar Wehr- und Grenzdörfer so genannte „Outposts“ – Außenposten, die hauptsächlich aus Wohnmobilen, manchmal auch Zelten, bestehen.
Die meisten dieser Siedlungen wurden neu errichtet, einige bestanden bereits vor 1948 und wurden nach der Eroberung des Gebietes durch Transjordanien evakuiert. Die neu errichteten Siedlungen liegen oft in geringer Entfernung von palästinensischen Dörfern und Städten auf den strategisch günstigen Hügeln. Sie sind oft nach biblischen Orten benannt.
Häufig gibt es in der näheren Umgebung einen arabischen Ort, der ähnlich heißt oder hieß. Beispielsweise liegt neben der Siedlung Ateret der arabische Ort ʿAṭāra, neben Bet El Bētīn (der Lautwandel -īl > īn ist häufig im Palästinensisch-Arabischen), neben Ofra das ehemalige il-ʿUfra, das heute iṭ-Ṭayyibe heißt.
Siedlungen an früher von Juden besiedelten Orten mini|Synagoge in Kefar Darom
Einige Siedlungen wurden an Orten errichtet, die auch schon zur Zeit des britischen Mandats oder davor von Juden besiedelt waren.
Golanhöhen - 5 jüdische Siedlungen ab 1885Carta's Historical Atlas of Israel. A Survey of the Past & Review of the Present, Jerusalem 1996, S. 23 ("Towns and Villages of the First and Second Aliyah"), ISBN 965-220-342-4 (= Historical Atlas); Fischbach, Michael R.: Jewish Property Claims against Arab Countries, New York 2008, ISBN 978-0-231-13538-2, S. 36f (= Fischbach).; darunter Bnei Jehuda, oberhalb von Ein Gev, wurde 1891 errichtet, 1920 wegen arabischer Angriffe verlassen und neben den alten Ruinen 1972 neugegründet. Nablus - Seit biblischen Zeiten bis in den 1930er-Jahren von Juden besiedelt, nach 1967 wurden mehrere Siedlungen auf den umgebenden Bergen errichtet. Jerusalem, heutiges Stadtgebiet – Kfar HaSchiloach (Der Ort war von 1882Gilbert, Martin: Jerusalem. Illustrated History Atlas, 3. Auflage Jerusalem 1994, S. 53 ("Jerusalem in the 1880s"), ISBN 0-85303-285-8 (= Gilbert). bis zur Umsiedlung im Jahr 1938 von Juden aus dem Jemen bewohnt. Eine neue Siedlung entstand dort im Jahre 2004 im heute arabischen Stadtteil Silwan.), Shimon HaZadiq (1891 gegründetGilbert, S. 55 ("Jerusalem in the 1890s")., 1936 nach arabischen Angriffen aufgegebenGilbert, S. 85 ("The Jews and Arabs of Jerusalem by 1945")., seit 1999 erneut eine kleine jüdische Wohneinheit); Atarot (1914–1948, seit 1967 Flughafen und Industriepark); Newe Ya'akov (1924 – 1948, 1972 wiedergegründet)Gilbert, S. 89 ("Jewish and Arab Suburbs in the Jerusalem Area by 1947"), Fischbach, S. 84.; Totes Meer, Nordspitze - Bet HaArawa (1939 – 1948, 1986 wiedergegründet), Kalia (1929 – 1948, 1972 wiedergegründet)Historical Atlas, S. 29 ("The Arab Invasion, 15 May 1948"), Fischbach, S. 84.