mini|Hauptsitz des Knorr-Bremse-Konzerns in München
Die Knorr-Bremse AG mit Sitz in München ist die Dachgesellschaft des Knorr-Bremse-Konzerns. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Bremssysteme sowie weitere, zum großen Teil sicherheitsrelevante Lösungen für die Bahn- und Nutzfahrzeugindustrie. Knorr-Bremse ist an über 100 Standorten in 30 Ländern vertreten. Mitte Oktober 2018 erfolgte der Börsengang an der Frankfurter Wertpapierbörse.
In der Unternehmensdivision Systeme für Schienenfahrzeuge stattet Knorr-Bremse weltweit Schienenfahrzeuge des Personenverkehrs wie U-Bahnen, Straßenbahnen, Monorails, Regional- und Hochgeschwindigkeitszüge sowie Güterzüge und Lokomotiven aus. Die Unternehmensdivision Systeme für Nutzfahrzeuge liefert Produkte und Systeme vor allem für Lkw, aber auch für Busse, Anhänger und Landmaschinen.Systeme für Nutzfahrzeuge, abgerufen am 27. Januar 2025.
Geschichte Gründung und Aufstieg in Berlin (1905–1918) mini|hochkant|links|Georg Knorr
Im Jahr 1905 gründete der Ingenieur Georg Knorr in Boxhagen-Rummelsburg (heute ein Teil von Berlin-Friedrichshain bzw. Berlin-Lichtenberg) die Knorr-Bremse GmbH, in die er einen bereits 1883 entstandenen Betrieb für Eisenbahn-Druckluftbremsen einbrachte. Geschäftliche Grundlage bildete die Einführung der von ihm entwickelten Druckluftbremse K1 bei den Personenzügen der Preußisch-Hessischen Staatseisenbahnverwaltung. Die Knorr-Bremse GmbH wurde 1911 unter Aufnahme der Continentale Bremsen-GmbH in die Knorr-Bremse AG umgewandelt.
mini|Sitz der Knorr-Bremse GmbH in Lichtenberg, 1908
Die erste Fabrikation erfolgte in bereits vorhandenen Gebäuden in der Neuen Bahnhofstraße, die bis 1920 zur Stadt Lichtenberg gehörten östlich der Grenze von Alt-Berlin gelegen. Mit der Gründung der Großgemeinde Berlin gelangte sie als Bezirk Lichtenberg in die Stadtgemeinde. Die Bezirksreform von 1938 führte zur Zugehörigkeit zum neuen Verwaltungsbezirk Friedrichshain. Das Bauwerk wurde später als alte Fabrik bezeichnet. Ein neues Fabrik- und Verwaltungsgebäude wurde 1905/1906 errichtet. In den Jahren 1913 bis 1916 fand eine umfangreiche Erweiterung der Fabrikgebäude und der Neubau eines südlich anschließenden, repräsentativ ausgestatteten Verwaltungsgebäudes durch den Architekten Alfred Grenander statt. Die Außenfassaden der bisherigen Fabrikgebäude wurden sachlicher gestaltet, aber durch „…eine hohe Attikazone, die Materialität und Farbigkeit der Klinker sowie die Rundbogenfenster in der Sockelzone“ mit dem prunkvollen Verwaltungsbau zu einer „einheitlich wirkenden Straßenfront“ zusammengefasst.Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Baudenkmale in Berlin, Bezirk Friedrichshain. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann GmbH, Berlin 1996. Auf dem Hofgelände erfolgten Erweiterungsbauten (Querflügel und Parallelflügel) und ein eigenes Heizwerk wurde errichtet. Der gesamte Komplex Neue Bahnhofstraße 9–17 steht seit den 1970er Jahren unter Denkmalschutz. Über eine tunnelartige Verbindungsstraße wurde das in den Jahren 1922 bis 1927 errichtete Hauptwerk auf dem Grundstück Hirschberger Straße/Schreiberhauer Straße (östlich der Eisenbahntrasse) angeschlossen, das Grenander mit turmartigen Bauteilen an drei Ecken akzentuierte. Der direkt an der Ringbahn stehende westliche Turm ist deutlich höher als die anderen und mit großen Fenstern versehen. Die gesamte Anlage der Knorr-Bremse erstreckte sich nun über eine Fläche von 24.380 m². Der Bauteil mit dem Turmbau Hirschberger Straße 4 steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Er wird seit den 2000er Jahren als Großstandort der Deutschen Rentenversicherung Bund genutzt, die ihn in einen Neubaukomplex einbettete.
mini|Gedenktafel, Neue Bahnhofstraße 9, in Berlin-Friedrichshain
1918 bis 1920 Nach dem Ersten Weltkrieg wurde mit der Einführung der Kunze-Knorr-Bremse auch der Güterzugverkehr vom Hand- auf den durchgehenden Druckluftbremsbetrieb umgestellt. 1923 führte Knorr-Bremse erstmals Druckluftbremsen für Nutzfahrzeuge ein. Nach der Weltwirtschaftskrise setzte Knorr-Bremse die Hik-Bremse im europäischen Schienenverkehr ein und trieb die Umstellung der deutschen Nutzfahrzeugindustrie auf Druckluftbremsen voran. Ende der 1930er-Jahre waren 90 Prozent aller deutschen Lastkraftwagen von 7 bis 16 Tonnen mit Knorr-Bremsgeräten ausgerüstet.
Diversifizierter Konzern (1920–1945) mini|Zeppelin LZ 126 über dem Oberwiesenfeld vor dem Knorr-Bremse-Gebäude, 1924
Die Knorr-Bremse AG entwickelte sich zwischen den Weltkriegen unter der Leitung von Johannes Philipp Vielmetter zum größten Bremsenbauunternehmen Europas. Durch Angliederung weiterer Unternehmen entstand ein diversifizierter Konzern mit rund 20.000 Beschäftigten.
Ab 1920 war die 1917/1918 entstandene (alte) Bayerische Motorenwerke AG (BMW) in München ein Tochterunternehmen der Knorr-Bremse AG und fertigte unter dem neuen Namen Süddeutsche Bremsen-AG Bremsanlagen für die Bayerische Eisenbahn-Verwaltung. (Auf ihrem Betriebsgelände befindet sich heute der Stammsitz der Knorr-Bremse AG.) Die für die Knorr-Bremse AG wenig interessante Motorenabteilung wurde 1922 einschließlich des alten Firmennamens an den Großinvestor Camillo Castiglioni verkauft, der beides zur Bayerischen Flugzeugwerke AG (BFW), der neuen BMW, mitnahm. Ab 1921 beteiligte sich die Knorr-Bremse AG an der Berliner Werkzeugmaschinenfabrik Carl Hasse & Wrede GmbH. Das Nachfolgeunternehmen Hasse & Wrede GmbH ist als Teil des Knorr-Bremse-Konzerns ein führender Hersteller von Drehschwingungsdämpfern für Dieselmotoren. Der Standort in Berlin-Marzahn wurde beibehalten. Im Februar 2017 hatte der Knorr-Konzern angekündigt, diesen letzten deutschen Standort des Tochterunternehmens Hasse & Wrede schließen zu wollen, da . Nach Protesten der von Arbeitslosigkeit betroffenen 109 Arbeiter und Angestellten und nach Verhandlungen zwischen der Konzernleitung und dem Betriebsrat wurde im Dezember 2017 verkündet, dass der Standort an der Georg-Knorr-Straße erhalten bleiben soll.Jochen Knoblach: Knorr-Bremse stoppt Verlagerung. In: Berliner Zeitung. 15. Dezember 2017, S. 12. 2020 gewann das Büro von David Chipperfield den Wettbewerb zur Bebauung des Geländes.David Chipperfield plant Sozialbauten in Marzahn. In: Berliner Zeitung. 10. März 2020.
Im Jahr 1926 erwarb Knorr-Bremse die Aktienmehrheit an der Motoren-Werke Mannheim AG (MWM), die aus der Abteilung stationärer Motorenbau der Firma Benz & Cie. des Automobilpioniers Carl Benz hervorgegangen war. Mit dem Verkauf an die Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD), heute Deutz AG, im Jahr 1985 trennte sich die Knorr-Bremse AG wieder von der Motorensparte. Die nach langjähriger Kooperation 1938 eingegliederten Eisen- und Stahlwerke Walter Peyinghaus in Egge bei Wetter-Volmarstein an der Ruhr stellten 1997 den Betrieb ein.
Im Zweiten Weltkrieg setzte das Unternehmen ab 1943 Zwangsarbeiter aus mehreren Lagern in Berlin-Lichtenberg ein, die sich u. a. in der Möllendorffstraße 70, am Roederplatz, in der Roederstraße 11–13 und 85–91, Bornitzstraße 1 und Hohenschönhauser Straße 11 befanden. Das betriebseigene Hauptlager bestand aus 22 Baracken für insgesamt 1080 Personen. Es hatte eine Halle mit Krankenräumen, Wasch- und Duschgelegenheiten sowie zwei Schuppen. Bei einem Luftangriff am 22. November 1943 kamen während der Arbeit in der Knorr-Bremse sechs Holländer ums Leben. Mehr als 1200 Zwangsarbeiter wurden im Dienste der Knorr-Bremse AG eingesetzt.Zwangsarbeiterlager im Bezirk Lichtenberg 1939 bis 1945. (PDF; 45 kB).
Nach dem Zweiten Weltkrieg – Knorr-Bremse wird eine SAG Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fiel die Firma in den Sowjetischen Sektor, die Knorr-Erben wurden enteignet. Auf Befehl des sowjetischen Stadtkommandanten, Generalmajor Alexander Kotikow, wurde der Betriebsstandort Neue Bahnhofstraße (zu Rummelsburg gehörend) an die Sowjetische Aktiengesellschaft für Transportmaschinenbau übergeben.Berlin-Kalender 1997 (19. August) Luisenstädtischer Bildungsverein, 1997, ISBN 3-89542-089-1. S. 156. Die am Ort wieder produzierten Bremsen dienten zunächst ausschließlich Reparationszwecken.
Neue Nutzer für die Berliner Gebäude bis 1989 Der Standort in der Hirschberger Straße (zu Berlin-Lichtenberg gehörend) wurde 1954 in den VEB Berliner Bremsenwerk umgewandelt, der bald in der DDR zu einem gefragten Eisenbahn-Bremssystem-Hersteller wurde. Nachdem in der SAG die Produktion eingestellt worden war, bezog ein neu gegründeter Betrieb (VEB Messelektronik Berlin) den Komplex der Neuen Fabrik in der Neuen Bahnhofstraße. Dort blieb er bis zu seiner Abwicklung nach der politischen Wende.
Nutzung der alten und der neuen Fabrik seit 1990 Ab 1990 wurde das Gebäude freigeräumt und neue Mieter zogen ein. Im Jahr 1993 bekam die neugegründete Berufsakademie Berlin hier ihren Sitz.Torsten Harmsen: Die Berufsakademie Berlin wehrt sich gegen ihre gedankenlose Zerstörung. In: Berliner Zeitung. 10. April 2002. 2003 erfolgte deren Integration in die damalige Fachhochschule für Wirtschaft (FHW), die 2009 in der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) aufging. Im Jahr 2012 waren die Mieter neben der HWR drei Schulungsträger der Berliner Agenturen für Arbeit, zwei Berufsfachschulen und die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG). Trotzdem standen 60 Prozent der 25.000 Quadratmeter großen Nutzfläche leer.Isabell Jürgens: Berggruen kündigt allen Mietern bei Knorr-Bremse. In: Berliner Morgenpost. 18. September 2012. Am 17. August 2012 erwarb die Berggruen Holdings in der Zwangsversteigerung für 15 Mio. Euro das Objekt, dessen Eigentümer schon in den 1990er Jahren in die Insolvenz gegangen waren. Der Kaufpreis betrug zwei Drittel des Verkehrswertes. Es sollten 12 Mio. Euro in die Gebäudemodernisierung investiert werden.Pressemitteilung: Berggruen kauft ‚Speicher‘ und ehemaligen Knorr-Bremse-Betriebsstandort in Berlin-Friedrichshain. (PDF; 219 kB). von Nicolas Berggruen Holdings GmbH. 17. August 2012. Kurz nach dem Erwerb erfolgte die Kündigung der bisherigen Mieter zum 31. März 2013 und es wurde bekannt, dass mit dem Online-Handelsunternehmen Zalando ein Mieter für die gesamte Fläche gefunden worden war. Seit April 2013 arbeiten mehrere hundert Mitarbeiter aus dem Fashion-Bereich Zalandos in dem Gebäude.Uwe Aulich: Neuer Standort - Zalando zieht an den Alex. In: Berliner Zeitung. 17. Mai 2013.
mini|Heutige Hauptverwaltung der Knorr-Bremse AG in München, Moosacher Straße 80 (vormals Süddeutsche Bremsen-AG)
Umzug der Knorr-Bremse nach Westdeutschland Die Süddeutsche Bremsen-AG in München setzte die Produktion in Westdeutschland fort. Entwicklung und Vertrieb von Bremssystemen übernahm die 1946 gegründete und später nach München verlegte Knorr-Bremse GmbH. Die Knorr-Bremse AG wurde 1960 in eine Kommanditgesellschaft (KG) umgewandelt.
Der Wiederaufbau im Westen mündete 1955 in die international erfolgreiche Einführung der Knorr-Bremse mit Einheitswirkung (KE) für Schienenfahrzeuge. Der Bereich Nutzfahrzeugbremsen verlor dagegen nach dem Zweiten Weltkrieg an Boden. Auch das in den 1960er-Jahren etablierte Geschäftsfeld Industrie-Pneumatik stagnierte, und der Dieselmotorenbau begann Ende der 1970er-Jahre hohe Verluste zu schreiben.
Konzentration und Expansion seit 1985 Im Jahr 1985 leitete ein Eigentümerwechsel die Konzentration des angeschlagenen Konzerns auf die Produktbereiche Bremssysteme für Schienen- und Nutzfahrzeuge ein. Die Knorr-Bremse GmbH und die Süddeutsche Bremsen-AG wurden 1985 auf die neu gegründete Knorr-Bremse AG fusioniert. Die Knorr-Bremse KG wurde liquidiert. Veräußert oder eingestellt wurden der Dieselmotoren- und Werkzeugmaschinenbau (beide 1985), die Industrie-Pneumatik (1993) und der Stahlguss (1997).
mini|hochkant|Buddy Bear: 100 Jahre Knorr Bremse, Berlin-Marzahn