Der Ort Jelling [] oder Jellinge [] liegt mitten in Jütland, nordwestlich von Vejle.
Das königliche Jelling gehört zu den bedeutenden archäologischen Fundplätzen Dänemarks. Zwischen den größten künstlich aufgeschütteten Hügeln Dänemarks liegt hier eine Steinkirche aus der Zeit um 1100, die über älteren Holzkirchen errichtet wurde. Davor stehen der Thyrastein und der Haraldstein. Das Ensemble von Kirche, Grabhügeln und Runensteinen wurde 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Der Platz hatte bereits seit der Bronzezeit kultische Bedeutung. Nach der Residenz Jelling wird die Dynastie der Könige des 10. Jahrhunderts Haus Jelling genannt.
Geschichte
Bronzezeit
In der Bronzezeit wurde in Jelling ein Grabhügel angelegt. In diesem, dem heutigen Nordhügel, wurde in der Mitte des 10. Jahrhunderts ein wikingerzeitliches Grab eingelassen und der Hügel im Zuge dessen um mehrere Meter erhöht.
Gorm der Alte Der heidnische Wikingerführer Gorm der Alte gilt (vielleicht zu Unrecht) als erster dänischer König und Reichseiniger Dänemarks. Ältere, mythologisch überlieferte Könige waren wohl regionale Herrscher. Die im späten 12. Jahrhundert niedergeschriebenen Berichte von Svend Aggesen und Saxo Grammaticus über Gorm tragen ebenfalls legendäre Züge.
Die wenigen zeitgenössischen Quellen über Gorm sind mehrere Runensteine, von denen die Jellingsteine die wichtigsten sind. Den älteren, den sogenannten Thyrastein oder kleinen Jellingstein, setzte Gorm für seine Frau Thyra Danebod. Er befand sich nach einer von Heinrich Rantzau 1591 veröffentlichten Darstellung auf dem Nordhügel. Auf diesem Stein wird Gorm König genannt. Zudem findet sich dort erstmals das Wort DanmarkaR, Dänemark. Mit dem Nordhügel als Zentrum wurde wohl um 940 eine riesige Schiffssetzung angelegt. Die Schiffssetzung von Jelling ist mit einer Länge von 356 m und einer Breite von rund 80 m die größte je gefundene Schiffssetzung.Anne Pedersen, Kasper Holdgaard Andersen: bei danmarkshistorien.dk.
mini|Blick von Westen auf den Nordhügel, links dahinter ist die Palisade mit aufrechtstehenden weißen Pfeilern markiert, während weiße Platten im Boden die Lage der Schiffssetzung sichtbar machen. Bei ersten Ausgrabungen 1820 wurde im Nordhügel eine unterteilte Holzkammer gefunden, die als Doppelgrab angesehen wird. Sie war aber weitgehend leer. Man fand nur einen kleinen, kunstvoll gearbeiteten Silberbecher, der als Leitfund des Jelling-Stils gilt, und Überreste einer mit Stoff ausgeschlagenen, bemalten Holzkiste. Dendrochronologische Untersuchungen datierten die Eichenstämme, aus denen die Grabkammer errichtet wurde, auf 958/59, was mit dem in den Quellen angegebenen Sterbejahr von Gorm übereinstimmt. Das Grab wurde nur wenige Jahre später von oben ausgegraben und ausgeräumt, wie ein auf das Jahr 965 datiertes Holzstück, das zum Abheben der Decksteins verwendet wurde, belegt. Die Knochen wurden ausgekocht und zusammen mit einem kostbaren Kleidungsstück und einem silbernen Riemenabschluss, der wohl demselben Künstler zugeschrieben werden kann wie der Becher, in einer südlich neben dem Hügel neuerbauten Holzkirche beigesetzt.Adam Bak: bei danmarkshistorien.dk. Der Bestattete war zwischen 35 und 50 Jahren alt, etwa 175 cm groß und muskulös gewesen. Es wird allgemein angenommen, dass es sich dabei um Gorm handelte,Kongegraven i Jelling Kirke. den sein zum Christentum konvertierter Sohn aus dem Grabhügel in die Mitte seiner neuen Kirche umbetten ließ.Mads Kähler Holst, Kasper Holdgaard Andersen: Bygningsspor og graven under Jelling Kirke bei danmarkshistorien.dk (Aarhus Universitet). Für diese Annahme spricht auch die Aufschrift des großen Jellingsteins, den Harald Blauzahn für seine Eltern Gorm und Thyra ausstellte. Die Überreste wurden 2000 wieder in der Kirche am Fundort beigesetzt. Der Ort in der Nähe des Chorbogens ist durch eine silberne Markierung gekennzeichnet.
Die Frage nach Thyras Grab ist nicht geklärt. Möglicherweise waren die Überreste der vermutlich vor ihrem Mann Verstorbenen zu verfallen, um umgebettet zu werden. Vielleicht verbot sich auch die Umbettung in eine christliche Kirche, da die Verstorbene das Christentum abgelehnt hatte. So jedenfalls lässt es der Thorshammer auf dem Runenstein von Læborg vermuten, den der Runenmeister Rafnunga-Tofi zur Erinnerung an Þorwi, drotning sina, Thorwi/Thyra, seine Herrin oder Königin, errichten ließ. Mutmaßlich derselbe Rafnunga-Tofi hielt auf zwei weiteren Runensteinen fest, dass er einen Hügel für Thyra errichtet hatte.Dazu siehe Thyra Danebod#Læborgstein und Bækkestein.
Harald Blauzahn Der Sohn und Nachfolger Gorms, Harald Blauzahn, ließ sich im Jahre 960 taufen, kurz nachdem er König geworden war. Danach gab er wohl den größeren der beiden Jellinger Runensteine in Auftrag, der Haraldstein oder Taufstein Dänemarks genannt wird. Dieser Stein trägt auf drei Seiten die Inschrift (A:) König Harald befahl, diesen Stein zu errichten zum Gedenken an Gorm, seinen Vater, und an Thyra, seine Mutter. Der Harald, der sich ganz Dänemark (B:) und Norwegen unterwarf (C:) und die Dänen zu Christen machte. in der Runeninschriftendatenbank des Dänischen Nationalmuseums. Der Stein zeigt die älteste Christusdarstellung von Dänemark. Die kreuzförmig ausgestreckten Arme verweisen zwar auf die Kreuzigung, doch ist Christus nicht an ein Kreuz geschlagen, sondern von Ranken umgeben, die möglicherweise einen Lebensbaum darstellen sollen. Zudem ist er mit einem knielangen Gewand bekleidet. Eine zeitgenössische Parallele zu der Darstellung eines bekleideten Gekreuzigten liegt in der romanischen Christusfigur vor, die in Hermannsburg gefunden wurde. Christus erscheint damit nicht als Leidender und Opfer, sondern als mächtiger Herrscher. mini|hochkant|Rekonstruierte farbige Absicht der Christusdarstellung auf dem großen Jellingstein
In Jelling befand sich wohl Haralds Hauptresidenz, die er nach dendrochronologischen Befunden ab 964 ausbaute. Zu seinen Bauten gehörte eine 1440 m lange Palisade, die eine 12,5 ha große, trapezförmige, innen weitgehend unbebaute Burganlage umschloss. In ihrem Zentrum lag der Nordhügel, die östliche und westliche Seite sind vermutlich parallel zu der Schiffssetzung angelegt. Südlich des Hügels ließ er – möglicherweise an die Stelle einer älteren Königshalle – eine Holzkirche errichten, in die er um 965 seinen Vater umbettete. Etwa gleichzeitig begann die Aufschichtung des Südhügels aus Grassoden und Torf, dessen Mittelpunkt auf der Hauptachse der Schiffssetzung liegt, diese aber teilweise überbaute. Dieser Hügel ist mit 10 m Höhe und 70 m Durchmesser der größte künstlich aufgeschüttete Hügel im Dänemark der Wikingerzeit, dessen Bau wohl Jahre dauerte. Er diente nie als Grabhügel. Seine Bedeutung zeigt sich aber darin, dass der große Jellingstein vor der Kirche genau in der Mitte zwischen den Hügeln auf der Hauptachse der Schiffssetzung aufgerichtet wurde. Nach Ansicht des dänischen Archäologen Klaus Ebbesen handelte es sich bei dem Südhügel um ein Denkmal für Haralds Mutter Thyra, die demnach anderswo verstorben sei und nicht in Jelling beigesetzt wurde. Möglicherweise diente der Südhügel auch als repräsentativer Thingplatz.Thomas Meier: Magdeburg zwischen Aachen und Jelling: Repräsentationsarchitektur als semiotisches System. In: Joachim Henning (Hrsg.), Europa im 10. Jahrhundert, Archäologie einer Aufbruchszeit. Internationale Tagung in Vorbereitung der Ausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa", Mainz am Rhein 2002, S. 311–322; S. 319. Auf jeden Fall kann die Hofanlage von Jelling in ihrer zweiten Bauphase parallel zu den ottonischen Königspfalzen als Repräsentationsort gelten, mit dem Harald sich als rechtmäßiger König von Dänemark und Norwegen und christlicher Herrscher von Gottes Gnaden darstellte, mithin gleichrangig mit Otto dem Großen, dessen Reich Dänemark von Süden bedrohte. Dazu passt die zeitgleiche Verstärkung des Danewerks.Thomas Meier: Magdeburg zwischen Aachen und Jelling: Repräsentationsarchitektur als semiotisches System. In: Joachim Henning (Hrsg.), Europa im 10. Jahrhundert, Archäologie einer Aufbruchszeit. Internationale Tagung in Vorbereitung der Ausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa", Mainz am Rhein 2002, S. 311–322; S. 320.
Sven Gabelbart
Der vermutlich 965 und damit als Sohn christlicher Eltern geborene Sven Gabelbart war der dritte Sohn Harald Blauzahns und Anführer einer heidnischen Gegenreaktion. Im Machtkampf zwischen Vater und Sohn unterlag König Harald. Während einer Seeschlacht, die wohl bei Bornholm stattfand, wurde Harald Blauzahn verwundet und konnte an Pommerns Küste fliehen. Dort verstarb er nach Adam von Bremens 1074 verfasster Chronik entweder am 1. November 985 oder 986 in der Jomsburg. Der königliche Leichnam wurde nach Dänemark überführt und dort bestattet.Adam von Bremen: Hamburgische Kirchengeschichte. Geschichte der Erzbischöfe von Hamburg. Übersetzt von J.C.M. Laurent und W. Wattenbach. Hrsg. von Alexander Heine. Reihe: Historiker des deutschen Altertums. Phaidon Verlag, Essen / Stuttgart 1986, II/25, S. 106 f.
Sven Gabelbart folgte seinem Vater als dänischer König. Er war möglicherweise der Bauherr mehrerer Wikingerburgen im Land – wenn diese nicht bereits, wie Datierungen mittels Radiokarbonmethode und Dendrochronologie zumindest für Fyrkat, Trelleborg bei Slagelse und Trelleborg in Schonen nahelegen, von Harald in Auftrag gegeben wurde. Jelling brannte nur etwa 30 Jahre nach seiner Erbauung nieder. Damit endet die Bedeutung des Ortes Jelling, da der Hof nach Roskilde verlegt wurde, wo auch Harald und Sven begraben sind.
Spätere Zeit
Obwohl Jelling politisch an Bedeutung verlor, blieb es als Siedlung bestehen, für die vor 1100 die Holzkirche durch eine der ältesten dänischen Steinkirchen ersetzt wurde.
Nach der Erhebung zum Weltkulturerbe 1994 wurde westlich der Monumente ein Museum eröffnet, das seit 2015 als Geschichts- und Erlebniszentrum Kongernes Jelling eine Außenstelle des dänischen Nationalmuseums ist.Geschichts- und Erlebniszentrum Jelling (engl., dän.).
Zudem ist Jelling durch das Jelling-Musikfestival bekannt, das drittgrößte Festival in Dänemark, das seit 1989 jährlich stattfindet.jellingmusikfestival.dk.
Forschungsgeschichte Die Chronisten des 12. Jahrhunderts schrieben die beiden Grabhügel in Jelling Gorm (Südhügel) und seiner Frau (Nordhügel) zu. Die Hügel wurden demnach über Jahrhunderte als Gorms høj und Thyra høj bezeichnet. Historisches Interesse an den Geschichtszeugnissen zeigte sich erstmals im Zeitalter des Humanismus: Heinrich Rantzau, der gebildete Statthalter von Schleswig und Holstein, ließ 1591 eine Schrift von P. Lindemann mit ersten Darstellungen der Grabhügel und der Runensteine veröffentlichen, und der Reichsarchivar Ole Worm beschrieb Steine und Hügel 1643 in seiner Monumenta Danica.Ole Worms Zeichnung der Bildseiten des Runensteins. König Friedrich IV. veranlasste 1720 Ausgrabungen am Nordhügel, die allerdings ohne Ergebnis blieben. mini|Kirche und Runensteine zwischen den Hügeln auf einer Darstellung von Ole Worm (1643)
Ausgrabungen an den Grabhügeln