Compsopogon (deutsch: Bartalgen) ist eine Gattung (Biologie) von Rotalgen. Sie ist der einzige Vertreter der Familie Compsopogonaceae. Die Typusart, Compsopogon caeruleus ( ) lebt im Süßwasser. Sie ist eine häufige Plage in Süßwasseraquarien. Sie kommt in Nordamerika, Südamerika, Europa, Afrika, Asien, Australasien und Ozeanien vor. Compsopogon-Arten vertragen insgesamt ein breites Spektrum an Bedingungen in Süßwasserläufen und gelegentlich auch in Brackwasser-Lagunen und Ästuaren (Flussmündungen ins Meer). Diese Rotalgen vermehren sich durch ungeschlechtliche Sporen.
Beschreibung mini|Die epiphytische Süßwasser-Makroalge Compsopogon coeruleus [C. caeruleus], Stamm THU.369 (schwarzer Pfeil), als „Anhalter“ auf der Wasserzierpflanze Aubulias barteri (weißer Pfeil). Taoyuan, Taiwan. Bartalgen ähneln den als Pinselalgen bezeichneten Rotalgen-Gattungen, haben aber deutlich längere Auswüchse (mehrere Zentimeter), von denen sich die längeren wie lange Barthaare kräuseln und in der Strömung treiben. Die Compsopogon-Arten haben einen Thallus aus einfachen zylindrischen Zellen, die sich innerhalb großer, bedeckter Rindenzellen befinden. Bei einem reiferen und größeren Thallus können die inneren Zellen aufgelöst sein, so dass nur die äußere Rinde übrig bleibt.
Die Farbe der Bartalgen variiert in verschiedenen Grau- bis Grüntönen. In Alkohol eingelegt, verfärben sich die Algen (wie auch bei den Pinselalgen) deutlich rot.
Man findet Bartalgen (ähnlich wie Pinselalgen) in Aquarien an den Blatträndern von Wasserpflanzen (als Epiphyten, z. B. auf Anubias barteri/Aubulias barteri), Dekoration und Technikzubehör. Da sie die Strömung lieben, findet man sie in Aquarien oft in der Nähe der Wasserfilter. Sie verwachsen sehr fest mit dem Substrat.
Fressfeinde Bartalgen scheinen von den gängigen algenfressenden Tieren weitgehend gemieden zu werden. Fressfeinde sind die Siamesische Rüsselbarbe (Crossocheilus oblongus) und der Schwanzfleck-Algenfresser (auch Netzpinselalgenfresser genannt, Crossocheilus reticulatus).
Aquaristik Bartalgen sind gewöhnlich in Aquarien unerwünscht. Ihr Auftreten kann ein Zuviel an Eisendünger anzeigen. Eine Konzentration von 0,05 bis 0,1 mg/ℓ Eisen (Fe) sollte über längere Zeit nicht überschritten werden. Weitere Zielwerte für andere Mineral- und Nährstoffe finden sich in einschlägigen Empfehlungen.
Außerdem wird ein regelmäßiger Wasserwechsel empfohlen. Ggf. kann das Wasser von Algensporen durch UVC-Sterilisation entkeimt werden, indem man es durch einen UVC-Sterilisator laufen lässt (hilft auch gegen andere Algen wie Pinselalgen).
Hartnäckiger Befall kann mit Wasserstoffperoxid und anderen Mitteln behandelt werden. Weitere Methoden zur Dekontamination des Aquarien-Inventars (Kochsalz, Auskochen etc.) finden sich in der gängigen Literatur.
Artenliste C. caeruleus weist in Studien aus Feldbeobachtungen eine große phänotypische Plastizität auf, so dass in der Vergangenheit viele Compsopogon-Arten beschrieben wurden, während sie heute als eine einzige Art C. caeruleus gelten. Ob die Gattung monotypisch ist (aus nur einer einzigen Art besteht), wird daher diskutiert. Es gibt zwei Hauptmorphologien bei Compsopogon, eine mit regelmäßigen polyedrischen Rindenzellen (Morphologie caeruleus), die andere mit unregelmäßigen Rindenzellen und zusätzlichen Rhizoiden, d. h. „Wurzelhaaren“ (Morphologie leptoclados).
Artenliste (Stand 3. Dezember 2024):
Compsopogon , 1846(A,N,W) [Compsopogonopsis 1962,(W) Pericystis 1847(W)] Compsopogon argentinensis 1967(A,W) Compsopogon caeruleus ( ex 1846(A,N,W) [C. leptoclados 1850,(N) C. coeruleus,(N) C. oishii 1815(N) Conferva caerulea ex , 1824(N)] (Typusart(A)) Compsopogon corinaldii 1857(A,W) Compsopogon helwanii 1999(A,W) Compsopogon hookeri , 1846(N) – in der AlgaeBase ein Synonym für C. caeruleus(A) Compsopogon iyengarii , 1957(W) – gemäß AlgaeBase ein Synonym für C. caeruleus(A) Compsopogon lividus 1897(W) – gemäß AlgaeBase ein Synonym für C. caeruleus(A) Compsopogon occidentalis , 1980(?A,W) Compsopogon sparsus 1998(A,W)
(A)– AlgaeBase (N)– Taxonomie des (W)– ? – unsicher
Bildergalerie
Anmerkungen
Weblinks UTEX LB 2862: Compsopogon coeruleus [C. caeruleus]. Auf UTEX (utex.org). Photo. Wolfgang Bettighofer: Fotos von Compsopogon caeruleus auf plankton net (planktonnet.awi.de).Alfred-Wegener-Institut (AWI), Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, vom 16. November 2013: image 62286, image 62287, image 62288, image 62289.
Weiterführende Literatur Norma Meichtry de Zaburlín, Leila B. Guzmán, Micaela C. Escalada, Víctor M. Llano, Roberto E. Vogler: First record of the red alga Compsopogon caeruleus (Balbis ex C. Agardh) Montagne 1846 in the High Paraná River, Argentina-Paraguay. In: BioInvasions Records, Band 8, Nr. 4, 18. November 2019; , ResearchGate:337578142 (). Andrzej S. Rybak, Andrzej M. Woyda-Ploszczyca: Tropical red alga Compsopogon caeruleus: an indicator of thermally polluted waters of Europe in the context of temperature and oxygen requirements. In: Algae, Band 35, Nr. 4, 2022, p, S. 301–316; , e ().
Einzelnachweise AlgaeBase: Compsopogon, Details: Compsopogon Montagne, 1846 (Genus). NCBI: Compsopogon, Details: Compsopogon (genus). WoRMS: Compsopogon Montagne, 1846 (Genus).
Bartalgen. Auf: Aquasabi (aquasabi.de), Braunschweig 2022. Frank: Aquariumpflanzen: Bartalgen. Auf: Aquarienpflanzen-Shop (aquarienpflanzen-shop.de) vom 29. Mai 2017. Timo: Rotalgen · Bart- und Pinselalgen. Auf: Aquabits (aquabits.de) vom 24. Oktober 2021. Alexis0211: Algen nur immer an der Anubias barteri var. nana. Bartalgen am Zwerg-Speerblatt (Anubias barteri var. nana). Auf: flowgrow (flowgrow.de) vom 15. Dezember 2008.
Jean Pierre François Camille Montagne: Flore d'Algérie. Ordo I. Phyceae Fries. In: M. C. Durieu De Maisonneuve (Hrsg.): Exploration scientifique de l'Algérie pendant les années 1840, 1841, 1842...Sciences physiques. Botanique. Cryptogamie. Band 1, Imprimerie Royale, publiée par ordre du Gouvernement et avec le concours d'une Commission Académique, Paris 1846, S. 1–197; AlgaeBase:17961 (). Fangru Nan, Jia Feng, Junping Lv, Qi Liu, Shulian Xie: Evolutionary history of the monospecific Compsopogon genus (Compsopogonales, Rhodophyta). In: Algae, Band 31, Nr. 4, 15. Dezember 2016, S. 303–315; ().
Shing Hei Zhan, Tsai-Yin Hsieh, Lan-Wei Yeh, Ting-Chun Kuo, Shoichiro Suda, Shao-Lun Liu: Hidden introductions of freshwater red algae via the aquarium trade exposed by DNA barcodes. In: Environmental DNA, Band 3, Nr. 2, 3. Oktober 2020, S. 481–491; , ResearchGate:344621424 ().
Kategorie:Rotalgen Kategorie:Rhodophyceae