Software-definierte Verteidigung (SdV; ) bezeichnet einen seit den 2020er-Jahren verwendeten strategischen Begriff im sicherheits- und verteidigungspolitischen Diskurs, der eine stärkere Ausrichtung militärischer Fähigkeiten auf Software, Daten und digitale Infrastruktur beschreibt. In diesem Verständnis wird Software nicht nur als Bestandteil einzelner Systeme betrachtet, sondern als eigenständiger Entwicklungs- und Fähigkeitsbereich, der über unterschiedliche Plattformen hinweg genutzt und aktualisiert werden kann.

SdV ist nicht mit Software-defined Networking (SDN) gleichzusetzen, das einen spezifischen Ansatz zur Steuerung von Netzwerken beschreibt.

Begriffs- und Konzeptgeschichte Als technische Vorläufer „software-definierter“ Ansätze werden in der Fachliteratur unter anderem Konzepte wie das Software Defined Radio (SDR) genannt, bei denen Funktionen von spezialisierter Hardware in softwarebasierte Komponenten verlagert werden. Darüber hinaus wird in der Forschung seit längerem über „programmierbare Plattformen“ und Architekturkonzepte diskutiert, die eine Entkopplung von Hardware und Software anstreben.

Der Begriff „Software-definierte Verteidigung“ wird in deutschsprachigen Quellen insbesondere im Zusammenhang mit der Modernisierung und Digitalisierung militärischer Fähigkeiten sowie mit Beschaffungs- und Entwicklungsprozessen diskutiert.

Inhaltliche Einordnung In Beiträgen zur SdV wird häufig betont, dass moderne militärische Systeme in zunehmendem Maße von Software abhängen, etwa für Sensorintegration, Datenverarbeitung, Kommunikation und die Koordination mehrerer Teilsysteme. Als Zielsetzung wird dabei unter anderem genannt, Software in kürzeren Zyklen entwickeln und aktualisieren zu können, ohne in gleicher Weise von hardwaregebundenen Entwicklungszyklen abhängig zu sein.

Als Software-Eigenschaften, die in diesem Zusammenhang angeführt werden, gelten etwa Anpassbarkeit und Portabilität; entsprechende Untersuchungen zu Portabilität und Echtzeitfähigkeit in softwaredefinierten Systemen finden sich auch in der allgemeinen Informatik-Fachliteratur.

Zusammenhang mit digitalisierten Einsatzkonzepten In der sicherheitspolitischen Literatur wird SdV teilweise im Kontext von digitalisierten Einsatz- und Führungsformen sowie von Multi-Domain-Ansätzen diskutiert, bei denen Informationsaustausch und Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Systemen als zentrale Voraussetzung beschrieben werden.Multi Domain Operations. Eine kurze Einführung, hrsg. vom Planungsamt der BundeswehrMulti-Domain Operations, in: Field Manual (FM) 3-0, Headquarters, Department of the Army, 01.10.2022 In diesem Zusammenhang wird argumentiert, dass die Fähigkeit zur Verarbeitung großer Datenmengen und zur schnellen Anpassung softwarebasierter Komponenten die militärische Führungs- und Wirkfähigkeit beeinflussen kann.Software Defined Defence, Stephan Ursuleac, Sonderveröffentlichung Handelsblatt zum Thema Sicherheit und Verteidigung, Februar 2024, Seite 9.

Umsetzung und Akteure in Deutschland In Deutschland wird SdV in Positions- und Diskussionspapieren im Umfeld von Bundeswehr, Bundesministerium der Verteidigung und Verbänden der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie thematisiert. Dabei werden u. a. Fragen der Softwareentwicklung, IT-Sicherheit, der Beschaffungsprozesse und der Architekturgestaltung angesprochen.

Kritik und Grenzen Kritische Analysen verweisen darauf, dass eine stärkere Abhängigkeit von Software auch Risiken mit sich bringt, etwa im Bereich von Lieferketten und Abhängigkeiten von Zulieferern (Software-Lieferkette). Zudem wird diskutiert, dass sicherheitskritische Systeme häufig strengen Entwicklungs- und Zertifizierungsanforderungen unterliegen, was die Übertragung von Vorgehensweisen aus der zivilen Softwareentwicklung (z. B. sehr kurze Release-Zyklen) erschweren kann. Weitere Punkte betreffen den Schutz vernetzter Systeme gegen Cyberangriffe sowie organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen von Entwicklung, Zulassung und Betrieb.

Siehe auch Cyberkrieg Digital Engineering Elektronische Kampfführung Interoperabilität Multi-Domain Operations Systems Engineering

Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Softwaretechnik Kategorie:Informationssystem Kategorie:Militärtechnik (Neuzeit) Kategorie:Computer Aided Engineering