Massekhet Azilut () ist ein anonymes kabbalistisches Werk aus dem frühen 14. Jahrhundert.

Inhalt des Werkes Es ist das früheste literarische Produkt der spekulativen Kabbala, das die Lehre der Vier Welten enthält, eine Lehre, die nicht im Sohar enthalten ist sowie die der Konzentration des göttlichen Wesens. Das „Traktat von Azilut“ ist die früheste Komposition, die die vier Welten, die Schöpfung und das göttliche Handeln erwähnt, und nach Sefer ha-Bahir eine der ersten, die das Konzept der Sephiroth darstellt.

Der Titel des Werkes leitet sich von dem Vers „Und Gott kam in einer Wolke herab und redete zu ihm, und er wurde erhöht durch den Geist, der auf ihm war (…)“, , 4. Buch Mose, () ab.

Zum ersten Mal werden die vier Stufen in der Entwicklung der Schöpfung festgelegt: die Olam Atzilut (), die Olam Briyah (), die Olam Jetzirah (), die Olam Asiyah () sowie den Engeln, (). Die Lehren Metatrons und insbesondere der Angelologie sind mit denen der Geonim identisch, und die Idee der Sephiroth hierin einfach und nicht philosophisch erläuternd dargestellt, so dass die Annahme, sie sei direkt von irgendeinem philosophischen System beeinflusst, kaum gerechtfertigt ist. Das Buch verortet Metatron und die ihn umgebenden Engel in der Olam Jetzirah () und nicht in der Olam Briyah (), wie es später der Fall war.

Außerdem werden die Sephiroth zum ersten Mal als ‚personalisierte Attribute der Gottheit‘ dargestellt. Die Form, in der die Grundlagen der Kabbala hier dargelegt werden, sowie die Betonung der Geheimhaltung der Lehre und der obligatorischen Frömmigkeit der Lernenden zeugen von der frühen Entstehung des Werks. Als der Massekhet Aẓilut geschrieben wurde, war die Kabbala noch kein Gegenstand allgemeiner Studien, sondern noch einigen Auserwählten vorbehalten. Die Behandlung ist im Großen und Ganzen die gleiche wie in den mystischen Schriften aus der Zeit der Geonim, mit denen das Werk viel gemeinsam hat.Kaufmann Kohler, Louis Ginzberg: Cabala. Jewish Encyclopedia, Abschnitt: „The Treatise on Emanation“, auf jewishencyclopedia.com Im Gegensatz dazu hielt Gershom Scholem es für ein Werk des 14. Jahrhunderts.Gershom Scholem: Kabbalah. Meridian 1974, Neuauflg. Plume Books 1987 ISBN 0-452-01007-1, S. 118–119, auf betemunah.org

Vermeintliche Autorenschaft Das Werk wurde von Adolf Jellinek Jakob ha-Nazir von Lunel () zugeschrieben, der im 13. Jahrhundert lebte und als ein wichtiger Akteur der kabbalistischen Tradition in Provence und Südeuropa gilt.Kabbalah. Intruducction. Bibliotheca Sefarad Abschnitt: „Provençal and Hispanic Kabbalah“, auf bibliothecasefarad.com Eine Hypothese, die von Gerschom Scholem, aber als sehr fragwürdig eingestuft wurde.Jacob Nazir. Encyclopaedia Judaica, auf encyclopedia.com

Wirkung Beginnend mit Isaak ben Samuel von Akkon und der Massekhet Atzilut wurde der hebräischen Buchstaben Jod (י) mit der Welt Atzilut in Verbindung gebracht, He (ה) mit der Welt Briyah, Vau (ו) mit der Welt Jetzirah und das letzte He mit der Welt Assiah, und so wird der Name Gottes, JHWH, in Bezug auf die vier Welten buchstabiert.

Werkveröffentlichung Massekhet Azilut. In: Adolph Jellinek: Auswahl kabbalistischer Mystik. Traktat über die Emanation (Masechet Azilut), Erstes Heft, A. M. Colditz, Leipzig 1853. Freimann-Sammlung, der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, auf sammlungen.ub.uni-frankfurt.de

Einzelnachweise

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