mini|Supraporten Theologie und Astronomie in den Räumen der Staatsgalerie der Neuen Residenz in Bamberg Die mehrteiligen Allegorien der Künste und Wissenschaften wurden in den Jahren 1777 bis 1779 von Marquard Treu und seinem Sohn Nicolaus Treu in Öl auf Leinwand ausgeführt. Bei den Gemälden handelt es sich um sieben Supraporten, die in der Staatsgalerie zur Barockmalerei in der Neuen Residenz in Bamberg zu finden sind.
Gemälde im Überblick Foto Darstellung Künstler Datierung Attributemini|Supraporte Alchemie in der Neuen Residenz Bamberg Alchemie Marquard Treu 1777 Destillierkolben, Pipette, Messbecher, Mörser und Pistill, Löffel, kleines Fläschchen, aufgeschlagenes Buch mit geschriebenen Namen Theophrastus und Paracelsus, gemaltem Tierkreiszeichen mit vier Elementen; Regal mit Gläsern im Hintergrundmini|Supraporte Astronomie in der Neuen Residenz Bamberg Astronomie Marquard Treu 1777 Himmelsglobus, Fernrohr, aufgeschlagenes Buch mit der Überschrift „Systema Copernicanum“mini|Supraporte Botanik in der Neuen Residenz Bamberg Botanik Marquard Treu 1777/79 Kohlekessel und Gasflasche, in die Flüssigkeit tropft; Kräuter und Pflanzen, Korb mit Blüten, Kannemini|Supraporte Geographie in der Neuen Residenz Bamberg Geographie Marquard Treu 1777/79 Erdglobus, Landkarten, Zirkelmini|Supraporte Musik in der Neuen Residenz Bamberg Musik Nicolaus Treu 1777/79? Flötist, Notenpult, Notenblatt mit der Aufschrift „Canto“, Zuhörermini|Supraporte Philosophie in der Neuen Residenz Bamberg Philosophie Marquard Treu 1779 Begegnung zwischen dem Philosophen Diogenes von Sinope und Alexander dem Großen (nach Plutarch überliefert)mini|Supraporte Theologie in der Neuen Residenz Bamberg Theologie Marquard Treu 1777/79 Kruzifix, Rosenkranz, Tintenfass mit Schreibfeder, Messer
Beschreibung Die Supraporten sind fast alle über der Enfilade in der Galerie angeordnet und befinden sich an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort. Sie bilden als Türbekrönung einen geschmückten Aufsatz des Türsturzes, der mit der Tür eine gestalterische Einheit bildet und der Betonung der Türachse dient. Das Gemälde mit der Allegorie der Botanik fällt aus der Reihe und ist über einer Tür, die zum Gang hinausführt, platziert. Insgesamt sind in der Barockgalerie der Neuen Residenz 16 Supraporten der Malerfamilie Treu in die Wände eingelassen, Alle Gemälde weisen eine rechteckig, geschwungene Form und ein Maß von ungefähr 160 × 85 cm auf. Sie sind im Querformat auf annähernd symmetrischen Rocaillerahmen an den Wänden befestigt.
Meist sind in den Supraporten Gelehrte um einen Tisch angeordnet und anhand ihrer aufgeschlagenen Bücher und Gerätschaften kann entziffert werden, welche Kunst oder Wissenschaft dargestellt ist. Nur bei den Allegorien der Philosophie und der Musik handelt es sich um keine Gelehrtendarstellungen. In jeder Gelehrtenrunde findet man immer vier oder fünf ältere Figuren, die in ihre Studien vertieft sind. Die markanten männlichen und bärtigen Köpfe der Gelehrten wirken vom Licht beschienen. Durch die Bekleidung mit pelzbesetzten Mänteln, gefältelten Rundkragen und aufgesetzten Baretts erscheinen die Figuren sehr altertümlich. Bei der Botanik beteiligen sich in der Gelehrtenrunde auch zwei Damen. Eine Dame könnte die Naturforscherin Maria Sibylla Merian (1647–1717) darstellen. Im durchgängig dunkel gehaltenen Hintergrund der Gruppen sind, außer bei der Alchemie, Bücherregale zu erkennen.
In den Gemälden von Marquard Treu ist immer mindestens ein aufgeschlagenes Buch zu finden und größtenteils lassen sich die geschriebenen Zeilen sehr gut lesen. Bei den Allegorien der Alchemie und der Astronomie weist der Maler auf berühmte Gelehrte in ihren Bereichen hin. Im Buch der Astronomie findet sich die Überschrift „Systema Copernicanum“, ein Hinweis auf den Astronomen Nikolaus Kopernikus. Auf dem linken aufgeschlagenen Buch in der Alchemie stehen die Namen Theophrastos, ein griechischer Naturforscher, und Paracelsus, ein Arzt und Alchemist aus der Schweiz, geschrieben sowie die römische Jahreszahl MDCCLXXVII (1777). Außerdem sind auf den Buchseiten die Tierkreiszeichen und die vier Elemente „terra“ (Erde), „aqua“ (Wasser), „aer“ (Luft), „ignis“ (Feuer) aufgemalt. Im rechten Buch erkennt man eine Zeichnung mit dem Ausspruch „Ora et labora“ (Bete und arbeite) und die Lehren der „Theologia“ (Theologie) und „Philosophia“ (Philosophie) werden erwähnt. In der Allegorie der Theologie sind in den Büchern Bibelzitate und hebräische Schriftzeichen zu lesen. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich um hebräische Verse handelt, denn der Maler Marquard Treu war ursprünglich Jude und konvertierte zum katholischen Glauben. Seine jüdische Herkunft macht er in dem Gemälde auch deutlich, indem er den linken Mann mit einem Tallit, einer jüdischen Gebetskleidung, darstellt. Mit dem Tallit bedeckt er seinen Kopf und an diesem Gebetsschal erkennt man zudem die Schaufäden (Zizijot). Die anderen drei Männer tragen Kutten, die man als Mönchsgewänder betrachten könnte. Die Bibelzitate in den aufgeschlagenen Büchern können entschlüsselt werden. Auf dem Buch vor dem jüdischen Gelehrten ist der Versbeginn von Epheser 4,5 zu lesen: „Es ist ein Herr, ein Glaube, ein Tauf, ein Gott“. Der Anfang von Psalm 11,10: „Die Forcht Gottes, der Anfang der Weisheit“ und hebräische Wörter stehen auf den losen Blättern in der Mitte des Tisches geschrieben. „Denn drey seynd, die Zeugnuß geben im Himmel: der Vater, das Wort, und der heilige Geist, und diese drei sind eins“ aus dem 1. Johannesbrief 5,7-8 lässt sich auf dem Buch vor dem rechten Gelehrten lesen. Über dem Bibelzitat findet man wiederum hebräische Verse und auf der Seite daneben die Signatur des Künstlers.
Objektgeschichte Unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (reg. 1757–1779) wurden 1773 die Kavalierszimmer im ersten Obergeschoss der Neuen Residenz, in denen sich heute die Barockgalerie befindet, umgestaltet. Die Pläne für den Umbau lieferte der Würzburger Hofarchitekt Johann Michael Fischer. Der Bamberger Hofmaler Marquard Treu wurde beauftragt, Supraporten für diese Räumlichkeiten anzufertigen. Marquard Treu und sein Sohn Nicolaus malten Supraporten mit Darstellungen von Künsten und Wissenschaften. Der Vater hat seine Gemälde meist mit „M.T.P.“ (gem. „Marquard Treu pinxit.“ – dt. „Marquard Treu hat es gemalt.“) und den Jahreszahlen 1777 oder 1779 signiert. Christoph Treu, ebenfalls ein Sohn von Marquard, führte weitere Supraporten mit Fluss-, Küsten- und Seenlandschaften sowie den Blick durch die Schneise zwischen Bamberg und Schloss Seehof aus. Die geschnitzten Rahmen in Formen des Rokoko werden dem Hofbildhauer Franz Martin Mutschele zugeschrieben. Seit den 1770er Jahren befinden sich die Supraporten an ihren ursprünglichen Orten in der Barockgalerie und sind daher Teil der Originalausstattung. Die Neue Residenz Bamberg gehört zur Bayerischen Schlösserverwaltung, und somit sind auch die Supraporten in deren Besitz.
Im Historischen Museum der Stadt Bamberg werden zwei weitere Gemälde von Marquard Treu ausgestellt, in denen Gelehrte dargestellt sind: „Unterricht in der Astronomie“ und „Die Medizin (Arzt bei der Urinschau)“. Sie dürften in der gleichen Zeit wie die Supraporten in der Neuen Residenz entstanden sein.
Marquard Treu folgt einer zeitgenössischen Ikonografie von genrehaft aufgefassten Wissenschaftsallegorien. Gerade im 18. Jahrhundert erfuhren Wissenschaften eine künstlerische Interpretation, denn man verfolgte das Ziel das in der frühen Neuzeit erworbene Wissen zu übermitteln und bildlich darzustellen. Auch in der Neuen Residenz selbst sind viele weitere Beispiele zum angesprochenen Thema zu finden, u. a. Dekorationen mit astronomischen Geräten, Beobachtungsinstrumenten und Globen im Gartensaal. Weitere Motive mit einem Bezug zur Astronomie und Feldmesskunst entdeckt man im Kaiserappartement. Die sieben freien Künste werden im Kaisersaal durch Putten personifiziert und Minerva, der Göttin der Künste und Wissenschaften, begegnet man des Öfteren in der Residenz.
In der näheren Umgebung sind zudem im Schloss Ehrenburg in Coburg im Riesensaal Deckenfresken aus den 1690er Jahren mit Allegorien der Künste und Wissenschaften sowie Minerva zu finden, die nach Stichvorlagen angefertigt wurden. Aus den Jahren 1762/1764 ist eine Supraporte im Schloss Heidecksburg in Rudolstadt mit Adeligen und astronomischen Geräten von Johann Ernst Heinsius bezeugt. In seiner Schaffenszeit kam Treu mit verschiedenen Darstellungen, u. a. auch als Supraporten, in Berührung. Im Schloss Bruchsal, an deren Ausstattung Treu zwischen 1764 und 1770 beteiligt war, konnte er eine Supraporte von Johannes Zwick von 1758 mit Motiven der Astronomie und Geographie sehen. Die Familie Treu orientierte sich oft an der holländischen Malerei, in der zahlreiche Darstellungen von Astronomen nachgewiesen sind. Allegorische und genrehafte Gruppenszenen waren bei den Niederländern jedoch unüblich. Treu hat sich sicher von zahlreichen Gemälden inspirieren lassen und entwickelte daraus schließlich sein für die Allegorien der Künste und Wissenschaften in der Neuen Residenz.
Anbringung, Technik und Erhaltungszustand Die Gemälde wurden auf Leinwände, die über Keilrahmen gespannt sind, gemalt und am Rahmen angebracht. Der gesamte weiße Türaufsatz ist aus Holz, die vergoldeten Holzrahmen darauf geleimt und die Leinwände dahinter befestigt. Vor allem bei den Gemälden Astronomie und Botanik drückt sich die Innenkante des Rahmens nach außen durch, wobei bei Ersterem zudem erkennbar ist, dass der Keilrahmen symmetrisch zum geschwungenen Rahmen verläuft (Detail 1). An den Seiten zwischen Rahmen und Leinwand bilden sich kleine Schlitze und die Farbkante ist sichtbar (Detail 2). Die Ecken der Leinwandbilder sind fest mit dem Rahmen verbunden. Die Allegorien wurden auf Leinwänden mit feinem Gewebe gemalt (Detail 3). Das Gewebe der Leinwände weist eine geringe Garnstärke auf und ist somit sehr fein. Das feine Maltuch trägt nicht wesentlich zum allgemeinen Eindruck der Bilder bei, ist aber trotzdem unter Grundierung und Malschicht erkennbar. Gemäß dem Alter ist, mal stärker und mal weniger ausgeprägtes, Krakelee zu finden. Während die Malschicht und der Firnis in der Musik noch sehr gut erhalten sind, zeigen sich vor allem in der Theologie (Detail 4) und Botanik (Detail 5) größere Rissnetze. Der Firnis verleiht den Gemälden Glanz, Leuchtkraft und Tiefe, dementsprechend muss der Auftrag gleichmäßig ausgeführt worden sein.
Die Leinwand der Musik wurde aus mehreren Stoffbahnen zusammengenäht. Die Zusammensetzung verläuft im unteren Viertel (Detail 6) und im linken Drittel.
Für die Rahmen wurden mehrere geschnitzte Teile aneinandergefügt, ihre Anschlussstellen sind deutlich zu erkennen (Detail 7). Die Rahmen sind alle polimentvergoldet – auf den glatten Untergründen glanzvergoldet, die geschnitzten Ornamente wurden matt belassen. Teilweise kommt das Poliment zum Vorschein (Detail 8). Die Ornamente, welche verschiedene Muster aufweisen, müssen geschnitzt sein, da die Einkerbungen für eine Gravierung zu tief erscheinen. Auch auf den vergoldeten Rahmen bildet sich teilweise das Krakelee (Detail 9).
Beim Durchschreiten der Galerie wirken die Supraporten sehr gut erhalten, betrachtet man sie näher, fallen die Krakelee-Muster und kleinere Schäden an den Rahmen ins Auge, was aber dem Alter von fast 250 Jahren geschuldet ist.
Es kann davon ausgegangen werden, dass die Supraporten seit ihrer Anbringung in den 1770er Jahren ihren Platz nicht (bzw. nur selten für Restaurierungen) verlassen haben und daher keine größeren Beschädigungen, etwa durch fehlerhafte Lagerung oder Transport, aufgetreten sind.
Allegorie der Philosophie von Marquard Treu, 1779
mini|Ausschnitt aus der Allegorie der Philosophie: Diogenes haust in einer Tonne und liest Bei dieser Allegorie der Philosophie handelt es sich um keine Gelehrtendarstellung, sondern um ein Gemälde mit erzählerischem Zusammenhang.
Beschreibung