Christoph Richter (* 1624 in Reichenberg, Böhmen; † 1692 in Zittau) war ein Arzt und Chemiker.

Leben Christoph Richter wurde 1624 im böhmischen Reichenberg geboren, das sich nahe der in der Oberlausitz gelegenen Stadt Zittau befindet. Richters Studienverlauf an der Universität Leipzig lässt sich aufgrund mehrerer namensgleicher Einschreibungen nicht eindeutig nachvollziehen. 1652 zog er nach Zittau, wo er sowohl umfangreiche chemische Versuche durchführte als auch als Arzt tätig war.Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 233; Zur Immatrikulation siehe auch Georg Erler (Hrsg.): Die Immatrikulationen vom Wintersemester 1634 bis zum Sommersemester 1709. Leipzig 1909, S. 357 (Digitalisat).

Richter war Leibarzt der Kurfürstin Magdalena Sibylle. Da es jedoch zeitgleich zwei Frauen dieses Namens gab, Magdalena Sibylle von Preußen und Magdalena Sibylle von Brandenburg-Bayreuth, ist unklar, welche genau gemeint ist. Seine Leibarzttätigkeit ist wahrscheinlich auf die Witwenzeiten beschränkt, also 1656 bis 1659 bzw. 1680 bis 1687. Richter starb 1692 in Zittau an der Pest.Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 234.

Kontroversen Promotion (1665–1667) Am 27. November 1665 zeigte Richter dem Zittauer Rat an, er sei von dem Comes palatinus Johann Rist zum Doktor „befördert und angesehen worden“, und bat um entsprechende Anerkennung seines neuen Titels von Stadtseite. Dagegen protestierten die in Zittau ansässigen Mediziner. Die Leipziger Fakultät, die um ein Gutachten gebeten wurde, erklärte am 27. Januar 1666 in einem ausführlichen Schreiben, Rist sei „zu weit gegangen“; Richter habe weder ordentliche Studien und Examina nachgewiesen noch das in einem kaiserlichen Erlass festgelegte erforderliche Beisitzen dreier Doktoren bei der Doktoratsprüfung erfüllt; zudem sei zu vermuten, dass Richter die Aufgaben, die Rist ihm als Prüfung zugesandt hatte, nicht selbst gelöst habe. Kurfürst Johann Georg II. untersagte daraufhin am 1. Mai 1666 die Führung des Titels, sofern das von diesem vorgelegte Diplom den überlieferten Kopien entspreche. Nach Intervention von Richter ließ Kaiser Leopold I. am 21. März 1667 ein anderweitiges Doktordiplom für Richter ausfertigen; die Leipziger Fakultät blieb jedoch in einer erneuten Stellungnahme am 9. November 1667 bei ihrer Ablehnung von Richters Doktorgrad. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Rist zu rechtfertigen versucht, indem er ein deutschsprachiges Büchlein zu der Auseinandersetzung veröffentlichte, war aber kurz darauf verstorben.Johann Christian Wolff: Der entdeckte Falsarius und Plagiarius. Selbstverlag, Dresden 1732, S. 284–303 (Digitalisat); Heinrich Rudolph von Kyaw: Familien-Chronik des adelichen und freiherrlichen Geschlechtes von Kyaw. B. G. Teubner, Leipzig 1870, S. 120 f. (Digitalisat). Der Landeshistoriker Georg Christoph Kreyßig verweist 1756 auf die ungewöhnliche Promotion, nennt Richter aber gleichzeitig einen „berühmten Empiricus“.Georg Christoph Kreyßig: Beyträge zur Historie derer Chur- und Fürstlichen Sächsischen Lande. Band 3. Richter, Altenburg 1756, S. 161 (Digitalisat).

Konflikt 1683 1683 griffen die Stettiner Ärzte Johann Zander, Johann Georg Liebe, Daniel Gottfried Klug und Johann Gerdes die Familie Richter mit der Schmähschrift Larva arcanorum Richteri delecta („die ausgewählte Maske der Geheimnisse des Richters“) an. Man „entlarve“ Richters geheime chymische Arzeneien (Arcanen) und stelle deren Zulässigkeit und Seriosität sowie neben dem Vater auch die Söhne Johann und Gottfried (in Stettin tätig) öffentlich in Frage.Johann Zander, Johann Georg Liebe, Daniel Gottfried Klug, Johann Gerdes: Larva arcanorum Richteri delecta. Wittenberg 1683 (Digitalisat).

Die in Zittau gedruckte Apologia contra larvam impiam et calumniosissimam („Verteidigungsschrift gegen eine gottlose und höchst verleumderische Verstellung“) des Sohnes Johann hält dagegen und beinhaltet, neben der Verteidigung, einen beigefügten Bericht „von einigen meines Vaters Medicamenten“.Johann Richter: Apologia contra larvam impiam et calumniosissimam. Hübner, Zittau 1683 (Digitalisat). Auch Sohn Gottfried antwortete noch im selben Jahr mit der kurzen Polemik Larva Richtero dempta („dem Richter ist die Maske abgenommen“).Gottfried Richter: Larva Richtero dempta. Stettin 1683 (Digitalisat).

Familie Christoph Richter war mit Helena († 1693), geborene Reiterin, verheiratetBeschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Heft 30: Zittau. C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1907, S. 44 f. (Digitalisat). und begründete die medizinische Tradition der Familie, fünf seiner Söhne wurden ebenfalls Ärzte.Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 234–236.

Christoph Richters vermutlich ältester Sohn, ebenfalls Christoph, geboren 1648 in Zittau, immatrikulierte sich 1668 in Jena. Nach einem dreijährigen Studium reiste er durch Italien, Belgien und England und erwarb 1671 in Jena den akademischen Grad eines Lizentiaten. Er praktizierte später als Arzt zunächst in Zittau, dann nahe Frankfurt an der Oder. Dort verstarb ein Christoph Richter im Jahr 1711; ein anderer Christoph Richter immatrikulierte sich 1714 an der dortigen Universität. Auch wenn die Details unsicher sind, ist anzunehmen, dass der 1648 geborene Namensträger derjenige war, der 1711 verstarb, und dass es sich um den 1714 immatrikulierten Namensträger um dessen Sohn handelt.Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 234–235; daneben siehe Johann Benedict Carpzov III.: Analecta fastorum Zittaviensium, oder historischer Schauplatz der löblichen alten Sechs-Stadt des Marggraffthums Ober-Lausitz Zittau. Schöps, Zittau 1716, Teil 3, S. 134 (Digitalisat).

David Richter, geboren 1650 in Zittau, folgte seinem Bruder Christoph 1670 an die Universität Jena. Seine Disputation „De hydrope Tympanite“ fand 1672 statt, und seine Promotion erfolgte 1674 in Italien (Pavia oder Padua), wo er als Arzt tätig war. Er verstarb 1707 auf seinem Gut Körbigsdorf (bei Löbau, Oberlausitz).Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 235.

Über Johann Richter, geboren 1652 in Zittau, ist bekannt, dass er ab 1667 in Leipzig und ab 1672 in Königsberg studierte und später durch Schweden, England und die Niederlande reiste, bevor er Lübeck, Zittau und dann vermutlich in Guben arbeitete. 1699 wurde er zum Doktor promoviert. Er erwarb ein Gut in Körbigsdorf, das später seinem Sohn David gehörte. Da die chemischen Forschungen seines Vaters in Stettin auf erheblichen Widerstand stießen, trat Johann 1683 öffentlich gegen die Angriffe verschiedener Personen auf, die sich sowohl gegen seinen Vater als auch gegen seinen Bruder Gottfried in Stettin und gegen ihn selbst richteten.Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 234–235. Zur Promotion siehe Johann Benedict Carpzov III.: Analecta fastorum Zittaviensium, oder historischer Schauplatz der löblichen alten Sechs-Stadt des Marggraffthums Ober-Lausitz Zittau. Schöps, Zittau 1716, Teil 3, S. 134 (Digitalisat).

Gottfried Richter, geboren 1654, immatrikulierte sich 1678 in Jena und wurde ebenfalls 1678 in Utrecht promoviert. Er arbeitete später als Arzt in Stettin und starb dort 1712.Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 236. Das Todesjahr gemäß Johann Benedict Carpzov III.: Analecta fastorum Zittaviensium, oder historischer Schauplatz der löblichen alten Sechs-Stadt des Marggraffthums Ober-Lausitz Zittau. Schöps, Zittau 1716, Teil 3, S. 134 (Digitalisat).

Christian Richter, geboren 1656, disputierte im April 1678 in Leipzig bei Augustus Quirinus Rivinus über „De sanguificatione“ und wurde in Erfurt promoviert. Er erhielt den Titel eines kaiserlichen Bergrats, was darauf hindeutet, dass er sich auf Geologie spezialisiert hatte.Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 236.

Sein jüngster Sohn, Paul Christoph Richter, geboren 1677, wurde im August 1702 in Halle an der Saale promoviert und war ab 1706 als Stiftsarzt im Kloster St. Marienthal tätig. Er verstarb 1711.Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 236; Johann Benedict Carpzov III.: Analecta fastorum Zittaviensium, oder historischer Schauplatz der löblichen alten Sechs-Stadt des Marggraffthums Ober-Lausitz Zittau. Schöps, Zittau 1716, Teil 3, S. 134 (Digitalisat).

Die Rekonstruktion der Biographien und Verwandtschaftsbeziehungen aus den verstreuten Nachrichten in den Quellen ist nicht ganz eindeutig, sodass bei Christian Adolph Pescheck nur fünf Söhne genannt werden,Christian Adolph Pescheck: Handbuch der Geschichte von Zittau. Teil 2, Schöpf, Zittau 1837, S. 803 (Digitalisat). während unter anderem Johann Benedict Carpzov III.,Johann Benedict Carpzov III.: Analecta fastorum Zittaviensium, oder historischer Schauplatz der löblichen alten Sechs-Stadt des Marggraffthums Ober-Lausitz Zittau. Schöps, Zittau 1716, Teil 3, S. 134 (Digitalisat). Gottlieb Friedrich Otto,Gottlieb Friedrich Otto: Lexikon der seit dem fünfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jetztlebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler. Supplementband. Zobel, Görlitz/Leipzig 1821, S. 356 (online). Oskar FriedrichOskar Friedrich: Album des Gymnasiums zu Zittau. Menzel, Zittau 1886, S. 33 (Digitalisat). und Andreas LesserAndreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 234–236 (mit explizitem Kommentar auf S. 236) und Stammbaum auf S. 237. Auf S. 234 schreibt Lesser dagegen von fünf Söhnen. von den oben aufgeführten sechs Söhnen ausgehen.

Literatur Johann Benedict Carpzov III.: Analecta fastorum Zittaviensium, oder historischer Schauplatz der löblichen alten Sechs-Stadt des Marggraffthums Ober-Lausitz Zittau. Schöps, Zittau 1716, Teil 3, S. 134 (Digitalisat). Gottlieb Friedrich Otto: Lexikon der seit dem fünfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jetztlebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler. Supplementband. Zobel, Görlitz/Leipzig 1821, S. 356 (Digitalisat). Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 233–237.

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