Mari Katayama (; * 1987 in Saitama, Japan) ist eine japanische Künstlerin. Sie ist eine Multimedia-Künstlerin, die für ihre Skulpturen und Fotografien bekannt ist. Ihre Arbeit konzentriert sich auf Themen wie Körperbild, Identität und ihre Erfahrung als Amputierte. Sie ist die bekannteste Künstlerin Japans, die eine körperliche Behinderung hat.

Leben und Werk Katayama wuchs in der Stadt Ōta in der Präfektur Gunma auf. Sie studierte an der Gunma Prefectural Women's University, wo sie 2010 den Bachelor of Arts erhielt. 2012 schloss sie ihr Masterstudium in der Abteilung für Intermediale Kunst an der Tōkyō Geijutsu Daigaku ab.

Als Schülerin wurde bei ihr eine Tibiale Hemimelie festgestellt, eine angeborene Unterentwicklung der Schienbeine sowie ihrer linken Hand. Mit neun Jahren musste sie sich entscheiden, ob sie ihr Leben im Rollstuhl verbringen oder sich die Beine amputieren lassen würde. Im Alter von 9 Jahren wurden bei ihr beide Beine amputiert. Sie verbrachte ein Jahr damit, das Laufen mit Prothesen zu lernen. Sie verbarg ihre körperliche Beeinträchtigung und in den darauffolgenden Jahren wurde sie zur Außenseiterin, da in Japan das Eugenikschutzgesetz noch 1996 Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen sterilisierte. Erst im Alter von sechzehn Jahren sah sie sich selbst als Künstlerin.

Seitdem hat sie zahlreiche Selbstporträts zusammen mit bestickten Objekten und verzierten Prothesen erstellt und dabei ihren eigenen Körper als lebende Skulptur verwendet. Noch während ihrer Schulzeit gewann sie 2005 den Förderpreis bei der Gunma Youth Biennale '05. Seitdem stellt sie regelmäßig ihre Werke aus, hauptsächlich Selbstporträts mit Beinprothesen, aber auch Näharbeiten, Collagen und Kunstobjekte. Sie arbeitet auch als Sängerin und Model.

Katayamas Arbeit umfasst Fotografie, Kunsthandwerk, Installation und Performance, aber am bekanntesten ist sie für ihre Selbstporträts, die sie vor aufwendig gestalteten Hintergründen fotografiert.

High Heel Project In Zusammenarbeit mit der italienischen Modemarke Sergio Rossi startete sie 2011 das High Heel Project, bei dem sie speziell für Prothesen angefertigte Stöckelschuhe trägt, um als Sängerin, Model oder Hauptrednerin auf der Bühne aufzutreten.

2023 wurde in der zweiten Ausgabe von Katayamas High Heel Project die Fertigstellung der vollständig maßgeschneiderten High Heels durch langfristige Zusammenarbeit mit vielen Einzelpersonen und Unternehmen erreicht.

You're Mine Die Installation You're Mine aus dem Jahr 2014 ist ein Beispiel für die Komplexität ihrer Arbeit. Sie ließ einen Gipsabdruck ihres Körpers anfertigen und überzog ihn dann mit einer handgenähten Patchwork-Lederhaut. Aus ihrem eigenen Haar fertigte sie eine Perücke für die Puppe an, und anstelle eines Gesichts diente ein Ankleidespiegel mit Lichtern, mit dem sich eine Schauspielerin verwandelt.

Bystander 2016 reiste sie mehrmals auf die Insel Naoshima, um die Serie Bystander zu erstellen, in der sie die Hände von Puppenspielern einer ausschließlich aus Frauen bestehenden Bunraku-Puppentheatergruppe fotografierte, um eine Sammlung von Fotografien und handgenähten Objekten zu entwickeln. Dies war das erste Mal, dass Katayama die Körper anderer Menschen in ihrer Arbeit in Erscheinung treten ließ.

Katayama ist verheiratet und hat eine Tochter.

Auszeichnungen und Ehrungen 2005: Encouragement Prize, 8. Gunma Biennale for Young Artists '05 2012: Grand Prize, Art Award Tokyo Marunouchi 2012 2015: Koichi Watari Prize, Mitsuhiro Yoshitomo Prize, Rina Miyake Prize, 3331 Art Fair 2015 2019: New Photographer Award, Higashikawa Award 2020: 45.Kimura Ihei Award

Einzelausstellungen (Auswahl) 2008: Mari Katayama solo exhibition, Slow Time, Gunma 2009: Mari Katayama solo exhibition, Gallery J, Gunma 2014: you're mine, Traumaris, Space, Tokio 2014: Mari Katayama solo exhibition, Kitchen Gallery, Paris 2015: 25 days in tatsumachi studio, Robson Coffee (Arts Maebashi), Gunma 2016: Self-portrait and object, Renaiss Hall, Okayama 2016: Artist in Rokku vol.3 Mari Katayama / bystander, Miyaura Gallery Rokku, Naoshima (in Verbindung mit der Setouchi Triennale 2016) 2016: Shadow Puppet - 3331 ART FAIR recommended artists, 3331 gallery, Tokio 2017: 19872017, Gallery Gateaux Festa Harada, Gunma 2017: On the Way Home, the Museum of Modern Art, Gunma 2019: Mari Katayama, Irving Stenn, Jr. Family Gallery, University of Michigan Museum of Art, Ann Arbor 2019: Broken Heart, White Rainbow, London 2020: home again, Shimadai Gallery - KYOTOGRAPHIE 2020, Kyoto 2021: leave-taking, Akio Nagasawa Gallery, Tokio 2023 Cavern, Gallery ETHER, Tokio 2023: Mari Katayama. Mine and Yours, Arsenal Wien

Gruppenausstellungen (Auswahl) 2013: Aichi Triennale 2013 , Nayabashi Venue, Aichi 2016: Roppongi Crossing 2016, Tokio 2017: Photography of Innocence and Experience: Emerging Japanese Artists Bd. 14, Tokyo Photographic Art Museum, Tokio 2019: 58. Biennale von Venedig, Venedig 2019: Broken Heart, White Rainbow, London 2024: Acts of Resistance: Photography, Feminisms and the Art of Protest, South London Gallery

Öffentliche Sammlungen Tate Modern, London Mori Art Museum, Tokio Tokyo Photographic Art Museum, Tokio Amana collection, Tokio ARTS Maebashi, Gunma Okawa Museum of art, Gunma Gateau Festa Harada, Gunma Fondation antoine de galbert, Paris

Literatur Simon Baker: Mari Katayama – Gift. United Vagabonds, 2019. ISBN 978-4908600043.

Weblinks persönliche Website (englisch) Youtube-Video: 'Art should be for everyone' – Mari Katayama | Tate ‘‘High Heel Project’’creativity beyond every limit Mari Katayama – Ausstellung White Rainbow (2018) (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Bildender Künstler (Japan) Kategorie:Teilnehmer einer Biennale di Venezia Kategorie:Japaner Kategorie:Geboren 1987 Kategorie:Frau