mini|Ehemalige Franziskanerklosterkirche Das Franziskanerkloster Namslau war ein Kloster des Bettelordens der Franziskaner (, deutsch: Orden der Minderen Brüder, Ordenskürzel OFM) in Namslau im damaligen Herzogtum Glogau. Das Kloster wurde wahrscheinlich zwischen 1274 und 1284 gegründet. Eine erste urkundliche Erwähnung stammt von 1284. Mit Einführung der Reformation kam die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung zum Erliegen, und das Kloster verlor seine wirtschaftliche Grundlage. 1534 mussten die Ordensbrüder das Kloster aufgeben. Die Klosterkirche wurde profaniert, die Klostergebäude zum Hospital umgewidmet.

1675 wurde das Kloster durch böhmische Franziskaner-Observanten neu besiedelt. 1716 wurde die Klosterkirche wieder geweiht, zwischen 1783 und 1784 wurde die Kirche umgebaut. 1810 wurde das Kloster säkularisiert. mini|Namslau im 18. Jahrhundert. Die Klosterkirche hat die Nr. 2 die Konventsgebäude die Nr. 3

Lage Das ursprüngliche Kloster lag an einem nicht genauer bekannten Ort außerhalb der Stadtmauern. 1321 erhielt es bei einem Geländetausch von Herzog Konrad einen Platz in der Stadt. Es lag nach der Befestigung der Stadt an der Stadtmauer nicht weit vom Breslauer Tor. Die Kirche hatte das Patrozinium Unsere Liebe Frau. Nach der Wiederbesiedlung und dem Wiederaufbau der Klosterkirche wechselte das Patrozinium zum hl. Petrus von Alcantara. Die ehemalige Klosterkirche ist heute katholische Pfarrkirche mit dem Doppel-Patrozinium Franziskus und Petrus von Alcantara.

Siehe Hauptartikel Franziskanerkirche (Namysłów)

Geschichte Das Kloster in Namslau wurde von Brüdern der sächsischen Ordensprovinz (Saxonia) gegründet und gehörte bis 1523 zu dieser Provinz. Innerhalb der Organisation der Saxonia wurde der Konvent in Namslau wahrscheinlich von Anfang an der Kustodie Breslau angeschlossen. 1340 ist der Konvent im Provinciale vetistissima dann definitiv unter der Kustodie Breslau aufgeführt. Auch im Liber conformitatum von 1390 erscheint der Konvent unter den Konventen der Kustodie Breslau. Er lag im Gebiet des Bistums Breslau.

Lucius Teichmann nimmt eine Entstehung des Namslauer Konvents zwischen 1274 und 1284 an. 1284 ist die Existenz des Namslauer Konvents erstmals auch urkundlich bezeugt. Die Stifter (oder Gründer) des Klosters sind nicht (sicher) bekannt. Auch Eduard Mühle lässt die Spalte Stifter offen.

1285 erteilte Bischof Hermann von Kammin allen denjenigen einen Ablass in Höhe einer Karene (entspricht einem Zeitraum von 40 Tagen strengem Fastens), die die Kirchen der Franziskaner in Breslau, Neisse, Schweidnitz, Brieg und Namslau an bestimmten Feiertagen besuchten (und Opfer brachten). In dieser Zeit wurden Ablässe für Klöster für gewöhnlich Kirchenbesuchern gewährt, die Kirchen im Bau besuchten. Sehr wahrscheinlich war die Klosterkirche des Konvents in Namslau zu dieser Zeit im Bau. Auch aus diesem Grund dürfte die Gründung des Klosters deutlich vor 1284 erfolgt sein.

Konflikt mit Domkapitel und Bischof von Breslau 1285 beschwerte sich das Domkapitel in Breslau auf dem Generalkapitel zu Mailand über die sächsische Franziskanerprovinz. Bischof Thomas II. von Breslau hatte Herzog Heinrich IV. von Breslau mit dem Interdikt belegt. Gewisse Personen des Ordens, und zwar aus den Konventen Breslau, Neisse, Brieg, Schweidnitz, Goldberg, Löwenberg, Sagan und Namslau hätten sich jedoch gegen den Bischof gestellt und hielten zum Herzog, Das Domkapitel bittet das Generalkapitel diesem Gebaren ein Ende zu setzen. Bischof Thomas II. beschwerte sich im selben Jahr auch direkt beim Generalminister über diese Konvente.

1285 forderte der Provinzial der böhmisch-polnischen Ordensprovinz Ceslaus den Provinzial der sächsischen Provinz auf, die beiden Konvente in Sagan und Namslau an die böhmisch-polnische Provinz abzutreten, da sie von der sächsischen Provinz unrechtmäßig auf polnischem Boden gegründet worden seien.

Weitere Geschichte der Stadt Namslau Das große Herzogtum Glogau wurde in der weiteren Folge der Geschichte mehrfach geteilt. Bei der Teilung 1312 unter den Söhnen des Heinrich III. entstanden die Herzogtümer Namslau und Oels, die an Konrad I. und Boleslaus fielen. Nach dem Tod des Boleslaus wurden die beiden Herzogtümer unter Konrad I. wieder vereinigt. Nach weiteren Besitzwechseln fiel Namslau als erledigtes Lehen an den böhmischen König und deutschen Kaiser Karl IV., der Namslau 1335 mit dem Herzogtum Breslau verband.

Verhältnis des Klosters zum Stadtklerus In vielen Städten mit Bettelordensklöstern gab es Spannungen zwischen dem Klerus der Stadtpfarrkirche und den Bettelorden. Meist ging es um Pfarrrechte, die der Stadtklerus verletzt sah, und um Einnahmen, die eigentlich dem Stadtklerus zustanden, aber durch kirchliche Handlungen seitens der Bettelorden in die Klöster flossen. In Namslau scheint das Verhältnis dagegen sehr entspannt gewesen zu sein. Zumindest für 1453 ist dokumentiert, dass die Ordensbrüder, in Absprache mit dem Pfarrer, einen Toten, der auf dem Klosterfriedhof begraben werden sollte, aus dem Sterbehaus abholen und in feierlichem Zug zu ihrer Kirche bringen durften. Nach dem Seelenamt wurde der Tote dann zum Klosterfriedhof geleitet und dort begraben.

Besitz, Vermächtnisse und Reform Das Kloster hatte einigen Besitz. 1485 vermachte Johann Trzetczak dem Kloster einen jährlichen Zins von einer halben Mark auf seinen Garten am Breslauer Tor.

1487 kaufte der Konvent mit Zustimmung des Provinzials der sächsischen Ordensprovinz Ludwig von Segen eine halbe Hufe Acker, von der die Brüder jährlich 22 Schilling Zins und zwei Hühner abgeben mussten. 1501 vermachte Johann Kyndernerne in seinem Testament der Klosterkirche einen Gulden und den Ordensbrüdern einen Sack Mehr und eine Seite Fleisch. Dafür sollten sie 30 Seelenmessen lesen.

1503 bestimmte Martin Scupner in seinem Testament, dass die Klosterkirche Unser Lieben Frauen ein Stück Wachs erhalten solle. Die Ordensbrüder sollten eine Seite Fleisch erhalten. Dafür sollten sie 30 Seelenmessen lesen. 1508 gab Brixius Lange mit Einwilligung seiner Frau Anne einen jährlichen Zins von einer Mark auf sein Haus in der Spitalgasse an Frau Hedwig Großhain. Nach deren Tod sollte der Zins an das Kloster Unserer Lieben Frau fallen. Außerdem hatte das Kloster einige Vermächtnisse erhalten.

Die Reform des Klosters Am 20. Februar 1508 wurde auf einem Kapitel der Kustodie Breslau die Einführung der Martinianischen Konstitutionen für die Konvente in Brieg und Namslau beschlossen. Die Entscheidung stieß zunächst auf den Widerstand der Ordensbrüder in Brieg und Namslau, letztendlich konnten die Reformen in Namslau jedoch bald durchgesetzt werden. In Brieg war der Widerstand dagegen derart, dass die Reformkommission am Betreten des Klosters gehindert wurde. Einige reformunwillige Ordensbrüder wurden exkommuniziert und mussten das Kloster verlassen. Erst dann konnte die Reform durchgeführt werden.

Im Zuge der Reform musste sich das Kloster in Namslau 1510 mit Zustimmung von Kustos Benedikt von Löwenberg von liegenden Besitztümern trennen; das vom Kloster betriebene Malzhaus und mehrere Gärten wurden der Stadt übergeben.

Auf dem Generalkapitel des Ordens in Lyon 1518 wurde die Ordensprovinz Saxonia geteilt, nicht geographisch, sondern nach der Zugehörigkeit zur milderen oder strengeren Observanz. Die Klöster, die nach den Martinianischen Konstitutionen (mildere Observanz) organisiert waren, wurden in der Provinz Saxonia S. Johannis Baptistae vereinigt, die sog. Observanten (strengere Observanz) wurden in der Provinz Saxonia S. Crucis zusammengefasst. Der Konvent in Namslau wurde der Provinz Saxonia S. Johannis Baptistae zugeordnet. 1523 wurde die Kustodie Breslau von der sächsischen Franziskanerprovinz abgetrennt und an die böhmische Ordensprovinz angeschlossen.

Das vorläufige Ende des Klosters Mit der Reformation, die sich auch in Namslau durchsetzte, wurde die Situation für die Bettelorden prekär. Der auf Spenden angewiesene Namslauer Konvent konnte sich nicht mehr halten bzw. selber ernähren. 1534 mussten die Ordensbrüder das Kloster aus Hunger aufgeben. Die Klostergebäude und die -kirche wurden der Stadt übergeben. Die Kirche wurde profaniert und zum Lagerhaus umfunktioniert. In den Konventsgebäuden wurde nun das städtische Hospital untergebracht.

Wiederbesiedlung des Klosters Am 21. September 1675 übertrug Kaiser Leopold I. in seiner Funktion als böhmischer König der böhmischen Franziskanerprovinz Klostergebäude und -kirche in Namslau. Am 8. Oktober 1675 führte ein kaiserlicher Kommissar die Ordensbrüder in der Stadt ein und übergab ihnen die Gebäude. Sie mussten allerdings zuerst beim Stadtpfarrer Wohnung nehmen, da die Klostergebäude unbewohnbar waren. Die Brüder begannen sofort mit den Renovierungsarbeiten, und Weihnachten 1675 konnten sie bereits im Kloster feiern. Der Wiederaufbau der Kirche zog sich jedoch hin. Erst 1716 wurde die Klosterkirche wieder geweiht.

Das Kloster in preußischer Zeit Mit dem Einmarsch von Friedrich II. in Schlesien und dem Frieden von Berlin kam Schlesien 1742 an Preußen. Friedrich II. drängte daraufhin auf die Loslösung der schlesischen Klöster sämtlicher Orden von den jeweiligen Mutterprovinzen in Österreich, Böhmen und Mähren. Am 22. Januar 1755 wurden die schlesischen Konvente des Franziskanerordens (Breslau (St. Antonius), Glatz, Glogau, Goldberg, Jauer, Leobschütz, Liegnitz, Namslau, Neisse und Ratibor) von der böhmischen Provinz abgetrennt und zu einer eigenständigen schlesischen Provinz zur Hl. Hedwig zusammengefasst. 1751 hatte das Kloster in Namslau 24 Konventsmitglieder.

Das Ende des Klosters Mit dem Säkularisationsedikt König Friedrich Wilhelms III. vom 30. Oktober 1810 wurde das Franziskanerkloster Namslau wie auch die neun anderen Franziskanerklöster in (Preußisch-)Schlesien vom preußischen Staat eingezogen und verstaatlicht. Damit wurde auch die schlesische Provinz zur Hl. Hedwig aufgelöst. Bei der Aufhebung des Klosters 1810 zählte der Konvent noch elf Mitglieder: den Guardian, vier (weitere) Geistliche und sechs Laienbrüder. Der Wert des Grundvermögens wurde mit 8559 Reichstalern, das Gesamtvermögen nach Abzug der Passiva mit 8970 Reichstalern taxiert.

Die Kirche wurde ab 1812 zunächst als Magazin für die Landwehr genutzt, ab 1813 als Abstellraum für die Garnison. 1823 wurde sie an die Stadt Namslau verkauft. Das Konventsgebäude mit seinen drei Flügeln wurde an eine Brauerei verkauft. Davon steht aber nur noch ein Flügel.

Die Kirche wurde umfassend 1924/25 renoviert. 1980 wieder sie erneut hergerichtet und 1982 wieder der katholischen Kirche übergeben. 1988 wurde sie wieder geweiht. 1992 wurde die ehemalige Klosterkirche Pfarrkirche. Die ehemaligen Konventsgebäude wurden zu einem Pfarramt, einem Pfarrhaus und ein Vikariat umgebaut.

Guardiane und andere Klosterämter Der Guardian, der Obere eines Konvents, wird in den franziskanischen Orden vom Provinzkapitel ernannt bzw. auf dem Provinzkapitel gewählt. Die Amtszeit beträgt in der Regel drei Jahre, eine Wiederernennung bzw. Wiederwahl ist möglich. Die geklammerten Zahlen in der Tabelle bedeuten lediglich das Jahr einer Erwähnung, nicht den Zeitpunkt der Ernennung (oder die Dauer der Amtszeit). Der Vikar ist der Stellvertreter des Guardians.