Rosenthal ist ein Ortsteil des Bezirks Pankow in Berlin.
Geographie Die Bebauung des Ortsteils besteht im Wesentlichen aus Einfamilienhäusern und hat sich aus zwei Siedlungskernen entwickelt, dem alten Dorfkern sowie der Landhaussiedlung Nordend. Im Ortsteil existieren auch ausgedehnte Kleingartenanlagen. Von Westen nach Osten wird der Ortsteil durch den Nordgraben durchquert und von Südwesten nach Nordosten durch den Zingergraben. Die höchste Erhebung ist der Rollberg mit einer Höhe von 59 Metern.
Geschichte mini|hochkant=1.2|Gemeinde und Gutsbezirk Rosenthal; der rot-grüne Streifen markiert die Grenze zwischen den Bezirken Reinickendorf und Pankow von 1920 bis 1938. Rosenthal wurde um 1230 als Angerdorf angelegt. Urkundlich wurde es erstmals 1356 als Pfarrdorf Rosendalle erwähnt, was die Existenz einer Pfarrkirche, der im 13. Jahrhundert errichteten Rosenthaler Dorfkirche, voraussetzt. Im Landbuch Karls IV. (1375) wurden für Rosental 72 Hufen ausgewiesen, davon vier Pfarrhufen (Wedemhof). Es gab auch einen Krug.
Rosenthal bestand bis zur Bildung Groß-Berlins im Jahr 1920 aus einer Landgemeinde und einem Gutsbezirk im Kreis Niederbarnim der preußischen Provinz Brandenburg.
Ab 1871 entstand südöstlich des Dorfs Rosenthal direkt an der Grenze zu Niederschönhausen die Landhauskolonie Nordend. Ihre Einwohnerzahl stieg von 100 im Jahr 1875 auf 997 im Jahr 1905.Wohnplätze von Rosenthal. In: Preußisches Gemeindelexikon. 1908. Mit Wilhelmsruh entstand ab den 1890er Jahren südwestlich des Dorfs eine weitere Landhauskolonie. Westlich von Wilhelmsruh siedelten sich auf dem Gemeindegebiet von Rosenthal nach 1906 mit den Bergmann-Werken mehrere bedeutende Fabriken der Fahrzeug-, Metall- und Elektroindustrie an. Für die drei Siedlungsschwerpunkte der Gemeinde Rosenthal wurden zu Anfang des 20. Jahrhunderts auch die Bezeichnungen Rosenthal I (Wilhelmsruh), Rosenthal II (Dorf) und Rosenthal III (Nordend) verwendet.Drucksache Nr. 2173 der Verfassungsgebenden Preußischen Landesversammlung. books.google.de
Bei der Eingemeindung nach Berlin am 1. Oktober 1920 wurde Rosenthal auf zwei Berliner Bezirke aufgeteilt: Der Gutsbezirk Rosenthal (341 ha, 129 Einwohner) und der Ostteil der Landgemeinde mit dem Dorf Rosenthal sowie Nordend (479 ha, 1620 Einwohner) bildeten den Ortsteil Rosenthal im neuen Bezirk Pankow. Wilhelmsruh und der westlich der Liebenwalder Bahn gelegene restliche Teil der Landgemeinde (412 ha, 4433 Einwohner) wurden dem neuen Bezirk Reinickendorf zugeordnet und bildeten dort einen Ortsteil, der seit etwa 1932 als Wilhelmsruh bezeichnet wurde.Flächen und Einwohner der eingemeindeten Gebiete. In: Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin 1924. S. XI; zlb.deBezirke und Ortsteile 1932/33. In: Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin 1934. S. 25; zlb.de
Die kommunalen Grenzen wurden bei der Berliner Bezirksreform vom 1. April 1938 erneut geändert. Der Südosten des Reinickendorfer Ortsteils Wilhelmsruh mit der Kolonie Wilhelmsruh und den Bergmann-Fabriken kam zum Bezirk Pankow, während der großflächig mit Wohnlauben bebaute Nordwestteil des Ortsteils im Bezirk Reinickendorf verblieb.Bezirke und Ortsteile. In: Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin 1939. S. 18; zlb.deneue Bezirksgrenze Pankow/Reinickendorf. In: Amtsblatt Berlin, 1938, S. 280; zlb.de
Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten Rosenthal und Wilhelmsruh im Ost-Berliner Bezirk Pankow einen gemeinsamen Ortsteil. Auf dem alten Rosenthaler Gemeindegebiet, das 1938 im Bezirk Reinickendorf verblieben war und dadurch nach 1945 zu West-Berlin gehörte, wurde in den 1960er Jahren das Märkische Viertel erbaut.
Nach der Berliner Bezirksreform von 2001 wurde aus Wilhelmsruh im vergrößerten Bezirk Pankow ein eigener Ortsteil gebildet. In Rosenthal setzte in den 1990er Jahren eine starke Neubautätigkeit ein. Dabei entstanden unter anderem die Wohnanlage Wiesenwinkel und das Quartier Rosenthal.
Bevölkerung + Gemeinde und GutsbezirkPreußisches Gemeindelexikon (jeweilige Jahre) Jahr Gemeinde Gutsbezirk gesamt 1858 353 79 432 1871 464 84 548 1885 780 66 846 1895 1.249 70 1.319 1905 4.357 138 4.495 1910 6.352 124 6.476 1919 6.057 129 6.186
+ Ortsteil1930 und 1938 Statistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre)1946 bis 1963 Statistisches Jahrbuch der DDR (jeweilige Jahre) Jahr Einwohner 1930 1.600 1938 3.943 1946 9.919 1950 10.202 1957 9.205 1963 9.141 Jahr Einwohner 2007 8.848 2010 8.876 2015 9.339 2020 9.885 Jahr Einwohner 2021 9.968 2022 9.962 2023 9.903 2024 10.107 2025 10.050
Quelle ab 2007: Statistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre)
Die Einwohnerzahlen von 1946 bis 1963 schließen Wilhelmsruh mit ein.
Religion
Nach 1920 befanden sich die Ortsteile Rosenthal I und II in der kirchlichen Zuständigkeit von Reinickendorf, verwaltungstechnisch-politisch aber gehörten sie zu Pankow. Die Katholiken wurden Anfang des 20. Jahrhunderts der Kuratie St. Georg in Pankow zugeordnet. Als sich die Gemeinde St. Maria Magdalena Niederschönhausen 1929 davon abspaltete, wurden sie gemäß bischöflichem Dekret dorthin umgepfarrt.Chronik St. Maria Magadalena in Berlin-Niederschönhausen. S. 114 ff.
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Baudenkmale Das Bauensemble des Rosenthaler Angers ist als Kulturdenkmal ausgewiesen. Dorfkirche, um 1250 erbaut Gemeindehaus von 1898 in der Hauptstraße 138 Gutshaus mit Stall von 1820 und Landarbeiterkaserne von 1840/1850. Der Stall wird seit dem Ende des 20. Jahrhunderts von den Rosenthaler Werkstätten genutzt, einem Verbund von Spezialisten aus Kunst und Handwerk. Amtshaus in der Hauptstraße 94, von Maurermeister Schreiber 1901–1903 erbaut, seit 1990 genutzt als Kinder- und Jugendeinrichtung Landhaus Berlin-Rosenthal Evangelische Kirche Nordend, 1909/1910 nach Plänen von Fritz Gottlob errichtet. Das Kirchengebäude entstand im Jugendstil und verfügt über eine Orgel der Firma Ferdinand Dinse. Im Predigtsaal steht eine Orgel der Orgelbauer Gebrüder Dinse. Reste des Feldsteinfundaments des Rosenthaler Wohnturms westlich der Kirche (als Bodendenkmal ausgewiesen)
Wasserwerk Zum Zeitpunkt der Eingemeindung von Rosenthal nach Berlin im Jahre 1920 verfügte die Gemeinde über ein eigenes Wasserwerk auf einem zwölf Morgen großen Grundstück. Darauf standen ein Maschinenhaus (drei Maschinen mit Sauggasmotoren und Generatoren), eine Riesel- und Filteranlage mit vier Becken, ein Wasserturm mit einem Fassungsvermögen von 300 m³ und ein Wohngebäude. Es gab zwölf Tief- und einen Sammelbrunnen. Zur Fortleitung des Abwassers bestand darüber hinaus ein Kanalpumpwerk.Niederschrift über die Besprechung mit den Vertretern der Gemeinde bzw. Gutsbezirke des zukünftigen Bezirksamts vom 19. und 29. Juli 1920. A Rep 049-08 Nr. 4 im Landesarchiv Berlin, eingesehen am 22. Mai 2017.
Das Wasserwerk gibt es im 21. Jahrhundert nicht mehr, aber drei Teile einer benachbarten Kleingartenanlage entlang der Straße Am Anger erinnern mit ihrem Namen „KGA Wasserwerk Rosenthal“ an dessen Existenz.KGA Wasserwerk Rosenthal e. V. berlin.de/ba-pankow; abgerufen am 23. Mai 2017.Hilmar Bärthel: Wasser für Berlin. Verlag für Bauwesen, Berlin, ISBN 3-345-00633-2.
Rosenthaler Herbst mini|Festumzug zum 37. Rosenthaler Herbst (Erntedankfest)
Seit 1973 findet jährlich das Erntedankfest „Rosenthaler Herbst“ statt, vom 17. bis 19. September 2010 zum 37. Mal unter dem Motto „780 Jahre Rosenthal“.
Wirtschaft Im damals zur Gemeinde Rosenthal gehörenden Ortsteil Wilhelmsruh wurden ab 1907 die Fabriken für Turbinen, Turbogeneratoren, elektrische Automobile (Typ Protos) und Lokomotiven der Bergmann Electricitäts Werke Aktien-Gesellschaft errichtet. Große Flächen zwischen Rosenthal und Blankenfelde dienten seit der Gründerzeit bis zum Jahr 1985 als Rieselfelder, auf denen die Abwässer Berlins verrieselt wurden. Diese Flächen wurden zwischenzeitlich renaturiert, mit Wanderwegen aufgewertet und als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Verkehr
Öffentlicher Personennahverkehr Zur Erschließung der Anfang des 20. Jahrhunderts sich stark entwickelnden Gemeinde wurde 1914 die Straßenbahnlinie vom Kaiserweg (jetzt: Friedrich-Engels-Straße) / Platanenstraße bis zum Bahnhof Rosenthal verlängert.Berliner Elektrische Straßenbahnen. berliner-bahnen.de Die Linie, die Rosenthal mit dem Berliner Stadtzentrum verband, trug die Nummer 23, ab 1953 die Nummer 22. Mit der Einführung eines neuen Liniensystems im Jahr 1993 erhielt die Linie die Nummer 53. Seit der Einführung von Metrolinien im Jahr 2004 wechselte die Bezeichnung zu M1. Sie verbindet Rosenthal mit dem Berliner Zentrum.
Die Metrobuslinie M21 verbindet Rosenthal mit dem Märkischen Viertel und dem S- und U-Bahnhof Wittenau, ebenso wie die Buslinie 124. Die Linie 122 verkehrt zum S-Bahnhof Wilhelmsruh und weiter zum U-Bahnhof Residenzstraße.
mini|Haltepunkt Wilhelmsruher Damm der Heidekrautbahn, Treppchen als Einstiegshilfen werden für den Museumsverkehr bereitgestellt
Der Bahnhof Berlin-Rosenthal der Heidekrautbahn befand sich seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1901 genau an der heutigen Grenze zwischen den Bezirken Pankow und Reinickendorf an der Quickborner Straße. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war dies gleichzeitig die Grenze zwischen dem sowjetischen und dem französischen Sektor Berlins. Am Bahnhof Berlin-Rosenthal existierte ein Abzweig zur Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde, welche seit den 1990er Jahren auf kompletter Länge stillgelegt ist.
Als mit dem Mauerbau ein durchgängiger Betrieb der Bahnstrecke nicht mehr möglich war, wurde der Bahnhof anschließend abgerissen.Text und historische Ansicht zum Heidekrautbahnhof Rosenthal. unsermv.de; abgerufen am 21. Oktober 2017. Die deutsche Wiedervereinigung führte zu neuem Leben auf der Strecke; der Verein „Berliner Eisenbahnfreunde“ führt auf den verbliebenen Gleisen einen Museumsverkehr durch. Dazu entstand ein provisorischer Haltepunkt am Bahnübergang Wilhelmsruher Damm.Jürgen Opravil: Die Heidekrautbahn. 2. Auflage. Chronik Pankow (Hrsg.). Berlin 1999, S. 111.
Die Heidekrautbahn soll auf der Strecke zwischen Berlin-Karow und Berlin-Wilhelmsruh wieder in Betrieb genommen werden (Stand: 2026).
Individualverkehr Wichtige Straßen des Ortsteils sind die Friedrich-Engels-Straße, die Rosenthal von Nordwesten nach Südosten durchquert und die Hauptstraße in Nord-Süd-Richtung. Im Osten des Ortsteils durchquert die Dietzgenstraße (B 96a) die Ortslage Nordend.
Bildung Grundschule in Rosenthal, Kastanienallee 59
Persönlichkeiten Otto Nagel (1894–1967), Maler, arbeitete von 1914 bis 1921 in den Bergmann-Werken Emmy Damerius-Koenen (1903–1987), Vorsitzende des DFD 1948–1949, in Rosenthal geboren
Siehe auch Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Rosenthal Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Rosenthal Liste der Gedenktafeln in Berlin-Rosenthal
Weblinks
Geschichte Rosenthals. franzoesisch-buchholz.de Ansichtskarten von Rosenthal. ansichtskarten-pankow.de Wappen von Rosenthal. heraldry-wiki.com
Einzelnachweise
Rosenthal Kategorie:Ehemalige Gemeinde in Berlin Kategorie:Ersterwähnung 1356 Kategorie:Gemeindeauflösung 1920