Das Übergangskabinett Karzai, auch bekannt als die afghanische Übergangsbehörde, war die vorübergehende Übergangsregierung des Islamischen Übergangsstaats Afghanistan, die im Juni 2002 durch die Loja Dschirga eingerichtet wurde. Die Übergangsbehörde folgte dem ursprünglichen Islamischen Staat Afghanistan und war Vorläufer der Islamischen Republik Afghanistan.
Hintergrund Nach der Invasion Afghanistans im Jahr 2001 führte eine von den Vereinten Nationen organisierte Konferenz afghanischer Politiker in Bonn zur Schaffung der afghanischen Übergangsverwaltung unter der Leitung von Hamid Karzai. Diese Interimsverwaltung, die nicht breit repräsentativ war, sollte nur sechs Monate bestehen bleiben und dann durch eine Übergangsregierung ersetzt werden. Der Übergang zur zweiten Phase erforderte die Einberufung einer Loja Dschirga, der traditionellen großen Versammlung Afghanistans. Diese „Notfall-Loja-Dschirga“ sollte einen neuen Staatsoberhaupt wählen und die Übergangsregierung einsetzen, die wiederum für maximal zwei Jahre die Regierung übernehmen sollte, bis eine „vollständig repräsentative Regierung“ durch freie und faire Wahlen gewählt werden konnte.Loya Jirga Elects Karzai as New Head of State – (PDF).
Übergangskabinett + Übergangskabinett KarzaiThe Prospects for Post-Conflict Afghanistan: A Call of the Sirens to the Country’s Troubled Past – (PDF). Amt/Ministerium Bild Amtsträger/Minister Information Partei/Allianz Abstammung Studium/Dienst Ämter Präsident zentriert|rahmenlos|100px Hamid Karzai 20px|alt= Royalist Paschtune(Kandahar) Politik(Master, ) 1. VizepräsidentFirst Vicepresident, Mohammad Qasim Fahim zentriert|rahmenlos|100px Mohammed Fahim 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Dschamiat-i Islāmi (alliiert) Tadschike(Pandschschir) – 2. VizepräsidentSecond Vice President, Karim Khalili zentriert|rahmenlos|100px Karim Khalili 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Hezb-e Wahdat Hazara(Wardak) Islam(Afghanistan) Vizepräsident zentriert|rahmenlos|100px Hedayat Amin Arsala 20px|alt= Royalist20px|alt= Mahāz-e Millī-ye Islāmi Paschtune(Kabul) Wirtschaft(Doktor, USA) Vizepräsident zentriert|rahmenlos|100px Haji Abdul Qadeer24. Juni 2002 bis 6. Juli 2002 (†) 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Hezb-i Islami Khālis Paschtune(Nangarhar) – Vizepräsident zentriert|rahmenlos|100px Nematullah Shahrani – Usbeke(Badachschan) Scharia(Bachelor, Afghanistan)Koranexegese(Master, ) Justizverwaltung( USA) Ministerien Verteidigung zentriert|rahmenlos|100px Mohammed Fahim 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Dschamiat-i Islāmi (alliiert) Tadschike(Pandschschir) – Auswärtiges zentriert|rahmenlos|100px Abdullah Abdullah 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Etelāf-e Millī Tadschike(Pandschschir) Augenmedizin(Bachelor, Afghanistan) Inneres Taj Mohammad Wardak24. Juni 2002 bis 27. Januar 2003 20px|alt= Nordallianz (alliiert)20px|alt= Dschamiat-i Islāmi (alliiert)Conrad Schetter: Ethnicity and the Political Reconstruction of Afghanistan. 2005 (englisch, zef.de PDF, S. 12).20px|alt= Hezb-e Isteqlāl Millī Paschtune(Wardak) unbekannt( USA) zentriert|rahmenlos|100px Ali Ahmad Jalali28. Januar 2003 bis 23. Dezember 2004 – Paschtune(Kabul) Politik(Bachelor, Afghanistan)Infanterie(Diplom, USA)Militär(Master, Afghanistan und Großbritannien) Finanzen zentriert|rahmenlos|100px Aschraf Ghani – Paschtune(Logar) Politik(Bachelor, )Kulturanthropologie(Master und Doktor, USA) Kultur und Information zentriert|rahmenlos|100px Sayed Makhdoom Raheen 20px|alt= Royalist20px|alt= Dschamiat-i Islāmi (alliiert) sunnitischer Sayyid(Kabul) Persische Literatur(Master und Doktor, ) Justiz Abdul Rahim Karimi 20px|alt= Nordallianz (alliiert) Usbeke unbekannt Bildung zentriert|rahmenlos|100px Yunus Qanuni 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Dschamiat-i Islāmi Tadschike(Pandschschir) – Landwirtschaft zentriert|rahmenlos|100px Sayed Hussein Anwari 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Harākat-e Islāmī schiitischer Sayyid(Parwan) Lehramt(Afghanistan) Umwelt und Bewässerung zentriert|rahmenlos|100px Ahmad Yusuf Nuristani 20px|alt= RoyalistAhmad Nuristani Afghan Bios Paschtune(Nuristan) Nahostwissenschaft(Doktor, USA) Handel zentriert|rahmenlos|100px Sayed Mustafa Kazemi 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Hezb-e Wahdat schiitischer Sayyid(Parwan) – Bergbau Juma Muhammad Muhammadi24. Juni 2002 bis 24. Februar 2003 (†) unbekannt Paschtune Bauingenieurwesen( USA) Kleinindustrie Mohammed Alim Razm 20px|alt= Nordallianz Usbeke unbekannt Höhere Bildung Sharif Fayez 20px|alt= Nordallianz Tadschike(Herat) Amerikanische Literatur(Doktor, USA) Gesundheit zentriert|rahmenlos|100px Suhaila Siddiq – Paschtunin(Kabul) 10px Dagar Jenral(Generalleutnantin in der afghanischen Armee)Medizin(Doktor, 20px|alt= Sowjetunion) Grenzangelegenheiten zentriert|rahmenlos|100px Mohammad Arif Noorzai 20px|alt= Nordallianz Paschtune(Kandahar) –(Studium der Landwirtschaft in Afghanistan aufgrund der sowjetischen Invasion abgebrochen)Profile: Kandahar Profile Energie und Wasser zentriert|rahmenlos|100px Mohammad Shakir Kargar 20px|alt= Nordallianz Usbeke(Faryab) Jura(Bachelor, Afghanistan)Geschichte(Master, 20px|alt= Sowjetunion)Philosophie(Doktor, ) Haddsch und Moschee Mohammed Amin Naziryar unbekannt Paschtune unbekannt Kommunikation zentriert|rahmenlos|100px Mohammed Masoom Stanekzai 20px|alt= Kommunist (alliiert) Paschtune(Logar) 10px Dagarwal(Oberst in der afghanischen Armee)Telekommunikation und Militär(Bachelor, Afghanistan)Unternehmensführung(Master, )Nachhaltige Entwicklung(Master, Großbritannien) Transport zentriert|rahmenlos|100px Sayed Mohammad Ali Jawid 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Harākat-e Islāmī Hazara(Balkh) – Zivile Luftfahrt und Tourismus Mirwais Sadik 24. Juni 2002 bis 21. März 2004 (†) 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Dschamiat-i Islāmi (alliiert) Tadschike(Herat) – Flüchtlinge zentriert|rahmenlos|100px Enayatullah Nazari 20px|alt= Nordallianz (alliiert)20px|alt= Dschamiat-i Islāmi (alliiert) Tadschike(Parwan) Politik und Jura(Afghanistan) Ländliche Entwicklung zentriert|rahmenlos|100px Mohammad Hanif Atmar 20px|alt= Kommunist (alliiert) Paschtune(Laghman) IT und Computer(Diplom, Großbritannien)Staatstätigkeit, Internationale Beziehungen und Nachkriegswiederaufbau(Master, Großbritannien) Arbeit und Soziales Noor Mohammad Qarqin 20px|alt= Nordallianz (alliiert) 20px|alt= Mudschaheddin (Parteizugehörigkeit unbekannt) Turkmene(Dschuzdschan) Menschenrechte und Politik(Bachelor, AfghanistanHonorary members Noor Muhammad Qarqeen) Märtyrer und Behinderte zentriert|rahmenlos|100px Abdullah Wardak 20px|alt= Nordallianz (alliiert) 20px|alt= Tanzīm-e Da'wat-e Islāmī (alliiert) Paschtune(Wardak) – Frauen zentriert|rahmenlos|100px Habiba Sarabi – Hazara(Ghazni) Medizin(Bachelor, Afghanistan)Hämatologie() Städtische Entwicklung zentriert|rahmenlos|100px Yousef Pashtun24. Juni 2002 bis 15. August 2003 20px|alt= Royalist Paschtune(Kandahar) Architektur(Bachelor und Master, )Stadtplanung(Master, ) zentriert|rahmenlos|100px Gul Agha Sherzai16. August 2003 bis 23. Dezember 2004 20px|alt= Mahāz-e Millī-ye Islāmi (alliiert)Gul Agha Sherzai Afghan Bios Paschtune(Kandahar) – Öffentliche Arbeiten zentriert|rahmenlos|100px Haji Abdul Qadeer24. Juni 2002 bis 6. Juli 2002 (†) 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Hezb-i Islami Khālis Paschtune(Nangarhar) – Abdul Ali7. Juli 2002 bis 23. Dezember 2004 unbekannt Paschtune unbekannt Planung zentriert|rahmenlos|100px Mohammed Mohaqiq 20px|alt= Nordallianz20px|alt= Hezb-e Wahdat Hazara(Balkh) Islam(Bachelor, ) Wiederaufbau Mohammad Amin Farhang 20px|alt= Royalist TadschikeFarhang, Mohamad Amin Dr. Mir Afghan Bios(Kabul) Volkswirtschaftslehre(Bachelor, Afghanistan; Master und Doktor, ) Gesamt Afghanistan:Westliche Welt:Iran:Sowjetunion/Russland:Indien:Pakistan:Ägypten:Sonstige:
Regierungsbildung Wahl des Staatsoberhauptes mini|250px|Präsident Karzai (rechts) mit Außenminister Abdullah (links) bei einem Treffen mit US-Außenminister Donald H. Rumsfeld im Pentagon (2004) Die Hauptaufgabe der Loja Dschirga war es, einen Präsidenten für die Übergangsregierung zu wählen, der das Land bis zu den offiziellen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2004 führen sollte. Zu Beginn hatten sich zwei Kandidaten gemeldet: Burhanuddin Rabbani, der ehemalige Präsident und Führer der Nordallianz, sowie Hamid Karzai, der von den USA unterstützte Vorsitzende der afghanischen Interimsverwaltung. Karzai erhielt auch die Unterstützung von Abdullah Abdullah und Mohammad Fahim, zwei wichtigen Persönlichkeiten der Nordallianz. Ein dritter Kandidat war Mohammed Zahir Shah, der frühere König von Afghanistan, der bis 1973 regiert hatte. Nach dem Sturz der Taliban kehrte er aus dem Exil in Rom nach Afghanistan zurück. Auf der Bonn-Konferenz, die die Übergangsregierung einrichtete, hatte eine Gruppe von Zahir-Shah-Anhängern, die „Rom-Gruppe“, die Idee unterstützt, den ehemaligen König als Staatsoberhaupt zu ernennen.
Als Zahir Shah in Kabul ankam, unterschrieben mehr als 800 Delegierte eine Petition, in der sie seine Nominierung als Staatsoberhaupt forderten, auch wenn er nur eine symbolische Rolle spielen sollte. Aufgrund der Spekulationen, die durch diese Petition aufkamen, drängten Vertreter der USA und der Vereinten Nationen Zahir Shah, von einer Kandidatur abzusehen. Die Loja Dschirga wurde aufgrund angeblicher logistischer Probleme einen Tag nach hinten verschoben. Am 10. Juni erklärten die US-Vertreter öffentlich, dass Zahir Shah kein Kandidat für das Amt des Staatsoberhauptes sei, was der ehemalige König in einer Pressekonferenz bestätigte. Am folgenden Tag zog Burhanuddin Rabbani seine Kandidatur zugunsten von Hamid Karzai zurück, um nationale Einheit zu fördern.
Karzai schien die Wahl zum Staatsoberhaupt ohne Gegenkandidaten zu gewinnen, doch es tauchten zwei weitere Kandidaten auf. Um auf dem Wahlzettel der Loja Dschirga zu erscheinen, musste ein Kandidat mindestens 150 Unterschriften vorlegen. Glam Fareq Majidi sammelte nur 101 Unterschriften und wurde daher disqualifiziert. Ein anderer Kandidat, der ehemalige Mudschaheddinkämpfer Mohammed Asef Mohsoni, reichte eine Liste mit 1.050 Unterschriften für Karzai ein. Auch Masooda Jalal, eine Ärztin der Welternährungsorganisation, und Mahfoz Nadai, ein usbekischer Militär, Dichter und stellvertretender Minister, erhielten genug Unterschriften, um auf den Wahlzettel zu kommen.The Loya Jirga
Die Wahl fand am 13. Juni 2002 statt. Karzai wurde mit einer überwältigenden Mehrheit von 83 % gewählt und blieb Präsident der Übergangsregierung.
Die Ernennung der Regierungsminister Am 18. Juni, dem geplanten Tag für die Vorstellung des Kabinetts, teilte Karzai der Loja Dschirga mit, dass er noch einen weiteren Tag bräuchte, um seine Liste der Minister fertigzustellen. Am letzten Tag der Versammlung, dem 19. Juni, präsentierte er dann die Namen von 14 Ministern, darunter drei Vizepräsidenten, sowie einen Obersten Richter.https://www.upi.com/amp/Archives/2002/06/19/Karzai-names-Cabinet/2111024459200/ Karzai fragte die Versammlung nach der Zustimmung zum Kabinett, woraufhin die Mehrheit ihre Unterstützung zeigte. Diese Vorgehensweise sorgte jedoch für Kontroversen, da einige Delegierte der Ansicht waren, dass keine ordnungsgemäße Abstimmung stattgefunden habe und dass das Kabinett das Ergebnis politischer Verhandlungen sei, die außerhalb der Loja Dschirga stattfanden.