mini|Grenzen von Paris vom 4. Jahrhundert bis 2015. Die von 1356 bis 1383 errichtete Stadtmauer Karls V. ist chronologisch die vierte der sieben großen Befestigungsanlagen in der Geschichte von Paris. Ihr westlicher Teil, der mit dem Bau der Stadtbefestigung Ludwigs XIII. militärisch überflüssig geworden war, wurde um 1640 niedergelegt. Ihr östlicher Teil wurde durch den Bau von Bastionen ab Mitte des 16. Jahrhunderts verstärkt. Ludwigs XIV. befahl 1670, diese Stadtbefestigungen und die auf Geheiß von Ludwig XIII. gebauten niederzulegen. Dem Verlauf der Befestigung vorgelagert wurde stattdessen der Nouveau Cours gebaut, der den heutigen Grands Boulevards entspricht. Dadurch prägt die Stadtmauer Karls V. den Stadtplan bis heute, obwohl von ihr kaum noch Überreste vorhanden sind.

Geschichte mini|Stadtmauern von Philipp II. und von Karl V. um 1530 auf dem Stadtplan von Braun.

Ausgangslage Die zu Beginn des 13. Jahrhunderts gebaute Stadtmauer Philipps II. umschloss auf 253 Hektar auch Ackerland und Weinstöcke für die Versorgung der Stadtbevölkerung im Fall einer Belagerung. Im Lauf der Jahre waren die Felder aber besiedelt worden. Auch mehrere Vororte, besonders Saint-Honoré im Westen, hatten sich entwickelt. Für die stetig wachsende Bevölkerung wurde die Stadt zu klein. Außerdem erschien es während des Hundertjährigen Kriegs erforderlich, die Hauptstadt des Königreichs besser zu schützen.

Befestigter Erdwall Nach der desaströsen französischen Niederlage in der Schlacht von Poitiers 1356 ließ Étienne Marcel, der Vorsteher der Pariser Kaufleute, zwischen 1356 und 1358 auf der rechten Seine-Seite einen ersten Erdwall mit vorgelagertem Graben bauen, der über die Stadtmauer Philipps II. hinaus mehrere, im 13. Jahrhundert nach dem Bau der Mauer entstandene Vororte einschloss. Hierzu zählten namentlich Ville-Neuve du Temple und der Bourg Saint-Martin, aber auch landwirtschaftliche Flächen im Nordosten. Die Grabungen beim Carrousel offenbarten einen 12,70 Meter breiten und 4 Meter tiefen Graben. Auf der linken Seine-Seite beschränkte sich die Verbesserung der Wehranlagen auf die Aushebung eines der Stadtmauer Philipps II. vorgelagerten Grabens von 5 Metern Tiefe und 12 Metern Breite. Außerdem wurde die Mauer mit der ausgehobenen Erde verstärkt.

Verlauf mini|Verlauf der Stadtmauer Karls V. Am rechten Seine-Ufer bildete der Tour du bois genannte Holzturm in der Nähe des heutigen Pont du Carrousel an der Seine flussabwärts die Ecke der Befestigungsanlage Karls V. Von dort aus verlief die Mauer entlang der Westseite der heutigen Place du Carrousel in Richtung der Rue Saint-Honoré auf der Höhe des heutigen Palais-Royal, dann über die heutige Place des Victoires und die heutige Rue d'Aboukir bis zum Stadttor Saint-Denis. Die Rue Sainte-Foy entspricht dem inneren Wachweg, die Rue de Cléry dem Weg vor dem Graben. Anschließend verlief die Mauer entsprechend den heutigen Grands Boulevards (Boulevard de Bonne-Nouvelle, Saint-Martin, du Temple, des Filles-du-Calvaire, Beaumarchais) und lief dann entsprechend dem Boulevard Bourdon bis zur Tour de Billy, die flussaufwärts an der Ecke der Befestigungsanlage zur Seine hin stand.

mini|links|Stadtbefestigungen von Karl V. und Ludwig XIII., eingetragen auf der Karte von Cassini (Mitte 18. Jahrhundert). Beide Befestigungsanlagen lagen eng am vorzeitlichen Bett der Seine.

In ihrem östlichen Teil von der Tour de Billy zur Porte du Temple (auf der heutigen Place de la République) folgte die Stadtmauer dem vorzeitlichen Verlauf der Seine, der bis ins Hochmittelalter ein sumpfiges Gelände bildete, nachdem die Seine in der Jungsteinzeit das Bett ihres Nebenflusses Bièvre übernommen hatte. Von dem alten Flussbett entfernte sich die Mauer von der Porte du Temple bis zur Porte Saint-Denis leicht nach Süden und stärker von der Porte Saint-Denis bis zur Tour du bois am Seine-Ufer. Der der Mauer vorgelagerte Graben trug zur Trockenlegung des sumpfigen Geländes bei, das dann für den Obst- und Gemüseanbau genutzt und vom 16. bis zum 19. Jahrhundert urbanisiert wurde.

Befestigungsmauern entlang der Seine Die Stadtmauer wurde durch zwei um 1370 errichtete Wehrmauern entlang der Seine vervollständigt.

Die flussaufwärts gelegene Mauer lief von der Tour de Billy bis zur Tour Barbeau, die flussaufwärts den Endpunkt der Stadtmauer Philipps II. auf der rechten Seine-Seite bildete. In dieser Mauer gab es auf halbem Weg ein Stadttor, die Porte des Célestins. Die Tour de Billy wurde 1536 durch eine Explosion zerstört. Die gesamte Befestigungsanlage wurde Anfang des 17. Jahrhunderts niedergelegt. Teile der Mauer wurden bei Arbeiten an der Metrolinie 7 entdeckt. 2019 wurde ein Fragment am Eingang der Bibliothèque de l'Arsenal an der Ecke der Boulevards Morland und Henri IV. entdeckt.

Auf der flussabwärtigen Seite von Paris erstreckte sich die Mauer von der Tour du Bois bis zur Tour du Coin, wo sie auf die Stadtmauer Philipps II. traf. Die „Porte Neuve“ oder Porte de la Conférence wurde 1536 neben der Tour du Bois geöffnet. Die Mauer wurde während der Bauarbeiten an der Galerie am Fluss, die den Louvre mit dem Tuilierenpalast verband zwischen 1594 und 1610 niedergelegt. Erhalten blieb zunächst die Tour du Coin, die 1660 abgebrochen wurde.

Viertel Die neue Befestigung wurde westlich vor dem Louvre errichtet, der damit seine Funktion als Verteidigungsanlage verlor. Karl V. ließ das Gebäude zu seiner Residenz umwandeln, nachdem er infolge des von Étienne Marcel angeführten Aufruhrs aus dem Palais de la Cité in seine Gebäude im Marais geflohen war.

Im Osten der Stadt legte der Stadtvogt Hugues Aubriot 1370 den Grundstein für ein weiteres Anwesen Karls V., das 1382 vollendete Hôtel Saint-Pol, das zunächst schlecht geschützt war. Deshalb ließ Karl V. das Chastel Saint-Antoine errichten, das die Pariser die Bastide Saint-Antoine nannten, später die Bastille.

Die Stadtmauer schluss alte Vororte ein: Saint-Paul, den Temple, Sainte-Marguerite, Saint-Martin-des-Champs, die Filles-Dieu, Saint-Sauveur, Saint-Honoré und die Quinze-Vingts. Die Stadt hatte damit eine Fläche von 440 Hektar und über 200.000 Einwohner. Karl VI. setzte ab 1380 das Werk seines Vaters fort: « Tant comme nostre bonne ville de Paris sera mieux peuplée et habitée de plus de gens la renommée d'icelle sera plus grande, laquelle renommée augmentera notre gloire ».

„In dem Maß wie Unsere gute Stadt Paris stärker bevölkert und von mehr Leuten bewohnt sein und selbst größer werden wird, wird ihr Ruf Unseren Ruhm steigern“.

Nach dem Bau der Stadtmauer wurde Paris in 16 Viertel (Quartier) eingeteilt, denen jeweils ein Quartenier vorstand, in der Funktion eine Mischung aus Bürgermeister und Polizeichef. Die Quarteniers nahmen an der Wahl des Vorstehers der Kaufleute teil. Zu ihrer Unterstützung hatten sie Dizainiers und Cinquanteniers. Unter Heinrich IV. waren es die 16 Quarteniers, die die Stadtbevölkerung im Namen der Heiligen Liga gegen den König aufbrachten.

Cité

Quartier de la Cité

Rechte Seine-Seite

Faubourg Saint-Antoine, Quartier Saint-Gervais, quartier Sainte-Avoye, Quartier Sainte-Opportune, Saint-Honoré, Saint-Germain l’Auxerrois, Saint-Eustache, Saint-Denis, Saint-Martin, Les Halles, La Verrerie, Saint Jacques de la Boucherie, Saint-Jean de Grève.

Linke Seine-Seite

Maubert, Saint-André-des-Arts.

Verstärkungen der Stadtbefestigung Die erste kurzfristige Verstärkung der Stadtbefestigung aus Erdwall und Graben, die zwischen 1356 und 1358 hergestellt worden war, war in der Umgebung der provisorischen Tore wahrscheinlich auch mit Palisaden verstärkt. Eine Ausnahme bildete das von Beginn an gemauerte Stadttor Saint-Antoine. Zum Schutz vor Artilleriebeschuss befahl Karl V. bereits 1364, auf dem Kamm des Erdwalls eine Mauer mit Zinnen als Verbindung zwischen den Türmen zu errichten sowie einen von der Seine versorgten tiefen Wassergraben zu bauen. Die Leitung dieser erst 1420 unter Karl VI. abgeschlossenen Aufgaben übernahm der Pariser Stadtvogt Hugues Aubriot.

Die neue Befestigung erstreckte sich über eine Tiefe von 90 Metern und umfasste von innen nach außen zunächst einen Wachweg, dann einen im Querschnitt 25 Meter breiten Erdwall mit einer 4 Meter hohen und 2 Meter dicken Mauerkrone, dann einen Wassergraben, einen weiteren, im Querschnitt 20 Meter breiten Erdwall („Eselsrücken“) und einen weiteren, engeren, trockenen Graben. Alle 100 bis 200 Meter waren auf der Mauer vermietete Späherhäuser gebaut.

Von 1513 bis 1532 wurde der Befestigungsring durch die Zusammenlegung des Doppelgrabens umgebaut. Der neue Graben erreichte im Querschnitt eine Breite von 30 Metern und eine Tiefe von 7 Metern mit einer Escarpemauer, einer Contrescarpe und einem vorgelagerten Weg. Außerdem erhielt der Befestigungsring in Abständen Geschützplattformen.

Zwischen 1553 und 1560 wurde der Abschnitt zwischen der Seine und der Bastille erneuert und erhielt eine Kurtine. Möglicherweise setzte die neue Mauer auf die alte auf. Außerdem wurde ein breiter Graben geschaffen, das heutige Becken des Port de l’Arsenal, sowie die vier Bastionen „de l'Arsenal“ (oder „de la Tour de Billy“) am Ufer der Seine, „du Moineau“, „de la Pointe de la Bastille“ und „de la Porte Saint-Antoine“. Auf der rechten Seine-Seite folgte die Erweiterung des befestigten Stadtgebiets durch die Befestigung Ludwigs XIII.

Gegen 1610 bis 1616 wurde auch der nördliche und nordöstliche Teil der Stadtbefestigung zwischen der Porte Saint-Denis und der Bastion der Porte Saint-Antoine mit Bastionen anstelle von Steinhaufen verstärkt, die Mauer niedergelegt, die Späherhäuser abgebrochen, der Graben in einem Zickzack vor die Bastionen nach vorn verlegt und um einen äußeren Wachweg ergänzt. Die Modernisierungsarbeiten an der Stadtbefestigung waren noch nicht abgeschlossen, als Ludwig XIV. 1670 entschied, sie niederlegen zu lassen: die Bastionen von Bonne Nouvelle, Saint-Martin und vom Tempel waren – im Gegensatz zu dem was zeitgenössische Stadtpläne suggerierten – noch nicht gemauert und im Norden war die Kurtine noch nicht gebaut.

Stadttore Die frühere mittelalterliche Stadtmauer hatte nur sechs Stadttore, die von Philipp II. dagegen bereits 17 auf der rechten Seine-Seite.

Porte Saint-Honoré (auf der Rue Saint-Honoré, auf der Höhe der Place André-Malraux), das einzige Stadttor auf der Westseite vor der Öffnung der Porte Neuve 1536. Porte Montmartre (an der Kreuzung der Rue Montmartre mit der Rue d'Aboukir) Porte Saint-Denis (an der Kreuzung der Rue Saint-Denis mit der Rue Blondel) Porte Saint-Martin (an der Kreuzung der Rue Saint-Martin mit der Rue Blondel) Porte du Temple (an der Mündung der Rue du Temple auf die Place de la République) Porte Saint-Antoine (an der Mündung der Rue de la Bastille auf die Place de la Bastille)

Die Stadttore der Stadtmauer Karls V. auf dem Stadtplan von Truschet und Hoyau (1550)

Drei weitere Öffnungen wurden in die Mauer gebrochen und zu Stadttoren ausgebaut: Die Porte des Célestins auf halbem Weg zwischen der Tour de Billy und der Tour Barbeau in der Befestigungsmauer am Seine-Ufer um 1370. Dieses Tor führte zum Célestins-Hafen. Die 1536 geöffnete Porte Neuve oder Porte de la Conférence am Ufer der Seine neben der Tour du Bois. Die um 1610 auf halber Strecke zwischen der Porte Saint-Antoine und der Porte du Temple geöffnete Porte Saint-Louis oder Poterne du Pont-aux-Choux als Eingang auf die unter Heinrich IV. geplante Place de France, deren Realisierung aber nach seinem Tod nicht weiter verfolgt wurde. Das wahrscheinlich 1635 gebaute Tor wurde nach Plänen von Blondel um 1674 umgebaut. Es lag in der Verlängerung der Rue Saint-Louis (heutige Rue de Turenne). Das Tor verfügte über eine Brücke, den Pont-aux-Choux, der an der Stelle der heutigen Rue du Pont-aux-Choux den Befestigungsgraben überquerte.

Bastionen