President Lex ist eine Storyline, die von Herbst 2000 bis Herbst 2003 in einer größeren Anzahl von Comicpublikationen des US-amerikanischen Verlages DC Comics über den fiktiven Superhelden Superman veröffentlicht wurde. Sie schildert, wie es Supermans Erzfeind, dem korrupten und narzisstischen Milliardär Lex Luthor, gelingt, zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt zu werden und wie er das Land anschließend regiert.

Die „President Lex“-Storyline hat, zeitversetzt, seit 2016 größere Beachtung in verschiedenen Medien gefunden, da sie nach Wahrnehmung verschiedener Beobachter eine große Zahl von „erstaunlichen“ Parallelen zu den knapp fünfzehn Jahre später, im Jahr 2016, in der realen Welt stattfindenden Geschehnissen um die Kandidatur und Wahl des New Yorker Unternehmers Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und seiner Amtsführung aufweist.

Hintergrund mini|Superman und der „klassische“ Lex Luthor treffen im Kampf aufeinander. Fassade einer thematisch an Luthor angelehnten Achterbahn in einem „Six Flags“-Freizeitpark. Die Figur des Lex Luthor wurde in dem Comicheft Action Comics Nr. 23 im April 1940 in die Geschichten über den Superhelden Superman eingeführt, in denen Luthor seither kontinuierlich die Rolle des Erzfeindes des Protagonisten einnimmt. Zementiert wurde die Wahrnehmung einer breiteren Öffentlichkeit von Luthor als dem ewigen Widersacher des Helden durch verschiedene Cartoonserien für Kinder aus den 1960er und 1970er Jahren sowie durch die erfolgreichen Superman-Kinofilme der späten 1970er und frühen 1980er Jahre, in denen die Figur jeweils als Supermans wichtigster Gegenspieler in Erscheinung tritt.

In seiner ursprünglichen Version, die von 1940 bis 1986 in den Superman-Comics verwendet wurde, war Luthor ein stereotyper „verrückter Wissenschaftler“, der seinen genialen Verstand immer wieder zur Entwicklung von – meist von der Ästhetik des „Space Age“ der 50er Jahre inspirierten – futuristischen Erfindungen benutzt, wie etwa riesigen Robotern, Rakentenrucksäcken oder Laserkanonen, mit denen er Superman zu besiegen versucht. Das weithin bekannt gewordene Erkennungsmerkmal der Figur ist sein komplett kahler Schädel ("Glatzkopf").

In der ursprünglichen Version des Superman-Stoffes war Luthors Motiv, Superman zu hassen und zu bekämpfen, dass er Superman für den Verlust seines Haares verantwortlich macht: Wie in einer Geschichte aus dem Jahr 1960 enthüllt wurde, unterstützte der junge Lex Luthor zunächst Superman bei seinem Kampf für das Gute, indem er versuchte, ein Mittel gegen Supermans einzige Schwäche – das außerirdischen Gestein Kryptonit, das eine für Superman tödliche Strahlung abgibt – zu entwickeln. Das Experiment schlug jedoch fehl: Die Chemikalien, mit denen er experimentierte, setzten giftige Dämpfe frei, die sein Labor Feuer fangen ließen und sich negativ auf seine Physiologie auswirkten. Nachdem Superman Luthor aus seinem brennenden Labor rettete, fielen diesem aufgrund der Auswirkungen der Chemikalien sämtliche Haare aus, woraufhin Luthor ihm in einem Anfall von Verblendung die Schuld für das von ihm selbst verursachte Missgeschick gab und ihm ewige Rache schwor.

Als DC Comics Mitte der 1980er Jahre eine Generalüberholung und Modernisierung der Superman-Mythologie vorbereitete, entschieden die mit Überarbeitung des Stoffes betrauten Redakteure und Autoren, dass die – nach wie vor stark vom Zeitgeist der 1950er Jahre geprägte – Figur des Lex Luthor punktuell in der Gegenwart der 1980er Jahre sehr unzeitgemäß und sogar naiv wirken würde. Der Autor Marv Wolfman setzte seinen Kollegen in diesem Zusammenhang den Gedanken auseinander, dass eine typische "Lex Luthor"-Geschichte etwa in der Weise ablaufen würde, dass Luthor zu Beginn der Geschichte aus dem Gefängnis ausbricht, um dann eines seiner Geheimverstecke aufzusuchen und einen gigantischen Roboter oder eine andere Wunderwaffe, die er dort aufbewahrt, zu aktivieren, um mit dieser eine Bank auszurauben und sich bei dieser Gelegenheit wieder mal mit Superman im Kampf zu messen. Er, Wolfman, würde sich aber bei der Betrachtung dieses Szenarios fragen, warum Luthor, wenn er genug Geld hätte, um Geheimverstecke zu unterhalten und Riesenroboter und dergleichen zu bauen, es überhaupt nötig habe, recht triviale Verbrechen, wie das Ausrauben von Banken, zu begehen. Und weiter, warum ein so genialer Mann wie Luthor seine Untaten in aller Öffentlichkeit begehe, so dass er direkt überführt sei und nach seinen Niederlagen gegen Superman fast immer prompt wieder ins Gefängnis wandern würde.

Da die Luthor-Figur in der zynisch-abgeklärten Gegenwart der 1980er Jahre hinsichtlich Motivation, Auftreten und Methoden veraltet wirkte, entwickelten Wolfman und andere Autoren 1984/195 eine ihrer Ansicht nach zeitgemäßere Interpretation: Anstatt als verrückter Wissenschaftler, der Superman in direkten Konfrontationen mit Kampfrüstungen und dergleichen angeht, erfanden sie ihn neu als einen mächtigen Milliardär und Unternehmer, der hinter einer ehrbaren Fassade dunklen Geschäften nachgeht und der heimliche Herrscher von Supermans Heimatstadt Metropolis ist.

Dieser neue Lex Luthor wurde beim Neustart der Superman-Comics dann im Jahr 1986 eingeführt, im vierten Heft der Mini-Serie Man of Steel, die den modernisierten Superman und seine Lebenswelt vorstellte. Schöpfer der modernen Version von Luthor waren insbesondere Wolfman sowie John Byrne, der die Man of Steel-Miniserie als Autor und Zeichner gestaltete und der anschließend die neue Superman-Serie knapp zwei Jahre lang (bis 1988) betreute.

Die Hauptvorbilder für den "modernen" Luthor waren Donald Trump und Ted Turner als zwei von der Öffentlichkeit besonders stark beachteten Businesstitanen des Amerikas der Gegenwart der 1980er Jahre, in der der moderne Luthor entwickelt wurde, sowie der wegen seiner Exzentrität legendär gewordene Unternehmer Howard Hughes. Elemente der Figur, die dem Vorbild der Realweltsgestalt Trump nachempfunden wurden, sind das gewaltige Ego und der äußerst stark entwickelte Geltungsdrang des modernen Luthor: Ähnlich Trump mit seinem 1983 eröffneten Trump Tower haust der moderne Luthor in einem eponymen Wolkenkratzer, dem L-förmigen Lexcorpt Tower, von dem aus er seine Intrigen gegen Superman dirigiert. Wie der reale Trump hat der moderne Luthor die Gewohnheit, alle seine Firmen, alle seine Besitztümer und alle seine Produkte mit seinem Namen zu schmücken (so trägt die von ihm betriebene Supermarktkette den Namen LexMart, während ein von ihm entwickelter Jet LexWing heißt, vertreibt die ihm gehörende Fastfood-Kette Produkte wie Lexburger und LexFries und prangt auf seiner privaten Yacht groß der Buchstabe „L“). Und als DC Comics 1989 die fiktive Lebensgeschichte des neuen Luthors im Detail in der Sonderausgabe Lex Luthor: The Unauthorized Biography erzählte wurde diese mit einem Titelbild geschmückt, bei dem es sich um eine persiflierende Nachahmung von Trumps Erfolgsbuch Art of the Deal von 1987 handelt. Triebfeder für den Hass auf Superman in der neuen Version ist, Luthor, der mit einem gigantischen Ego ausgestattet ist, es nicht verwinden kann, durch die Ankunft und das heldenhafte Tätigwerden des mit sagenhaften Kräften ausgestatteten Superhelden in seiner Wirkungsstätte, der futuristischen Riesenstadt Metropolis, seinen Platz als der mächtigste, wichtigste und am meisten bewunderte Mann der Stadt, der er zuvor war, an Superman verloren zu haben und nur noch den zweiten Platz zu belegen. Steve Shives charakterisierte den modernen Luthor als: „Ein amoralischer, korrupter, krimineller Geschäftsmann, der von innerem Groll, fressender Eifersucht und ungehemmten Gelüsten nach Macht und Anerkennung erfüllt ist.“ („an amoral, corrupt, criminal businessman, motivated by grievance, jealousy and unchecked lusts for power and respect“)

Von 1987 bis 2000 machte der „neue“ Luthor Superman dann in zahllosen Geschichten, die der DC-Verlag während dieser Jahre veröffentlichte, das Leben schwer. Das Leitmotiv der Feindschaft beider Männer in den Geschichten dieser Ära ist es, dass es Superman stets am Ende nicht gelingt, Luthor die Verantwortung für die neueste von ihm begangene Schurkerei nachzuweisen, weil dieser seine Fäden stets raffiniert aus dem Hintergrund zieht, so dass er äußerlich mit seinen Machinationen nicht in Verbindung gebracht werden kann. Daher wissen in der Welt der Superman-Geschichten dieser Jahre nur Luthor selbst und Superman sowie wenige Eingeweihte, was Luthor tatsächlich auf dem Kerbholz hat, während die Öffentlichkeit ihn größtenteils bewundernd als einen ehrbaren genialen Geschäftsmann und Philanthropen ansieht.

Nachdem die Verkaufszahlen der vier Superman-Serien, die DC Comics damals monatlich veröffentlichte, 1999/2000 etwas schwächelten, entschied die für die Superman-Comics verantwortliche Abteilung des Verlages sich, dass es an der Zeit sei, wieder einmal eine umfangreiche „Event“-Story über die Superman-Figur zu veröffentlichen, die sich durch eine Vielzahl von Einzelpublikationen ziehen würde und spannende, dramatische Ereignisse um die Titelfigur schildern würde, um so viele neue Leser anzuziehen, um so die Verkaufszahlen zu steigern. Diese Strategie war Teil eines Trend, der sich in den 1990er Jahren in der amerikanischen Comicindustrie herausgebildet hatte, der darin bestand, kommerziell schwächelnde „properties“ zu revitalisieren, indem man in den Comics über die betreffende Figur große „Event“-Storylines erzählte, in denen den Protagonisten der betreffenden Reihe dramatische – ihre ganze Welt erschütternde und grundlegend verändernde – Dinge widerfahren, um so das Interesse der Öffentlichkeit an der jeweils betroffenen Figur zu erneuern und den Serien, die von den Abenteuern der jeweils betreffenden Figur, so eine größere Zahl neuer Leser zuzuführen. Die Superman-Comics hatten beispielsweise ihre Verkaufszahlen im Jahr 1993 dramatisch gesteigert, indem sie eine sich fast über ein Jahr hinziehende Aufeinanderfolge von Geschichten erzählten, in denen Superman erst von einem außerirdischen Monster getötet wird, dann in „einer Welt ohne Superman“ zu Grabe getragen und betrauert wird, und schließlich nach längerer Abwesenheit von den Toten wieder aufzuerstehen, um seinen Platz als Beschützer seiner Heimatstadt wieder einzunehmen, nachdem vier andere „Supermänner“ zeitweise an seinen Platz getreten sind. Und die Serien über den nächtlichen Verbrecherjäger Batman hatten 1998/1999 einen gewaltigen Zuwachs ihrer Verkaufszahlen zu verzeichnen, indem sie erst eine Story veröffentlichten, in der die Heimat von Batman, Gotham City, von einem Erdbeben völlig zerstört und dann von der US-Regierung von den Vereinigten Staaten abgetrennt und zu einem Niemandsland erklärt wird, um anschließend ein Jahr lang Geschichten zu erzählen, wie verschiedene von Batmans extravaganten Widersachern, wie dem Joker oder Two-Face, angeführte Banden sich in der postapokalyptischen Szenerie der staatenlosen Ruinenstadt, zu der Batmans Heimat geworden ist, bekriegen.