Die Kommissar Mike Morgenstern-Reihe ist eine von Richard Auer seit 2009 geschriebene und im Emons Verlag erschienene Serie von bisher elf Regionalkrimis, die weitgehend im Eichstätter Raum spielen. Als Grundthema greift er in jedem Band eine Besonderheit der Gegend auf. Hauptfigur der Serie ist Kommissar Mike Morgenstern, der zusammen mit seinem Kollegen Peter Hecht Fälle im Altmühltal löst.
Der erste Band Vogelwild hatte bis 2023 eine Auflage von 15.000 Exemplaren. Für die Gesamtreihe werden je nach Quelle Auflagen von bis zu 10.000 oder 15.000 Büchern je Band genannt.
Entwicklung
Nachdem der Autor 2008 aus familiären Gründen in die Halbtagsarbeit wechselte, blieb trotz der Kinderbetreuung Zeit für das Schreiben von Büchern. Als Inspiration für sein Vorhaben gab Richard Auer die Krimireihe um Kommissar Kluftinger an, ohne diesen kopieren zu wollen. Ursprünglich spielte er mit dem Gedanken, seine Regionalkrimis in der ganzen Region Ingolstadt spielen zu lassen, beschränkte sich bisher wegen des ausreichenden Materials jedoch auf die Region Eichstätt. An seinem Schreibstil änderte Auer nach eigener Aussage in den zehn Bänden nichts.
Wie der Autor in einem Interview sagt, sucht er sich Anfangs ein Hauptthema. Um dieses baut er den Fall auf, sucht beispielsweise nach geeigneten Handlungsortschaften. Die Handlungsweise der Kommissare ist bewusst wenig strukturiert und darauf angelegt, Fälle schnell zu lösen, ehe sich Sonderkommissionen bilden können. In die Figur Morgensterns hat er viel von sich selbst eingearbeitet, wie Richard Auer angibt. Genau genommen könne man der Wahrheit nahekommen, Morgenstern und Hecht als eine Mischung seiner Persönlichkeit zu sehen.
Protagonisten
Kriminaloberkommissar Mike (Michael) Morgenstern ist ein zu Beginn der Reihe 42 Jahre alter Mann, der der Beschreibung nach mit Vorliebe eine ausgewaschene Jeansjacke und braune, hohe Cowboystiefel trägt. Damit drückt er einen unrealistisch erscheinenden Traum nach einem Motorradführerschein und einer USA-Reise aus. Seine Jacke wird ihm am Ende des vierten Falls eher unwiederbringbar in Rom gestohlen, taucht im fünften Fall ohne Erklärung erneut auf und wird im zehnten Fall von seinem Sohn Marius an dessen Bekannte Lisa verschenkt. Nach und nach werden ihm vom Autor körperliche Besonderheiten zugeschrieben. Am Ende des zweiten Falls trägt er Kontaktlinsen, lässt sich im dritten Band am rechten Oberarm ein Tattoo mit dem Denkmalschutzsymbol stechen und hat im zehnten Fall mit einem Tinnitus zu kämpfen. Ursprünglich in Nürnberg tätig, wurde er aus dem Leser und dem Autor unbekannten Grund an eine neue Dienststelle im Polizeipräsidium von Ingolstadt versetzt. Angedeutet wird nur, dass er sich einmal nicht im Griff hatte und in Nürnberg mit einem Günther Lebzelter zusammenarbeitete. Seitdem wohnt er in Eichstätt und sehnt sich beruflich und privat nach Nürnberg zurück. Er fährt einen alten roten Land Rover.
Morgenstern ermittelt zusammen mit dem in Schrobenhausen beheimateten Kriminaloberkommissar Peter Hecht. Den Wohnort setzte Auer ursprünglich an, um mit den Krimis auch in der Hopfen- und Spargelgegend agieren zu können, was sich im späteren Schreibprozess als unnötig erwies. Hecht wird als schlanke, große Person beschrieben, die oft hellblaue Polohemden und dunkelbraune Cordhosen trägt. Nicht nur wegen seiner Figur und dem Wohnort wurde ihm der von ihm ungeliebte Spitzname Spargel verliehen, sondern auch wegen des Verkaufs von Spargel vom Hof seiner Schwester im Kommissariat. Der Ermittler ist geschieden und kämpft noch immer mit der Trennung. Auf Grund seiner Stenokenntnisse übernimmt er üblicherweise die Notizen. Hecht spielt Orgel und interessiert sich für deutsche Balladen sowie für Abhandlungen der Großen der Weltgeschichte.
Mit dem siebten Fall führt Richard Auer die blonde und ihre Haare zu einem Pferdeschwanz bindende Kommissarin Antonia Grabsky als eine die beiden Kommissare unterstützende Figur ein. Spätestens mit dem zehnten Fall ist sie Kriminaloberkommissarin, wird am Ende des elften Bands erneut in diesen Rang befördert. Im neunten Band ist die Vegetarierin etwa 30 Jahre alt. Beschrieben wird sie als forsch, impulsiv, intelligent und emanzipatorisch. Die sportliche Frau ist im Fechtclub tätig und in einem Laientheater aktiv.
Vorgesetzter der Kommissare ist der eher humorlose Kriminaldirektor Adam Schneidt. In den Romanen fällt er besonders durch seine gesellschaftlichen Aktivitäten auf. So ist er Mitglied im Rotary Club, ist Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem und im Verein der Museumsfreunde des Bayerischen Armeemuseums Ingolstadt. Er ist Jäger und war Faschingsprinz der Narrwalla.
Durch die Fälle im Eichstätter Raum kommen die beiden Oberkommissare regelmäßig mit den Polizisten der dortigen Inspektion in Kontakt. Häufig genannt werden der Inspektionsleiter und Hauptkommissar Manfred Huber sowie der als etwas beleibter und gemütlich agierend beschriebene Polizist Ludwig Nieberle.
Je nach Fall bindet Richard Auer die Familie des Romankommissars mehr oder weniger in die Geschichte ein. Morgensterns Frau Fiona – eine Abkürzung für Florentina –, wird als emanzipierte und feministische Frau mit Interesse an ökologischen Themen beschrieben. Sie hilft beim Ortsverband von Amnesty International mit und ist im elften Band beim BUND Naturschutz tätig. Als Hobby malt sie. Die weltanschaulichen Unterschiede zu ihrem Mann greift der Autor immer wieder als kleinen Spannungsbogen auf, aber auch andere Themen wie ihre vorherige Beziehung mit dem Biker und Kneipenwirt Charly. Die abendlichen Gespräche der beiden führen gelegentlich zu neuen Denkansätzen in den Kriminalfällen. Die Söhne Bastian und Marius finden immer wieder Erwähnung, häufig in Zusammenhang mit einem Fall. An ihrem Alter ist ein Zeitsprung der Handlung ab Band 9 nachvollziehbar. Während sie in den ersten Bänden 7 und 9 Jahre alt sind, in einem Band dazwischen auch 8 und 10 Jahre, sind sie in den Büchern ab 2021 über fünf Jahre älter. Im neunten Band ist Marius 16 Jahre und Schüler am Willibald-Gymnasium, in den folgenden beiden Bänden ist er wieder 15 Jahre und sein Bruder Bastian 13 Jahre, wobei letzterer zu dem Zeitpunkt die Rebdorf-Realschule besucht.
Romane
Band 1: Vogelwild (2009)
Grundthema des Falls sind die Jurasteinbrüche bei Solnhofen und die zugehörigen Fossilienfunde, insbesondere des Archaeopteryx.
In den Wintershofener Steinbrüchen wird die verschüttete Leiche von Mustafa Önemir gefunden. In seiner Arbeitshütte entdeckt Morgenstern Fotos von seltenen Fossilien, darunter einen Archaeopteryx. Seinen Abbruchbereich hat Önemir von den Schredl-Natursteinwerken gepachtet, denen er wertvolle Funde abgeben müsste, stattdessen jedoch den Schwarzmarkt bedient. Abgesehen von einem Radler, der vom Hund eines Spaziergängers gebissen wurde, gibt es für den Tatzeitpunkt keine verdächtigen Beobachtungen.
Der Tat verdächtig erscheint Ali Akatoblu, der seit kurzem Mitarbeiter des Opfers ist und bei ihm Schulden hat, der anfangs jedoch spurlos verschwunden ist. Aus seiner Wohnung wird ein Archaeopteryx gestohlen. Anhand einer Zeugin können als Täter die Studenten Markus Däumling und Bernhard Graupner ermittelt werden.
Die Bäuerin Carola Messmer wird zum Opfer eines Raubmords. Im Familienbesitz befand sich seit Jahrzehnten ein Archaeopteryx-Fossil, das gestohlen wurde.
Als die beiden Kommissare die Studenten aufsuchen wollen, erfahren sie, dass diese mit ihrem Dogmatik-Professor Joachim Heine und zwei Fossilien auf dem Weg zur Steinbrechanlage von Erkertshofen sind. Das Trio, Anhänger der wörtlichen Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte, möchten die ihrer Ansicht nach falschen Beweis für die Evolutionstheorie zerstören. Als die Kommissare die Vernichtung verhindern wollen, gerät der Professor mit einem der Fossilien in Händen in die Anlage und kommt dabei um. Die beiden Studenten gestehen den Mord an Carola Messmer.
Als Morgenstern der finanziell gebeutelten Firma Schredl die Nachricht überbringt, der nicht zerstörte Archaeopteryx gehöre nun ihnen, entdeckt er bei dem langjährigen und dem Betrieb sehr loyal verbundenen Mitarbeiter Josef Brunner eine Bisswunde. Wie Brunner gesteht, wollte er Önemir den illegalen Fossilienhandel nachweisen. Als ihn dieser verhöhnte, ermordete er ihn.
Band 2: Walburgisöl (2010)
Das titelgebende Walburgisöl ist eine als Heilmittel verwendete Flüssigkeit, die aus dem Sarkophag der heiligen Walburga austritt.
Die im Roman aufgegriffene Hinrichtung basiert lose auf einer wahren Geschichte. Am Kriegsende wurden Valentin Kriegl und Ludwig Lamour hingerichtet, da sie die Sprengung der Spitalbrücke verhindern wollten.
In einem Wald in der Nähe von Eichstätt wird der achtzigjährige Jäger Matthias Schreiber erschossen aufgefunden. Sein Sohn Walter verdächtigt eine bisher unbekannte Person, die im Revier eine Gams gewildert hat. Über eine des Verkaufs von gewildertem Fleisch verdächtige Wirtin suchen die Ermittler Erwin Zachinger auf, in dessen Keller sie eine Gämse-Trophäe finden. Eine am Tatort gefundene Eintrittskarte kann ihm zugeordnet werden. Er gibt zu, den Mord aus der Ferne beobachtet, den Täter aber nicht gesehen zu haben.
Auch den Sohn des Opfers haben die Kommissare in Verdacht. Gegen den Willen seiner Frau gibt ihnen Walter Schreiber sein Jagdgewehr mit. Wie die Ballistiker herausfinden, wurde diese Waffe bei einem Banküberfall in Nandlstadt verwendet. Schreibers Schwager kann überführt werden, doch im Mordfall hilft diese Erkenntnis nicht weiter.
Bei der Beerdigung des Mordopfers sehen die Kommissare eine alte Frau und verfolgen sie, verlieren ihre Spur jedoch bei der Walburgagruft. Anhand des Anliegenbuchs in der Kapelle können sie die Frau als Walburga Zinsmeister identifizieren. In Gesprächen mit ihr erfährt Morgenstern eine Geschichte vom Ende des 2. Weltkriegs. Zinsmeister verliebt sich in einen Soldaten und wird schwanger. In den letzten Kriegstagen will ihr Freund mit zwei Gleichgesinnten die Sprengung der Brücke über die Altmühl verhindern, wird verraten und erhängt. Das Mordopfer war einer der Verräter.
Doch nicht Walburga Waldmeister beging den Rachemord. Morgenstern verdächtigt ihren Enkel Jonas, doch dieser kommt bei der anschließenden Flucht um. Zwar vermutet der Kommissar, dass Jonas den Schuss nicht abgegeben hat, sondern dessen Freundin – eine Schützenkönigin –, verfolgt diesen Verdacht jedoch nicht weiter.
Band 3: Hausbock (2012)
Als Grundthema des dritten Romans wählte Auer die für die Gegend typischen Jurahäuser und die Erhaltung derselben. Der Autor wuchs selbst in einem solchen auf. Die Larve des Hausbockkäfers schädigt das Gebälk der alten Häuser.
Beim Großbrand einer Mühle im Anlautertal wird der Eigentümer und Richter Rupert Ledermann erschlagen aufgefunden. Seine von ihm getrennt lebende Frau Elvira wohnt mit ihrem Lebensgefährten in München, der Sohn Aurelius arbeitet als Rechtsanwalt in Düsseldorf und das schwarze Schaf der Familie, die Tochter Raphaela, ist in der Autonomenszene unterwegs. Einem Vorurteil folgend verdächtigen die Kommissare im ersten Moment Elviras Lebensgefährten, einen Serben.
Auch die Tochter Raphaela erscheint wegen ihrer Vorgeschichte verdächtig. Deren Bekannter Andreas Bachmeier wurde vor Jahren von Ledermann wegen eines Drogendelikts verurteilt. Kurz vor dem Mord wird er bei der Mühle gesehen. Er beteuert, dem stolzen Mühlenbesitzer aus Rache den Hausbock ins Gebälk gesetzt, jedoch mit dem Mord selbst nichts zu tun zu haben.
Da es eine Brandstiftungsserie gibt, gerät der junge Feuerwehrmann Kevin Hofmeier ins Visier der Ermittler. Tatsächlich gibt er zu, die anderen Brände gelegt zu haben, nicht jedoch den an der Mühle.