Marie Johannsen (geb. 1991) ist eine deutsche Theaterdramaturgin und Intendantin.

Leben Johannsen wuchs in Stuttgart auf, wo sie bereits im Alter von fünf Jahren Geigenunterricht erhielt. Während ihrer Schulzeit engagierte sie sich als Jugendrätin in der Stuttgarter Kommunalpolitik und wurde für ihr besonderes soziales Engagement mit dem Rebekka-Merz-Preis ausgezeichnet. Von 2011 bis 2014 studierte sie Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien, wo sie sich früh auf praxisnahe Theaterarbeit konzentrierte.

Wirken Bereits während und nach ihrem Studium sammelte Johannsen Hospitanzen und Assistenzerfahrungen in den Bereichen Regie und Dramaturgie, unter anderem bei renommierten Regisseurinnen und Regisseuren wie René Pollesch, She She Pop, Hofmann&Lindholm, Nuran David Calis, Alexander Charim und Stephan Bruckmeier an verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 2013 wurde sie für ihr Hörspiel Kein Anschluss unter dieser Nummer beim Hoer.Spiel Wettbewerb im Schauspielhaus Wien mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Von 2015 bis 2017 war sie als Dramaturgieassistentin am Landestheater Detmold tätig und ab der Spielzeit 2017/18 als Schauspieldramaturgin engagiert. In dieser Zeit betreute sie unter anderem die Inszenierung von Shakespeares Romeo und Julia (Regie: Martin Pfaff) und weitere Produktionen wie Konstantin Küsperts Uraufführung Asche und die Eröffnungspremiere des NRW-Theatertreffens Am Strand der weiten Welt von Simon Stephens. Darüber hinaus wirkte Johannsen bei der Organisation des NRW-Theatertreffens 2017 mit und kuratierte das Format Chapeau!, in dessen Rahmen sie eigene Projekte und Performances realisierte.

Im Jahr 2018 wurde Johannsen Stipendiatin des Heidelberger Stückemarkts. Ab der Spielzeit 2018/19 arbeitete sie als Dramaturgin am Rheinischen Landestheater Neuss, wo sie unter anderem an der Inszenierung Europa verteidigen beteiligt war.

Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden war sie fünf Jahre lang als Dramaturgin für Schauspiel und Oper sowie zuletzt als stellvertretende Intendantin tätig. Dort sie sammelte Erfahrungen in konfliktbelasteten Arbeitsumfeldern.

Zur Spielzeit 2024/25 übernahm sie als jüngste Intendantin einer deutschen Bühne die künstlerische Leitung des Rheinischen Landestheaters Neuss und setzte auf ein zeitgemäßes Repertoire, das sich kritisch mit klassischen Stoffen auseinandersetzt und gezielt die lokale Theaterlandschaft belebt.

Im Zuge ihrer neuen Führungsrolle in Neuss etablierte Johannsen einen kooperativen Führungsstil und führte ein eingespieltes Team ein, um Hierarchien flacher zu gestalten und Kommunikationsprozesse zu verbessern. Ihre Intendanz ist von inhaltlichen Neuerungen, dem Bemühen um mehr Vielfalt im Programm sowie dem Ausbau von Teilhabe- und Mitgestaltungsmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses geprägt.

Während ihrer Intendanz kam es zu erheblichen Tarifsteigerungen, die durch das Land NRW und die Stadt Neuss als Zuschussgeber nicht oder nur kurzfristig durch Einmalzahlungen ausgeglichen wurden. Dadurch steht das Rheinische Landestheater vor Liquiditätsproblemen.

Unter Johannsen gelang es dem Rheinischen Landestheater die Einnahmen durch Ticket-Verkäufe stetig zu steigern. Im Februar 2026 meldete das Theater einen Abo-Rekord. Mit 700 verkauften Abonnements konnte der bisherige Bestwerk aus der Spielzeit 2016/17 (692 verkaufte Abos) übertroffen werden.

Einzelnachweise

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