mini|hochkant=1.4|Schweinfurter Stadtbefestigung um 1650.(Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz) mini|hochkant=1.2|Östliche Stadtmauer am Unteren Wall. Pulvertürme und der Zürch mit St. Salvator mini|hochkant=1.2|Westliche Stadtmauer 1918. Hirtenturm (Abbruch 1963) und Heilig-Geist-Kirche
Die erste Befestigung in Schweinfurt lag im Bereich der heutigen Johanniskirche und wurde 1258 erstmals urkundlich erwähnt. Eine zweite Befestigungsphase um die Reichsstadt Schweinfurt folgte im 14. Jahrhundert. Sie umfasste bereits wesentliche Teile der heutigen Altstadt (incl. Rathaus, Marktplatz und die alten Stadtviertel) und entspricht im Osten – dem Marienbachtal – bereits dem heute noch erhaltenen Verlauf. Nach dem Kauf der näheren Umgebung sowie weiteren 5 Dörfern (1437) wurde die Stadtmauer im 15. Jahrhundert im Norden und Westen nach außen verschoben und sowohl im Osten (Marienbachtal), als auch im Süden (am Main) dementsprechend verlängert. Sie wurde im Markgräflerkrieg (1552–1554) stark beschädigt und in langen Jahren wieder aufgebaut und ertüchtigt.Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Aktennummer: D-6-62-000-110 Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs wollten die Schweden die protestantische Reichsstadt zu einer uneinnehmbaren Festung ausbauen. Sie errichteten 12 Schanzen im Vorfeld der Stadtmauer. Dadurch verlor die mittelalterliche Stadtmauer ihre eigentliche Aufgabe und war nur noch eine zweite Verteidigungslinie hinter den großen Anlagen der Neuzeit.Frank Feuerhahn: Die archäologischen Untersuchungen am „Oberen Wall“ – ein Beitrag zur Entwicklung der Stadtbefestigung von Schweinfurt. In: Schweinfurter Mainleite, hrsg. vom Historischen Verein Schweinfurt. In:
Der Abbruch aller Stadttore im 19. Jahrhundert sowie weiterer Mauertürme wird in neuerer Zeit als Fehler angesehen. Seit den 1970er Jahren setzte ein Umdenken ein. Die Stadtbefestigung ist im Osten, entlang des Marienbachs, und im Westen, am Châteaudun-Park, noch relativ gut erhalten bzw. restauriert oder teilrekonstruiert. Im Bereich des Befestigungsrings wurden im Laufe der Zeit Parks angelegt sowie Villen und öffentliche Gebäude errichtet. Dieser Artikel befasst sich mit dem historischen Urzustand wie auch den nachfolgenden Entwicklungen des Ringareals um die Schweinfurter Altstadt.
Überblick Stadttore mini|hochkant=1.4|Matthäus Merian: Topographia Franconiae 1656.Reichsstadt Schweinfurt. Mittelalterliche Stadtmauer und vorgelagerte Schanzen aus dem 17. Jahrhundert.1–12 Schanzen 17. Jh., B Brückentor, F Fischertor, H Hauptwache, L Lünette, M Mühltor, m Mainbastion (heute Stadtstrand), N Neutor, O Obertor, S Spitaltor, s Spitalbastei, u Untere Mainschanze 15. Jh.
Die fünf Schweinfurter Stadttore wurden alle in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgerissen. An der alten Mainbrücke lag das Brückentor als südlicher Stadteingang (siehe rechter Plan, Buchstabe B). Danach folgten (gegen den Uhrzeigersinn) Mühltor (M), Obertor (O), Spitaltor (S) und Fischertor (F) als Sonderzugang der Fischer des Fischerrains. Insgesamt, mit inneren und äußeren Toren, entstanden im Laufe der Zeit neun Stadttore: Brückentor, Mühltor, Inneres und Äußeres Obertor, Inneres-, Mittleres- und Äußeres Spitaltor, Fischertor und später noch das Neutor (N). Dazu kamen kleine Vor- und Nebentore, wie das Zwingertor und das Gerberstieglein am Brückentor.
Stadtmauer Die Frühgeschichte der Schweinfurter Stadtmauern liegt im Dunkeln. Ob es in der ersten, einen halben Kilometer mainaufwärts gelegenen, frühmittelalterlichen Schweinfurter Siedlung, einer Stadtwüstung, die Altstadt oder Dorf Altstadt genannt wird, bereits eine Stadtmauer gab, bleibt unklar. Reichsvogt Paul Rosa berichtete von dortigen Stadtmauern (siehe: Suuinfurtero marcu, Dorf oder Stadt?).
In der im 12. Jahrhundert angelegten, heutigen Schweinfurter Altstadt wurde St. Johannis (rechter Merianscher Plan: Kirche nördlich des Markts) ursprünglich wahrscheinlich als Kirchenburg zum nördlichen Schutz der Stadt erbaut (siehe: St. Johannis, Baugeschichte). Genauso wie die Hennebergische Reichsburg im Südosten, im Stadtviertel Zürch (siehe Eintrag im Merianschen Plan).
Infolge der Stadterweiterung ab 1437 wurde die Stadtbefestigung vergrößert und ausgebaut (siehe: Altstadt, Stadterweiterung im 15. Jahrhundert). Im Zweiten Stadtverderben (1554) wurden Stadt und Befestigungsanlagen weitgehend zerstört. Beim Neuaufbau der Stadt wurde auch die Stadtbefestigung bis 1560 wieder neu errichtet. In diesem Zusammenhang wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der östliche Wall (heute: Am Unteren- und Am Oberen Wall) deutlich erhöht, da man die Ostseite als gefährlichste Angriffsseite ansah, da dort vom Kiliansberg ein Beschuss der Stadt leicht möglich war (siehe rechter Plan). Deshalb wurde dort auch das Mühltor 1564 in massiverer Form wieder aufgebaut (Merianscher Plan, Buchstabe M).
Der Heimatforscher Anton Oeller (1882–1964) erstellte eine Skizze der Reichstadt Schweinfurt auf dem baulichen Stand des Merianschen Plans. Oeller skizzierte und zählte 39 Stadtmauertürme (einschließlich der Türme der Stadttore und der Mainbrücke), 31 mit Nennung der Namen, z. T. mit Alternativnamen.Anton Oeller (1882–1964): Skizze der Reichsstadt Schweinfurt. In:
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadtmauer teilweise zerstört.
Stadtgraben Auf dem Merianschen Plan von 1656 (rechts) sind alle Stadtgräben als Wassergräben eingezeichnet. Ab der Naturheilschanze wurde der einstige Wassergraben von einem Bach gespeist. Dieser führte von der Quelle an den Pfannäckern über den Spitalsee zur Naturheilschanze (siehe: Urkataster von 1864, Innenstadt, Spitalseeplatz). Von dort floss das Wasser durch den äußeren Wassergraben der Stadtbefestigung, der an der Unteren Mainschanze (Merianscher Plan, u) in den Main mündete.
Das bayerische Urkataster (1808–1864) zeigt nur noch Trockengräben, mit Künette in der Mitte der Sohle des Hauptgrabens.
Schanzen Kurz vor Ende des Dreißigjährigen Kriegs, den die Stadt nahezu unbeschadet überstand, hielt der Generalfeldmarschall der schwedischen Armee Karl Gustav Wrangel 1647/48 die Stadt besetzt. Er ließ die veraltete, mittelalterliche Stadtmauer zu einer modernen Befestigungsanlage ausbauen. Schanzen wurde vor der Stadtmauer angelegt. Wrangel hatte sein Hauptquartier am Roßmarkt. Im Nordosten sind die Schanzen noch teilweise erhalten. Auf dem Merianschen Plan sind, einschließlich der Maininsel Bleichrasen, zwölf neuzeitliche Schanzen mit vorgelagerter Glacis eingezeichnet. J. K. Bundschuh, Archidiakonus und Professor in Schweinfurt zählt in seinem 1802 erschienenen Buch: Beschreibung der Reichsstadt Schweinfurt – ein historisch-topografisch-statistischer Versuch elf Schanzen: „Eine Fortifikation mit neuen ganzen und 2 halben Bollwerken.“J. K. Bundschuh: Beschreibung der Reichsstadt Schweinfurt - ein historisch-topografisch-statistischer Versuch. In: Oeller nannte auf seiner Skizze zu allen Schanzen die Namen und z. T. Alternativnamen, mit Ausnahme der mittleren Schanze des Nordwalls (Nr. 6). Auf den Schanzen wurden spätestens im 19. Jahrhundert Grünanlagen angelegt.
Aufbau der ausgebauten Stadtbefestigung Nach ihrem Ausbau im 17. Jahrhundert besaß die Schweinfurter Stadtbefestigung nach dem Merianschen Plan von 1656 im Osten einen sechsteiligen Aufbau. Von innen nach außen mit: Stadtmauer, Wassergraben, Schanzen, zweiten Wassergraben, Kontergarde (mit gedeckten Weg) und Glacis. Am Nord- und Westwall gab es keine natürlichen Hindernisse (wie Marienbachtal und Main). Hier wurde ein achtteiliger Aufbau geschaffen (zusätzliche Mauer und Wassergraben) mit insgesamt drei Wassergräben. Die Schanzen wurden durch Kurtinen verbunden. Die neue Befestigungsanlage wurde durch kurze, querlaufende Wassergräben in einzelne, vollständig vom Wasser umgebene Abschnitte (Inseln) aufgeteilt. So konnte der Feind die Anlage nur etappenweise erobern. Die mittelalterliche Reichsstadt war zu einer neuzeitlichen Festungsstadt ausgebaut worden.
Die nachfolgende Auflistung der Stadtbefestigungs-Abschnitte, einschließlich ihrer heutigen Grünanlagen und Parks, beginnt im Osten, am ältesten Stadtviertel Zürch und erfolgt gegen den Uhrzeigersinn (entsprechend der Schanzen-Nummerierung auf dem Merianschen Plan).
Ostwall Unterer Wall/Mühltorschanze
An der hier erhaltenen Stadtmauer vor dem Altstadtquartier Zürch, einem ehemaligen Burgenviertel, liegen zwei Pulvertürme. Zwischen Stadtmauer und Marienbach befanden sich zwei Schanzen mit vorgelagerten Wassergräben. Die Obere Mainschanze, auch Ziegelhüttenschanze genannt (siehe oberer Merianischer Plan, Nr. 1), lag vor der südöstlichen Ecke der Stadtmauer unweit des Mains. Nördlich folgte die Mühltorschanze vor dem Mühltor (Nr. 2).
Das Areal am Unteren Wall war danach bis ins 20. Jahrhundert locker und ungeordnet bebaut, im Norden mit einem Straßenbahndepot und zuletzt den Ringgaragen. Heute befindet sich hier eine Grünanlage mit einer Platanenallee als Bindeglied zur nördlich gelegenen Grünanlage am Oberen Wall. Über den südlichen Pulverturm gelangt man über Treppen auf den Wall und in den Zürch. In der Grünanlage am Unteren Wall findet jährlich die Altstadt-Kirchweih statt (siehe: Schweinfurt, Kirchweihen).
Oberer Wall/Grünanlage Philosophengang Die Stadtmauer am Oberen Wall geht auf die erste, bis 1437 errichtete Mauer zurück; da die Altstadt wegen des Tals des Marienbachs in östlicher Richtung nicht weiter wachsen konnte.
Archäologische Ausgrabungen und der Meriansche Plan weisen auf eine zweite, vorgesetzte Mauer hin, wodurch ein Zwinger entstand. Diese Mauer aus der frühen Neuzeit lag auf halber Höhe des Abhangs (siehe unteres linkes Bild) unterhalb der mittelalterlichen Mauer. Spätestens in diesem Zusammenhang entstand vermutlich der rechteckige Weiße Turm (siehe unteres linkes Bild), auf den die zweite Mauer stumpf zulief. Ein unterirdischer Gang führt von der Krummen Gasse zum Weißen Turm. Am Oberen Wall befand sich die Hauptwache (siehe Merianscher Plan, Buchstabe H).
Entlang des Oberen Walls zieht sich heute eine Grünanlage. Sie folgt dem Philosophengang, vorbei an einem Teich und dem Haus Marienthal.
Samtturm An der Nordostecke der Stadtmauer steht an ihrer höchsten Stelle der Samtturm, einst auch Arrestturm. Der Rundturm mit Haube wurde 1561 wiederhergestellt oder neu errichtet. Der Name wurde infolge einer sprachlichen Ungenauigkeit aus dem Französischen „le sommet“, für Gipfel, abgeleitet.
Nordwall Stadterweiterung Im 15. Jahrhundert wurde die Stadt nach Norden und Westen erweitert (siehe: Altstadt, Stadterweiterung im 15. Jahrhundert). 1446 wurde die nördliche Stadtmauer und das Obertor vom (inneren) Graben (heutiger Straßenname) nach Norden verlegt.
Östliche Obertorschanze/Motherwellpark Die östliche Obertorschanze wird auch Hohes Eck oder Wirsingschanze genannt (Nr. 4). Die Mauern der Schanze blieben erhalten, wurden in den 1980er Jahren saniert und stehen unter Denkmalschutz. Damals wurde auf der Schanze der Motherwellpark angelegt, benannt nach der schottischen Partnerstadt Schweinfurts Motherwell.
1 Die dem Angreifer zugekehrte Seite eines Festungsbauwerks 2 Verbindung der Face mit dem Hauptwall
Westliche Obertorschanze/Fichtelsgarten Der Park liegt westlich des einstigen Obertors, auf der westlichen Obertorschanze, auch Hohe Schanze oder später Fichtelsschanze genannt (siehe Merianscher Plan, Nr. 5). Ein Tor in der Stadtmauer verbindet den Fichtelsgarten mit der Neuen Gasse.
Für den Fichtelsgarten machte Mies van der Rohe 1964 einen nicht umgesetzten Entwurf. Auf der Schanze, mit einer großen Freitreppe, sollte das Museum Georg Schäfer errichtet werden (siehe: Museum Georg Schäfer, Geschichte). Der Entwurf wurde später als Neuen Nationalgalerie in Berlin realisiert.
Sattlervilla