Salamander ist eine deutsche Schuhmarke mit einer wechselvollen Geschichte seit 1899.

Geschichte Gründung der Salamander-Schuhverkaufsgesellschaft Der Name Salamander und das Logo mit dem Feuersalamander sind eine Marke, die sich der in Buchau geborene Berliner Lederhändler Rudolf Moos, ein Verwandter Albert Einsteins, am 5. Dezember 1899 beim Kaiserlichen Patentamt als Warenzeichen eintragen ließ.Rudolf Moos. auf judeninbuchau.de Inspiriert durch die Abbildung einer Brosche in einer englischen Zeitung bildete das Symbol einer Eidechse die Anregung für das Markenzeichen der ersten Produkte einer von ihm gefertigten Schuhcreme. Wegen der geplanten internationalen Geschäfte benutzte Moos von Beginn an die Bezeichnung „Salamander“, da dieses Wort keiner Übersetzung bedurfte. Diese Schuhcreme wurde anfangs in den Kellerräumen seines Ladengeschäftes in der Berliner Friedrichstraße 221 hergestellt. Das Schuhgeschäft ließ er 1903 neu ausgestalten, dabei auch die Fassade und das Logo fachmännisch gestalten. Damit öffnete das erste Salamander-Geschäft am 20. Dezember 1903 an der genannten Adresse in Berlin mit dem Verkauf von Schuhen. Rudolf Moos, Erinnerungen, persönliche Aufzeichnungen durch Rudolf Moos begonnen am 17. April 1934 in Berlin, S. 527ff. Weil das Bildsymbol nicht eindeutig war, ließ er am 8. Mai 1904 einen Feuersalamander als neu verändertes Logo als Warenzeichen für Schuhe beim Kaiserlichen Patentamt eintragen.Warum heißt es so? - von Hartmut BlessingAls unsere Schuhe laufen lernten auf der Homepage der Schuhhaus Klauser GmbH & Co. KGDie Marke „Salamander“ tritt in Deutschland in Form zweier Unternehmen auf. salamander.de, abgerufen am 5. Februar 2017. mini|Briefkopf der Schuhfabriken J. Sigle & Cie., um 1917 mini|Salamander-Gebäude Kornwestheim Im Zuge seiner geplanten Verkaufsstrategie schrieb Rudolf Moos 1903, inzwischen Schuhhändler in Berlin mit drei Ladengeschäften, einen Wettbewerb aus. Er suchte einen Hersteller, der für 12,50 statt der üblichen 20,00 Mark Herrenschuhe produzieren konnte. Die Kornwestheimer J. Sigle und Cie.,Petra Bräutigam: Mittelständische Unternehmer im Nationalsozialismus. Oldenbourg Verlag, 1997, ISBN 978-3-486-56256-9, S. 52 (). ursprünglich 1891 vom Kornwestheimer Schuhmachermeister Jakob Sigle und dem Stuttgarter Lederreisenden Max Levi gegründetSalamander im Brandslex Markenlexikon und 1898 durch weitere Akteure wie Ernst Sigle (1872–1960) und Isidor Rothschild (1860–1929) In: wabw.uni-hohenheim.de, abgerufen am 2. September 2016. erweitert, erhielt den Zuschlag, und Moos präsentierte im Dezember 1903 seine Herrenschuhe im ersten „Salamander-Schuhgeschäft“ in Berlin Friedrichstraße 221. Die von der Schuhfabrik angebotenen Damenschuhe nahm er anfangs nicht in das Sortiment auf, da sie, seiner Meinung nach, nicht dem Modegeschmack seiner Kunden entsprachen. Erst nach einem Besuch von Rudolf Moos Anfang 1904 am Produktionsstandort in Kornwestheim wurde vereinbart, schmalere Damenschuhe, speziell für die Berliner Kundschaft ins Programm aufzunehmen.

Die Salamander-Schuh GmbH wurde im März 1905 durch Rudolf Moos und Max Levi in Berlin als reine Verkaufsorganisation gegründet. Beide Vertragspartner erhielten einen Anteil von 50 % der Einnahmen des Unternehmens und Moos war alleiniger Geschäftsführer. Moos hatte einen Salamander-Laden und die eingetragene Marke „Salamander“ in die Gesellschaft eingebracht. Jedoch musste er sich verpflichten, ausschließlich Produkte aus der Fertigung der Schuhfabrik der Gebrüder Sigle zu verkaufen. Nun war es ihm möglich, die Anzahl der „Salamander-Verkaufsgeschäfte“ weiter zu erhöhen. Anfangs waren es fünf Filialen in deutschen Großstädten. Aber bereits im Sommer 1905 verfolgte Max Levi den Plan, dass zumindest zwei Geschäftsführer die Geschicke der Gesellschaft bestimmen sollten. Da sich mit Rudolf Moos aber darüber keine Einigung erzielen ließ, wurde im Juli 1906 eine zweite Salamander GmbH von Levi in Stuttgart angemeldet. Als Geschäftsführer wurde hier Sem Levi (1870–1931), sein Bruder eingesetzt. Bereits im Dezember 1905 wurde in Berlin das zweite Salamander-Geschäft eröffnet und dazu im Vorfeld intensive Werbung mit dem „Salamander-Logo“ betrieben. Ab 1907 wurde der Architekt August Endell (1871–1925) zur Ausgestaltung der Salamander-Läden, der Werbung und zur grafischen Neugestaltung des Salamander-Logos herangezogen. Bereits 1908 waren sieben Salamander-Filialen installiert und Moos konnte seinen Traum von internationalen Geschäften verwirklichen: Die ersten Filialen wurden im Ausland eröffnet. Im selben Jahr wurden auch Lizenzen für Schuhhändler in kleineren Städten unter 80.000 Einwohnern vergeben. Diesen Händlern wurden Alleinverkaufsrechte eingeräumt.

Trennung der Unternehmensgründer Bis 1909 hatten sich die Umsatzzahlen außerordentlich positiv entwickelt, in allen Salamander-Läden prangte das Logo mit dem Markentier Salamander und es wurde intensive Anzeigen- und Plakatwerbung betrieben.Bayern 2: Kalenderblatt vom 5. Dezember 2006: .Momente – Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg, Ausgabe 2/2005: . Die ersten 26 Salamander-Filialen waren als Einzelhandelsgeschäfte gut über Deutschland verteilt.Salamander lernt laufen. In: salamander.de, abgerufen am 2. September 2016. Mit 2880 Mitarbeitern wurden über zwei Millionen Paar Schuhe produziert. Im gleichen Jahr kam es zu Unstimmigkeiten zwischen den Gesellschaftern. Max Levi plante, die Geschäfte zukünftig in einer Aktiengesellschaft abzuwickeln. Der AG sollten die Schuhfabriken in Kornwestheim, die Lederfabrik Sihler in Zuffenhausen, die Salamander-Muttergesellschaft in Berlin und die Tochtergesellschaft in Stuttgart angehören. Da es zu keiner Einigung kam, verkaufte Rudolf Moos seine Anteile und die Markenrechte, obwohl die ursprünglich vereinbarten zehn Jahre Laufzeit noch nicht zu Ende waren. Gesellschafter der am 8. September 1909 gebildeten neuen Salamander-Firma waren Jacob Sigle, Isidor Rothschild und Max Levi.Rudolf Moos, Erinnerungen, hand- und maschinenschriftliche Aufzeichnungen angefertigt ab 17. April 1934, S. 620ff. Neben den eigenen Geschäften entwickelte sich bis 1913 ein Netz von 832 Lizenzverkäufern im Inland und 26 im Ausland. 3500 Mitarbeiter stellten auf einer Fläche von 30.000 m² an 2000 Maschinen jährlich 2,1 Millionen Paar Schuhe her.

Gründung der Aktiengesellschaft mini|hochkant|Plakat „Salamander Schuhe / Neue Modelle“; Entwurf: Kurt Libesny, Druck: F. Adametz, Wien, um 1928 mini|Altes Salamander-Logo an einem Schuhgeschäft 1916 erfolgte die Umwandlung der oHG in eine AG und das Filialnetz wurde auf 50 Filialen erweitert. In der Zwischenkriegszeit entstanden am Hauptsitz in Kornwestheim umfangreiche Produktionsanlagen, dem heutigen Salamander-Areal. 1930 schlossen sich J. Sigle & Cie. Mechanische Schuhfabriken AG und A. Lehne GmbH zusammen, die gemeinsam 16 Millionen Reichsmark Aktienkapital besaßen. Irmgard Sedler, Burkhardt Martin, Im Zeichen des Salamanders. Firmengeschichte in Selbstzeugnissen, Kohlhammer Verlag Stuttgart, 2014, S. 26 Die Aktiengesellschaft schaffte es als Großkonzern, ein Vollsortiment an Schuhen zu produzieren. Als nach der Weltwirtschaftskrise die Damen nach mehr modischen, billigeren Schuhen verlangten, folgte das Unternehmen auch dieser Änderung des Marktes. Emigration und Tod der Gründer Max Levi starb 1925, Jakob Sigle 1935 im Alter von 73 Jahren. Rudolf Moos lebte bis 1939 in Berlin. Als Verfolgter des NS-Regimes emigrierte er nach England und starb am 9. Oktober 1951 in Birmingham.

Weltwirtschaftskrise und Salamander im Nationalsozialismus mini|Gedenktafel zur Zwangsarbeit bei Salamander, Berlin-Kreuzberg Im Gegensatz zu anderen Schuhherstellern konnte Salamander während der Weltwirtschaftskrise von 1927 bis 1933 sogar die Anzahl der Beschäftigten um 1100 erhöhen. 1934 wurde die Zahl jedoch um knapp 500 fast halbiert. Dies war allerdings nicht durch einen Produktionsrückgang begründet, sondern diente dazu, den Konzern nach Rationalisierungsmaßnahmen durch steigende Produktivität wettbewerbsfähig zu halten. Gleichzeitig verschob sich der Frauenanteil an der Belegschaft und erreichte 1932 die 50-Prozent-Marke; auch der Anteil von Facharbeitern ging zugunsten von ungelernten, billigen Arbeitern stark zurück.Petra Bräutigam: Mittelständische Unternehmer im Nationalsozialismus. 1997, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, ISBN 3-486-56256-8. Ab 1933 verkauften die jüdischen Familien Levi und Rothschild im Zuge der Arisierung des Unternehmens ihre Aktien an die Familie Sigle. Salamander gehörte während der Zeit des Nationalsozialismus zu den deutschen Schuhunternehmen, die ihre Schuhe von KZ-Häftlingen im Konzentrationslager Sachsenhausen testen ließen. Dabei mussten die Häftlinge im sogenannten Schuhläufer-Kommando auf einer mit unterschiedlichen Belägen ausgestatteten 700 Meter langen Teststrecke mehrmals bis zu 40 Kilometer zurücklegen. Die Dauerläufe waren de facto Todesmärsche, da die Läufer erschossen wurden, wenn sie durch Ermüdung zusammenbrachen.

Vera Friedländer: „Mag sich in unserer Zeit, Jahrzehnte danach, Salamander-Schuhe kaufen, wer will. Ich jedenfalls, das ist sicher, werde keine Schuhe mit diesem Namen tragen. Ich muss, wenn ich diesen Namen höre, an die Schuhe ohne Besitzer denken. Es stimmt nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt.“Zitat aus dem Kapitel: Salamander. In: Späte Notizen. Verlag Neues Leben, Berlin 1982 – erschienen 1998 im Agimos-Verlag Kiel und 2008 im Trafo-Verlag Berlin unter dem Titel Man kann nicht eine halbe Jüdin sein. Vera Friedländer arbeitete als Zwangsarbeiterin im Reparaturbetrieb der Salamander AG „zusammen mit 50 bis 60 Leuten“, polnischen Schuhmachern, Franzosen, Serbinnen und jüdischen Frauen, bis am 18. März 1945 eine Bombe das Gebäude teilweise zerstörte. Das Berliner Adressbuch aus dem Jahr 1937 weist die Salamander AG als Betreiberin eines Reparaturbetriebs in der Köpenicker Straße 6 a nach. In Vera Friedländers Arbeitsbuch ist die Adresse auf dem Salamander-Stempel deutlich zu erkennen. In dem Reparaturbetrieb wurden auch Schuhe von ermordeten Häftlingen aus den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald für die Weitergabe an die Berliner Bevölkerung instand gesetzt.

Während des Zweiten Weltkriegs verlor Salamander zwischen 1939 und 1945 26 % seiner Werksanlagen und die Hälfte seiner Verkaufsstellen.Salamander erobert die Welt. In: salamander.de, abgerufen am 2. September 2016.

Lurchi-Hefte Zur Beschäftigung der Kinder der erwachsenen Kundschaft während des Einkaufs wurde die Comicfigur Lurchi entwickelt. Ab 1937 erschienen bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 zunächst fünf Folgen der bunten Heftchen, in denen Lurchi gemeinsam mit fünf tierischen Freunden weltweit Abenteuer zu bestehen hatte. Diese konnten gemeistert werden, weil Lurchi und seine Freunde ihre Salamander-Schuhe, die sie ständig trugen, erfolgreich einsetzten.

Von 1951 bis 1972 war der Grafiker und Illustrator Heinz Schubel Zeichner von 52 Folgen der Hefte, ab 1964 auch Texter der gereimten Geschichten, deren Trochäen bis dahin Erwin Kühlewein ohne Salär gereimt hatte, bis 1964 Salamander-Prokurist und -Werbechef. Die Auflagezahl der Lurchi-Heftchen betrug bis zu drei Millionen Stück.

Seit 2022 gestaltet Jan Reiser die Hefte.

Nachkriegszeit mini|Schuhherstellung bei Salamander um 1954 Ab 1949 produzierte der Konzern auch Kinderschuhe und bald stellten 9900 Mitarbeiter 7,9 Millionen Paar Schuhe her. Es wurden neben dem Stammwerk in Kornwestheim weitere Fabriken in Türkheim, Pirmasens, Vinningen und Trulben gegründet. 1952 wurde die Lurchi-Heft-Reihe neu aufgelegt, nachdem die Konjunktur wieder in Schwung geraten war.Szene-Watcher: Der lange Heimweg des Salamanders Lurchi (PDF; 342 kB)