Ivenack ist eine mecklenburgische Gemeinde im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Land Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird vom Amt Stavenhagen verwaltet, das seinen Sitz in der Reuterstadt Stavenhagen hat.
Fritz Reuter nannte den Ort eine
Geografie und Verkehr Ivenack liegt etwa vier Kilometer östlich von Stavenhagen und 20 km westlich von Altentreptow entfernt. Die B 194 verläuft westlich der Gemeinde. Durch das Gebiet der Gemeinde führt die Bahnlinie Neubrandenburg-Güstrow. Der Ort liegt direkt am Ivenacker See. Im Ivenacker See entspringt der Augraben. Große Teile der Gemeinde sind bewaldet.
Ortsteile Goddin (Eingemeindung nach Grischow am 1. Juli 1950) Grischow (Eingemeindung am 1. Juni 1999)StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands Ivenack Markow (Eingemeindung am 1. Januar 1962) Weitendorf (Eingemeindung nach Grischow am 1. Juli 1950) Zolkendorf (Eingemeindung am 1. Januar 1951)
Die Ortsteile Markow und Zolkendorf sind typisch mecklenburgische Gutsdörfer mit nicht mehr erhaltenen symmetrisch angelegten Gutshöfen und der Katenzeile entlang der Dorfstraße. Das Gutshaus in Zolkendorf steht leer. Die ursprüngliche Anlage von Grischow und Goddin als ehemalige Gutsdörfer ist noch heute zu erkennen. In Grischow befindet sich das Gutshaus im Ausbau und wird bewohnt, in Goddin steht es leer. Das frühere Gutsdorf Weitendorf hat sich zu einem Straßenangerdorf mit unterschiedlichsten Baustilen entwickelt. Das frühere Gutshaus mit einigen Wirtschaftsgebäuden ist erhalten geblieben.
Die Gutshöfe Goddin, Grischow, Weitendorf und Zolkendorf gehörten zu den insgesamt neun Nebengütern des ritterschaftlichen Hauptguts Ivenack. Das gesamte Gut hatte eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 6964 Hektar und war damit der mit Abstand größte landwirtschaftliche Betrieb in den Mecklenburgischen Großherzogtümern.Traugott Mueller: , Rostock 1888, S. 102.
Das Gut war ein fideikommissarisches Allod und bestand aus Äckern, Gärten, Wiesen, Weiden und Wald. Es gab zwölf bäuerliche Besitzhöfe in Erbpacht sowie eine Wassermühle, eine Ziegelei und eine Dampfmolkerei auf dem Gut.Traugott Mueller: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche – Die Grossherzogthümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Rostock 1888, S. 103. Reprint Fachbuchverlag Dresden 2021, ISBN 978-3-96169-223-1. Das Gut unterlag zum Zweck der Besteuerung einem eigens für das Gut eingerichteten ritterschaftlichen Amt Ivenack.
Geschichte mini|Hengst Bras de fer (Jahrgang 1837), Galopprennpferd von Alfred von Rauch, Leutnant im Regiment der Gardes du Corps, mit Brandzeichen des Gräflich Plessenschen Gestüts Ivenack; unsignierte Skizze wohl von Theodor Schloepke, um 1842
Erstmals erwähnt wurde der Ort, als ein Ritter Reinbern von Stove 1252 ein Zisterzienserinnenkloster zu Ivenack stiftete. Die heutigen Ortsteile Zolkendorf und Grischow wurden 1256 in einer Schenkungsurkunde des Pommernherzogs Wartislaw III. an das Kloster Ivenack erwähnt. Goddin wurde 1283 und Weitendorf 1302 als Besitz des Klosters erwähnt. Nach der Säkularisation des Klosters im Zuge der Reformation um 1555 fiel es unter landesherrliche Verwaltung als herzoglich mecklenburgisches Amt Ivenack. Christoph von Neuenkirchen erbte nach dem Tod seines Bruders, dem Hofmarschall Hans von Neuenkirchen, das als Pfand erworbene mecklenburgische Amt Ivenack.
Im Dreißigjährigen Krieg wurden das Dorf Ivenack, die ehemaligen Klosterbauten und ein inzwischen dort errichteter erster Herrensitz zerstört. 1649 wurden nur noch der Müller, der Schmied und acht weitere Personen in Ivenack gezählt. Alle Dörfer der jetzigen Gemeinde wurden vom Dreißigjährigen Krieg schwer getroffen und lagen teilweise wüst.
Im Jahre 1709 kam das Amt Ivenack mit dem bis dahin verpachteten Gut in Ivenack durch einen Gütertausch als ritterliches Gut an den Geheimen Rat Ernst Christoph von Koppelow. Dieser erhielt außerdem eine Entschädigung in Höhe von 5000 Talern, da sich damals in Ivenack kein Herrenhaus mehr befand. Auf von Koppelow geht der Wiederaufbau des Ivenacker Schlosses und der Dorfkirche zurück. Über Koppelows Witwe kam das Gut an Helmuth Reichsgraf von Plessen und durch dessen Tod 1761 an die Freiherren von Maltzahn, deren Majoratsinhaber auf Ivenack mit landesherrlicher Zustimmung fortan Titel und Wappen eines Grafen von Plessen führte.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Joachim Trumpf in Ivenack die erste nachweisbare Sternwarte Mecklenburgs. Sie war weithin sichtbar durch das damals größte Himmelsfernrohr in ganz Europa. Ivenack wurde um 1800 durch das gräflich Plessensche Gestüt und besonders durch dessen legendären Zuchthengst Herodot überregional bekannt.
Im 19. Jahrhundert wurden Schloss und Kirche um einen weitläufigen Schlosspark mit Teehaus und Orangerie erweitert, der zugehörige Tierpark bezog auch die historischen Ivenacker Eichen mit ein. Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten zum Gutskomplex Ivenack, gebunden in einem Familienfideikommiss und zugleich selbst Allodialgut, weitere Güter wie Basepohl, Fahrenholz, Goddin, Grischow, Klockow, Krummensee, Wackerow, Weitendorf und Zolkendorf. Die Gesamtfläche betrug vor der Weltwirtschaftskrise 5600 Hektar.
Als Ivenack am Ende des Zweiten Weltkrieges Anfang Mai 1945 von der Roten Armee besetzt wurde, begingen 29 Ivenacker Suizid, darunter der letzte Gutsherr Albrecht Freiherr von Maltzahn, Graf von Plessen, (* 1891), seine Frau Magdalena, geb. Gräfin von Waldersee (* 1893 in Ivenack), und ihr Kindermädchen Emma Fuchs.Siehe Archivalie des Monats April 2020: Register des Grauens. Das Sterbezweitbuch des Standesamtes Ivenack 1945, abgerufen am 6. April 2020 Zum Erben bestimmt war laut dem Genealogischen Handbuch des Adels der zweite Sohn Manfred Freiherr von Maltzahn, Graf Plessen.
Politik Gemeindevertretung und Bürgermeister Der Gemeinderat besteht (inkl. Bürgermeister) aus neun Mitgliedern.Wahlergebnisse auf www.stavenhagen.de
Bürgermeister der Gemeinde ist Roy Lüth, er wurde mit 60,69 % der Stimmen gewählt.
Wappen
Flagge Die Gemeinde verfügt über keine amtlich genehmigte Flagge.
Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Gemeindewappen mit der Umschrift .
Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Ivenack mini|hochkant|Kirche
Das Schloss Ivenack ist ein dreiflügeliger Putzbau, der seine heutige Gestalt durch Neubau zu Beginn des 18. Jahrhunderts und Erweiterung von 1810 erhalten hat. Der Nordwestflügel enthält Reste eines Fachwerkgebäudes aus dem 16. Jahrhundert, vermutlich Teile des ersten, unter Herzog Johann VII. errichteten Herrenhauses. Nördlich des Schlosses liegt der durch Verbindungstrakte und Eckpavillons halbkreisförmig angelegte Marstall, östlich des Schlosses befindet sich der Schlosspark mit Schlosskirche, Orangerie und Teehaus. Die Kirche Ivenack geht auf die im 13. Jahrhundert erbaute Klosterkirche des Zisterzienserinnenklosters zurück. Die wie der erste Herrensitz im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Kirche wurde um 1700 wiederaufgebaut und erhielt 1867 und 1868 ihre heutige Gestalt. Die Kirche enthält neben dem Altar weitere historische Ausstattungen, darunter die mit allegorischen Gemälden verzierte Orgelempore, eine historische Kanzel und eine Patronatsloge sowie das schmuckvolle Epitaph für Ernst Christoph von Koppelow. Die Ivenacker Eichen befinden sich nordwestlich des Ortes in einem großen Tierpark. Die stärkste dieser Eichen soll laut Landesforst Mecklenburg-Vorpommern ein Alter von sicher 1000 Jahren haben und damit die älteste lebende Eiche in Deutschland sein. Sie hat einen Brusthöhenumfang von 11,70 m (2016). Im Tierpark wird seit seiner Entstehung um 1710 – außer von 1929 bis 1972 – Damwild gehalten. Der Barock-Pavillon im Tierpark wurde 2003 saniert. Im Jahre 2017 wurde ein 620 Meter langer und zwischen 18 und 21 Meter hoher, barrierefreier Baumkronenpfad eröffnet, der sich als Besuchermagnet erweist. Im Ort sind weitere historische Bauten erhalten, neben Wohnhäusern insbesondere verschiedene Wirtschaftsgebäude, von denen eine einstige Scheune inzwischen zur Traditionshalle umgebaut ist und für Veranstaltungen genutzt wird.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Ortes Burkhard Heinrich Freudenfeld (1784–1850), Hochschullehrer und Autor, später Jesuit und Priester Karl von Maltzahn (1797–1868), Pferdezüchter, Mitbegründer der Rennbahn von Doberan Albrecht von Maltzahn (1821–1877), Rittergutsbesitzer und Erblandmarschall Adolf von Plessen (1835–1909), konservativer Reichstagsabgeordneter Berthold Schmidt (1856–1929), Archivar und Historiker Erich Demmin (1911–1997), Landschaftsmaler, Grafiker und Restaurator
Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben Joachim Trumpf (1687–1769), Küster, Organist, Astronom und Instrumentenbauer Helmuth Reichsgraf von Plessen (1699–1761), königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Kammerherr, Wirklicher Geheimer Rat, Staatsminister und Gesandter beim Dänischen Hof Georg von Waldersee (1860–1932), Generalleutnant, lebte zuletzt in Ivenack.
Literatur
René Wiese (Hrsg.): Vormärz und Revolution. Die Tagebücher des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin 1841–1854. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2014, insb. S. 225–227, ISBN 978-3-412-22271-0. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser A, Band I. Band 2 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1952. S. 295 ff.
Weblinks
Ivenack auf www.stavenhagen.de Ivenack im Album Mecklenburgischer Schlösser und Landgüter von Georg Christian Friedrich Lisch "Ivenacker Eichen" auf wald-mv.de, der Website des Landesforstes Mecklenburg-Vorpommern
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
Kategorie:Ersterwähnung 1252