Filasterea ist eine vorgeschlagene basale Klade (Klasse, bzw. Ministeriida als Ordnung) der Filozoa, die einzellige amöboider Eukaryoten enthält. Zu ihr gehören u. a. die Gattungen Ministeria und Capsaspora gehören. Filasterea ist eine Schwesterklade der Choanozoa mit den Kragengeißeltierchen (Choanoflagellata) und vielzelligen Tieren (Metazoa) innerhalb der Opisthokonta (Schubgeißler) und wurde ursprünglich von Shalchian-Tabrizi et al. 2008 auf Grundlage einer phylogenomischen Analyse mit 78 Genen vorgeschlagen. Die in dieser Studie nahegelegten Verwandtschaftsverhältnisse wurden seitdem durch zusätzliche, artenreichere phylogenetische Analysen bestätigt.
Etymologie Der Name „Filasterea“ ist abgeleitet von und ‚Stern‘, dies weist auf die wichtigsten morphologischen Merkmale hin, die allen ihre Mitglieder gemeinsam sind: kleine, abgerundete amöboide Zellen mit einem einzelnen Zellkern, mit langen, strahlenförmigen Fortsätzen, die Filopodien genannt werden. Diese Filopodien sind u. U. am Anheften (Adhäsion) an das Substrat und am Fang von Beutetieren beteiligt.
Anwendungen Zunächst gab es nur Kulturen von zwei Filasterea-Arten: Capsaspora owczarzaki und Ministeria vibrans, wobei die erste aus einer Süßwasserschnecke und die zweite als ein freilebender mariner Bakterienfresser isoliert wurde. Im Jahr 2022 kamen die beiden Spezies von Pigoraptor (die Typusart P. vietnamica und P. chileana) hinzu.
Es liegen vollständige Genomsequenzen von C. owczarzaki, M . vibrans, P. vietnamica und P. chileana vor. Vergleichende Analysen haben gezeigt, dass die Klade Filasterea ein Schlüssel zur Aufdeckung des genetischen Repertoires der einzelligen Vorfahren der Tiere ist und Einblicke in den Ursprung der Metazoa liefern kann. Bei Metabarcoding-Analysen der 18D rRNA in Meeresumgebungen konnten keine weiteren Vertreter der Filasterea gefunden werden, was darauf schließen lässt, dass diese Gruppe in natürlichen Ökosystemen nicht besonders häufig vorkommt.
Systematik Taxonomie Klasse Filasterea et al. 2008 Ordnung Ministeriida 1997 Familie Ministeriidae 2008 Gattung Ministeria et al. 1993 Ministeria marisola et al. 1993 Ministeria vibrans 1997 Familie Txikisporidae 2021 Gattung Txikispora 2021 Txikispora philomaios 2021 Familie Capsasporidae 2008 Gattung Capsaspora et al. 2002 Capsaspora owczarzaki et al. 2002 Gattung Pigoraptor et al. 2017 Pigoraptor chileana et al. 2017 Pigoraptor vietnamica et al. 2017
Phylogenie Die Phylogenie nach Tikhonenkov et al. (2020) unterscheidet sich davon durch die Position der Gattung Corallochytrium und ihrer neuen Schwestergattung Syssomonas (mit S. multiformis). Beide Gattungen bilden danach zusammen eine Klade Pluriformea (synonym Corallochytrea, Schwesterklade der Filozoa):
Gemäß der Taxonomie des (NCBI) ist Cristidiscoidida 1987 (alias Cristidiscoidea) ein Junior-Synonym für Rotosphaerida 1968 In einigen Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Gattung Capsaspora enger mit der Gruppe Choanozoa als mit der Gattung Ministeria verwandt ist.
Weblinks NCBI Taxonomy Browser: Filasterea, Details: Filasterea Shalchian-Tabrizi et al., 2008 (class). NCBI Taxonomy Browser: Syssomonas, Details: Syssomonas Tikhonenkov, Hehenberger, Mylnikov et Keeling 2017 (genus). WoRMS: Filasterea (Class), Direct children (1): Order Ministeriida.
Einzelnachweise Genus: Ministeria Patterson, Nygaard, Steinberg & Turley, 1993. Auf: Ondřej Zicha: BioLib (biolib.cz) – (). NCBI Taxonomy Browser: Rotosphaerida, Details: Rotosphaerida Rainer 1968 (order); heterotypic synonym: Cristidiscoidida Page 1987; Cristidiscoidea; Nucleariidae and Fonticula group; includes Fonticulida. Memento vom 7. Dezember 2024.
Victoria Shabardina, Jennah E. Dharamshi, Patricia S. Ara, Meritxell Antó, Fernando J. Bascón, Hiroshi Suga, Wyth Marshall, Claudio Scazzocchio, Elena Casacuberta, Iñaki Ruiz-Trillo: Ichthyosporea: a window into the origin of animals. In: Communications Biology, Band 7, Nr. 915, 29. Juli 2024; ().
Kategorie:Opisthokonta