mini|„Pelzstadt“ Wanhe (万和镇) Der Pelzhandel in China stellte vor allem in neuerer Zeit zunehmend mit dem Ex- und Import von Fellen und zuletzt Pelzkonfektion einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor des Landes dar. Der heutige internationale Handel mit chinesischen Pelzfellen begann in den 1880er Jahren. Allerdings erwähnte bereits Marco Polo (1254–1324) in seinen Reisebeschreibungen Tauschgeschäfte mit chinesischen Pelzwaren. China und die anderen ostasiatischen Länder verfügen über große Mengen von Fellen vieler Arten. In den 1950er Jahren war China der drittgrößte Exporteur von Fellen.

Die chinesische Pelztierzucht steht seit etwa Ende des 20. Jahrhunderts unter besonderer Kritik.

Geschichte China hatte schon immer einen bedeutenden Eigenbedarf an Pelzbekleidung, der schon in früheren Zeiten teilweise durch Importe gedeckt wurde. Zur Römerzeit bestand ein regelmäßiger Handelsverkehr mit Bagdad und den Häfen des arabischen Meeres, wobei Pelze aus dem Skythenland und selbst aus den weit entfernten Wäldern Germaniens eine nicht unbedeutende Rolle spielten. Später führte die große Handelsroute von Byzanz aus längs des Kaspischen Meeres und durch Zentralasien über Samarkand und Taschkent nach China. Neben Edelsteinen war kostbares Fellwerk, besonders Zobelfelle, einen Hauptartikel. Die Araber, die im 12. und 13. Jahrhundert einen großen Handel mit China zur See unterhielten, brachten in kleinen Mengen Pelzfelle mit ins Land, auch unterhielten sie einige ständige Niederlassungen in der späteren Provinz Fujian („Fokien“).

Erst mit der Eroberung Sibiriens durch die Russen nahm das Importgeschäft mit Rauchwaren einen großen Aufschwung, China war der größte und bestzahlende Absatzmarkt für sibirische Rauchwaren, die russischen Rauchwarenhändler, die sich an den Geschäften nach China beteiligten, zählten mit zu den reichsten Kaufleuten.Reinhold Stephan, 1940, S. 119, 121, 133. Im Jahr 1722 waren die russischen Geschäftsleute nicht nur aus Peking vertrieben worden, wo sie bis dahin auf Kosten des chinesischen Kaisers ihren Aufenthalt nehmen durften, sondern aus ganz China und der Mongolei. 1727 gelang es dem russischen Gesandten Sava Vladislavitsch („Graf Ragusinski“) einen neuen Vertrag mit China abzuschließen. Neben anderen Vereinbarungen sollte eine russische Karawane mit nicht mehr als 200 Personen alle drei Jahre nach Peking kommen dürfen, Privatpersonen sollte dagegen der Handel in China und der Mongolei untersagt sein. Diese Karawanen hatten auch das alleinige Recht der Pelzeinfuhr nach China, die für Rechnung der russischen Krone geschah. 1755 wurde die Karawane nach Streitigkeiten eingestellt und 1762 hob die Kaiserin Katharina das Pelzhandelsmonopol auf. Für die grenznahe russische Handelsstadt Kiachta begann nun der wirtschaftliche Aufschwung. Von hier aus wurden hauptsächlich sibirische Felle nach China exportiert, aber es gab auch Transfers aus anderen Ländern, wie Kanada mit der Hudson’s Bay Company. Fast ein Jahrhundert lang war es der einzige Platz, an dem sich der chinesische Markt mit ausländischen Pelzfellen versorgen konnte, wie Seeotterfelle, Biberfelle, Landotterfelle, Silberfuchsfelle, Blaufuchsfelle und Rotfuchsfelle, Luchsfelle und andere.

Der Engländer William Coxe beschrieb in einem 1783 veröffentlichten Werk den Handel zwischen Russen und Chinesen in Kiachta. Er erwähnte, dass der Handel stets ein Tauschhandel sei, da die Russen kein Silber ausführen durften. Die Hauptausfuhr bestünde aus Pelzwerken von Seefischottern, Castors (Bibern), Füchsen, Wölfen, Bären, Lämmern und grauen Eichhörnchen (Feh).Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze, 1925, S. 169. Primärquelle Coxe: Entdeckungen der Russen zwischen Asien und Amerika. Für Seeotter und einige andere Fellarten war China der größte Abnehmer, die Felle erzielten dort die höchsten Preise. 1775 gründeten englische Kaufleute die King Georgs Company, mit dem erklärten Zweck, zwischen Amerika und China Fellhandel zu betreiben. in geringem Umfang beteiligten sich zu der Zeit auch deutsche Rauchwarenfirmen an dem Fellhandel mit China. Der Rauchwarenhändler Emil Brass sagte von sich, er sei 1887 der Erste gewesen, der direkt Pelzwaren aus China nach Deutschland brachte, wo „dieser Handelszweig bald von mehreren Hamburger Häusern mit großer Energie in die Hand genommen“ wurde.

Eine Besonderheit war die Wertschätzung der Chinesen beim Einkauf von Zobelfellen. Während überall besonders dunkelfarbige Felle den höchsten Preis erzielten, legte man hier schon im 15. Jahrhundert mehr Wert auf die sonstigen Eigenschaften des Felles, wie Größe, Rauche und Dichte des Haares. Auf die dunkle Tönung wurde kein besonderes Gewicht gelegt.Reinhold Stephan: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.–18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 130–131 (→ Inhaltsverzeichnis). Primärquelle: K. E. v. Baer: Nachrichten aus Sibirien und der Kirgisen-Steppe. St. Petersburg, 1845, S. 211. So gingen die besonders dunklen Zobelfelle aus den chinanahen Landstrichen Dauriens und den Gebieten um den Amur auf die westlichen Märkte, wo sie hohe Preise erzielten. Umgekehrt kauften die chinesischen Händler die hellfarbigen, aber sonst guten Felle, die um mehr als die Hälfte billiger waren. Eine profane Erklärung liegt allerdings wahrscheinlich darin, dass die Chinesen in dem, den Gewinn steigernden, sachgemäßen Nachdunkeln von Zobelfellen weitaus fortschrittlicher waren, einer Kunst, welche die Europäer erst viel später erwarben. An zweiter Stelle der Bewertung standen sibirische Silber- und Schwarzfuchsfelle, für die in China 100 Rubel und mehr bezahlt wurden. Schwarze Füchse mit eisgrauen Haarspitzen wurden in den Jahren 1770–1772 mit bis zu 180 Rubel das Fell gehandelt, an die asiatischen Karawanen im Südwesten des Landes wurden sie mit einem Stückpreis von 400 Rubel weiterverkauft.Reinhold Stephan, 1940. Primärquelle: Ph. J. v. Strahlenberg: Der nord- und östliche Teil von Europa und Asia. Stockholm 1730. Sowie Bruno Kuske: Die weltwirtschaftlichen Anfänge Sibiriens und seiner Nachbargebiete vom 16. bis 18. Jahrhundert. In: Schmollers Jahrbuch, 46. Jg. II. Heft, München und Leipzig 1922, Artikel I, S. 201–250, Artikel II, S. 85–116.

Von der einfachen Bevölkerung Chinas wurde, wie 1865 berichtet wurde, noch kaum Pelz getragen, auch wenn der Verbrauch durch die große Bevölkerungsanzahl insgesamt nicht unbeträchtlich war. Selbst im nördlichen Landesteil bevorzugte man stattdessen wattierte, baumwollene Kleidung.C. Resensmith (Übersetzer): Berichte über Chinesische Handels-Verhältnisse. Königl. dänisches Ministerium (Hrsg.), Verlag F. H. Nestler und Melle, Hamburg 1865 (Hermann Hülsemann) Wohlhabende Bevölkerungsschichten trugen in China jedoch schon immer gern ausländisches Pelzwerk.

Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreiteten die Engroskürschner über Angestellte, Agenten und Kunden diese Fabrikate über das ganze Reich bis in den fernen Süden. Sie unterhielten in allen chinesischen Städten Verkaufsläden, in denen man die Futter auch, mit Seidenstoffen bezogen, als fertige Kleidungsstücke kaufen konnte. In einzelnen Städten gab es ganze Straßenreihen nur mit Kürschnerläden, beispielsweise in Peking und Mukden. Daneben bestanden zahlreiche chinesische Rauchwarenhandlungen, in größerer Menge jedoch erst seit dem Aufkommen des Exporthandels. Die Abwicklung der Pelzzurichtung, zum Teil auch der Weiterverarbeitung der Felle, geschah vor allem durch die Pelzgroßhändler. Diese sandten ihre Einkäufer kurz vor Beginn der Saison in das Innere des Landes, um die von Europäern und Amerikanern nachgesuchten Waren einzukaufen. Es hieß: „Mit welchen Schwierigkeiten eine solche Reise verbunden war, kann nur derjenige bemessen, der selbst im Innern gereist ist und sich der dort zu Gebote stehenden primitiven Beförderungsmittel bedient hat“.

Ende des 18. Jahrhunderts begann auch die Einfuhr auf dem Seeweg, vor allem nach Kanton, wo die Ostindische Kompanie Faktoreien errichtet hatte. Diese schickte zum Beispiel bereits 1797 13.364 Biberfelle, 1250 feine Otterfelle und 1724 Kitfuchsfelle direkt nach China. In den Jahren 1797 bis 1807 kamen von der Südküste Südamerikas, den Falklandinseln und der Magellanstraße 3 ½ Millionen Sealskin nach Kanton. Die Chinesen waren mit die Ersten, die Biberfelle, aus Nordamerika importiert, zu Kleidung verarbeiteten. In Europa wurde anfänglich vorwiegend das Haar zu Biberhüten verarbeitet. Das Londoner Rauchwarenhandelsviertel Garlick Hill gehörte lange Zeit zum bedeutendsten Umschlagplatz für Pelzfelle. Um 1850 begannen die Londoner Händler, die von der chinesischen Oberschicht begehrten, im Land nicht anfallenden Edelpelze dorthin zu exportieren.

Nach 1880 mini|hochkant=1.7|„Die aus China kommenden Felle tragen oft Fellstempel mit den Devisen und Firmennamen von Kürschnern und Fellhändlern. No 1, ganz oben: Kiao sé = man liefert in allen Arten. Darunter quer: Quán tsù tscháng Ky = Sehr großes Sortiment (Devise des Geschäfts). In der Mitte von oben nach unten: Tsé pán júj = Man richtet die von Thibet kommenden Felle selbst zu. Rechts: Kien suen tin Kao = Allerbeste Qualität. Links: Pou si Kong pen = Keine Unkosten werden gescheut, No 2. Yeau fong yang hang = Lager ausländischer Waren, No 3. Tien chouen tchen = Vom Himmel begünstigter Laden, No 4. Pou Kiao Kong Ky = Nur gute Waren liefernd, No 5. In der Mitte das Wort: fou : Glück, No 6. Hin tan heou = Liefert Ware jeder Art, No 7. Nagi tchou ho = Gesellschaft mit Gerechtigkeit verkaufend, No 8. Hin tay ho = Gesellschaft Waren aller Art liefernd.“ (Ca. 1900) Die ersten Exporte auf dem damals weltbedeutendsten Markt für Pelzfelle um Garlick Hill in London, zumeist Tibetlamm- und Ziegenfelle, erfolgten etwa zwischen den Jahren 1882 und 1887. Tibetfell ist der etwas willkürliche Name für eine langhaarige, dünnseidige Fellsorte mit Korkenzieherlocke, sie kommt nicht aus Tibet, sondern aus Nordchina. Der erste Importeur von Robes aus Tibetfell war 1887, nach deren Angabe, die Londoner Brokerfirma Edward Barber & Son. In den 1870er Jahren hatte eine Firma aus dem Pelzhandelszentrum des Leipziger Brühl jedoch bereits in London Tibetrobes gekauft und nach Moskau exportiert. 1887 kamen aus China über Kiachta mit Teekarawanen auch die ersten Tibetrobes nach Nischny-Nowgorod und Moskau und von dort nach Leipzig. Zu der Zeit begann die Entwicklung einer Pelzmode, bei der das Fell erstmals in größerem Umfang mit dem Haar nach außen getragen wurde. Die gleichzeitige Erfindung der Pelznähmaschine ermöglichte eine deutlich preiswertere Herstellung und eine dabei aufwändigere Verarbeitung. Pelzbekleidung bestimmter, massenhaft anfallender Fellarten (vor allem Kanin, Bisam) wurde auch für die geringverdienenden Bevölkerungsschichten erschwinglich, der Verbrauch nahm entsprechend sprunghaft zu.

1892 oder 1893 schickte die Londoner Rauchwarenfirma Hirschel & Meyer den Neffen des Inhabers, Arthur Mendel, nach China. Das Unternehmen nahm den Import der damals hauptsächlich bekannten Fellarten auf. Schnell kamen auch Felle nach Europa, die bis dahin hier völlig unbekannt waren. Ebenso schnell, etwa von 1892 an, entwickelte sich in London ein bedeutendes Auktionsgeschäft chinesischer Rauchwaren. Beteiligt waren hauptsächlich die Brokerfirmen Barber Bros (später Edward Barber & Son), Henry Kiver & Co., Roger Bros. und Daitan & Young.