mini|Fassade, fotografiert 2010, gesehen von der Salizzada San Lio mini|Giovanni Mansueti: Das Wunder der Kreuzesreliquie auf dem Campo San Lio, entstanden 1494, Leinwand, 318 mal 458 cm (zu sehen ist rechts die Fassade der älteren Kirche), Gallerie dell’AccademiaGünter Brucher: Geschichte der venezianischen Malerei, Bd. 2, Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2010, S. 315. mini|Grabmonument des Andrea Pisani (1662–1718) San Lio (ven.) selten San Leone (it.) ist eine seit mehr als einem Jahrtausend bestehende Kirche im venezianischen Sestiere Castello, die allerdings mehrfach umgebaut und 1783 radikal dem Zeitgeschmack angepasst wurde. Sie befindet sich östlich der Rialtobrücke.
Geschichte Die von der Familie Badoer, so heißt es, bereits im 9. Jahrhundert gegründete Kirche hieß zunächst Santa Caterina,Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 51. wurde jedoch 1054 umgebaut und dem Patrozinium Papst Leos IX. unterstellt, der vielfach als Heiliger verehrt wurde. Dieser hatte 1043 die Seite Venedigs, bzw. des Dogen Domenico I. Contarini, im Streit mit dem Patriarchen von Aquileia um die Zugehörigkeit der Bistümer in der Lagune, ergriffen. Dieser Papst hatte die Rechte des Patriarchen von Grado auf die Suffraganbistümer in Venetien und auf Istrien anerkannt, und sie damit Aquileia entzogen. Für den in der Überlieferung auftauchenden Besuch des Papstes in der Lagune gibt es keinerlei zeitgenössischen Beleg.Romedio Schmitz-Esser, Knut Görich, Jochen Johrendt: Publikum, Ort und Inszenierung: Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Venedig als Bühne, in: Dies. (Hrsg.): Venedig als Bühne. Organisation, Inszenierung und Wahrnehmung europäischer Herrscherbesuche, Regensburg 2017, S. 7–15, hier: S. 14.
Pietro und Tullio Lombardo bauten die Kirche im 15. Jahrhundert erneut um. Bemerkenswert ist die Kapelle aus der Frührenaissance und ein Bildnis des hl. Jakob von Tizian, das allerdings schlecht erhalten ist.Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig, Leipzig 2008, 2. Aufl. 2013, S. 100. 1520 erfolgte eine weitere Renovierung, geweiht wurde sie 1520. 1783 wurde das Kirchengebäude einschiffig umgebaut, der Glockenturm abgetragen.
Heute birgt die Kirche einen von Giuliano Giuliani gestalteten Steinblock als Altar, dann von Elisabetta De Luca eine enthüllte Madonna. Diese Art der Innenausstattung mit Elementen aktueller Kunst ist in Venedig ungewöhnlich. Der Glockenturm steht zwischen Häusern und ist von der Straße nicht sichtbar.
Literatur Amedeo Trucolo: Chiesa di San Lio, Venezia. Storia e arte, G. Deganello, Padua 1999. Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig, Leipzig 2008, 2. Aufl. 2013, S. 100 f. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 47 f. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 97 f. (n. 37: „S. Lio, Parrochie“). (Digitalisat)
Weblinks
Pietro Lombardo’s Gussoni Chapel at the Church of San Lio, Save Venice Tullio Lombardo’s Pietà with Saints at the Church of San Lio, Save Venice
Anmerkungen
Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Lio Venedig Venedig Venedig Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig