Die elektrische Tagebaulokomotive Henschel/SSW EL 2 wurde bei Henschel und SSW in der Zeit von 1939 bis 1958 in 23 bekannten Exemplaren gefertigt, davon vor dem Zweiten Weltkrieg in zwölf Exemplaren.

Die Lokomotiven waren während der Produktionszeit nicht als Kriegselektrolokomotiven (KEL) eingestuft und konnten somit während des Krieges nicht gebaut werden. Die restlichen 11 Lokomotiven wurden erst ab 1950 bis 1958 komplettiert. Von diesen Nachbaulokomotiven sind zwei Fahrzeuge erhalten geblieben; eine bei den Köln-Bonner Eisenbahnfreunden und eine bei der Eisenbahnabteilung der RWE Power AG.

Geschichte Vorgeschichte mini|links|Henschel Tagebaulokomotive vom Typ Riebeck aus dem Jahr 1935 Die erste Lokomotiven des normalspurigen Typs von Tagebaulokomotiven wurde im Jahr 1935 an die A. Riebeck’sche Montanwerke geliefert und war nach der Tradition vom Hersteller Henschel als Typ Riebeck bezeichnet worden.Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Seite 100 Im Katalog hieß die Lokomotive Bo'Bo'-Abraumlokomotive für Normalspur mit 80–100t Dienstgewicht und unterschied sich je nach Bestellung in Achslast und Dienstmasse sowie in der Stundenleistung. 1937 wurden Lokomotiven für die Kohlebahnen im Tagebau Deuben im Zeitz–Meuselwitzer Raum mit 90 t Dienstmasse und der Bezeichnung Henschel/SSW Typ Göthewitz geliefert.Roland Schumann: Kohlebahnen im Zeitz-Meuselwitzer Raum, Verlag Barteld, 2009, ISBN 978-3-935961-13-4, Seite 42 Zwei Jahre später wurden für den Tagebau Espenhain nochmals stärkere Lokomotiven mit 100 t Gesamtmasse geliefert, mit denen das damals machbare Maximum erreicht wurde. Diese Lokomotiven hatten bei Versuchen mit 1650 V Gleichspannung eine Leistung von 1540 kW erreicht.Roland Schumann: Kohlebahnen im Zeitz-Meuselwitzer Raum, Verlag Barteld, 2009, ISBN 978-3-935961-13-4, Seite 122 Anfang 1939 wurden die ersten Lokomotiven gefertigt, die Lieferung aller zwölf Lokomotiven zog sich bis Anfang 1940 hin. Sie hatten in Espenhain schwierige Verhältnisse mit der Grubenbahnausfahrt, die eine Steigung mit fast 40 ‰ hatte. Diese Lokomotiven, in der Fachpresse auch Typ Espenhain bezeichnet,Reinhard Schulz, Rolf Löttgers, Elloks in Tagebauen, in Eisenbahn-Magazin 10/94, GeraMond Verlag, München waren die Grundlage für die Standardisierung der Tagebaulokomotiven zur Baureihe EL 2.Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010, Seite 122 Die nach dem Zweiten Weltkrieg gebauten Lokomotiven sind mit den Leistungsparametern identisch mit den Lokomotiven für Espenhain, äußerlich unterscheiden sie sich durch die kantigere Bauweise.

Nachkriegsgeschichte mini|right|Henschel/SSW 100 t für den Tagebau Espenhain auf einer Werksfotografie (1939) Tagebau Espenhain

Die Lokomotiven überstanden alle den Krieg, obwohl die Anlagen in Espenhain von den Bombardierungen der Alliierten nicht verschont wurden. Da die Werksanlagen nach 1946 eine Sowjetische Aktiengesellschaft wurden, blieben die Lokomotiven von Reparationen verschont und konnten bald wieder dem Fahrdienst übergeben werden.Frank Barteld, Kohlebahnen im Bornaer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2011, ISBN 978-3-935961-14-1, Seite 121 Die Lokomotiven wurden in den 1950er Jahren mit seitlichen Ballastplatten versehen, mit denen die Dienstmasse auf 110 t gesteigert wurde, um eine höhere Fahrleistung zu erzielen. Auf der Steilstrecke waren sie für eine Last von sieben Abraumwagen und sechs Kohlewagen ausgelegt. Eine Vergrößerung der Wagenzahl erforderte häufigere Reparaturen.Frank Barteld, Kohlebahnen im Bornaer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2011, ISBN 978-3-935961-14-1, Seite 127 Mit der Lieferung neuerer LEW EL 2 und der Bildung von 10-Wagen-Zügen mit Doppeltraktion wurden die Lokomotiven wie die 150t-Loks Mitte der 1970er Jahre aus dem Fahrdienst zurückgezogen.Frank Barteld, Kohlebahnen im Bornaer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2011, ISBN 978-3-935961-14-1, Seite 142 Ausmusterungsdaten der Lokomotiven sind nicht bekannt, es ist keine Lokomotive erhalten geblieben.

Niederrheinische Braunkohlenwerke

Die Baureihe wurde nicht in das Programm der Kriegselektrolokomotiven (KEL) eingestuft und konnte so während des Zweiten Weltkrieges nicht gefertigt werden. Von fünf gebauten Lokomotiven für die Grube Golpa mit den Fabriknummern 24398–24401 (1939) und die Dortmund-Hörder Hüttenunion mit den Fabriknummern 24830–24831 (1941) sind außer den Fabriknummern keine Daten bekannt, so dass sie in den Aufzeichnungen der EL 2 keine Berücksichtigung finden.Auflistung der von Henschel gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) Nach dem Krieg und Wiederaufbau der Henschel-Werke wurden mit den Fabriknummern 25223 und 25224, 28587 und 28588 vier Lokomotiven an die Niederrheinischen Braunkohlenwerke Frimmersdorf geliefert. Sie waren ebenso wie die in der Literatur auch als El2 bezeichnete AEG Bo Bo 100t für die unmittelbar nach dem Krieg noch als Bahn für Gleichspannung vorgesehene Nord-Süd-Bahn als Zuglokomotiven in Doppeltraktion gedacht.Hans-Dieter Stolle: Legende einer Tagebau-Lokomotive Normalspur vom Typ Henschel EL2, Weilerswist : Handpresse, 1999 Nachdem sich das Projekt bei der Nord-Süd-Bahn zerschlagen hatte, wurden sie bei den Verarbeitungsbetrieben der Roddergrube, speziell im Bereich des Zentraltagebaues Frechen mit derselben Nummern verwendet.

1951 bis 1958 erhielten die Rheinischen Braunkohlewerke für den Kohleveredlungsbetrieb Frechen sechs Lokomotiven mit den Fabriknummern 29753–29755 und 29951–29953 (SSW 5140–5145). Zu den Lokomotiven gehörte neben dem Kohlefahrbetrieb auf den Förderbahnen auch der Betrieb auf der Villebahn nach deren Elektrifizierung. Die Lokomotiven waren alle mit einer Zug- und Stoßeinrichtung der Regelbauart ausgerüstet, für den Kohlefahrbetrieb mit Förderwagen hatten sie zusätzlich noch eine mittlere Kuppelstange, die zusammen am Rahmen befestigt waren. 1958 machte es sich erforderlich, noch eine 11. Lokomotive zu bestellen, sie erhielt die Henschel-Fabriknummer 26201 und die SSW-Fabriknummer 6001.

Rheinbraun

Alle Lokomotiven wurden 1960 von Rheinbraun übernommen und bekamen die Bezeichnungen 682–688 (Fahrbetrieb Frechen) und 689–692 (Fahrbetrieb Frimmersdorf). Schon 1961 gab es mit der Lokomotive 691 auf der Villebahn einen schweren Unfall, als bei einem beladenen talwärts fahrenden Zug die Bremsen versagten und zwölf beladene Kohlewagen entgleisten und die Böschung herabstürzten. Die beteiligte Lokomotive 691 kam mit einigen Wagen unversehrt in Kendenich an.Helmut Neßeler, Manfred Coenen: Die Villebahn, 2009, Documenta Berchemensis historica, www.dbhverlag.de, ISBN 978-3-00-028578-3, Seite 101 Die Lokomotiven waren für die Beladung der Kohlezüge unter dem Bagger mit einer zusätzlichen Verholsteuerung ausgerüstet. Diese war erkenntlich an zwei zusätzlichen seitlichen Stromabnehmern und diente zur Steuerung des Kohlezuges von außen.

Für die zusätzliche Belieferung des Kraftwerk Goldenberg mussten die Lokomotiven mit ihren Kohlezügen auch Strecken der Nord-Süd-Bahn befahren. Das wurde für die Gleichstromlokomotiven so gelöst, dass sie einen Loktender aus ausgemusterten EL 1 erhielten, der den Strom der nun mit 6,6 kV 50 Hz betriebenen Strecke auf die 1200 V Gleichspannung der EL 2 umformte. Als Stammloks für den Lok-Tenderbetrieb wurden die Loks 683 und 684 gewählt, sie erhielten die Tender 694 und 695.

Die EL 2 bei Rheinbraun waren teilweise bis 2003 betriebsfähig. Die Lokomotive 686 Henschel 29952, SSW 5144 wurde vor dem Betriebsgebäude der Eisenbahnabteilung der Gesellschaft in Bergheim mit weiteren Lokomotiven der Gesellschaft aufgestellt.

Köln-Bonner Eisenbahngesellschaft

Die nicht mehr von Rheinbraun benötigten Lokomotiven 691 und 692 wurden teilweise an die KBE vermietet und 1985 auch beide Lokomotiven (die Henschel 28587 und 28588 sowie SSW 5131, 5132) von der Gesellschaft übernommen sowie als E2–E3 bezeichnet. Diese Lokomotiven waren bis 1988 in Betrieb und wurden dann ausgemustert. Die Lokomotive 28587, auch als KBE E2 bezeichnet, gehört heute zur Fahrzeugsammlung der Köln-Bonner-Eisenbahnfreunde.Internetseite der Köln-Bonner Eisenbahnfreunde mit Erwähnung der erhaltenen Lokomotive EL 2

Technik Mechanik

Der mechanische Teil wurde von Henschel und der elektrische Teil von SSW gebaut. Die Lokomotiven wurden in Nietkonstruktion erstellt. Die Vorkriegslokomotiven waren entgegen denen vom Rheinischem Braunkohlerevier noch mit einem abgerundeten Lokkasten gefertigt worden. Später wurde die Stromabnehmerhalterung filigraner konstruiert, um Gewicht für die leistungsfähigeren Fahrmotoren zu sparen und die Achslast von 25 t nicht zu überschreiten.

Die Lokomotiven für den Tagebau Espenhain wurden für 1500 V, die anderen Lokomotiven nach dem Krieg für 1200 V ausgelegt. Sie erhielten eine Widerstandssteuerung. Gesteuert wurde sie über den in der Führerstandsmitte angeordneten Fahrschalter, der mit dem großen waagerechten Bedienrad bedient wurde. Mit ihm konnten Fahr- und Bremsbefehle für die elektrische Bremse gegeben werden. Im Führerstand befand sich die Bedieneinrichtung für die Druckluftbremse. Über ein Gestänge waren die Bremshebel der beiden Führerstandsseiten miteinander verbunden. Das ermöglichte raschen Seitenwechsel des Lokführers während der Fahrt.Frank Barteld: Kohlebahnen im Bornaer Revier, Verlag Barteld, Berga/Elster 2011, ISBN 978-3-935961-14-1, S. 104

Siehe auch

Liste der von den KBE eingesetzten Lokomotiven Schienenfahrzeuge von Rheinbraun

Literatur

Frank Barteld, Kohlebahnen im Bornaer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2011, ISBN 978-3-935961-14-1 Hans-Dieter Stolle: Legende einer Tagebau-Lokomotive Normalspur vom Typ Henschel EL2, Weilerswist : Handpresse, 1999 Helmut Neßeler, Manfred Coenen: Die Villebahn, 2009, Documenta Berchemensis historica, www.dbhverlag.de, ISBN 978-3-00-028578-3

Weblinks

eisenbahnstiftung.de: Foto der Lokomotive ASW Espenhain 10 vor 1945 Internetseite von der erhaltenen Lokomotive Henschel 28587 bei den Köln-Bonner Eisenbahnfreunden Liste der Lokomotiven der Köln-Bonner Eisenbahn mit Erwähnung der erhaltenen Henschel/SSW EL2 Liste der erhaltenen Lokomotiven von Henschel mit Erwähnung der EL 2 der KBE und der Rheinischen Braunkohle Innenansicht der Lokomotiven von 1950 auf wisoveg.de Internetseite von der Lokausstellung der RheinBraun mit Erwähnung der erhaltenen Lok Henschel 29952

Einzelnachweise

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