mini|330x330px|alt=Foto von Martyna Linartas|Martyna Linartas (2025) Martyna Berenika Linartas (* 8. Mai 1990 in Posen) ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin und Autorin. Sie ist Mitherausgeberin des Wirtschaftsmagazins Surplus und forscht zu den Themen Ungleichheit in der Vermögensverteilung sowie Umverteilung von Reichtum.

Leben Linartas zog als einjähriges Kleinkind mit ihren Eltern von Polen nach Deutschland, wo sie zunächst ein Jahr in einer Obdachlosenunterkunft in Kiel unterkam. Der Umzug erfolgte 1992; ihre Mutter hatte in Polen Physik studiert, ihr Vater Philosophie; beide mussten in Deutschland jedoch beruflich neu beginnen und die Familie lebte zunächst in Armut. Als Kind besuchte sie Verwandte in Mexiko, erlebte dort den großen Wohlstand eines weitläufigen Anwesens ebenso wie sichtbare Armut und beschreibt diese Erfahrungen als Ausgangspunkt ihres Interesses an sozialer und ökonomischer Ungleichheit. Sie studierte an der Freien Universität Berlin (FU) Politikwissenschaft. Linartas begründete ihre Studienwahl später mit ihrem Wunsch nach einem besseren Verständnis der Ursachen von Reichtum und Armut sowie der Folgen großer Vermögensunterschiede. An der FU arbeitete sie am Fachbereich Philosophie beim Drittmittelprojekt The Deserving Rich. Sie wurde 2023 bei Marianne Braig und Philipp Lepenies mit summa cum laude promoviert. Im Rahmen ihrer Dissertation führte sie zur Analyse derer Sicht auf Vermögensungleichheit und Steuerpolitik zahlreiche Interviews mit Vorstandsvorsitzenden, Aufsichtsratsvorsitzenden sowie Angehörigen der Management-Eliten in Deutschland und Mexiko. Neben ihrem Masterstudium der Politikwissenschaft absolvierte Linartas während des Bundestagswahlkampfs 2017 in der Bundesgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen eine Ausbildung zur Pressereferentin. Von 2018 bis 2021 arbeitete sie als studentische Hilfskraft im Bundestagsbüro von Annalena Baerbock. Zugang zu Interviewpartnern aus den Wirtschaftseliten erhielt sie unter anderem durch ihre Tätigkeit im Bundestag, durch Kontakte ihres Onkels in der mexikanischen Finanzverwaltung sowie durch ein frühes Interview mit dem damaligen Siemens-CEO Joe Kaeser, das als Türöffner für weitere Gespräche diente.

2022 gründete Linartas die Wissensplattform ungleichheit.info, leitet diese seitdem und ist Teil der Inequality Steering Group der Denkfabrik Forum New Economy. Sie lehrt an der FU Berlin sowie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Seit Anfang 2026 gehört Linartas dem Herausgeberkreis des Wirtschaftsmagazins Surplus an.

Wirken thumb|alt=Linartas bei einem Vortrag|Linartas bei einem Vortrag (2025) 2025 veröffentlichte sie im Rowohlt Verlag das Buch Unverdiente Ungleichheit. Nach ihren Befunden halten etwa 80 Prozent der von ihr befragten Akteure aus den Wirtschaftseliten die bestehende Ungleichheit von Einkommen und Vermögen für zu groß und für eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Rund ein Drittel der Interviewten sprach sich in ihren Studien für eine stärker progressive Erbschaftsteuer aus, während Vermögenssteuern nahezu einhellig abgelehnt wurden. Linartas warnt, dass große Vermögensungleichheit in Verbindung mit Sparpolitik, Abstiegsängsten und dem Einfluss finanzstarker Lobbygruppen das Erstarken rechtsextremer Parteien wie der AfD begünstigen könne und fordert tiefgreifende Reformen der Steuer- und Verteilungspolitik.

Der Sozialwissenschaftler Michael Wolf empfahl Unverdiente Ungleichheit im Deutschlandfunk all denen, „die grundsätzliche Reformen im Sinne der überwiegenden Mehrheit wünschen und sich nicht mehr mit den immergleichen Argumenten zufriedengeben“. Er ist der Meinung, dass „eine Umverteilung von Vermögen nach der Lektüre nicht nur möglich, sondern auch schlicht vernünftig erscheint.“Michael Wolf: Martyna Linartas: „Unverdiente Ungleichheit“. Ein Ausweg aus der Erbengesellschaft. In: deutschlandfunk.de. 12. Mai 2025, abgerufen am 1. Juli 2025. Der NDR meint, dass Linartas in ihrem Buch die Grundannahmen des Neoliberalismus eindrucksvoll widerlege.

Auf der anderen Seite wurde Linartas in der FAZ eine einseitige Quellenauswahl und argumentative Einseitigkeit vorgeworfen. Ihre Ursachenherleitung sei lückenhaft. Insgesamt sei es enttäuschend, dass Linartas Buch „im Vergleich zur Stärke ihrer Empörung ein ziemlich schwaches Ergebnis“ habe.Gerald Wagner: „Unverdiente Ungleichheit“ – Unser Land verkommt zur Erbengesellschaft. In: FAZ. 26. Juli 2025, abgerufen am 19. Juni 2026.

Privates Ein Onkel Linartas’ ist Miguel Messmacher Linartas, der stellvertretender Finanzminister Mexikos unter Felipe Calderón war und heute Dekan der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät des Instituto Tecnológico Autónomo de México (ITAM) ist. Eine Großtante gehörte einer polnischen Musikgruppe an, die nach dem Zweiten Weltkrieg international auftreten durfte, heiratete einen Enkel des ersten demokratisch gewählten Präsidenten Mexikos und wanderte vor mehr als sechzig Jahren nach Mexiko aus.

Schriften Different But Same. The Role of the Inheritance Tax and Narratives of the Economic Elites for Wealth Inequality in OECD States: The Cases of Mexico and Germany. Freie Universität Berlin, Berlin 2023 (Dissertationsschrift). mit Stefan Gosepath: Unverdiente Ungleichheit. Wie der Weg aus der Erbengesellschaft gelingen kann. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2025, ISBN 978-3-498-00735-5.

Weblinks

Interview vom 5. Juni 2025 bei Jung & Naiv

Einzelnachweise

Kategorie:Politikwissenschaftler Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Polnischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Pole Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1990 Kategorie:Frau