Pohl-Göns ist ein Stadtteil von Butzbach im hessischen Wetteraukreis. Das Dorf grenzt im Süden an die Kernstadt. Im Norden - um die Grundschule und Mehrzweckhalle - verwächst es mit dem Nachbarort Kirch-Göns zu einem zusammenhängenden Siedlungsgebiet. Der Butzbach Stadtteil Ebersgöns liegt ca. 3 km westlich. Größter Ort der Gönser Mark ist Lang-Göns. Er gehört zur Gemeinde Langgöns im Landkreis Gießen.
Ortsgeschichte Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Mark Göns in dem berühmten Kopiar Lorscher Codex des Klosters Lorsch am 19. Januar 777: „... in pago Logenehe in Gunniser marca mansum I et hubam unam ...“Karl Glöckner: Codex Laureshamensis = Arbeiten der historischen Kommission für den Volksstaat Hessen. Darmstadt 1929. Band 3: Kopialbuch; Die übrigen fränkischen und die schwäbischen Gaue, Güterlisten, späte Schenkungen und Zinslisten, Gesamtregister, Fotomechan. Nachdruck der Ausgabe von 1936, Darmstadt. Hessische Historische Kommission 1963. = CL III, Nr. 3071 = CL III 3693, S. 188 f. Insgesamt gibt es zehn Privatschenkungen im Gebiet der Gönser Mark zwischen 777 und 817 an das Kloster Lorsch, die aber nicht näher lokalisiert werden. „... In Logenehe in Gunnuser marca ...“ heißt es 779.CL III 3080 = CL III 3698 b Die Reihe der Übertragungen an das Kloster Lorsch endet 817: „... in pago Logenehe in uilla Gunniesen ...“ (Im Lahngau im Dorf Göns)CL III 3070 = CL III 3730 b. Hier wird erstmals die Siedlungsform uilla erwähnt. Folgende Namensform wird im Jahr 789 ebenfalls genannt: „... in pago Logenehe in uilla Gunnissere marca ....“CL III 3075 = CL III 3730 b. Bis ins 12. Jahrhundert sind die Göns-Orte nicht eindeutig zu unterscheiden, da die differenzierenden Beinamen fehlen.
Der Ortsname „Pohl-Göns“ wurde am 23. Mai 1250 als „Palgunsin“ erwähnt. Die historische Ersterwähnung von Pohl-Göns geschah aber 1232, als im Zusammenhang mit den Bemühungen um die Heiligsprechung mit der Heiligen Elisabeth der Ort als „Pasegunnes“ genannt wird.Albert Huyskens: Quellenstudien zur Geschichte der hl. Elisabeth. Landgräfin von Thüringen. Marburg 1908. Nr. 88, S. 227. 1274 heißt es: „... decimam Pailgunse ...“ (der Pohlgönser Zehnte).Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Band 1. Nr. 142, S. 100. „Pohl“ bedeutet in hessischer Mundart „Pfahl“ und bezieht sich auf den Limes, der zu Zeiten der Ortsgründung zumindest streckenweise noch in seiner ursprünglichen Form erkennbar gewesen sein muss.
Die Evangelische Kirche Pohl-Göns wurde im 15. Jahrhundert als spätgotische Saalkirche errichtet und um 1500 um einen Rechteckchor erweitert.
Neuzeit Pohl-Göns gehörte zu dem Teil des Amtes Hüttenberg, einem nassauisch-hessischen Kondominat, der bei der Teilung von 1703 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt fiel. Dort gehörte es dann zum Amt Hüttenberg. L. Ewald: Beiträge zur Landeskunde. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landes-Statistik (Hg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Jonghaus, Darmstadt 1862, S. 54.
1803 fasste die Landgrafschaft ihre nördlich des Mains gelegenen Gebiete im sogenannten Fürstentum Oberhessen (später: Provinz Oberhessen) zusammen, wo nun auch Pohl-Göns lag. 1806 wurde die Landgrafschaft von Napoleon zum Großherzogtum Hessen erhoben. Dieses führte 1821 eine Verwaltungsreform durch, in der das Amt Hüttenberg aufgelöst wurde. Übergeordnete Verwaltung war nun der Landratsbezirk Gießen, zuständiges Gericht das Landgericht Gießen.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Pohl-Göns:
Pohl-Göns gehörte zum Gebiet des Gemeinen Rechts, das hier ohne die Überlagerung von Partikularrecht galt. Dieses behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde. Arthur B. Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 100, Anm. 6 und S. 9, 11.
Die 1926 erbaute, profanierte Synagoge ist bis heute erhalten.
Zum 31. Dezember 1970 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Pohl-Göns im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Butzbach eingemeindet. Für Pohl-Göns wurde, wie für die übrigen Stadtteile von Butzbach, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Pohl-Göns angehört(e):
vor 1703: Heiliges Römisches Reich, Amt Hüttenberg (Kondominium der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Grafschaft Nassau-Weilburg) ab 1703: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Hüttenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Hüttenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Hüttenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1840: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis FriedbergIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1949: Deutsches Reich, Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg, Stadt Butzbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Stadt Butzbach
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Pohl-Göns 1338 Einwohner. Darunter waren 33 (2,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 243 Einwohner unter 18 Jahren, 549 zwischen 18 und 49, 309 zwischen 50 und 64 und 240 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 561 Haushalten. Davon waren 150 Singlehaushalte, 177 Paare ohne Kinder und 177 Paare mit Kindern, sowie 42 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 93 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 393 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1806: 367 Einwohner, 79 Häuser • 1829: 369 Einwohner, 79 Häuser • 1867: 511 Einwohner, 99 bewohnte Gebäude • 1875: 563 Einwohner, 108 bewohnte Gebäude
Religion Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 350 evangelische (= 94,85 %), 9 jüdische (= 2,44 %), 10 katholische (= 2,71 %) Einwohner • 1961: 925 evangelische (= 75,26 %), 284 katholische (= 23,11 %) Einwohner
Eine jüdische Gemeinde konnte sich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr entwickeln. Es erinnern noch der jüdische Friedhof, eine profanierte Synagoge und 11 Stolpersteine an die ehemals jüdische Bevölkerung von Pohl-Göns.
Politik Nach der Kommunalwahl am 15. März 2026 verteilen sich die 5 Sitze im Ortsbeirat Pohl-Göns auf 2 Sitze für die Wählergruppe einfach.nah.dran. sowie je 1 Sitz für CDU, SPD und Die Linke. Walter Strasheim-Weitz (Die Linke) verzichtete auf die Annahme seines Mandats. Für ihn rückte am 15. April 2026 Marco Linke nach.
Damit ergibt sich für den Ortsbeirat Pohl-Göns folgende Zusammensetzung:
Martin Jung einfach.nah.dran. Ortsvorsteher Anna-Lena Schilken einfach.nah.dran. stellv. Ortsvorsteherin Christiane Schimpf CDU Mitglied Klaus Christ SPD Mitglied Marco Linke Die Linke Mitglied Susanne Reisinger einfach.nah.dran. Schriftführerin (ohne Stimmrecht)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Das Dorf ist sowohl von altem Fachwerk, Bauernhöfen und modernen Häusern geprägt.
Vereine Freiwillige Feuerwehr & Spielleuteorchester Gesangverein "Liederkranz" 1879 Pohl-Göns e.V. Naturschutzgruppe Pohl-Göns e.V. Schützenverein Pohl-Göns 1955 e.V. Turnverein "Frisch auf" Pohl-Göns 1905 e.V. HSG Butzbach (Handball-Abteilung) Ex-Weg Pohl-Göns (Freizeitfußballer) Der Stamm „Botisphaden“ der Pfadfinderschaft „Grauer Reiter“ hat seinen Sitz in Pohl-Göns. Emmerschbeats
Infrastruktur Einkaufsmöglichkeiten (Bäckerei, Metzgerei) fehlen. Die nächstgelegenen Geschäfte befinden sich in Butzbach und Langgöns. Die öffentlichen Einrichtungen in Pohl-Göns sind das Bürgerhaus, Rathaus, Gemeindezentrum und die Kindertagesstätte „Sonnenschein“.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise (archivierte Zahlen)
Weblinks
Stadtteile. In: Webauftritt der Stadt Butzbach.
In: Webauftritt der Stadt Butzbach.
Kategorie:Ort im Wetteraukreis Kategorie:Geographie (Butzbach) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Wetteraukreis) Kategorie:Gemeindeauflösung 1970