Friedrich von Kessel (* 25. August 1896 auf Schloss Ober-Glauche; † 13. Februar 1975 in Göttingen) war ein deutscher Landwirt und Politiker (GB/BHE). Er war von 1951 bis 1959 Mitglied des Niedersächsischen Landtages, von 1951 bis 1957 Landesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie von 1955 bis 1958 Bundesvorsitzender des GB/BHE.

Leben und Beruf Kessel wurde als Sohn des schlesischen Großgrundbesitzers und konservativen Landtagsabgeordneten Kurt von Kessel geboren. Seine Mutter war Theodora von Kessel, geborene von Bethmann-Hollweg, eine Cousine von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. Sein jüngerer Bruder war der spätere Diplomat Albrecht von Kessel. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums der Klosterschule Roßleben, das er mit der Oberprimareife verließ, nahm er von 1915 bis 1918 als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Während eines Lazarettaufenthaltes bereitete er sich auf das Abitur vor, das er 1917 am Vitzthumschen Gymnasium in Dresden ablegte. 1919 wurde er als Leutnant aus der Reichswehr entlassen.

Kessel absolvierte eine landwirtschaftliche Ausbildung im elterlichen Betrieb sowie auf den Lehrstellen der Domäne Neustadt/Harz und in Nieder-Töschwitz im Landkreis Steinau. Nach dem Tod seines Vaters 1921 übernahm er das familieneigene Gut in Ober-Glauche. Darüber hinaus oblag ihm die Pachtleitung von zwei weiteren Gütern. Während des Zweiten Weltkrieges hatte er eine Tätigkeit als landwirtschaftlicher Sachverständiger bei der Siedlungsgesellschaft Reichsland im okkupierten Landkreis Gostyn und im übergeordneten Reichsgau Wartheland inne, aus dem die polnische Bevölkerung vertrieben wurde.

Nach dem Kriegsende übersiedelte Kessel seinerseits als Heimatvertriebener nach Westdeutschland und ließ sich in Goslar nieder. Beruflich war er als Sachverständiger bei der Landwirtschaftskammer in Hannover sowie beim Finanzamt in Goslar tätig.

Partei Während der Zeit der Weimarer Republik schloss Kessel sich der DNVP an. 1922 wurde er Vorsitzender der Partei im Landkreis Trebnitz. Von 1926 bis 1933 war er Kreisgruppenführer des Stahlhelms.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte Kessel 1950 zu den Gründern des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) in Niedersachsen, der sich später in Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) umbenannte. Als niedersächsischer Landesvorsitzender lehnte er die Regierungskoalition mit der CDU auf Bundesebene ab und gehörte damit zu den Kritikern des Bundesparteivorsitzenden Waldemar Kraft. Nachdem Theodor Oberländer im Mai 1954 Kraft als Bundesparteivorsitzenden abgelöst hatte, wurde Kessel stellvertretender Bundesvorsitzer der Partei.

Im Juli 1955 verließ die „K.O.-Gruppe“ um die beiden Bundesminister Kraft und Oberländer den GB/BHE. Daraufhin übernahm Kessel zunächst den kommissarischen Parteivorsitz, bevor er im Oktober 1955 schließlich zum Bundesvorsitzenden des GB/BHE gewählt wurde. Aufgrund der Wahlniederlage des GB/BHE bei der Bundestagswahl 1957 und dem Ausscheiden der Partei aus Deutschen Bundestag stellte er im Juni 1958 den Bundesparteivorsitz zur Verfügung und wurde in dieser Funktion von Frank Seiboth abgelöst. Anfang 1960 verließ er schließlich den GB/BHE.

Abgeordneter Kessel war von 1951 bis 1959 Mitglied des Niedersächsischen Landtages.

Öffentliche Ämter Nach der Bildung einer Koalition aus SPD, GB/BHE und Zentrum wurde Kessel am 13. Juni 1951 als niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in die von Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf geführte Landesregierung berufen. Gleichzeitig übernahm er das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten. Nach der Bildung einer Koalition der bürgerlichen Parteien aus DP, CDU, FDP und GB/BHE musste er am 26. Mai 1955 das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten an August Wegmann abtreten, blieb aber Landwirtschaftsminister in der von Ministerpräsident Heinrich Hellwege geleiteten Landesregierung. Aufgrund der Bildung einer Koalition aus DP, CDU und SPD schied er am 19. November 1957 aus der Regierung aus und wurde in seinem Ministeramt von Kurt Rißling abgelöst.

Ehrungen Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland

Werke Die Landwirtschaft in Österreich. AID, Land- u. Hauswirtschaftl. Auswertungs- u. Informationsdienst e. V. (1964) Die Landwirtschaft in der Schweiz. AID, Land- u. Hauswirtschaftl. Auswertungs- u. Informationsdienst e. V. (1964)

Literatur Franz Neumann: Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten 1950–1960. Ein Beitrag zur Geschichte und Struktur einer politischen Interessenpartei. (= Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft. 5). Verlag Anton Hain, Meisenheim am Glan 1968, S. 429.

Siehe auch Kabinett Kopf IV Kabinett Hellwege I

Weblinks

Biographie beim Niedersächsischen Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Kategorie:Landtagsabgeordneter (Niedersachsen) Kategorie:Stellvertretender Ministerpräsident (Deutschland) Kategorie:Landwirtschaftsminister (Niedersachsen) Kategorie:Parteivorsitzender (Niedersachsen) Kategorie:Bundesparteivorsitzender (Deutschland) Kategorie:DNVP-Mitglied Kategorie:Mitglied im Stahlhelm Kategorie:GB/BHE-Mitglied Kategorie:Landwirt (Deutschland) Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband Kategorie:Person (Sachverständigenwesen) Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Leutnant (Reichswehr) Friedrich Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1896 Kategorie:Gestorben 1975 Kategorie:Mann